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Der Frieden von Apameia

War die Herrschaft Roms über Kleinasien eine indirekte Herrschaft, gelenkt durch die Einsetzung der Marionettenstaaten Pergamon und Rhodos mit dem Ziel der Selbstregulation Kleinasiens zu Gunsten Roms?

Hausarbeit 2009 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Livius und Polybios

2. Verwaltung Kleinasiens
2.1 Historischer Kontext
2.2 Der Waffenstillstand nach der Schlacht von Magnesia (189 v. Chr.) und der Frieden von Apameia (188 v. Chr.)
2.3 Die Folgen für Kleinasien

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang
5.1 Die hellenistische Staatenwelt im 3. Jh. v. Chr.
5.2 Die hellenistische Staatenwelt im 2. Jh. v. Chr.
5.3 Das Pergamenische Königreich (241 bis ca. 185 v. Chr.)

1. Einleitung

„Unmittelbar auf den 2. Punischen Krieg folgten größere Kriege im östlichen Mittelmeerraum, mit denen Rom innerhalb etwa eines Jahrzehnts Macht und Einfluß ohne Annexion über den gesamten Raum ausdehnte.“1

Der Aufstieg Roms zur Weltmacht kam mit der Verdrängung des Seleukiden- herrschers Antiochos III. einen großen Schritt voran. Diese Aussage, auch ge- stützt mit Hilfe des ausgewählten Zitates, soll in der Hausarbeit unter dem Fo- kus des Friedens von Apameia thematisiert werden.

Diese Hausarbeit orientiert sich thematisch an der Fragestellung, wie Rom die Verwaltung von bzw. die Herrschaft über Kleinasien nach dem Sieg über An- tiochos III. gestaltete. War die Herrschaft Roms über Kleinasien eine indirekte Herrschaft, gelenkt durch die Einsetzung der Marionnettenstaaten Pergamon und Rhodos mit dem Ziel einer Selbstregulation Kleinasiens zu Gunsten Roms?

In dieser Hausarbeit sollen der historische Kontext, der Frieden von Apameia und die daraus resultierenden Folgen für Kleinasien erläutert, diskutiert und reflektiert werden. Um diese Thematik entsprechend untersuchen zu können, werden sowohl die Berichte des Livius, als auch die des Polybios´ herangezo- gen, sowie diverse Sekundärliteratur.

Zu Beginn der Hausarbeit sollen, um die Quellen besser einschätzen zu kön- nen, die Berichte des Livius und Polybios unter kritischen Aspekten näher be- trachtet werden. Anschließend wird der historische Kontext bis hin zur Schlacht von Magnesia kurz und in groben Zügen dargestellt und kontextuali- siert. Im Folgenden werden der Frieden von Apameia, seine Bestimmungen und Einzelheiten thematisiert. Daraufhin wird der Kern der Hausarbeit, die Folgen für Kleinasien und die Rolle Roms untersucht. Abschließend wird ein Fazit über die Ergebnisse in Bezug auf die anfangs formulierte Fragestellung gezogen.

Die Zeit zwischen dem ersten Punischen Krieg und dem Beginn der inneren Krise (264 – 133 v. Chr.) ist durch römische und griechische Quellen in dem Maße abgedeckt, dass von einer partialen, vertrauenswürdigen Überlieferung gesprochen werden kann. Es kann auf zeitgenössische Autoren, wie Cato und Polybios Bezug genommen werden.2 Die Forschungen zu diesem historischen Intervall fokussieren sich überwiegend auf die äußere Entwicklung Roms und die Ursachen für die Expansion.3 Die Quellen hinsichtlich der Darstellung der Beziehungen zwischen Rom und dem hellenistischen Osten stützen sich vor- wiegend auf die Berichte des Polybios. Diese sind uns für diese Zeit nur in Fragmenten erhalten. Jedoch sind die Bücher 31 – 45 des Titus Livius eine durchgehende, überwiegend auf Polybios bezogene Quelle. Auch das Werk des griechischen Geschichtsschreibers Diodor ist nur in Fragmenten erhalten und abhängig von Polybios. Appians Darstellungen und die Biographie des Plutarch hingegen haben zum größten Teil einen von Polybios unabhängigen Quellenwert.4

1.1 Livius und Polybios

In diesem Abschnitt der Arbeit werden die Quellenberichte des Livius und Po- lybios näher betrachtet und reflektiert werden. Ziel hierbei ist es, aufgrund des Bezuges der Arbeit zu diesen Quellen, ihren Quellenwert für die folgende Un- tersuchung herauszuarbeiten und kritisch zu hinterfragen.

„Das Geschichtswerk des Livius basiert auf der Grundüberzeugung, daß die Römer berufen waren und es in die Tat umgesetzt haben, das erste Volk der Welt und die auserwählten Herren der Erde zu sein.“5

Aus diesem Zitat wird der Standpunkt des Livius deutlich. Er charakterisiert die Herrschaft der Römer als natürlich und unabdingbar. Für die römischen Kriege benutzt er den Terminus bellum iustum und zeigt deutlich seine pro- römische Orienteirung.

Die Lebensdaten des Titus Livius sind in der Forschung umstritten.. Die kont- roversen Darstellungen unterscheiden sich hinsichtlich der Lebensdatierung von 59 v. Chr. bis 17 n. Chr. und 64 v. Chr. bis 12 n. Chr.6 Geboren wurde Li- vius im heutigen Padua.7 Er durchlief keine politische Karriere und verfasste sein Werk ohne jegliche politische oder auch militärische Erfahrung.8 Unter Berücksichtigung der Lebensdaten ist an dieser Stelle bereits festzuhalten, dass die Berichte des Livius unter dem kritischen Aspekt der zeitlichen Dis- tanz zu den in dieser Arbeit untersuchten Ereignissen gesehen werden muss. Livius ist den Fokus der Arbeit betreffend kein zeitgenössischer Autor.

Es sind nur Vermutungen darüber möglich, wann Livius sein Geschichtswerk begonnen hat, da keine Indizien darüber aus dem Werk zu gewinnen sind. Auch der Zeitpunkt, wann Livius mit der Arbeit an seinem Geschichtsbericht aufgehört hat, ist unbekannt.9 Von den 142 Büchern, die Livius geschrieben hat, sind lediglich die Bücher 1-10 und 21-45 erhalten.10 Für die Hausarbeit ist die Erhaltung der Bücher 21-45, die sich thematisch mit dem Zeitraum vom Beginn des zweiten Punischen Krieges 218 v. Chr. bis zum Sieg über König Perseus von Makedonien im Jahre 167 v. Chr. beschäftigen, ausschlaggebend. Für Livius waren die Aufzeichnungen des Polybios´ von besonderem Wert. Polybios ist der einzige Nicht-Römer, den Livius als Quelle heranzieht.11 Er hat ihn für die Ereignisse in Griechenland, Makedonien und im Osten in den Jahren 208 – 167 v. Chr. verglichen und betont dessen unbedingte Zuverläs- sigkeit.12 Livius war in seinen Berichten um Wahrheitssinn und Wahrheitssu- che bemüht, jedoch nicht um eine kritische Auseinandersetzung mit den he- rangezogenen Autoren und der Geschichte.13 Seine Zuverlässigkeit ist auf- grund dessen von seinen gewählten Quellen abhängig.14

Polybios von Megalopolis war archaischer Staatsmann.15 Er war griechischer Geschichtsschreiber und lebte zwischen 201 und 120 v. Chr.16 Für die Thema- tik der Hausarbeit bedeutet dies, dass er nicht aus einer zeitlichen Distanz schrieb, wie es bei Livius der Fall ist, sondern als zeitgenössischer Autor zu sehen ist, der den Aufstieg Roms zur Weltmacht zum Teil selbst miterlebt hat.

Die untersuchte Zeit erlebte er als Kind selbst mit. Polybios wird als Mann der Wirklichkeit, in erster Linie als Kriegsmann und Politiker charakterisiert.17 Aufgrund seiner Freundschaft zu Cn. Scipio Aemilius gewann er ein tiefes Verständnis für die römischen Traditionen, die römische Politik und Staats- führung.18 Polybios formulierte daraus seine Universalgeschichte. Sein Ge- schichtswerk umfasst 40 Bücher und trägt den Titel „Historien“.19 Es ist ein abgeschlossenes Werk, das heute noch zu einem Drittel erhalten ist.20 Das Ziel des Polybios war es, den Weg Roms zur Weltmacht darzustellen und zu zei- gen, wie folgerichtig und nützlich es für die nicht-römischen Herrscher und Staaten war, einen Austausch bzw. eine Kooperation mit dieser Weltmacht anzustreben.21 Nicht zuletzt aus der Formulierung dieses Zieles heraus, wird deutlich, dass auch Polybios pro-römisch schrieb und dass seine Sympathien den Römern gehörten. Er formulierte seinen Anspruch der Geschichtsschrei- bung darin, die Wahrheit der Geschichte zu erzählen, aber auch darin, eine ra- tionale Durchdringung und Analyse der Ereignisse zu verfolgen. Im Gegen- satz zu Livius bemühte er sich auch dahingehend, seine Quellen und Metho- den hinsichtlich seiner Geschichtsschreibung kritisch zu hinterfragen.22 Poly- bios wird eine hohe Zuverlässigkeit in seinen Darstellungen attestiert. Vor- sätzliche Fälschungen werden ihm kaum vorgeworfen.23

Es bleibt festzuhalten, dass beide Autoren aus einer pro-römischen Gesinnung schrieben und daher eine Tendenz von vornherein zu vermuten und zu erken- nen ist. Deshalb bedarf es bei der Untersuchung dieser Quellen immer eines kritischen Blicks auf den Standpunkt des Autors und seiner Absicht.

2. Verwaltung Kleinasiens

Die folgenden Punkte beschäftigen sich mit dem Kern der Arbeit, der Verwal- tung Kleinasiens bzw. des errungenen territorialen Gebietes. Dabei werden dieFolgen für Kleinasien nach einer vorherigen Betrachtung des historischen Kontextes und der Bestimmungen des Friedens von Apameia untersucht und reflektiert.

[...]


1 Badian, Ernst: Zöllner und Sünder, Unternehmer im Dienst der römischen Republik, Dar- mstadt 1997, S. 24.

2 Vgl. Bleicken, Jochen: Geschichte der römischen Republik, in: Bleicken, Jochen und Gall, Jakob (Hg.): Oldenbourg Grundriss der Geschichte, München 1999, S. 150.

3 Vgl. ebd., S. 150.

4 Vgl. ebd., S. 164.

5 Burck, Erich: Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992, S. 87.

6 Vgl. Burck, Erich: Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992, S. 1.

7 Vgl. ebd., S. 2.

8 Vgl. Dreyer, Boris: s. v. Livius, T., in: DNP, Band 7 (1997), Sp. 377.

9 Vgl. Burck, Erich: Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992, S. 3-6.

10 Vgl. ebd., S. 7.

11 Vgl. ebd., S. 35.

12 Vgl. ebd., S. 37.

13 Vgl. ebd., S. 42.

14 Vgl. Dreyer, Boris: s. v. Livius, T., in: DNP, Band 7 (1997), Sp. 379.

15 Vgl. Werner, Robert: Das Problem des Imperialismus und die römische Ostpolitik im zwei- ten Jahrhundert v. Chr., in: Temporini, Hildegard (Hg.): ANRW, Band 1.1 (1972), S. 502.

16 Vgl. Burck, Erich: Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992, S. 35.

17 Vgl. Stier, Hans-Erich: Roms Aufstieg zur Weltmacht und die griechische Welt, Köln 1957, S. 30.

18 Vgl. Burck, Erich: Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992, S. 35.

19 Vgl. Meister, Klaus: Die griechische Geschichtsschreibung, Von den Anfängen bis zum En- de des Hellenismus, Köln 1990, S. 155.

20 Vgl. Burck, Erich: Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992, S. 36.

21 Vgl. ebd., S. 35.

22 Vgl. Meister, Klaus: Die griechische Geschichtsschreibung, Von den Anfängen bis zum En- de des Hellenismus, Köln 1990, S. 158-164.

23 Vgl. Fuhrmann, Manfred und Schmidt, Peter: s. v. Polybios, in: DNP, Band 10 (2001), Sp. 46.

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640334759
ISBN (Buch)
9783640334391
Dateigröße
810 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v127092
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Geschichtswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Frieden Apameia Herrschaft Roms Kleinasien Einsetzung Marionettenstaaten Pergamon Rhodos Ziel Selbstregulation Kleinasiens Gunsten

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