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Stress und Stressverarbeitung im Lehrerberuf

Analyse im Hinblick auf Stress und Stressverarbeitung einer Lehrperson

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Gliederung

2. Lehrerinterview

3. Belastungen im Lehrerberuf

4. Was ist Stress?

5. Transaktionales Stressmodell

6. AVEM (Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster)

7. Burnout-Syndrom

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Der Lehrerberuf wird in unserer Gesellschaft mit viel Freizeit und wenig Arbeit verbunden. Die Lehrer selbst vertreten jedoch eine andere Meinung und viele klagen über zuviel Arbeit, Stress und über das Burnout-Syndrom. Blickt man auf Statistiken, so wird ersichtlich, dass unter allen Berufen im Lehrerberuf, am häufigsten auf psychologische Behandlungen in Anspruch genommen werden.[1]

In dieser Arbeit wird anhand eines durchgeführten Lehrerinterviews zum Thema Stress und Stressverarbeitung im Schulunterricht analysiert, wie die interviewte Lehrperson Stress­situationen handhabt und bewältigt, um abschließend die Fragen: Wie bewältigt der Lehrer Stresssituationen? Welchem Arbeits- bzw. Stresstyp entspricht der Lehrer? Ist der Lehrer vom Burnout-Syndrom betroffen? zu beantworten.

1.2 Gliederung

Die Arbeit leitet mit dem durchgeführtem Lehrerinterview zum Thema Stress und Stressver­arbeitung ein und wird mit einer kurzen Vorstellung der Belastungen, die im Lehrerberuf vorzufinden sind, fortgesetzt. Im Anschluss folgt eine bündige Erklärung von Stress und es wird mit einer präzisen Erläuterung des transaktionalen Stressmodells von Lazarus ange­knüpft. Anschließend wird das AVEM (Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster) beschrieben und darauf die Thematik Burnout-Syndrom aufgegriffen, um im Fazit das Lehrerinterview in Hinblick der Fragestellungen zu analysieren.

Im Anhang befindet sich die Ausarbeitung des Tandems, das für das Seminar „Stress und Stressverarbeitung in schulischem Kontext“ gebildet wurde.

2. Lehrerinterview

Der Lehrer ist 36 Jahre alt und unterrichtet seit zehn Jahren an einer nordrheinwestfälischen Realschule die Fächer Geschichte und Deutsch. Seine eigene Schulklasse befindet sich in der sechsten Jahrgangsstufe und besteht aus 26 Schülern, die sich aus 14 Mädchen und 12 Jungen zusammensetzt. In dieser Klasse entstehen laut dem Lehrer in wöchentlichen Abständen Stresssituationen, die immer dem gleichen Muster entsprechen. Jeden Mittwochmorgen in der ersten Stunde stören vier überdrehte Jungen den Unterricht durch lautes Geschrei und Toben auf Tisch und Stühlen, was den Beginn und die Ausführung des Unterrichts hindert. Trotz mehrmaliger Ermahnungen springen die Schüler laut schreiend im Klassenraum herum. Vor dieser Situation ist in der Regel kein Stress vorhanden, allerdings entwickelt der Lehrer bei Beginn dieser Unterrichtsstunde ein hohes Maß an Aufregung, da er einen hohen Anspruch an sich selbst stellt.

Die Lehrperson löst das vorhandene Problem innerhalb der Klasse, indem sie die Schüler aus­einandersetzt und mit einem Klassenbucheintrag droht. Des Weiteren erklärt er den Schülern, dass bei einer dritten Ermahnung der Verweis aus dem Unterricht folgt. Nachdem die Situation in ca. 15 Minuten geschlichtet wurde, folgt nach dem Unterricht ein Einzelgespräch mit den Störenfrieden, in dem das Problem noch einmal mit dem Schüler thematisiert wird.

Der durch diese Situation zustande gekommene Stress setzt sich laut dem Lehrer aus mehreren Aspekten zusammen. Sein größtes Problem ist die Angst, dass er den Lehrplan und sein entworfenes Unterrichtskonzept nicht einhalten kann. Außerdem wird er von einem „mulmigen Gefühl“ verfolgt, da er der Meinung ist, dass den lernwilligen Kindern in seiner Klasse zu wenig Zeit gewidmet wird, da seine volle Aufmerksamkeit nur auf die tobenden Kinder fokussiert wird.

Der Lehrer beschreibt sich als Selbstsicher und sieht das undisziplinierte Verhalten der Schüler nicht als Angriff auf seine Persönlichkeit an. Er nimmt die oben geschilderte Situation als Routine war und nimmt gibt sich oft gelassen. Allerdings betont er ausdrücklich, dass dies von seiner persönlichen Tagesform abhängig ist und er andererseits an gewissen Tagen große Probleme hat, eine derartige Situation zu verarbeiten. An diesen Tagen hält der Stress nicht nur in der Unterrichtsstunde selbst an, sondern es kommt zu gewaltigen Stress­ausbreitungen, die sich im ganzen Tagesablauf widerspiegeln.

Diese stressigen Tage wirken sich auf seine Gesundheit, die er selbst als durchschnittlich bezeichnet, aus. So kommt es bei ihm durch den Stress oft zu Kopfschmerzen und Verspan­nungen der Körpermuskulatur. Außerdem kann er seine Gedanken nicht vom Klassenzimmer lösen und sieht die Stresssituation als Teufelskreis an, da sie nicht nur von ihm, sondern auch von den Schülern selbst abhängig ist.

Die Stressbewältigung des Lehrers ist sehr facettenreich und besteht aus sozialer Unter­stützung, intensiver Auseinandersetzung mit sich selbst, Medikamenten und diversen Freizeitbeschäftigungen. Den Großteil des Stresses bewältigt er durch intensive Gespräche mit seiner Partnerin und seinem Kollegium. Diese nutzt er vor allem um einen Zuhörer zu haben und sich Tipps und Anregungen für eine Konfliktlösung einzuholen. Der Lehrer reflektiert außerdem seine Taten und die Stresssituation selbst und analysiert diese halbjähr­lich mit einem Psychologen. Neben der psychologischen Behandlung nimmt er seit fünf Jahren Psychopharmaka ein, welches auch auf die Umstände seines Berufslebens zurückzu­führen ist.

Des Weiteren versucht er seine Freizeit abwechselungsreich zu gestalten und kompensiert den Stress durch Saunagänge, Fitness, viel Schlaf, Fußballstadionbesuche und ruhige erholsame Abende vor der Spielkonsole oder dem Fernseher.

3. Belastungen im Lehrerberuf

Die Belastungen im Lehrerberuf lassen sich in zwei Bereiche gliedern. Erstens gibt es die objektiven Belastungen, die sich aus allen Arbeitsanforderungen zusammensetzen. Zweitens gibt es die psychische Belastung, die das Ergebnis der kognitiven Auseinandersetzung mit den Arbeitsanforderungen darstellt, wobei zu beachten ist, dass die Selbstbelastung einen großen Stellenwert einnimmt. Die Belastung im Lehrerberuf setzt beruht nicht nur, aus einer psychischen Belastung, sondern es ist ein Zusammenspiel von diversen Anforderungen. Somit gibt es Belastungsfaktoren, die eine unterschiedliche Intensität und Dauer vorweisen.[2]

Nach den Untersuchungen von Prof. Schaarschmidt sind die drei meist belasteten Faktoren das undisziplinierte Verhalten einiger Schüler, die Klassengröße und die hohe Zahl zu leistender Unterrichtsstunden. Vor allem die Klassen mit einer hohen Schüleranzahl, werden zum Problemfeld, wenn diese durch impertinente Schüler gestört werden.[3]

Hinzu kommen noch unzählige andere Belastungsfaktoren wie z.B. Verwaltungsarbeiten, Elternkonflikte, Unterrichtseinsatz in fremden Fächern, Erlasse und Verordnungen etc.[4]

[...]


[1] Vgl. Dauber, H. & Vollstädt, W. (2004). Psychosoziale Belastungen im Lehramt. Empirische Befunde zur Frühpensionierung hessischer Lehrer. In: Die Deutsche Schule 3, S. 359.

[2] Vgl. Rudow, B. (1994). Die Arbeit des Lehrers. Zur Psychologie der Lehrertätigkeit, Lehrerbelastung und Lehrergesundheit. Bern: Huber, S. 85f.

[3] Vgl. Dannhäuser, A. (2002). Lebensaufgabe Unterrichten und Erziehen: Der schwierige Weg zwischen Erfüllung und Überlastung. Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e. V. (BLLV), S. 6.

[4] Vgl. Rudow, B. (1994), S. 65.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640329618
ISBN (Buch)
9783640331451
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126821
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Schlagworte
Stress Lazarus AVEM Stressmodell Lehrer Lehrerberuf Burnout Burn-Out Stressmuster Analyse Transaktionales Stressmodell

Autor

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Titel: Stress und Stressverarbeitung im Lehrerberuf