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Der Freie Wille. Ein Überblick über philosophische sowie neurobiologische Perspektiven

Illusion oder Wirklichkeit?

©2006 Hausarbeit 15 Seiten

Zusammenfassung

Die Arbeit geht der Frage noch, ob der Mensch einen freien Willen hat. Sind wir Menschen autonom in unseren Entscheidungen so zu handeln, wie wir es tun oder sind wir bloß Sklaven unserer psychobiologischen Konstitution im Hier und Jetzt und menschliches Verhalten stellt lediglich die sichtbarste Form der Bedürfnis – und Triebbefriedigung, die den Ausgleich von Ist und Sollwerten bewirken soll?

Haben wir einen Geist, der unabhängig von seinem Organismus agiert und sich vollends über dessen Bedürfnisse erheben kann? Was ist Vernunft und woher kommen unsere Wünsche und Absichten? Was bedeutet Willensfreiheit genau, welche Merkmale sind es, die unsere Entscheidung so zu handeln und nicht anders, als eine freie Entscheidung unserer Person einstufen, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Diese Fragen beschäftigen seit etlichen Jahren etliche Wissenschaftler. Um sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen, muss man sich zunächst über die Verwendung der Begrifflichkeiten verständigen.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Worte

2. Die philosophische Positionen zur Willensfreiheit

3. Wahrnehmung als Entscheidungsgrundlage

4. Gerhard Roth und die neurobiologische Perspektive

5. Wahrnehmung als individuelles Phänomen

6. Wie entsteht der Wille?

7. Gewaltbereitschaft, Gehirn und die Suche nach den Verantwortlichen

Der Freie Wille- Illusion oder Wirklichkeit

1. Der Freie Wille

Sind wir Menschen autonom in unseren Entscheidungen so zu handeln, wie wir es tun oder sind wir bloß Sklaven unserer psychobiologischen Konstitution im Hier und Jetzt und menschliches Verhalten stellt lediglich die sichtbarste Form der Bedürfnis - und Triebbefriedigung, die den Ausgleich von Ist und Sollwerten bewirken soll? Haben wir einen Geist, der unabhängig von seinem Organismus agiert und sich vollends über dessen Bedürfnisse erheben kann? Was ist Vernunft und woher kommen unsere Wünsche und Absichten? Was bedeutet Willensfreiheit genau, welche Merkmale sind es, die unsere Entscheidung so zu handeln und nicht anders, als eine freie Entscheidung unserer Person einstufen, welche Vorraussetzungen müssen erfüllt sein? Diese Fragen beschäftigen seit etlichen Jahren etliche Wissenschaftler. Philosophen, Psychologen, Soziologen und Neurobiologen, unter anderem Professor Dr. Gerhard Roth, Neurobiologe aus Marburg und Leiter einer Arbeitsgruppe zu den Biopsychologischen Grundlagen von Aggression und Gewalt“ am Hanse- Wissenschaftskolleg Delmenhorst Um sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen, muss man sich zunächst über die Verwendung der Begrifflichkeiten verständigen:

2. Die philosophischen Positionen zur Willensfreiheit:

Die philosophische Debatte über die Willensfreiheit beschäftigt sich zum einen mit der Frage nach den Bedingungen die erfüllt sein müssen, um eine Entscheidung als frei zu deklarieren. Zum anderen wird versucht zu klären, ob diese Bedingungen reell existieren.

Folgende drei Bedingungen sind es, die eine Entscheidung zu einer freien Willensentscheidung machen soll:

1. Die Bedingung des Anders-Handeln- oder Anders-Entscheiden-Könnens. Das heißt, dass die Person eine Wahl zwischen Alternativen gehabt haben muss.
2. Urheberschaftsbedingung, das heißt, dass es entscheidend von der Person selbst abhängen muss, welche Wahl getroffen wird.
3. Kontrollbedingung, die Person muss die Kontrolle über ihre Entscheidung und ihr Handeln haben, welche nicht durch Zwang ausgeschlossen sein darf.

Wie diese Bedingungen nun im Einzelnen zu verstehen sind wird seit Jahren diskutiert und führte zu diversen Positionen.

Der Willensfreiheit gegenüber steht der Determinismus. Genauer gesagt, der kausale/physikalische Determinismus, der bedeutet, dass zu jedem Zeitpunkt Bedingungen existieren, die gewissermaßen festlegen, was in der Zukunft passiert.

Diese Annahme impliziert, dass jedes Ereignis eine Ursache (oder meist mehrere Ursachen hat) und der Weltverlauf zu keinem Zeitpunkt verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten hat, er sich also immer nur so entwickeln kann, wie er sich entwickelt.

Demnach bestünde die Möglichkeit der Vorhersage zukünftiger Ereignisse und Entwicklungen, vorausgesetzt man ist in der Lage, die Welt objektiv zu betrachten und alle relevanten Bedingungen zu erfassen. Dies ist aber fast unmöglich, da wir in unserer komplexen Welt die Anfangsbedingungen dieser Kausalkette nicht exakt feststellen können und wir somit die genauen Ereignisse, die durch diese Bedingungen determiniert sind, ebenfalls nicht exakt vorhersagen können.

Auf den Begriff von Willensfreiheit bezogen bedeutet das, dass wir uns zwar zwischen Alternativen entscheiden können, diese Alternativen aber immer aus den bereits geschehenen Ereignissen unseres Lebens resultieren und wir nie unabhängig von unseren Erfahrungen agieren.

Die Handlungsalternativen, die ich als handelndes Subjekt zur Verfügung habe, sind ihrerseits schon determiniert und ziehen bestimmte Folgen nach sich. Wäre dies nicht so, wären wir völlig orientierungslos in unserer komplexen Welt und Handeln könnte nie zielgerichtet sein. Wenn also der Determinismus wahr ist, wie kann dann etwas wie Willensfreiheit existieren?

Die philosophischen Grundpositionen:

Der Kompatibilismus: Freiheit und Determinismus sind vereinbar.

Der Inkompatibilismus: Freiheit und Determinismus sind nicht vereinbar.

Die Libertarier: Inkampatibilist, der der Meinung ist, dass Freiheit existiert und der Determinismus daher falsch sein muss.

Weicher Determinist : Kompatibilist, der der Meinung ist, dass es Freiheit gibt und die Tatsache, dass der Determinismus wahr ist, daran nichts ändert.

Freiheitsskeptiker: Vertritt die Auffassung, dass es keine Freiheit gibt. ( harte Deterministen )

Der Mensch handelt aber nicht immer bewusst und wir stehen nicht vor jeder Handlung in einem Entscheidungsprozeß. Besteht in einer determinierten Welt die Möglichkeit des Zufalls? Oder ist er ebenfalls die logische Konsequenz vorangegangener Ereignisse und wir sind bloß noch weniger in der Lage, die ursächlichen Faktoren für das Ergebnis zu erfassen, als wir dies bei vermeintlich bewussten Entscheidungen , bei denen wir unsere Motive und Intentionen ja klar darlegen und benennen können - oder zumindest denken, dass wir taten, was wir wollten.

Doch wie kann man sich der Frage auf wissenschaftlicher Forschungsebene nähern um zu beweisen, dass es einen freien Willen gibt - oder eben nicht. Kann man die Frage eventuell mit Hilfe neuerer Forschungsmethoden aus der Hirnforschung oder der experimentellen Psychologie besser beantworten als ausschließlich mit Hilfe philosophischer Konstrukte?

Haben unsere geistigen Prozesse eine biologische Grundlage, die man messen und beeinflussen kann? Und welche Auswirkungen hätte die Nichtexistenz von Willensfreiheit auf unsere Gesellschaft? Wie kann man Menschen für ihr Handeln zur Verantwortung ziehen, wenn sie nicht Urheber ihrer Entscheidungen sind? Wie entsteht der Wille und kann man ihn experimentell sichtbar machen? Eine Person entscheidet sich dazu etwas zu tun, wenn es dies den Wünschen, Überzeugungen und Überlegungen entspricht. Wenn ich der Meinung bin, dass diese Handlung ein bestimmtes Ereignis nach sich zieht, welches von mir gewollt war und mich an einen gewünschten Punkt bringt.

Meine Überzeugungen setzten sich aus Erfahrungen zusammen, die ich im Laufe meines Lebens mache. Diese Erfahrungen werden gespeichert und bei jeder weiteren Entscheidungsfindung zu rate gezogen um bei meiner Entscheidung das für mich beste Ereignis zu erzielen. Diese Art der Entscheidungsfindung kann nurdurchden Umstand zustande kommen, dass alle meine Handlungen bewertet und in meinem emotionalen Erfahrungsgedächtnis abgespeichert werden.

Die Bewertung stellt somit das „Ergebnis von Prozessen der intuitiven oder reflexiven Einschätzung, in deren Verlauf Objekte, Personen oder Ereignisse hinsichtlich ihrer subjektiven Bedeutung in der gegebenen Situation zusammen mit den Chancen beurteilt werden, mit ihnen angemessen umgehen und fertig werden zu können ( Bewältigung).“ Der Begriff wurde von MAGDA B. ARNOLD in die Psychologie eingeführt, um den Zusammenhang zwischen Wahrnehmen, Gefühlen und Handlungstendenzen zu erklären. Intuitive Bewertung ist nach Arnold eine von schlichten Anmutungen getragene vorbewußte Taxierung von Situationen, deren Ergebnis automatisch Handlungstendenzen der Annäherung bzw. Vermeidung nach sich zieht und von Gefühlen begleitet ist, die man mit »eher gut für mich« bzw. »eher schlecht für mich« schreiben kann. Im Verlauf der Auseinandersetzung mit Situationen folgen weitere Bewertungsschritte, die in zunehmendem Maß von Reflexionen über die eigenen Handlungsmöglichkeiten, Erfolgschancen und Risiken getragen sind. Es handelt sich um reflexive oder sekundäre Bewertungen. In seinem Modell der kognitiven Stressbewältigung sieht LAZARUS in der sekundären B. den Ausgangspunkt der Mobilisierung von Bewältigungsmöglichkeiten und der Wiederbewertung der Situation einschließlich der Bewältigungschancen. Erscheinen diese gering, so treten Angstzustände auf. Zeigt sich im Verlauf der weiteren Auseinandersetzung und Wieder- bzw. Neubewertung keine Aussicht auf erfolgreiche Bewältigung bzw. kommt es zur Einsicht, dass die eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen, so entsteht psychische Belastung (Stress). Lässt sich die Situation durch Handlungen meistern bzw. erscheint sie durch Wieder- und Neubewertungen in einem bewältigbaren Licht (z.B. durch die Einsicht in ihre Belanglosigkeit), so treten emotionale Erregung und Belastungsempfindungen zurück. B. ist ein zentraler Begriff der kognitiven Psychologie, denn er verweist darauf, dass der Mensch seine eingeschätzte und von ihm interpretierte Situation zur Richtschnur seines Erlebens und Handelns macht.“ [Wörterbuch: Bewertung, S. 2. Digitale Bibliothek Band 83: Wörterbuch Psychologie, S. 458 (vgl. WB Psych., S. 96)]

3. Wahrnehmung als Entscheidungsgrundlage

Grundlegend für eine Entscheidung in einer bestimmten Situation ist also auch, wie die Situation subjektiv wahrgenommen wird. Die Erfahrungen die ein Mensch im laufe seines Lebens macht sind also die eigentlichen Generatoren seiner Wahrnehmung und seines Verhaltensrepertoires. Wenn eine Person beispielsweise in ihrer ontogenetischen Entwicklung oft bedrohlichen Situationen ausgesetzt war, in der sich aggressives Verhalten als angemessen erwiesen hat, wird sich aggressives Verhalten als gewinnbringende Verhaltenstendenz im Erfahrungsgedächtnis festsetzen und sich zukünftig in ähnlich wahrgenommenen Situationen tendenziell häufiger durchsetzen, als Flucht- oder Vermeidungsverhalten.

Wenn die Umwelt also überwiegend als Bedrohung für das Selbst empfunden wird, entwickelt sich eine Sensibilität für diese Art von Situationen und eine erhöhte emotionale Erregung verbunden mit einem latenten Aggressionspotential um solchen Situationen zukünftig effizienter begegnen zu können. Dies ist nichts weiter, als eine Anpassungsleistung des Organismus an die gegebene Umwelt.

Dabei stellt sich die Frage, warum sich diese Verhaltenstendenz auch weiterhin durchzusetzen scheint, selbst wenn objektiv keine Bedrohung vorliegt. Beispielsweise, wenn sich eine Person mit vorangegangenem Erfahrungsschatz in einer Liebesbeziehung wieder findet in der objektiv und subjektiv (zumindest, was das bewusste Erleben dieser Person betrifft) keine Bedrohung vorliegt. Die aggressive Grundtendenz hat wohlmöglich schon zu diversen Problemen in der Beziehung geführt und wird im besten Falle von der betroffenen Person selbst als belastend und kontraproduktiv erlebt. Angenommen, diese Person begibt sich angesichts dieser Tatsache sogar in Therapie, was wiederum das Maß an Einsicht unterstreichen würde. Warum reichen allein die Einsicht und der ehrliche Wunsch, das geschilderte Verhalten einzustellen für eine Änderung desselben nicht aus? Hat sie sich möglicherweise verselbstständigt?

4. Gerhard Roth und die neurobiologische Perspektive

Professor Dr. Gerhard Roth ist Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen und hat sich mit dem Thema beschäftigt, wo in unserem Gehirn der Wille entsteht.

Das Gefühl frei zu sein, das wir bei einer bestimmten Art von Handlungen haben, schreibt er, beinhaltet die Annahme, dass wir unter identischen Bedingungen anders hätten handeln können, wenn wir nur gewollt hätten - also allein durch unseren immateriellen Willen.

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Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (PDF)
9783346718747
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Soziologie
Erscheinungsdatum
2022 (September)
Schlagworte
freie wille überblick perspektiven illusion wirklichkeit
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