Lade Inhalt...

Welche Bedeutung hat die Darstellung wagenfahrender Gottheiten auf den Denaren der Römischen Republik?

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Münzbild

III. Die Vorbilder der Darstellungen

IV. Victoria als Schlüsselmotiv

V. Die ganzheitlichen Deutungen

VI. Der typologische Aspekt

VII. Schluss

I. Einleitung

Ende des 3. Jahrhunderts v.Chr. wurde der Denar, eine weitere Silbermünze, in das römische Münzsystem eingeführt. Von Beginn an war auf dem Avers der Kopf der Roma mit Helm zu sehen. Dieses Bild wurde für eine lange Zeit beibehalten und unterlag lediglich stilistischen Änderungen. Auf dem Revers des Denars waren zu Beginn der Denarprägung die zwei reitenden Dioskuren dargestellt. Anfang des 2. Jahrhunderts v.Chr. erschienen daneben noch die wagenfahrenden Gottheiten auf den Aversen. Der Bildtypus der wagenfahrenden Gottheit war in Rom nichts völlig Neues; er wurde bereits in den Jahren zwischen 225 und 212 auf Didrachmen – den so genannten Quadrigati-Prägungen – dargestellt. Bei den Quadrigati-Prägungen erscheint Jupiter auf einer Pferdequadriga, die von Victoria gelenkt wird.

Ab dem Jahr 194 v.Chr. erscheint als erste wagenfahrende Gottheit Luna auf dem Revers eines Denars[1]. 157 v.Chr. wird zum ersten Mal Victoria in einer Biga dargestellt[2] und nach der Jahrhundertmitte taucht eine wahre Fülle an den unterschiedlichsten wagenfahrenden Gottheiten auf.[3]

Nicht nur die abgebildeten Gottheiten ändern sich, sondern auch die Zugtiere, neben Pferden werden nun Hirsche, Kentauren oder Ziegen verwendet.

137 v.Chr. werden dann neben den Dioskuren und den wagenfahrenden Gottheiten weitere Bildtypen auf den Denarreversen eingeführt; mit dieser Zeit endet auch die vorliegende Darstellung.

Diese Arbeit soll sich nun vor allem der Frage nach der Bedeutung dieser Darstellungen der wagenfahrenden Gottheiten widmen. Hierbei soll auf unterschiedliche Lösungsansätze eingegangen werden – Vorbilder für die Darstellungen, typologische Aspekte und schließlich die Bedeutung der wagenfahrenden Gottheiten.

II. Das Münzbild

Beim Münzbild haben wir innerhalb einer engen Grenze – Gottheit fahrend auf einem Wagen – verschiedene Variationen, die es zuerst herauszuarbeiten gilt.

Der Avers unterliegt den wenigsten Veränderungen. Er zeigt den behelmten Kopf der Stadtgöttin Roma im Profil nach rechts. Hinter dem Roma-Kopf erscheint das römische Zeichen X für die Zahl zehn. Dieses Avers-Bild wird auf allen folgenden Münzen mit nur minimalen Veränderungen beibehalten. Im Jahr 141 v.Chr. wird statt des X aufgrund des veränderten Umrechnungskurses die Zahl XVI geprägt und einige Jahre beibehalten[4]. Vereinzelt findet sich auch ein Teil der Signatur des Münzmeisters auf den Aversen.[5]

Ganz am Ende unseres Zeitabschnitts erhält der Avers eine Umrandung aus Lorbeerblättern[6] oder Roma blickt nach links anstatt nach rechts.[7]

Die Reversbilder gestalten sich vielfältiger. Der Revers zeigt zunächst Luna in einer Pferdebiga nach rechts[8]. Es gibt zwei verschiedene Biga-Typen, Typ a zeigt die Pferde mit angewinkelten Vorder- und Hinterbeinen, Typ b mit gestreckten Vorder- und Hinterbeinen. Auch die Darstellung der Luna passt sich dem Biga-Typus an. Bei Biga a steht sie aufrecht, bei Biga b nach vorne gebeugt.[9]

Luna ist durch einen kleinen Halbmond auf ihrem Kopf gekennzeichnet und hält die Zügel in der linken Hand. Darunter erscheint in einem rechteckigen Rahmen die Legende ROMA. Die Deutung der Gottheit als Luna war lange Zeit nicht gesichert, Sydenham identifizierte die Göttin noch als Diana. Crawford konnte jedoch zeigen, dass der kleine Halbmond auf der Stirn die Göttin eindeutig als Luna kennzeichnet. Hierzu nahm er einen Vergleich der vorliegenden Münze mit zwei Prägungen Iulia Domnas vor. Diese Prägungen zeigen sowohl Luna als auch Diana, beide Göttinnen sind durch eine Legende bezeichnet und nur Luna trägt den Halbmond.

Die weiteren dargestellten Gottheiten können durch ihre Attribute meist eindeutig identifiziert werden. Victoria wird geflügelt dargestellt[10], Jupiter mit Zepter und Blitze schleudernd[11], Juno mit Diadem und Zepter[12], Diana mit Köcher, Fackel und Halbmond[13], Herkules mit Keule[14], Apollo mit Pfeil und Bogen[15]. Selbst die Zugtiere dienen bisweilen als Attribute der Gottheiten, so z.B. Hirsche bei der Dianadarstellung[16]. Abweichungen von den Pferden, die im Normalfall als Zugtiere gewählt wurden, finden wir ebenfalls bei Herkules in der Kentaurenbiga von 139 v.Chr.[17] und bei Juno in der Ziegenbiga von 138 v.Chr.[18]. Zumindest die zweite Änderung kann schlüssig mit dem Namen des Münzmeisters erklärt werden[19], die Kentauren des Herkules sind weniger eindeutig[20].

Ferner unterscheiden sich die Darstellungen auf den Reversen durch kurze Buchstabenreihen oder kleine Symbole, die als Signatur des Münzmeisters anzusehen sind. Die Münzmeister begannen auf den Denaren Symbole, Buchstaben oder Abkürzungen ihres Namens zu prägen, um die Münzen eindeutig als einem bestimmten Münzmeister zugehörig zu identifizieren. Man handhabte dieses Vorgehen jedoch recht willkürlich, so dass erst ab 155 v.Chr. beinahe jede Münze signiert wurde.[21]

Auffallend bei den Bildern der Reverse ist die Monotonie der Luna- und Victoria-Darstellungen in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts und die plötzliche Fülle der Varianten mit vielen verschiedenen Gottheiten in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts.

III. Die Vorbilder der Darstellungen

Das Bild der wagenfahrenden Gottheit besitzt Vorbilder in Großgriechenland, vor allem in der Münzprägung des unteritalischen und sizilischen Raums, wie bereits Thomsen nachweisen konnte[22].

Luna in der Biga taucht als Reverstyp bereits auf einem Biunx von Calatia und auf einem Biunx von Capua auf[23] ; beide Münzen stammen aus der Zeit nach 268 v.Chr., wahrscheinlich wurden sie zwischen 216 und 211 v.Chr. geprägt.[24] Die Averse der Münzen zeigen den Kopf des Jupiter nach rechts. Vergleicht man diese Luna-Darstellung mit der auf den Denaren der römischen Republik[25], so sieht man deutliche Gemeinsamkeiten, vor allem in der Darstellung der Pferde. Unterschiede bei der Darstellung der Luna lassen sich bei der Kleidung feststellen, außerdem erhält Luna in der römischen Darstellung noch einen Treibstock in ihre rechte Hand. Ihre Haltung und auch ihr Attribut, der Halbmond auf der Stirn, sind jedoch bei beiden Münzen sehr ähnlich.

[...]


[1] RRC 136/1.

[2] RRC 197/1.

[3] Jupiter 144 v.Chr., Diana 143 v.Chr., Juno 142 v.Chr., Herkules 139 v.Chr., Mars (jedoch nicht gesichert) 138 v.Chr. und Apollo 137 v.Chr.; Crawford, M. H., Roman Republican Coinage, 2 Bde. (Cambridge 1974), 259-268.

[4] Crawford a.O. (Anm. 3) 55, RRC 225/1, RRC 226/1, RRC 227/1, RRC 228/1.

[5] RRC 223/1, RRC 227/1.

[6] RRC 232/1.

[7] RRC 236/1.

[8] RRC 136/1.

[9] Sydenham, E.A., The Coinage of the Roman Republic (London 1952), 35.

[10] zuerst RRC 197/1.

[11] RRC 221/1.

[12] RRC 223/1.

[13] RRC 222/1.

[14] RRC 229/1.

[15] RRC 236/1.

[16] RRC 222/1.

[17] RRC 229/1.

[18] RRC 231/1.

[19] Die Ziegen geben hier wahrscheinlich einen Hinweis auf den Namen des Münzmeisters C. Renius, da reno im Lateinischen Schafpelz, ρήν im Griechischen Schaf bedeutet. Crawford a.O. (Anm. 3), 264.

[20] Crawford a.O. (Anm. 3), 263 sieht darin einen Hinweis auf Herkules in der Rolle als Eroberer.

[21] Crawford a.O. (Anm. 3), 725.

[22] Thomsen, R., Early Roman Coinage. A Study of Chronology, 3 Bde. (Kopenhagen 1957/61), 177f.

[23] Thomsen a.O. (Anm. 22), 177.

[24] Böhm, S., Die Münzen der römischen Republik und ihre Bildquellen (Mainz 1997), 5.

[25] z.B. RRC 140/1.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640332779
ISBN (Buch)
9783640332762
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126915
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Klassische Archäologie
Note
1,7
Schlagworte
Klassische Archäologie Numismatik Münzen Rom Römische Republik wagenfahrende Gottheiten Denare

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Welche Bedeutung hat die Darstellung wagenfahrender Gottheiten  auf den Denaren der Römischen Republik?