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Warum stellen kategoriale Wünsche den Grund zum Leben dar? Die Philosophie des Todes

©2019 Essay 6 Seiten

Zusammenfassung

Die Angst vor dem Tod. Ist sie gerechtfertigt? Diese Frage beschäftigt die Menschheit seit Jeher. Der Philosoph Bernard Williams ist in seinem philosophischen Beitrag: "The Makropulos Case: Reflections on the Tedium of Immorality" der Meinung, dass der Tod nicht immer ein Übel darstellt. Wenn man keine kategorialen Wünsche habe, stelle der Tod auch kein Übel dar. Es stellt sich also die Frage: Warum stellen kategoriale Wünsche den Grund zum Leben dar?

Dieser Frage werde ich nachgehen. Zuerst werde ich den Begriff „categorial desire“ näher erläutern. Anschließend werde ich Argumente für und gegen diese Annahme aufführen, durch welche ich meine eigene Meinung begründe. Abschließend fasse ich die genannten Argumente zusammen und gehe darauf ein, wie weitergedacht werden kann.

Leseprobe

Warum stellen kategoriale Wünsche den Grund zum Leben dar?

Die Angst vor dem Tod. Ist sie gerechtfertigt? Diese Frage beschäftigt die Menschheit seit Jeher. Der Philosoph Bernard Williams ist in seinem philosophischen Beitrag: „The Makropulos case: reflections on the tedium of immorality“ der Meinung, dass der Tod nicht immer ein Übel darstellt. Wenn man keine kategorialen Wünsche habe, stelle der Tod auch kein Übel dar. Es stellt sich also die Frage:

Warum stellen kategoriale Wünsche den Grund zum Leben dar?

Dieser Frage werde ich nachgehen. Zuerst werde ich den Begriff „categorial desire“ näher erläutern. Anschließend werde ich Argumente für und gegen diese Annahme aufführen, durch welche ich meine eigene Meinung begründe. Abschließend fasse ich die genannten Argumente zusammen und gehe darauf ein, wie weitergedacht werden kann.

„Categorial desires“ sind kategoriale Wünsche oder ein kategoriales Verlangen. Diese kategorialen Wünsche, sind Wünsche die einem einen Grund geben weiterzuleben und welche ausschließlich vom Tod frustriert werden können. Allein diese Wünsche würden einen in die Zukunft treiben und seien unabhängig vom Leben. Sie sind in einem gewissen Maße bedingungslos (Williams 1973: 86). Sie geben den Grund zum Leben, indem sie der Wunsch sind zu leben, während man die Wünsche erfüllt.

Meiner Meinung nach, gibt es eine Vielzahl verschiedener Argumente, die dafür sprechen weshalb kategoriale Wünsche der Grund zum Leben sind.

Zuerst sollte geklärt werden, was das kategoriale Mindestbedürfnis ist. Dieses ist so zu verstehen, dass die Wünsche so reduziert werden, dass sie für die eigene Existenz notwendig sind (Williams 1973: 86). Das absolute Mindestbedürfnis an kategorialen Wünschen kann also so verstanden werden, dass es der Wunsch ist am Leben zu bleiben. „Could it just be the desire to be alive?“ (Williams 1973: 86). Dagegen spricht jedoch der Einwand, dass kategoriale Wünsche den Wunsch einer Zukunft beinhalten müssen. Nicht nur allein der Drang am Leben zu bleiben ist von Bedeutung, sondern auch der Grund des Verlangens und die Erfüllung zukünftiger Wünsche spielen hierbei eine entscheidende Rolle:

The answer is perhaps ´no´… But if the question is asked, and it is going to be answered calculatively, then the bare categorial desire to stay alive will not sustain the calculation – that desire itself, when things have got that far, has to be sustained or filled out by some desire for something else, even if it is only, at the margin, the desire that future desires of mine will be born and satisfied. But the best insight into the effect of categorial desires is not gained at the impoverished end of things, and hence in situations where the question has actually come up (Williams 1973: 86,87)

Das kategorische Mindestbedürfnis beschreibt also Wünsche, welche einen in die Zukunft treiben und bedingungslos sind. Wenn man etwas wünscht, dann zieht man eine Situation vor, in der dieser in Erfüllung geht, als einer Situation, in welcher er nicht in Erfüllung gehen würde. Man schafft sich also in gewisser Weise einen Zukunftsplan (Williams 1973: 85). Man vermeidet Dinge, die den eigenen Entscheidungen schaden könnten.

Ich sehe die sogenannten „categorial desires“ als etwas wie Ziele, die man im Leben hat. Diese Ziele geben dem Leben dann einen Sinn. Sie geben einem die Richtung vor wie man leben soll und machen die Realität bedeutungsvoll. Hierfür kann man eine beispielhafte Szene aus dem Märchen „Alice im Wunderland“ anbringen. In dieser fragt die Grinsekatze Alice wo sie hin möchte. Alice antwortet dieser das es ihr egal sei. Daraufhin erwidert die Grinsekatze, dass wenn sie nicht weis wo sie hinmöchte, dass es dann auch egal ist wie es weiter geht. Dies macht deutlich, dass man bestimmte Wünsche beziehungsweise Ziele hat um sein Leben in gewisser Weise zu strukturieren. Woran merke ich überhaupt das ich gelebt habe? Durch die Erfüllung dieser Wünsche/ Ziele würde man es beispielsweise merken und sein Leben gleichzeitig bedeutungsvoll machen.

Durch die kategorischen Wünsche und die Zielsetzung trifft man im Leben bestimmte Entscheidungen um diese zu erreichen. Sie sind in gewisser Weise die Basis unserer Entscheidungen, durch welche man die Realität verändert. Man kann P nur dann erreichen, wenn man P will und sich dafür entscheidet es anzustreben.

Hätte man also keine kategorischen Wünsche, würde man vor sich hinleben, ohne dass das Leben eine besondere Bedeutung hätte. Hat man keine Wünsche, dann ist es einem auch nicht von Bedeutung, ob man nun am Leben ist oder stirbt.

Wie man sieht kommen den kategorischen Wünschen drei Hauptrollen zu. Zuerst die psychologische Rolle. Diese beschreibt, dass wenn Jemand lieber lebt als stirbt dies durch die „categorial desires“ erklärt wird. Die zweite Rolle ist eine normative. Sie beschreibt, dass die „categorial desires“ der Anlass sind zu leben. Die letzte Rolle ist eine axiologische. Wenn Jemand stirbt, kann der Tod für ihn/sie nur dann schlecht sein, wenn er/sie kategoriale Wünsche hatte (Bradley, McDaniel: 2).

Unter Annahme der Richtigkeit dieser Argumente, ist der Tod für den Lebenden ohne kategorische Wünsche also niemals schlecht. Man hat beispielsweise keine kategorischen Wünsche mehr, wenn man alles erreicht hat, was man erreichen wollte und zufrieden auf sein Leben zurückschauen kann.

Der Tod ist also immer dann ein Übel, wenn die Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Auch dann wenn wir nicht erleben, dass diese nicht in Erfüllung gehen, weil wir beispielsweise tot sind.

Die Argumente weshalb kategorische Wünsche also den Grund zum Leben darstellen, lassen sich wie gefolgt zusammenfassen:

Kategorische Wünsche lassen sich in gewisser Weise als Ziele verstehen, die ein Mensch in seinem Leben verfolgt. Durch diese Ziele bildet er sich also eine Zukunft für deren Erreichung er bestimmte Entscheidungen trifft, die seine Realität verändern. Diese Ziele und auch diese Entscheidungen machen das Leben bedeutungsvoll. Sie beschreiben woran man merkt, dass man gelebt hat. Wenn man also das Verlangen nach allen seinen kategorischen Wünschen gestillt hat und alle seine Ziele erreicht hat, stellt der Tod für einen selbst kein Übel mehr da. Man hat also keinen Grund mehr weiterhin am Leben zu sein.

Ich schließe mich Williams Meinung dahingehend an, dass „categorial desires“ ein Grund zum Leben sind. Außerdem schließe ich mich ihm in der Annahme an, dass der Tod für einen selbst kein Übel darstellt, wenn man keinen kategorischen Wünsche mehr hat. Allerdings denke ich das die „categorial desires“ nicht der alleinige Grund des Lebens sind, sondern auch andere Gründe hinzukommen.

Interessant ist auch, wie weitergedacht werden kann, wenn man allen Annahmen Williams zustimmt. Lässt sich der Grund des Lebens durch „categorial desires“ auf Jeden anwenden? Haben Neugeborene und Tiere auch kategoriale Wünsche oder ist ihr Tod für sie selber nicht schlecht? Ist die Tötung von Lebewesen ohne kategoriale Wünsche dadurch moralisch vertretbar? Lassen sich mit Hilfe dieses Argumentes Abtreibung und Fleisch essen rechtfertigen? Eine andere Frage die man sich stellen kann ist diese, ob man unendlich viele kategoriale Wünsche habe und ein unsterbliches Leben dadurch anzustreben sei.

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Details

Seiten
6
Jahr
2019
ISBN (PDF)
9783346710604
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Erscheinungsdatum
2022 (September)
Note
1,0
Schlagworte
Philosophie Tod kategoriale Wünsche
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