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Die andere Sonne: Die Inszenierung Kaiser Leopolds I

Seminararbeit 2008 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wahrnehmung und Wirkung Leopolds I. zu Zeiten seiner Regentschaft
1.1 Vor dem Türkenkrieg
1.2 Nach dem Türkenkrieg

2. Formen der Fremd- und Selbstinszenierung
2.1 Feste, Architektur, Malerei, Bildhauerei
2.2 Die Hochzeit von 1666

3. Leopold I. und Ludwig XIV. – ein Vergleich

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich mich gemäß dem Titel mit der Inszenierung des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Leopold I. beschäftigen. Mein Grundanliegen ist, herauszustellen, ob und wie die Darstellung bzw. Inszenierung Leopolds von ihm selbst gesteuert war oder auf einer allgemeinen öffentlichen Wertschätzung beruhte, welche wiederum ohne direktes Zutun des Kaiserhofes entstanden war.

Ich werde im ersten Teil meiner Hausarbeit zunächst auf die zeitgenössische öffentliche Wahrnehmung Leopolds im Spiegel historischer Ereignisse eingehen und diese versuchen darzulegen und zu erläutern. Als Wendepunkt in der Wahrnehmung Leopolds seiner Zeit werde ich die zweite Wiener Türkenbelagerung von 1683 wählen, weil dort ein endgültiger positiver Umschwung der öffentlichen Wahrnehmung Leopolds erfolgte.

Nachdem ich die Phasen der öffentlichen Wahrnehmung dargestellt habe, werde ich mich im zweiten Teil meiner Hausarbeit mit den Formen der Fremd- und Selbstdarstellung Leopolds I. beschäftigen und auf die verschiedensten Formen der Tagespublizistik sowie höfischer Repräsentation eingehen.

Im letzten Teil werde ich noch versuchen einen kurzen Vergleich zwischen Leopold I. und der eigentlichen „Sonne“ Ludwig XIV. anzustellen und werde die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Repräsentation und Inszenierung aufzeigen und analysieren. Zum Schluss gebe ich noch eine kleine Zusammenfassung meiner abgearbeiteten Punkte und werde versuchen, die Frage, die meine Grundintention bildet. zu beantworten.

Besonders geholfen bei meinen Recherchen haben mir die Arbeiten von Jutta Schumann (Die andere Sonne: Kaiserbild und Medienstrategien im Zeitalter Leopolds I.) und Maria Goloubeva (The Glorification of Emperor Leopold I. in image, spectacle and text) über die Inszenierung Leopolds, welche sich ungefähr mit dem Thema meiner Arbeit decken. Gleichzeitig sind diese beiden Bände auch die einzigen, welche sich mit Leopold und dessen Inszenierung als ein Gegengewicht zur alles beherrschenden Figur der Epoche, Ludwig XIV. befassen und sind deshalb auch meine Hauptressourcen.

Beim Vergleich Leopolds mit Ludwig XIV. habe ich besonders mit dem Werk von Peter Burke gearbeitet, welches besonders auf die Inszenierung Ludwig XIV. eingeht, was für den Vergleich mit Leopold und dafür für meine Arbeit natürlich besonders wichtig ist (Ludwig XIV.: Die Inszenierung des Sonnenkönigs), im Literaturverzeichnis sind alle diese Titel noch einmal ausführlich aufgelistet.

1. Wahrnehmung und Wirkung Leopolds I. zu Zeiten seiner Regentschaft

1.1 Vor dem Türkenkrieg

Jutta Schumann unterteilt in ihrer Arbeit über Leopold I. die Wahrnehmung des Kaisers in 4 Phasen.[1] Die beiden ersten Phasen liegen chronologisch vor der Zweiten Wiener Türkenbelagerung, weswegen ich nun Schumann folgend versuche, die öffentliche Wahrnehmung des Kaisers darzustellen.

Die erste Phase in der öffentlichen Wahrnehmung begann 1658 und endete 1677. Hier wird Leopold auf Flugschriften noch relativ negativ dargestellt, auf der einen Seite wegen der Angst vor einer übergroßen Machtfülle eines einzigen Monarchen und andererseits wegen universalmonarchischen Bestrebungen.[2] Es existieren für diesen Zeitraum auch kaum militärische Darstellungen (wegen des Dreißigjährigen Krieges). Der erste Umschwung in der öffentlichen Wahrnehmung des Kaisers begann erst mit der Hochzeit des Kaisers mit seiner Nicht, der spanischen Infantin Margareta Theresa, welche im Jahre 1666 in Wien gefeiert wurde. Diese Hochzeit war lange Zeit DAS Gesprächsthema in Europa, was auch einem ständig aus Wien gesteuerten Nachrichtenfluss zu verdanken war. Die Hochzeit war äußerst prunkvoll und sollte das neue Selbstbewusstsein des Kaisers demonstrieren, es war aber auch so prunkvoll um dem großen Rivalen Ludwig XIV. zu provozieren, bzw. zu übertreffen, weil auch dieser eine spanische Infantin geheiratet hatte, und dadurch sogar zum Schwager Leopolds wurde.[3]

Als ebenfalls günstig für den Kaiser zahlte sich der Frieden von Eisenburg 1664 aus, welcher einen 20jährigen Waffenstillstand mit dem Osmanischen Reich sichern sollte.[4]

Die zweite Phase in der öffentlichen Wahrnehmung sollte bis 1677 andauern. Anfangs wurde der Kaiser in Flugschriften und Flugblättern insgesamt wieder eher negativ dargestellt. Dieses war dem Umstand geschuldet, dass die ersten beiden Ehefrauen Leopolds relativ früh starben (seine erste Frau 1673, die zweite, Claudia Felizitas von Österreich 1676) und er noch keinen Thronfolger präsentieren konnte, doch gerade dieser wurde sehnsüchtig erwartet, denn Ludwig XIV. schielte begierig darauf selbst Kaiser zu werden (dieses hatte er schon gegen Leopold versucht, wurde allerdings nicht gewählt).

[...]


[1] Schumann, Jutta: Die andere Sonne: Kaiserbild und Medienstrategien im Zeitalter Leopolds I., Berlin 2003, S.199-204.

[2] Ebda. S.199.

[3] zum Thema der ersten Hochzeit Leopolds und dem Gegensatz zu Ludwig später noch mehr.

[4] Schumann: Die andere Sonne, S.545,Abb.13: hier wird auf einem Flugblatt Leopold als eine Art Konstantin der Große abgebildet, der dem Antichristen, also dem Türken als strahlender Kaiser entgegentritt.

Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640350827
ISBN (Buch)
9783640350667
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v127400
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,3
Schlagworte
Sonne Inszenierung Kaiser Leopolds

Autor

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