Lade Inhalt...

Der lange Weg zur Imagebildung - Die Darstellung der Ukraine in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in der Süddeutschen Zeitung

Magisterarbeit 2009 178 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Hinweis zur Orthographie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abstract

THEORETISCHER TEIL

1. Fragestellung und Vorgehensweise
1.1. Forschungsfragen
1.2. Relevanz der Untersuchung
1.3. Gliederung der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Image eines Landes als mediales Konstrukt
2.2. Nachrichtenauswahlforschung: Begriffe, Problemfelder und Entwicklungsperspektiven in Bezug auf die Auslandsberichterstattung
2.3. Faktoren der Auslandsberichterstattung in der deutschen Presse

3. Ukraine im Überblick
3.1. Aktueller Ausblick im historischen Kontext
3.2. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
3.3. Situation der Medienwirtschaft
3.4. Eckpfeiler der ukrainischen Außenpolitik
3.5. Deutsch-ukrainische Beziehungen
3.6. Aktuelle Probleme der Imagestrategien der Ukraine

4. Zusammenfassung des theoretischen Teils

5. Anlage und methodische Durchführung der Untersuchung
5.1. Forschungsleitende Hypothesen
5.2. Untersuchungsmethode
5.3. Untersuchungsmedien
5.4. Auswahlverfahren und die Stichprobe
5.5. Kategoriensystem

6. Auswertung
6.1. Formale Merkmale der untersuchten Artikel
6.1.1. Umfang und zeitlicher Verlauf der Berichterstattung
6.1.2. Darstellungsformen
6.1.3. Rubriken
6.1.4. Informationsquellen
6.2. Inhaltliche Merkmale der untersuchten Artikel
6.2.1. Anlass und Bezug
6.2.2. Aktualität
6.2.3. Themenspektrum und inhaltliche Ausrichtung
6.2.4. Bewertungen
6.2.5. Handlungsträger
6.3. Überprüfung der Hypothesen
6.4. Zusammenfassung

7. Schlussbetrachtung

8. Ausblick

9. Quellenverzeichnis

10. Anhang

A. Auswertungstabellen

B. Codebuch

1. ZIEL DER UNTERSUCHUNG

2. ALLGEMEINE CODIERANWEISUNGEN
2.1. Untersuchungseinheiten
2.2. Untersuchungszeitraum
2.3. Stichprobe
2.4. Analyseeinheit
2.5. Codiereinheit
2.6. Zugriffskriterien

3. KATEGORIENSYSTEM
3.1. Formale Merkmale des Beitrags
3.1.1. Medium
3.1.2. Nummer des Beitrags
3.1.3. Erscheinungsdatum des Beitrags
3.1.4. Seite
3.1.5. Stilform des Beitrags
3.1.6. Rubrik
3.1.7. Quelle/Urheber des Beitrags
3.2. Inhaltliche Merkmale des Beitrags
3.2.1. Anlass
3.2.2. Bezug zu Deutschland
3.2.3. Bezug zur Sowjetunion bzw. zur sowjetischen Vergangenheit
3.2.4. Aktualität
3.2.5. Themen
3.2.6. Ausrichtung
3.2.7. Bewertungen
3.2.8. Handlungsträger

Hinweis zur Orthographie

Die Übertragung von geographischen Begriffen sowie Städte- und Personennamen aus dem Ukrainischen ins Deutsche erfolgt in der Literatur nach unterschiedlichen Methoden. In der vorliegenden Arbeit wird die kyrillische Schrift nach den Regeln der wissenschaftlichen Transliteration ins Deutsche übertragen. Nach dieser Methode werden beispielweise die Sonderzeichen wie š für „sch“ oder č für „tsch“ angewen-det.

Orts- und Personennamen werden in der ukrainischen und nicht in der bislang etab-lierten russischen Form gebraucht. Anstatt z.B. Kiew, Dnepr und Tschernovzi wird Kyjiv, Dnipro und Černivci geschrieben.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Internationaler Bezug der Nachrichten in FAZ und SZ

Abbildung 2: Nennungshäufigkeit der Länder bzw. Regionen in FAZ, SZ, FR, die Welt und Bild

Abbildung 3: Verteilung der Artikel über die Jahre

Abbildung 4: Kontinuität der Berichterstattung nach Medium

Abbildung 5: Darstellungsformen der untersuchten Artikel

Abbildung 6: Verteilung der Darstellungsformen nach Medium

Abbildung 7: Rubriken in der Ukraineberichterstattung

Abbildung 8: Anzahl der Artikel mit bzw. ohne Quellenangabe

Abbildung 9: Informationsquellen der Berichterstattung

Abbildung 10: Verhältnis der Informationsquelle zur Rubrik

Abbildung 11: Verhältnis der Informationsquelle zum Stil der Berichterstattung

Abbildung 12: Informationsquellen nach Untersuchungsmedium

Abbildung 13: Einzelne Nachrichtenagenturen in der Gesamtberichterstattung

Abbildung 14: Nachrichtenagenturen je Medium

Abbildung 15: Informationsquellen im Zeitverlauf

Abbildung 16: Anlass der Publikation

Abbildung 17: Verhältnis zw. der Kontinuität der Berichterstattung und dem event orientierten Anlass

Abbildung 18: Thematischer Bezug des Hauptthemas zur UdSSR bzw. zur sowje tischen Vergangenheit

Abbildung 19: Thematischer Bezug des Hauptthemas zu Deutschland

Abbildung 20: Aktualität der Berichterstattung

Abbildung 21: Aktualität der Berichterstattung nach Medium

Abbildung 22: Themenbereiche beider Zeitungen zusammen

Abbildung 23: Themenbereich nach Medium

Abbildung 24: Themenbereiche über die Jahre

Abbildung 25: Themenspektrum des Hauptthemas

Abbildung 26: Gesamtbewertung

Abbildung 27: Gesamtbewertung aller Themen im Zeitverlauf

Abbildung 28: Bewertungen der Themenbereiche

Abbildung 29: Handlungsträger nach Bereich

Abbildung 30: Zentrale Handlungsträger nach Bereich

Abbildung 31: Einzelausprägung des Handlungsträgerbereichs „Politik“

Abbildung 32: Bewertung der Orangenen Revolution über die Jahre

Abbildung 33: Gesamteindruck der Ukraineberichterstattung

Abbildung 34: Die Top-10 Themen, die am häufigsten negativ bewertet sind

Abbildung 35: Gesamtbewertung über die Jahre

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Reliabilitätskoeffizienten im Überblick

Tabelle 2: Verteilung der Artikel je Tageszeitung

Tabelle 3: Anzahl der Themen in den Artikeln

Tabelle 4: Einzelausprägung des Themenbereichs Politik

Tabelle 5: Einzelausprägung des Themenbereichs Wirtschaft

Tabelle 6: Inhaltliche Ausrichtung aller Themen

Tabelle 7: Inhaltliche Ausrichtung des Hauptthemas

Tabelle 8: Bewertungen aller Themen zusammen

Tabelle 9: Bewertungen des Hauptthemas

Tabelle 10: Anzahl der Handlungsträger in den untersuchten Artikeln

Tabelle 11: Einzelausprägung des Handlungsträgerbereichs Öffentlichkeit

Tabelle 12: Bewertungen der Artikel mit oder ohne Bezug zur UdSSR

Tabelle 13: Ausprägung der negativ geladenen Themen innerhalb des Themen bereichs Politik

Tabelle 14: Negative Einzelausprägungen des Themenbereichs Politik

Tabelle 15: Verteilung der Artikel über die Jahre

Tabelle 16: Kontinuität der Berichterstattung nach Medium

Tabelle 17: Codierte Ausgaben

Tabelle 18: Verteilung der Darstellungsformen nach Medium

Tabelle 19: Rubriken in der Ukraineberichterstattung

Tabelle 20: Anzahl der Artikel mit bzw. ohne Quellenangabe

Tabelle 21: Informationsquellen der Berichterstattung

Tabelle 22: Verhältnis der Informationsquelle zur Rubrik

Tabelle 23: Verhältnis der Informationsquelle zum Stil der Berichterstattung

Tabelle 24: Verteilung einzelner Nachrichtenagenturen nach Medium

Tabelle 25: Verteilung der Nachrichtenquelle über die Jahre

Tabelle 26: Anlass der Berichterstattung

Tabelle 27: Ausprägung der Kategorie „Event“ als Anlass der Berichterstattung

Tabelle 28: Verteilung der anlassbezogenen Berichterstattung über die Jahre

Tabelle 29: Thematischer Bezug zur Sowjetunion

Tabelle 30: Thematischer Bezug zu Deutschland

Tabelle 31: Aktualität der Berichterstattung

Tabelle 32: Themenbereiche beider Zeitungen zusammen

Tabelle 33: Themenbereiche des Hauptthemas

Tabelle 34: Themenbereich nach Medium

Tabelle 35: Themenrangliste

Tabelle 36: Themenrangliste auf der Titelseite

Tabelle 37: Die negativ geladenen Themen Gesamt

Tabelle 38: Gesamtbewertung aller Themen zusammen

Tabelle 39: Gesamtbewertung über die Jahre

Tabelle 40: Handlungsträger nach Themenbereich

Tabelle 41: Zentraler Handlungsträger nach Bereich

Tabelle 42: Rangliste aller Handlungsträger zusammen

Tabelle 43: Einzelausprägung des Handlungsträgerbereichs „Politik“

Tabelle 44: Einzelausprägung des Handlungsträgerbereichs Öffentlichkeit

Tabelle 45: Einzelausprägung des Handlungsträgerbereichs „Wirtschaft“

Tabelle 46: Bewertung der Artikel in Bezug zur UdSSR

Tabelle 47: Stichprobenplan

Tabelle 48: Anlage und Kategoriensystem im Überblick

„Nach der Ukraine gefragt, würde Theodor Fontane das Kinn auf der Handfläche abstützen, einen Augenblick im Nachdenken verharren, schwer seufzen und antworten: "Die Ukraine ist ein weites Feld.“1

Abstract

Außer Frage steht, dass die Sowjetunion ein bestimmtes Assoziationsbild in der Öf-fentlichkeit hat. Russland als größter Staat der ehemaligen Sowjetunion befindet sich im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses an diesem Gebiet. Dagegen bleiben die anderen ehemaligen sowjetischen Republiken, zu denen auch die Ukraine zählt, im-mer noch im Schatten. Die Ukraine ist zwar das flächenmäßig größte Land Europas, jedoch verfügt Europa über nur einen sehr geringen, stereotypenreichen Kenntnis-stand über dieses Land. Liegt die Ursache der geringen Relevanz der Ukraine für die deutschen Medien an einer schlecht entwickelten Touristik- sowie Wirtschaftsbran-che, mangelhaften Imageprojekten der ukrainischen Regierung oder vielleicht an der Neigung der Medien zur Berichterstattung ausschließlich über die für das eigene Land relevanten Ereignissen?

Diese Arbeit hat zum Ziel, das Ukrainebild in den Meinungsführern der deutschen überregionalen Presse anhand einer Inhaltsanalyse der Auslandsberichterstattung in der Frankfurter Allgemeine Zeitung und der Süddeutschen Zeitung zu untersuchen und herauszufinden, welche Themen die Berichterstattung über die Ukraine in Deutschland prägen.

Die Ergebnisse der Datenauswertung zeigen, dass die Imagebildung der Ukraine noch nicht abgeschlossen ist. Immer noch sind polarisierende Einstellungen gegenü-ber der Ukraine zu beobachten, die von Verbesserungstendenzen aus der Orangenen Revolution und Verschlechterungen auf Grund der anhaltenden Staatskrise geprägt sind. Die instabile politische Situation im Lande hat direkte negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsbranche und somit auf das Investitionsklima der Ukraine. Abge sehen davon, dass die Ukraine als souveräner Staat mit festen Grenzen in den Me-dien mittlerweile schon anerkannt ist und das Feindbild gegenüber der Sowjetunion nicht mehr zum Ausdruck kommt, hat die Darstellung der Ukraine noch keinen fes-ten Platz in der Auslandsberichterstattung der deutschen Presse gefunden. Es wird nur dann über die Ukraine berichtet, wenn die Ereignisse eine starke Betroffenheit beim deutschen Publikum auslösen. Da die mediale Aufmerksamkeit sich auf die außenpolitischen Ereignisse richtet, bleibt somit das Image der Ukraine an die positi-ven bzw. negativen Auswirkungen dieser Ereignisse für Westeuropa gekoppelt.

1. Fragestellung und Vorgehensweise

1.1. Forschungsfragen

Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Ukraine war im 20. Jahrhundert in erster Linie von kriegerischen und ideologischen Auseinandersetzungen während der beiden Weltkriege, dem kalten Krieg und vor allem von den feindlichen Einstellun-gen gegenüber der Sowjetunion geprägt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Umbruch des Ostblocks sind die deutsch-ukrainischen Beziehungen in eine neue Phase getreten. Die alten ideologisch geprägten Deutungsmuster sind obsolet gewor-den und das Verhältnis zwischen den beiden Ländern muss angesichts der EU Grenzerweiterung neu definiert werden. Seit der Unabhängigkeitserklärung im Au­gust 1991 ist die Ukraine als selbständiger Staat auf der politischen Karte Europas präsent und strebt die Aufnahme in die NATO und die EU an. Jedoch wagte die eu-ropäische Gemeinschaft lange Zeit nicht die wirtschaftliche Kooperation mit dem jungen Staat. Auch die NATO-Mitgliedschaft wurde bis jetzt besonders seitens Deutschlands und Frankreichs verweigert, da man an die kühlen Beziehungen zwi-schen Russland und der NATO denken musste2. Wie spiegeln sich diese Tendenzen in der Darstellung der Ukraine in der deutschen Presse wieder? Wird die Ukraine als unabhängiger demokratischer Staat anerkannt oder steht das Land immer noch im Schatten Russlands, wobei immer die Meinung des großen Bruders mit einbezogen wird auch wenn es „nur“ um die Ukraine selbst geht?

Diese Fragestellungen stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung. Dabei geht es schwerpunktmäßig darum, herauszufinden und aufzuzeigen, welches Bild die deutschen Printmedien von der Ukraine vermitteln und wie sich die mediale Wahr-nehmung der Ukraine im Laufe der Zeit verändert hat. Vor allem die Orangene Re­volution im Jahr 2004 brachte einen Umbruch des politischen und gesellschaftlichen Systems mit sich und fand dadurch großes öffentliches Interesse. Gewann die Uk­raine seitdem an positiver Berichterstattung oder blieben die deutschen Medien eher skeptisch gegenüber den sogenannten demokratischen Errungenschaften der Revolu tion? Welche Akteure treten auf die öffentlich-mediale Bühne? Wie entwickelte sich die Bewertung der Ereignisse in der Ukraine während des untersuchten Zeitraums zwischen 1991 und 2007?

Als methodisches Instrument zur Überprüfung der aufgestellten Fragen wird die In-haltsanalyse herangezogen, die in Hinsicht auf Zugänglichkeit des Untersuchungs-materials und Zuverlässigkeit der Ergebnisse bestens geeignet ist.3 Dazu wird ein Zeitraum von rund 17 Jahre herausgegriffen – vom August 1991 bis Dezember 2007. Dies war die Zeit der Ereignisse, welche die Entwicklung der Ukraine als unabhän-gigen Staat maßgeblich beeinflusst haben - von der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1991 bis hin zum politischen Umbruch (Orangene Revolution) 2004 sowie die darauffolgenden demokratischen Reformversuche. Der Schwerpunkt der Analyse wird auf die Berichterstattung der zwei führenden deutschen Tageszeitungen gelegt. Printmedien zählen zu den zuverlässigsten Informationsquellen, dabei nehmen die FAZ und die SZ eine zentrale Stellung innerhalb des deutschen Mediensystems ein. Im Gegensatz zu populären Medien wie z.B. Boulevardzeitungen, Hörfunk und Fern-sehen, bietet die Zeitung als Informationsmedium im Allgemeinen mehr Platz für Auslandsnachrichten.4 Außerdem gehören insbesondere die politische und wirt-schaftliche Elite sowie Journalisten anderer Medien zu den Lesern der FAZ und SZ. Der Einfluss dieser Prestigemedien weitet sich somit über den Kreis ihrer eigenen Rezipienten aus: zum einen, weil die Themen und Tendenzen ihrer Berichterstattung von anderen Medienorganisationen aufgegriffen werden, und zum anderen weil sie Einfluss auf weitreichende Entscheidungen innerhalb der Politik und Wirtschaft ha-ben können.

Die vorliegende Untersuchung steht in der Tradition der vom „Foreign-Images“-Projekt zum ersten Mal Ende der 70er Jahre durchgeführten und in den 90er Jahre wiederholten Arbeiten, die das mediale Nationenimage in den Vordergrund stellen. Dabei geht es um die Images in Inhalten der Massenmedien, nicht um Wirkungs-oder Rezipientenforschung. Christof Peters spricht dabei vom Teil der veröffentlich ten Meinung5: eine Meinung, die die Medien eines bestimmten Landes an das Publi-kum vermitteln. Den Medien wird in diesem Zusammenhang die äußerst prägnante Rolle für die Imagebildung zugeschrieben. Sie ersetzen die Primärerfahrungen und sind die wichtigsten Informationsquellen.

1.2. Relevanz der Untersuchung

Die Relevanz der Untersuchung wird maßgeblich durch die Tatsache begründet, dass die Ukraine als zweitgrößter europäischer Staat auf der medialen Landkarte nur in Umrissen vorhanden ist.

„...Die Ukraine möchte endlich ernst genommen werden. Stattdessen muss sie erfah-ren, dass sich der Westen einseitig auf die Festigung seiner Beziehungen zu Russland konzentriert und dem nationalen Selbstbehauptungswillen der zweitgrößten ostslawi-schen Nachfolgerepublik des Sowjetimperiums entweder gar keine oder nur ober-flächliche Beachtung schenkt."6

Die Analyse der Presseberichterstattungen und der Forschungsarbeiten belegen, dass die meisten Westeuropäer bis vor Kurzem praktisch Nichts oder nur sehr wenig über die Ukraine gewusst haben. Einer im Jahr 2002 angelegten Befragung zufolge war selbst das Ukrainebild von mit diesem Land beruflich beschäftigten Vertretern west-europäischer und nordamerikanischer Eliten - Journalisten, Politiker, Unternehmer sowie Manager und Experten aus dem Bereich der Wissenschaft - im Durchschnitt von einem auffällig geringen Kenntnisstand und einer vorurteilsbehafteten Wahr-nehmung geprägt.7 Das Image des Landes ist dadurch gekennzeichnet, dass der In-formationsstand allgemein sehr diffus ist. Christian Semler vertritt in seinem Artikel die Auffassung, dass aufgrund fehlender Informationen, nationale Stereotypen über Russland (die Seele, der Suff, die Grausamkeit) auch auf die Ukraine übertragen werden.8

Die Ukraine liegt irgendwo im Osten, sie ist ein großes Land, sie war einmal die Kornkammer der früheren Sowjetunion, sie ist eng mit Russland verbunden, es gibt jede Menge Probleme dort, Missstände und Korruption, und ja, gute Sportler, die gibt es dort auch - das war es im Wesentlichen schon, was man zu hören bekam, wenn man fragte, was man im Westen bislang so grosso modo mit der Ukraine ver-bunden hat“.9

Das eklatante Unwissen über diesen zweitgrößten Staat des europäischen Kontinents hängt vor allem damit zusammen, dass die Ukraine im Bewusstsein der Mehrheit der gebildeten Westeuropäer lange Zeit als UdSSR-Nachfolgestaat im Schatten Russ-lands stand.10

In den Publikationen über die Ukraine ging es bis zum politischen Umbruch im Jahr 2004 vor allem um den westlichen Landesteil - das alte östliche Galizien - als multi-kulturelle Heimatstadt von Polen, Juden und Ukrainern, ein Raum zwischen Lem­berg (Lviv) und Černivci. Der östliche Teil blieb dagegen vernachlässigt. Lange Zeit galten die Ukrainer wegen der blutigen nationalen Auseinandersetzungen um Gali-zien als gewalttätige ungebildete Bauern, zudem als Hitler-Schergen. Mittlerweile hat sich hier ein Umdenken vollzogen.11

In den deutschen Medien wird sehr wenig und meist einseitig über die Ukraine be-richtet. Das Ukrainebild wird vor allem von Berichten über die Korruption hoher ukrainischer Politiker, die Auswirkungen der Čornobyl-Katastrophe und die schwie-rige ökonomische Lage geprägt.12

Seit der Unabhängigkeit der Ukraine ist eine größere Zahl von Gesamtdarstellungen und Publikationen zu einzelnen Problemen der ukrainischen Gesellschaft erschienen. Dennoch fehlt es an Materialien für Generalisierungen. Viele Berichterstattungen sind tendenziös: die Tatsachen werden von verschiedenen, oft polaren Standpunkten aus diskutiert. Dies ist einerseits durch die kulturelle und politische Teilung des Lan­des, andererseits durch die 70 (in dem westlichen Region etwa 50) Jahre Sowjetherr schaft, über welche die Geschichtsschreibung zahlreiche Lücken und ideologische Fälschungen aufweist, zu erklären. Die meisten in englischer, deutscher oder franzö-sischer Sprache geschriebenen Forschungsarbeiten über die nationale Geschichte der Ukraine sind in den Universitäten und Forschungszentren der ukrainischen Diaspora in Kanada (vor allem Toronto, Winnipeg) und den USA, aber auch in Geschichtsin-stituten deutscher, österreichischer und französischer Universitäten entstanden. Im kulturwissenschaftlichen und politischen Diskurs wird die Ukraine immer häufiger erwähnt, insbesondere dann, wenn es um die östlichen Grenzen der EU und die Nachbarschaftspolitik geht.

Aus wissenschaftlicher Sicht stellt die Erforschung des medialen Images der Ukraine in Deutschland ein relativ neues Feld dar. Bisher waren in erster Linie die wirt-schaftspolitischen Probleme des Transformationsprozesses oder innenpolitische Aus-einandersetzungen sowie die PR politischer Parteien Gegenstand von Untersuchun-gen.13 In der Ukraine selbst sind die Image-Studien bisher kaum durchgeführt. Bis dato sind nur einzelne Beiträge in Sammelbänden und Konferenzaufsätzen zu finden, welche die mangelnden staatlichen PR-Maßnahmen kritisieren und Richtlinien zur Imageverbesserung anbieten.14 Die Grundfragen der deutsch-ukrainischen Beziehun-gen im historischen Kontext untersucht Claus Remer in seinem Beitrag „Zum Ukrai-nebild in Deutschland vom 19. zum 20. Jahrhundert.“ Diese Analyse von Printme-dien beschränkt sich auf das Bild der ukrainischen Territorien innerhalb des russi-schen Imperiums Anfang des 20. Jahrhunderts und kann somit keine ausreichenden Informationen bezüglich des aktuellen medialen Images liefern. Sie stellt aber span-nende Begegnungen zwischen den Deutschen und den „Kleinrussen“ dar.15 Die letzte umfassende Untersuchung der deutsch-ukrainischen Beziehungen liegt mehr als 50 Jahre zurück. Dmytro Dorošenko, ein Historiker und Publizist, fasste das Ukrainebild in Deutschland während seines Exils im zweiten Weltkrieg anhand struktureller An-satzpunkte in der Geschichte der deutsch-ukrainischen Beziehungen zusammen.16

Im Gegensatz zur Ukraine hat Russland einen festen Platz auf der Forschungsagenda. Laut Astrid Blome gibt es heutzutage eine Vielzahl von Studien, die sich mit dem deutschen Russlandbild verschiedenster Zeitabschnitte oder einzelner Ereignisse bzw. in Bezug auf bestimmte Personen beschäftigt.17 Den Wandel des Russlandbil-des in der Wahrnehmung Deutschlands von 1985 bis 1995 untersucht die Arbeit von Katrin Seifert.18 Unter den demoskopischen Studien über das Image Russlands ist die Allensbacher Studie „Kein Kommunismus, keine Demokratie, keine Marktwirt-schaft. Zum Russlandbild der Deutschen“ aus dem Jahre 1996 zu nennen. 2007 kam auch eine aktuelle qualitative Inhaltsanalyse der deutschen überregionalen Presse heraus, welche die Übereinstimmung des von den Medien vermittelten Bildes mit der Wahrnehmung in der Bevölkerung untersucht.19 Dagegen konnten nach intensiven Recherchen keine empirischen Studien über das Image der Ukraine in den deutschen Medien gefunden werden.

Als Bezugspunkt wurde eine Doktorarbeit gewählt, die das Bild der Ukraine in der Presse der USA und Großbritanniens im Jahr 2001 untersucht. Diese inhaltsanalyti-sche Studie bietet nur einen kurzfristigen und eingeschränkten Einblick in die eng-lischsprachige Berichterstattung über die Ukraine indem sie sich überwiegend auf das Aufzeigen der Problemfelder der aktuellen Außenpolitik konzentriert. Ein lang-fristiges Ukrainebild sowie der Imagewandel wurden in dieser Studie nicht unter-sucht.

1.3. Gliederung der Arbeit

Die vorliegende Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil ist den theoreti-schen Begriffsbestimmungen gewidmet. Es soll hier der Frage nachgegangen wer-den, wie Nationenbilder entstehen und welche Rolle die Medien dabei spielen.

Daran schließt sich eine kurze Vorstellung der bisherigen Ergebnisse der Nachrich-tenauswahlforschung in Bezug auf die Auslandsberichterstattung an. Ein besonderes Augenmerk wird dabei den Faktoren der Auslandsberichterstattung in der deutschen Presse gewidmet.

Im darauffolgenden Kapitel wird die Ukraine vorgestellt. Die historische Entwick-lung von slawischen Kleinprovinzen zu einem unabhängigen Staat, die aktuelle wirt-schaftspolitische Situation, die Innen- und Außenpolitik sowie die deutsch-ukrainischen Beziehungen werden hier im Überblick beschrieben. Am Beispiel des gescheiterten Programms zur Imageverbesserung der Ukraine werden die aktuellen Probleme der Imagestrategien der Regierung skizziert.

Der theoretische Teil schließt sich mit einer Zusammenfassung der dieser Arbeit zu-grunde liegenden Begriffsbestimmungen und allgemeinen Informationen zum unter-suchten Land.

Der zweite Abschnitt der Arbeit widmet sich der empirischen Untersuchung mittels einer Inhaltsanalyse der zwei überregionalen Zeitungen – der FAZ und der SZ. Zu-nächst wird die Anlage und methodische Durchführung der Arbeit vorgestellt. Nach der Darstellung der Forschungshypothesen wird die Inhaltsanalyse als Untersu-chungsmethode beschrieben. Des Weiteren folgt eine systematische Schilderung der Datenerhebung und -aufbereitung. Die Forschungshypothesen werden durch Katego-rien operationalisiert und im Kategoriensystem ausführlich beschrieben.

Die Analyse der ausgewerteten Daten erfolgt im darauffolgenden Kapitel. Dabei werden die Daten nach den wichtigsten Kategorien zusammengefasst präsentiert, indem zunächst auf die formalen Aspekte der Inhaltsanalyse eingegangen wird - die Platzierung der Artikel, ihre Darstellungsformen und die Informationsquellen. Im Anschluss werden die inhaltlichen Aspekte dargestellt. Da ein Schwerpunkt der Ar-beit die Themenanalyse ist, werden die thematischen Aspekte und deren Bewertun-gen eingehender untersucht. Analysiert werden hier die fünf nach ihrem Gewicht eingeordneten Themen, wobei zwischen dem Hauptthema und vier Nebenthemen unterschieden wird. Der nächste Anschnitt der Arbeit konzentriert sich auf die in den Artikeln dargestellten Handlungsträgern, wobei hier die fünf wichtigsten genauer untersucht werden.

Schließlich werden die im Kapitel 5.1. dargestellten Forschungshypothesen auf ihre Wahrhaftigkeit hin überprüft. Das Kapitel schließt, wie im theoretischen Teil, mit der Darstellung der Ergebnisse der Datenauswertung.

Im Kapitel 7. werden die erarbeiteten Ergebnisse abschließend zusammengefasst. Zudem werden Aussagen über zukünftige Entwicklungen gemacht, um Anstoß für weitere Untersuchungen zu geben.

2. Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel steht die These von der Bedeutung der Massenmedien bei der Bil-dung von Nationenbildern im Mittelpunkt des Interesses. Als erstes werden hier Überlegungen zu den Begriffsbestimmungen der Nationenbilder dargestellt. Neben definitorischen Fragestellungen des Image-Begriffs sollen auch die Aspekte der Konstruktion derartiger Bilder thematisiert werden. Weiterhin wird auf die Rolle der Massenmedien bei der Entstehung und Verfestigung des Images eingegangen. An-schließend werden die Faktoren der Auslandsberichterstattung in Deutschland unter-sucht, wobei der Schwerpunkt auf die Kriterien der Nachrichtenselektion gelegt wird.

2.1. Image eines Landes als mediales Konstrukt

Der ursprünglich aus dem Lateinischen abgeleitete Image-Begriff (Bild, Aufzeich-nung) weist heute viele Facetten auf. Wirtschaft-, Sozial-, Politik- und Kommunika-tionswissenschaften sowie die PR bzw. Öffentlichkeitsarbeit sind Gebiete, in denen er sich eingebürgert hat. Im aktuellen Sprachgebrauch lässt sich der Ausdruck durch Begriffe wie Bild, Einstellung, Feindbild, Vorurteil oder Stereotyp umschreiben, welche bestimmte Merkmale bzw. Ausprägungen des Oberbegriffs „Image“ darstel-len, zusammen aber ein komplexes Konstrukt bilden. Dem negativ gefärbten „Vorur-teil“ stellen die Sozialwissenschaftler den wertneutralen Charakter des „Images“ ge- genüber.20 Eine lang anhaltende, unveränderbare Eigenschaft wird dem „Stereotyp“ zugeschrieben. Wilke bezeichnet den Begriff „Stereotyp“ als „stark verfestigte Ein-stellungen, die durch die Verwendung in der Vorurteils- und Minoritätenforschung einen negativen Beiklang hat.“21 Feindbilder entstehen als Folge gestörter Beziehun-gen bzw. aufgrund eines Konfliktes zwischen den Staaten oder durch die ideologi-sierte Kommunikation (z.B. der kalte Krieg, Ost-West Block).22 Im Bereich der Mas-senkommunikation wird die Imageforschung durch umfangreiche Studien von Ken­neth Boulding geprägt, dessen Leitideen auf die Studie von W. Lippmann zurück gehen. Er stellt die „Bilder in unseren Köpfen“ der objektiven Realität gegenüber und deckt damit die Diskrepanz zwischen objektiver Wirklichkeit und dem subjekti-ven Wissen auf.23 Mit „Images“ - so Wilke - sind demnach die Formen der subjekti-ven Abbildung der Realität im menschlichen Bewusstsein gemeint.24 Darauf auf-bauend argumentiert Boulding:

The image must be thought of as the total cognitive, affective and evaluative struc­ture of the behavior unit or its internal view of itself and its universe25

Weiterhin kategorisiert Boulding die verschiedenen Arten von Images und prägt die Merkmale des Nationenimages als Bild, das “a nation has of itself and of those other bodies in the system which constitute its international environment.26 Die deutsche Interpretation dieser Definition findet man bei Wolf Michael Iwand, wonach die Ge-samtheit der Eigenschaften und Attribute gemeint ist, die eine Person oder eine Ge-sellschaft einer anderen Nation oder Gesellschaft zuschreibt.27

Im Rahmen der aktuellen Imageforschung wird dem Image eine verallgemeinernde Funktion zugeschrieben. In unserer immer komplexer werdenden Welt verhelfen Images durch Reduktion von Komplexität zu einer schnellen Orientierung. Im Hinb-lick auf die Touristikbranche beispielsweise beeinflusst das Image des Urlaubsortes die Wahl des Reiseziels.28 In diesem Zusammenhang stellt das Nationenbild ein „ge-neralisiertes Profil eines Landes bzw. dessen Bewohnern dar und fügt verschiedene Eindrücke von einem Volk zu einem homogenen Bild zusammen.29

Die Entstehung des Nationenimages erfolgt laut Boulding nach den Faktoren der geographischen Distanz, Feindschaft bzw. Freundschaft zwischen den Staaten und deren politischen, wirtschaftlichen und militärischen Stärken oder Schwächen.30

Ausgehend von diesen Faktoren entwickelt Süßmuth 15 Kategorien, die zur Heraus-bildung von Länderimages führen. Zu diesen zählen unter anderen die Beziehungs-geschichte und die aktuellen Beziehungen der Staaten, das militärische Potenzial und das Konfliktlösungsverhalten, das politisch-soziale System, der wirtschaftliche Ent-wicklungsstand, sowie die außen- und innenpolitische Reputation. Von Bedeutung sind des Weiteren die Ideologien, die zu oben erwähnten Feindbildern leiten können, das Verhalten der Bevölkerung im Allgemeinen und im Besonderen: von einzelnen Persönlichkeiten (Politikern, Wissenschaftlern, Prominenten, Sportlern) und gesell-schaftlichen Gruppen (Eliten). Ein Faktor außerhalb der Ebene der Außenpolitik ist das Volk, welches ein Länderimage durch Sympathie- bzw. Abneigungsbekundun-gen ausdrücken kann, da die Attribute, die dem Volk zugeschrieben werden, häufig vom Landesimage abweichen können. Der Kultur wird dabei aber eine nur unter-geordnete Rolle zugestanden, während die Größe eines Landes sowie die Einwoh-nerzahl wichtig sind. Schließlich verweist Süßmuth auf den Einfluss des Selbstbildes auf die Entstehung von Länderimages.31

Welche Kriterien in welchem Ausmaß zur Imagebildung herangezogen werden ist in jedem Fall unterschiedlich. Für die Prägung der Nationenbilder sind vor allem die Massenmedien verantwortlich. Kommunikations- bzw. Sozialwissenschaftler sind sich einig, dass die Medien eine zentrale Stellung bei der Etablierung und Verbrei-tung von Landesimages einnehmen, da sie eine der wichtigsten Informationsquellen darstellen. Trotz der erweiterten Möglichkeiten des direkten Kontakts zum jeweili-gen Land (Reise, Multi-Media Kommunikation) ersetzen bzw. vervollständigen die Medienberichterstattungen die primären Erfahrungen da, wo sie fehlen oder nicht ausreichend sind. In ihrem Streben nach Aktualität sind die Medien außerdem die Ersten, die mit Informationen für neue, für die Imagebildung relevante Sachverhalte sorgen.32 Da sie als freie Beobachter und Informationsvermittler fungieren, wird ge-rade den Printmedien eine hohe Glaubwürdigkeit und Kompetenz zugebilligt.33 Wil­ke betont in seiner Forschungsarbeit die Aussage von Galtung und Ruge, dass das Bild der internationalen Realität zwar nicht durch die Nachrichtenmedien allein ge-formt werden, „but the regularity, ubiquity and perseverence of news media will in any case make them first-rate competitors for the number one position as internatio­nal image- former“.34 Auch in Bezug auf die politischen Entscheidungsträger wird den Massenmedien Einfluss zugestanden, da Politiker diese häufig als Informations-quelle nützen müssen.35

Da die Medien die Realität nicht abbilden, sondern eine gewisse subjektive Realität darstellen, wird ihnen auch ein gewisses Manipulationsgefahr zugeschrieben. Sie sind in der Lage, bestimmte Eigenschaften einer Nation zu verfestigen oder abzubau-en, denn Images sind beeinflussbar. Somit verfügen die Massenmedien über eine gewisse Macht bei der Vermittlung von Nationenbildern: insbesondere dann, wenn die Länder außerhalb des eigenen Erfahrungsbereiches liegen, da in diesen Fällen keine oder nur geringe Möglichkeiten bestehen, das medial vermittelte Bild durch das selbst Erlebte, also Primärerfahrungen, ggf. zu korrigieren.36 Zu diesen Ländern zählt auch die Ukraine, da sie weder geographisch in direkter Nachbarschaft Deutschlands liegt, noch bisher in nennenswertem Ausmaß als touristisches Ziel Anklang gefunden hat.

2.2. Nachrichtenauswahlforschung: Begriffe, Problemfelder und Entwicklungsperspektiven in Bezug auf die Auslandsbericht-erstattung

Die Feststellung der medialen Prägung des Landesimages führt zu der grundlegenden Frage, auf welche Weise die Medien die Wirklichkeit darstellen. Wie die Medien das Image einer Nation aufbauen, hängt nicht zuletzt davon ab, an welchen Informati-onsquellen sie sich orientieren und welche Kriterien sie bei der Nachrichtenauswahl heranziehen. Die zahlreichen in den letzten Jahrzehnten durchgeführten empirischen Studien zu diesem Thema haben wertvolle Erkenntnisse gebracht, die die Bedeutung der Nachrichtenauswahl der Medien im Hinblick auf die Imagebildung aufzeigen.37 In der vorliegenden Untersuchung wird deshalb an die Tradition der Nachrichtenfor-schung angeknüpft. Von den drei Forschungsrichtungen zur Analyse der Nachrich-tenauswahl (Gate-Keeper Forschung, News Bias Forschung und die Nachrichten-werttheorie) sind die Ergebnisse der Nachrichtenwerttheorie in Bezug auf die Aus-landsberichterstattung der deutschen Printmedien von besonderem Interesse für die vorliegende Arbeit, da sie Erkenntnisse über die Ausprägung der Nachrichtenfakto-ren in der deutschen Presse liefern.

Die europäische Nachrichtenforschungstradition begann in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts als Galtung und Ruge, aufbauend auf Östgaards Hypothesen, 12 Fakto-ren der Nachrichtenselektion erarbeiteten.38 Weiterentwickelt wurde die Nachrich-tenwerttheorie unter Anderen von Winfried Schulz, Karl Rosengren, Jürgen Wilke, Joachim Staab und Hanns Matthias Kepplinger. Im Gegensatz zu Galtung und Ruge stellte Schulz neben wahrnehmungspsychologischen Faktoren auch politische, öko-nomische, soziale und technische Einflüsse auf die Nachrichtenselektion vor. Er entwickelte 18 Nachrichtenfaktoren, die sich in 6 Dimensionen zusammenfassen lassen39:

Zeit - Dauer und Thematisierung eines Ereignisses:

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis zur Nachricht wird, erhöht sich, je mehr die Zeitspanne, die ein Ereignis benötigt um sich zu entfalten, mit den Erscheinungs-intervallen eines Mediums übereinstimmt. Kurzfristige Ereignisse besitzen daher eine größere Chance, zur Nachricht zu werden. Dieser Faktor wird in den Studien breit diskutiert und zum Teil widerlegt. Es bleibt jedoch unumstritten, dass einmalige Ereignisse, die innerhalb eines vorher thematisierten Geschehen stattfinden, von den Medien bevorzugt berichtet werden.40

- Nähe - diese Dimension setzt sich aus der räumlichen (geographische Entfer-nung), politischen (wirtschaftspolitische Beziehungen), kulturellen (sprachliche, reli-giöse, literarische, wissenschaftliche Beziehungen) und psychologischen Nähe (Grad der Betroffenheit und existenzielle Bedeutung eines Ereignisses) zusammen. Dabei wird unterstellt, dass die rein geographische Nähe nur wenig Einfluss auf die Nach-richtenselektion ausübt. Geopolitische Faktoren dagegen sowie soziale Eigenschaf-ten, die den Ländern gemeinsam sind (Religion, Sprache) haben mehr Gewichtigkeit im Auswahlprozess.41
- Status - Bedeutung einer Region bzw. eines Landes (politisch, ökonomisch, militärisch), persönlicher Einfluss (politische Macht) und Prominenz von Personen: Meldungen über Weltmächte sowie über einflussreiche Personen besitzen einen ho-hen Nachrichtenwert. Diese Dimension findet ihre Ausprägung in der These zur Eli-tenorientierung im internationalen Nachrichtenfluss.
- Dynamik - Intensität, Überraschung, Grad der Komplexität bzw. Eindeutig-keit von Ereignissen:
Es wird angenommen, dass sich unerwartete, dabei aber klar und einfach dargestellte Nachrichten ebenfalls eines hohen Nachrichtenwertes erfreuen dürfen. Allerdings unterstellt die Analyse von Hirsch einen Mangel an Beweisen für die Rolle der ge-nannten Faktoren in Bezug auf den internationalen Nachrichtenfluss.42
- Valenz - Negativismus (Konflikt, Kriminalität, Schaden): Diese Dimension besagt, dass negative Nachrichten den positiven gegenüber bevor-zugt werden. Es wird in diesem Zusammenhang argumentiert, dass die negativen Nachrichten keineswegs den internationalen Nachrichtenfluss beherrschen; eher ist es so, dass die positiven unterrepräsentiert sind.43 Die Auswahl der negativ geladenen Informationen wird durch andere strukturelle Merkmale der Berichterstattung (Poli-tikzentrierung oder mangelnde staatliche Öffentlichkeitsarbeit) begünstigt.
- Identifikation – Personalisierung (Darstellung des Ereignisses als Ergebnis individuellen Handelns und nicht als Folge sozialer Strukturen)44 und Ethnozentris-mus (Bezug auf das eigene Land)45: Die Personalisierung findet ihren Nachrichtenwert im Zusammenhang mit dem Fak-tor „Elitenzentrierung“. Beim Faktor Ethnozentrierung ist ein Wandel sichtbar. Wäh-rend Ende der 70er - bis Mitte der 80er Jahre dem Ethnozentrismus nur eine geringe Einflusskraft zugeschrieben wurde46, stellte die Foreign-Image Studie der 90er Jah-ren den Ethnozentrismus als ein der langfristig stabilen Merkmalen der Auslandsbe-richterstattung in Deutschland dar.47

Die Neuorientierung der Studie von Schulz, die mit dem Realismus als Forschungs-paradigma gebrochen und stattdessen die bis heute in der deutschen Medieninhalts-forschung einflussreiche Position eines radikalen Konstruktivismus formuliert hat, bestand darin, dass Schulz die Ursache der Nachrichtenauswahl nicht allein in den Eigenschaften eines Ereignisses - erfasst mit den Nachrichtenfaktoren - sah, sondern auch Vorstellungen der Journalisten von der Berichtswürdigkeit des Ereignisses mi-teinbezogen hat.48 Folglich beschreibt dieser Ansatz - befürwortet und weiter entwi-ckelt in den Arbeiten von Staab und Kepplinger -, dass nicht die Merkmale eines Ereignisses darüber entscheiden, was die Medien publizieren (passiver Redakteur), sondern dass der Journalist bzw. Redakteur einem Ereignis gewisse publikations-würdige Eigenschaften zuschreibt und ihm durch seine Auswahl einen Nachrichten-wert gibt:

„Zu den Nachrichtenfaktoren gehören notwendigerweise die journalistischen Selek-tionskriterien. Sie erst verleihen den Nachrichtenfaktoren ihren Nachrichtenwert.“49

Damit wurde das Zwei-Komponenten-Modell der Nachrichtenauswahltheorie be-gründet, das sich in die Selektionskriterien der Journalisten und die Nachrichtenkrite-rien eines Ereignisses untergliedert. In der klassischen Nachrichtenwerttheorie wer-den diese zwei Komponenten der Nachrichtenauswahl gleichgesetzt und als Nach-richtenfaktoren bezeichnet.50

Kepplinger plädiert in seiner Forschungsarbeit dafür, dass die Nachrichtenwerttheo-rie nicht universell ist, sondern in jedem einzelnen Land bestimmten Gültigkeitsbe-dingungen unterliegt, die unter Anderem „einem historischen bzw. zeitgeschichtli-chen Wandel unterworfen [sind]“. 51

Eine theoretische Verallgemeinerung von Nachrichtenforschungsergebnissen in Be-zug auf die Auslandsberichterstattung stellt Kai Hafez vor. Er präsentiert sechs Strukturmerkmale der Auslandsberichterstattung:

- Regionalismus52 (und Metropolenorientierung):

Neben der Berichterstattung aus der oder über die eigene Region ist eine Akzentver-schiebung des medialen Interesses seitens der Industriestaaten Westeuropas und der USA bemerkbar. Als Ursache hierfür werden die „politische und wirtschaftliche Ausstrahlungskraft“53 Westeuropas und der USA und ihre nachwirkenden histori-schen Faktoren genannt (Einflussterritorien). Dagegen finden die Länder aus Latei-namerika, Afrika, Asien und Osteuropa unabhängig von ihrer geographischen und demographischen Größe nur wenig Beachtung.

- Konfliktperspektive:

Es wird nachhaltig über politische und soziale Krisen, Konflikte sowie durch die Natur oder die Menschen verursachte Katastrophen berichtet. Dabei wird darauf hin-gewiesen, dass „weniger die absolute Häufigkeit negativer Berichte, sondern die relative Unterrepräsentiertheit positiver Berichte in der Auslandsberichterstat-tung“54 für die Konflikt- bzw. Krisen- oder Negativberichterstattung charakteristisch ist. Laut den Image-Studien finden die negativgeladenen Themen über das Ausland, wie beispielsweise politische Instabilität, fehlende demokratische Reformen und Kriminalität, schnell und häufig Zugang zur Öffentlichkeit, während andere gesell-schaftliche Themen vernachlässigt werden.

- Politikzentrierung:

Die Orientierung auf die Darstellung der politischen Akteure und Systeme wird von den Medien als primäre Triebkraft betrachtet. Dies wird durch eine Reihe von Fakto-ren begünstigt. Das Thema Politik besitzt ein allgemeines Interesse. Dazu benötigen politische Nachrichten aus dem Ausland nur relativ eingeschränkte redaktionelle Arbeit, da sie meistens entweder von Nachrichtenagenturen oder von den Abteilun-gen strategischer Öffentlichkeitsarbeit politischer Institutionen fertig an die Medien geliefert werden. Außerdem erweist sich die Politikzentrierung als Ursache für die Konfliktperspektive bzw. Negativberichterstattung in Ländern, in denen politische Probleme herrschen:

„Die Konzentration auf die autoritäre Politikgestaltung eines Landes wird nahezu zwangsläufig ein negativeres Medienbild nach sich ziehen als eine stärker kulturell oder sozial akzentuierte Berichterstattung.“55

- Elitenzentrierung:

Ereignisse, die offizielle Eliten oder Gegeneliten (Rebellen/Putschisten) betreffen, werden besonders stark beachtet, während andere soziale Gruppen und gesellschaft-liche Bewegungen marginalisiert werden. Aus Politik- und Elitenzentrierung ergibt sich - so Hafez - eine nachhaltige Konzentration der Berichterstattung auf politische Eliten, was teilweise die Unterhaltungselemente in politischen Themen begünstigt (soft news). Darüber hinaus argumentiert Hafez, dass die politische Marginalisierung von Bevölkerungsmehrheiten die Bildung der Zivilgesellschaft in den Entwicklung-sländern stark beeinflusst, da die vermittelten Bilder auf das Ausland zurück wirken können.

- Dekontextualisierung:

Die Elitenzentrierung und Personalisierung des Auslandsbildes ist eng mit den Kon-textdefiziten, d.h. mangelnder Betrachtung von politischen, ökonomischen und kultu-rellen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen im medialen Auslandsbild, verbunden. Dekontextualisierung kommt im öffentlichen Diskurs als einer der grundsätzlichen Anklagepunkte gegenüber den strukturellen und ökonomischen Hindernissen der Massenmedien und den Arbeitsgrundsätzen der journalistischen Praxis vor:

„Sie ist das Resultat von Raum-, Zeit-, und Relevanzvorgaben der Medienorganisa-tionen sowie dem Prozess der Informationsbeschaffung und der unterschiedlich aus-geprägten Kompetenz des Journalisten.“56

Da die Medien meistens keine oder nur spärliche Korrespondetennetzte im Ausland betreiben, sind sie größtenteils auf die Informationen von Nachrichtenagenturen an-gewiesen. Die Nachrichtenagenturen recherchieren ihre Informationen oft auch nicht selbst, sondern beziehen sie von Öffentlichkeitsdiensten. Damit ist die Gesamtlage der Weltnachrichten ein stark selektiertes und vereinfachtes Spektrum von Themen, welches durch die marktführenden Agenturen der großen westlichen Industriestaaten vorrangig deren Interessen repräsentiert.

- Nichtdarstellung von Strukturproblemen internationaler Beziehungen:

Dieses Merkmal kann als Unterkategorie der Dekontextualisierung angesehen wer-den. Sie impliziert die Vernachlässigung der Darstellung von Verhältnissen zwischen dem Fortschritt und der Unterentwicklung im Kontext der Industrie- und Entwick-lungsländer. Dabei wird stets kritisiert, dass „Medienberichterstattung häufig ereig-nis- und weniger prozessorientiert ausgerichtet ist“.57

Zusammenfassend kann man feststellen, dass der Nachrichtenfaktorenansatz einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Frage liefert, welchen Aspekten die mediale Konstruktion der fremdkulturellen Wirklichkeit unterliegt. Trotz ihrer langen Tradi­tion scheint die Nachrichtenforschung jedoch noch nicht ausgeschöpft zu sein. In den zahlreichen empirischen Studien zu diesem Thema werden die Problemstellungen der vorhandenen Konzepte aufgedeckt und neue Forschungsansätze entwickelt.58 Vor allem die Forderung nach einer ausgewogenen Nachrichtenlandschaft wird im öffent-lichen Diskurs immer wieder gestellt. Die in den empirischen Studien aufgedeckten „weißen Flecken“ auf der Karte der Nachrichtengeographie weisen darauf hin, dass viele Länder bzw. Themen häufig vernachlässigt werden. So wurde 1995 in Deutsch­land die „Initiative Nachrichtenaufklärung“ (INA) gestartet, deren Ziel ist es „wichti-ge Nachrichten und Themen (hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum), die in den Medien nicht genügend berücksichtigt wurden, stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen“.59 Das Projekt untersucht und veröffentlicht die zehn Top-Themen, die in den Redaktionen „unter dem Tisch“ gefallen sind.

Als Gegentendenz zeichnet sich in den letzten Jahren ein Trend zum bilateralen Nachrichtenaustausch zwischen Referenzmedien verschiedener Regionen ab.60 Hans Kleinsteuber und Kai Hafez fordern in diesem Zusammenhang das Loslösen von der veralteten monologischen Auslandsberichterstattung zugunsten der Stärkung dialogi-scher Elemente, wobei mehr Stimmen aus den Zivilgesellschaften der Länder einbe-zogen werden sollen.61

2.3. Faktoren der Auslandsberichterstattung in der deutschen Presse

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich im Folgenden auf die Ausprägung der Nachrichtenfaktoren in Bezug auf die Auslandsberichterstattung in Deutschland.

Die „Foreign-Images“ Studie aus dem Jahr 1995 zeigte, dass die Auslandsberichters-tattung in Deutschland im Vergleich zu den USA traditionell62 einen größeren Raum einnimmt, jedoch stark auf das eigene Land konzentriert ist. Die Aussage, dass „das Ausland dann von Interesse ist, wenn das Geschehen auch einen Bezug zu Deutsch- land hat63, weist auf die starke Ausprägung des Nachrichtenfaktors Ethnozentrismus hin.

Der Studie zufolge hatten im Durchschnitt ca. 60% der ausgewerteten Auslandsbe-richte der FAZ und der SZ reines Auslandsgeschehen zum Thema. Mit nur jeweils 1% in beiden Medien hatten dabei die Inlandsberichte mit ausländischem Bezug oh-ne deutsche Beteiligung den geringsten Anteil an Berichterstattung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Internationaler Bezug der Nachrichten in FAZ und SZ.64

Bei den Auslandsberichterstattungen der führenden Nachrichtenagenturen ist die gleiche, auf Deutschland ausgerichtete Tendenz zu beobachten. Dabei ist der Anteil der Meldungen mit deutschem Bezug bei der dpa doppelt so hoch wie bei AP, AFP und Reuters. Der Grund dafür liegt darin, dass die dpa eine reine deutsche Nachrich-tenagentur ist, was wiederum als Bestätigung der Ausprägung des Faktors Ethnozent-rismus angesehen werden.

Darüber hinaus werden die Geschehnisse im Ausland primär nach ihren wirtschaftli-chen, politischen und kulturellen, nicht aber nach ihrer geographischen Nähe zu Deutschland wahrgenommen. Weltregionen, die außerhalb der politischen Macht zentren liegen (USA, Europa, Russland) haben nur bei „Rapid-Oneset-Themen“ wie Naturkatastrophen, Unglücken oder Terroranschlägen die Möglichkeit, in den Fokus des Weltinteresses zu geraten65 und verbleiben ansonsten an der globalen Nachrich-tenperipherie.

Es gibt ein universelles „Pattern“, in dem nach den Nachrichten aus der eigenen Region und den benachbarten Ländern an zweiter – über die politischen und wirt-schaftlichen Großmächte berichtet wird, an dritter - aus den Krisenregionen der Welt und an vierter kommen die anderen Teile der Welt.66

Die zweitbedeutendste Rolle in der internationalen Nachrichtenberichterstattung Deutschlands wird somit dem Faktor Regionalismus zugemessen.67 Wilke betonte in seinem Vergleich zweier „Foreign-Images“ Studien 1979 und 1995, dass Regiona-lismus einer der Nachrichtenfaktoren ist, die universell und langfristig stabil blei-ben.68 Die Meldungen über die EU, Deutschland und andere europäische Staaten zusammengenommen machen rund die Hälfte der internationalen Berichterstattung aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Nennungshäufigkeit der Länder bzw. Regionen in FAZ, SZ, FR, die
Welt und Bild.69

Die relativ aktuellen Studien von Hagen70 und Scherer71 belegen, dass eine Konzent-ration der deutschen Berichterstattung auf Länder der eigenen Region, vor allem auf die, zu denen enge wirtschaftspolitische Beziehungen bestehen, stattfindet. Insbeson-dere stellt die Import-Beziehung des Berichterstattungslandes zum Erscheinungsland einen wichtigen Einflussfaktor dar. „Nachrichten kommen also tatsächlich mit den Waren ins Land“ stellt die Analyse von Scherer fest.72

Wie Abbildung 2 zeigt, weist die Nachrichtenlandkarte in den 90er Jahren eine starke Unterrepräsentiertheit der GUS-Staaten auf. Das geringe Interesse an osteuropä-ischen Ländern lässt sich auch noch in der Untersuchung von 1979 erkennen.73 Somit wird deutlich, dass die internationale Berichterstattung in Deutschland in erster Linie durch den Faktor Machtstatus beeinflusst wird, der sich vor allem in der Intensität der wirtschaftlichen und außenpolitischen Beziehungen zwischen dem Land-Kommunikator und dem Land über das kommuniziert wird widerspiegelt.74 Die reine geografische Entfernung sowie das „Erdbebensyndrom“75, wonach überwiegend über Katastrophen berichtet wird, spielen bei der deutschen Auslandsberichterstattung nur eine geringe Rolle.

Anhand der aufgeführten Überlegungen kann man zusammenfassen, dass die Be-richterstattung der deutschen Medien über die Ukraine von deren ökonomischen Be-ziehungen und ihrem Machtstatus, d.h. von ihrer Rolle im internationalen Verflech-tungssystem, beeinflusst wird. Wie die wirtschaftspolitische Situation in der Ukraine aussieht, wird im nächsten Kapitel beleuchtet.

3. Ukraine im Überblick

Im folgenden Kapitel soll das Untersuchungsland Ukraine näher vorgestellt werden. Vor allem die Geschichte, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die gesellschaftlichen Problemstellungen stehen im Mittelpunkt dieser Ausfüh-rungen.

3.1. Aktueller Ausblick im historischen Kontext

Der gegenwärtige Standpunkt der Ukraine kann nicht verstanden werden, ohne die geographischen und historischen Voraussetzungen mit einzubeziehen. Daher ist es wichtig, einen Einblick in die historische Entwicklung des Staates zu schaffen. Die Ukraine ist 1991 aus der Ukrainischen Sowjetrepublik hervorgegangen und besteht heute in deren Grenzen. Nach Russland ist sie der größte Flächenstaat in Europa, etwa doppelt so groß wie Deutschland und 10% größer als Frankreich. Das Land liegt am Schnittpunkt vieler alter Handelswege und geistiger Strömungen der westli-chen (katholisch-lateinischen) und östlichen (orthodox-slawischen) Kulturkreise.76

Ukrainische Geschichte zu beschreiben ist problematisch. So stellte Mark von Hagen 1995 die Frage, ob die Ukraine überhaupt eine Geschichte habe.77 Er ist der Auffas-sung, dass sich Geschichtsschreibung traditionell entweder auf Staaten (politischer Gemeinwesen) oder auf Dynastien (politische Familien) stützt. Die ukrainische Ge-schichte kann darauf jedoch nicht zurückgreifen, weil ein eigenständiger Staat und Dynastien fehlen. Mit ihrer heterogenen Bevölkerung blickt das Land über viele Jahrhunderte hinweg auf eine sehr komplexe Vergangenheit zurück, ohne aber zu-gleich auf ein geschlossenes Geschichtsbild im Sinne einer durchgängigen Einheit von Bevölkerung, Territorium, Staat und Kultur zurückgreifen zu können. Die Exis-tenz sich überlagernder historiographischer Sichtweisen, geprägt durch Ideologien der zaristischen, sowjetischen und postsowjetischen Zeit, verkompliziert die ohnehin schwierige Identitätsfindung noch zusätzlich.

Fest steht: Das Land und seine Bewohner waren Jahrhunderte lang dem Einfluss ver-schiedenster Kulturen ausgesetzt. Nach der Zersplitterung des Kyjiver Reiches in unabhängige Fürstentümer, der Invasion der Mongolen und dem Einverleiben der westlichen Teile des ostslawischen Territoriums durch das Großfürstentum Litauen und das spätere Polen-Litauen war die Ukraine meist ein umstrittenes Gebiet zwi-schen den Großmächten Polen, Russland, dem Osmanischen Reich und Österreich-Ungarn. Die prägnantesten Ansätze einer ukrainischen Staatsbildung, so Gerhard Simon, waren das Hetmanat der Kosaken im 17. Jahrhundert und die Ausrufung der Ukrainischen Volksrepublik in Kyiv sowie der Westukrainischen Volksrepublik in Lemberg am Ende des Ersten Weltkriegs - nach dem Zusammenbruch des Russi-schen Reiches und der Habsburgermonarchie.78 Die beiden Staatsbildungen zu Be-ginn des 20. Jahrhunderts konnten sich aus verschiedenen Gründen nicht durchset-zen. Sie scheiterten zum größten Teil an der Uneinigkeit und mangelnden Entschlos-senheit der Ukrainer selbst, verursacht dadurch, dass die ukrainischen Eliten sowohl in Polen-Litauen wie auch in Russland über lange Zeiträume hinweg gute soziale Aufstiegs- und Assimilierungsmöglichkeiten hatten. Hinzu kommt, dass die Ukraine sich stets gegen polnisch-litauische oder russische Ansprüche, meist aber gegen bei-de zugleich, durchsetzten musste.

Die eigenständige ukrainische Identität hat sich somit formal zu einem Großteil auf dem Staatsgebiet anderer Länder entwickeln müssen - für lange Zeit unter polnischer und litauischer Herrschaft, unter der der Habsburger, der Zaren und schließlich im repressiven Sowjetsystem. Alle involvierten Regime haben ihre Spuren hinterlassen. Freilich keines so grausame wie das Kommunistische unter Stalin, das nicht nur auf brutalste Weise gegen ukrainische Widerstände vorgegangen war, sondern in den 30er Jahren auch Millionen in den Hungertod getrieben hat. Dass die Ukraine als eines der Hauptkampfgebiete überdies auch sehr stark unter dem Schrecken des II. Weltkrieges und unter dem Holocaust zu leiden hatte, steht ebenfalls außer Frage. Schätzungen zufolge sind während des Genozids und der kriegerischen Auseinander-setzungen in der Zeit von 1917 bis 1945 in der Ukraine Millionen Menschen ums Leben gekommen.79 Dennoch war die Ukraine unter sowjetischer Herrschaft ers-tmals geeint. In Folge des Hitler-Stalin-Paktes von 1939 wurden Galizien und Trans karpatien bei Kriegsende zusammengefügt und somit alle am Westrand gelegenen, mehrheitlich von Ukrainern bewohnten, Territorien der Sowjetukraine einverleibt: die Westukraine (östliche Galizien mit Lemberg), westliche Wolynien, die nördliche Bukowina mit Černivzi und die Karpaten-Ukraine mit Uzhgorod. Die Ukrainer Gali-ziens, der Bukowina und der Karpaten-Ukraine hatten niemals zuvor in einem rus-sisch dominierten Staat gelebt. Diese Tatsache erklärt die in den Medien oft instru-mentalisierte Teilung des Landes: der ukrainisch sprechende Westen einerseits und der russisch sprechende Osten andererseits.

Die Entwicklung der Sowjetukraine in den Jahrzehnten nach Stalin ist durch Deuk-rainisierung gekennzeichnet. Die Republik wurde der Zentralmacht des Kremls unte-rordnet und die ukrainische Nationalsprache wurde mehr und mehr aus dem öffentli-chen Leben, der Publizistik, der Wissenschaft und der Bildung verdrängt.80

Eine neue Epoche der ukrainischen Entwicklung begann Ende des 20.Jh., als die Uk­raine 1991 ihre Unabhängigkeit proklamierte. Es muss jedoch angemerkt werden, dass die neue Ukraine nicht das Ergebnis einer über längere Zeit fortdauernden na-tionalen Freiheitsbewegung war, sondern in Folge der Auflösung der UdSSR zustan-de kam. Daher waren im Westen an einer fortdauernden ukrainischen Selbständigkeit zweifelnde Stimmen zu hören:

„Wird die Ukraine wirtschaftlich und politisch überhaupt lebensfähig sein? Wird das Land in der Lage sein, die staatliche Verwaltung aufzubauen und die auseinan-derstrebenden Regionen zusammenzuhalten?“81

Die Staatsentwicklung am Ende des ersten Jahrzehnts der Unabhängigkeit zeigt, dass die Ukraine sich auf der politischen Weltkarte als selbständiger Staat bereits etabliert hat.82 Nun wird die Frage aufgeworfen, ob sich das Land zu einer demokratischen Ordnung westlichen Typs oder einer autoritären Oligarchie entwickelt. Die USA und die Staaten der Europäischen Gemeinschaft hatten die Ukraine in den ersten Jahren überwiegend im Rahmen ihrer Beziehungen zu Russland behandelt. Erst mit dem Verzicht der Ukraine auf Atomwaffen 1994 erfolgte ein Durchbruch zu eigenständi-gen partnerschaftlichen Beziehungen.83 Die angestrebte Perspektive einer Mitglied-schaft der NATO und der EU wurde der Ukraine allerdings auf Grund der mangeln-den demokratischen Reformen und stagnierter Wirtschaft nicht eröffnet. Dem jungen Staat wurden immer wieder vor allem die Regression der wirtschaftlichen Transfor-mationsprozesse sowie die Stagnation der demokratischen Reformen vorgeworfen. Die postkommunistische Zivilgesellschaft war ebenfalls zu schwach um die mark-twirtschaftlichen Veränderungen zu akzeptieren und zu unterstützen. Allmählich wurde das Land von Armut, Korruption, dem Misstrauen in die Regierung und der daraus entstandenen Apathie zur Politik beinahe verschlungen. Hatten im November 1991 noch 6% der Bevölkerung ein „erhebliches Vertrauen“ zu den politischen Par-teien, sank diese ohnehin geringe Zahl im Mai 1997 auf nur noch 3%.84

Zum Ende der 90er Jahre hin entstand in der Ukraine eine Situation, die die westli-chen Beobachter stark kritisierten:

Zwar existiert nach außen hin ein sichtbares System demokratischer Institutionen mit Wahlen und Parlamenten, mit unabhängiger Justiz und Verfassungsgericht, tat-sächlich agieren die demokratischen Institutionen gleichsam auf der Vorderbühne, wobei ihre Aktivitäten häufig spielerische Züge tragen. Die wirklichen Entscheidun-gen über Macht und Menschen fallen unsichtbar hinter der Bühne. Die demokrati-schen Institutionen sind wie ein Schleier, der die tatsächlichen Interessen und Kämp-fe verdeckt, der aber zur Legitimation und Vermittlung gegenüber dem Volk notwen-dig ist.“85

Dem Präsidenten wurde dabei die Politik der politischen und verfassungsrechtlichen Stärkung der autoritären Präsidialherrschaft vorgeworfen. Zwar wurden einige au-ßenpolitische Erfolge bei Verhandlungen mit Russland ebenso wie mit dem Westen verzeichnet, jedoch wurde die Distanz der Ukraine zum Westen immer deutlicher. Die Annäherung an Russland war dabei aber aufgrund der Gas-Streitigkeiten nicht weiter fortgeschritten. Positive Resonanz fand im Westen dagegen die Akzentuie-rung der Politik auf die feste Staatsbildung sowie die Kompromissbereitschaft der Staatsführung, die Gewaltanwendungen und das Blutvergießen als Mittel der politi-schen Auseinandersetzungen möglichst zu vermeiden.

Zu einer öffentlichen Empörung gegenüber der Innenpolitik des Landes kam es Ende 2000 beim sogenannten „Tonband- Skandal“. Dabei ging es um heimlich aufge-nommene Gespräche, aus denen hervor ging, dass der damalige Präsident Kučma nicht nur am Mord des oppositionellen Journalisten Heorhij Gongadse persönlich beteiligt war, sondern auch die Wahlfälschungen zu seinen Gunsten bei der Präsiden-tenwahl anordnete sowie an der Unterschlagung großer Geldsummen beteiligt war. Diese Vorwürfe lösten eine Mobilisierung der Öffentlichkeit mit Demonstrationen in Kyiv und Lemberg aus, die aber nicht einheitlich im ganzen Lande unterstützt wur-den und sich während der nächsten Jahre auflösten.

Den Siedepunkt erreichte die Situation im Lande bei den Präsidentschaftswahlen Ende 2004 im Zuge der Protestaktionen gegen die Wahlfälschungen. Einerseits des-tabilisierten die Massenproteste, bekannt als Orangene Revolution, ein ohnehin ge-schwächtes Land, anderseits provozierten sie mit der Ausrufung des neuen Präsiden-ten Jusčenkos den demokratischen Umschwung im Lande, der in der Ukraine selbst sowie auch im Westen Hoffnungen auf die demokratische Reformierung des Landes weckte.86 Die Euphorie der Revolution war groß, noch größer jedoch war die an-schließende Enttäuschung. Vier Jahre später war ein anhaltender Regierungsstreit um die Machtverteilung zwischen dem Präsidenten und dem Parlament die Folge.

Auch wenn die Versprechen der Orangenen Revolution nicht in erwarteter Weise eingelöst wurden und der Transformationsprozess ins Stocken geriet, ist die ukraini-sche Kulturszene seitdem im dynamischen Aufbruch. Im Gegensatz zur turbulenten wirtschaftspolitischen Entwicklung ist die Kultur mit der „neu aufgefundenen“ uk-rainischen Literatur, ihrem traditionsreichen Theater, ihrer Kunst und Musik auf ho-hem Niveau. Auch das Bildungsniveau der Gesamtbevölkerung stellt die Ukraine mit über 99% Alphabetisierungsrate auf gleichen Rang mit den modernen Dienstleis-tungsgesellschaften.87

Leider lassen die westlichen Medien diese Fakten häufig unbeachtet. Die Entwick-lung des ukrainischen Kinos - man kann sogar von der Auferstehung des nationalen Kinos sprechen - , die 2005 bei der Verleihung der Goldenen Palme in Cannes an den jungen Regisseur Ihor Strembyckyj für seinen Film „Weggefährten“ deutlich wurde, blieb der breiten Öffentlichkeit verborgen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Stimmung im Lande ungeachtet der in-nenpolitischen Instabilität, der krisenreichen Energiepolitik und des nur langsamen Anstiegs der Wirtschaftszahlen optimistisch ist und die Ukraine sich auf die Einglie-derung in die Europäische Union orientiert und auf baldige Aufnahmeverhandlungen hofft.

3.2. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Mit dem Zerfall der Sowjetunion erlebte die Ukraine ein Jahrzehnt negativen Wirt-schaftwachstums. Laut offizieller Statistiken sank das Bruttoinlandprodukt bis 1999 auf etwa 40% gegenüber dem Niveaus von 1990.88 Im Jahr 1993 betrug die Inflation 10500%.89 Der seit Jahren anhaltende Rückgang und die zwar verlangsamte, aber fortlaufende Inflation führten zu niedrigen Realeinkommen, die wiederum Korrupti-on und eine Ausweitung des Schattensektors begünstigten. 1997 setzte die Londoner Consulting Gruppe „Control Risks“ die Ukraine auf Platz 3 der „am meisten kor-rumpierten Staaten“ der Welt.90

Ein positives Wirtschaftswachstum konnte erst im Jahre 2000 erzielt werden: Das Bruttosozialprodukt wuchs um 6%, die Industrieproduktion legte sogar um 12,9% zu. Die Auslandsverschuldung konnte unter der Regierung von Premierminister Juščenko von mehr als $12 Mrd. auf weniger als $10 Mrd. zurück geführt werden.91

Der Wirtschaftsaufschwung kann laut der Ukraineanalysen der Forschungsstelle Os-teuropa an der Uni Bremen einerseits durch die Ergebnisse der Restrukturierungen (Privatisierung des ehemaligen Staatsbesitzes) und durch Reformbemühungen (Wäh-rungs- und Steuerreform) erklärt werden, andererseits spielten aber auch externe Fak-toren- wie etwa hohe Rohstoffpreise - eine prägnante Rolle.92 Durch die positiven Exportentwicklungen und eine stabile Binnennachfrage wurde in der Ukraine 8 Jah-re lang ein Wirtschaftswachstums verzeichnet. Es wird erwartet, dass die Wirtschaft sich weiterhin positiv entwickelt, vor allem nach dem Beitritt der Ukraine zur WTO, dem 14-Jahre andauernden Verhandlungen voran gingen - die längsten in der Auf-nahmegeschichte.

Angesichts der anhaltenden politischen Friktionen und der mangelhaften, bzw. un-scharfen Gesetzgebungen stellt die Herstellung des „internationalen Investitionsver-trauens“93 die größte Herausforderung für den ukrainischen Staat dar. Die anges-pannten Beziehungen zu Russland wegen der Gas-Lieferungen belasten zusätzlich nicht nur die gesamte wirtschaftliche Situation im Lande, sondern auch die Außen-handelsbeziehungen der Ukraine mit Westeuropa, da die Ukraine als das wichtigste Transitland für russische Energietransporte gilt. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich aber der Konflikt um den Erdgashandel zwischen der Ukraine und Russland allerdings trotz der verbleibenden Streitpunkte deutlich entspannt. Die Politologen warnen jedoch davor, dass der Importpreis für die Ukraine ein potenzielles Druck-mittel russischer Außenpolitik bleibt, solange er nicht der international gültigen Bin-dung an den Erdölpreis folgt.

3.3. Situation der Medienwirtschaft

Da das ukrainische Bruttoinlandsprodukt in den ersten Jahren seit der Unabhängig-keit sehr stark sank, fiel die Kaufkraft der Bevölkerung und analog dazu die Gesamt-auflage des ukrainischen Pressemarktes von 63 Millionen im Jahre 1991 auf ca. 8 Millionen 1999.94 Auf Grund der starken Abhängigkeit der ukrainischen Zeitungs landschaft von der makroökonomischen und volkswirtschaftlichen Gesamtentwick-lung, wurde der Mediensektor oft als Anhängsel der übrigen Wirtschaft bezeichnet.95 Der Niedergang wirkte sich auf das Anzeigengeschäft aus und die sinkende Kaufk-raft verursachte Absatzschwierigkeiten. Insgesamt sank sowohl die Vielfalt als auch die Gesamtauflage der ukrainischen Zeitungen. Der Versuch, durch kostendeckendes Arbeiten auch eine journalistische Unabhängigkeit zu bewahren, wurde dadurch er-heblich erschwert. Die Zeitungen wurden somit gezwungen, alternative Finanzie-rungsmöglichkeiten zu erschließen. Sie mussten sich private Sponsoren suchen oder in die finanzielle und politische Abhängigkeit des Staates zurück kehren, was die journalistische Freiheit stark einschränkte. In Wahlkampfszeiten werden die Medien zwecks Beeinflussung der öffentlichen Meinung stets als Instrument der Politik an-gesehen, da die Bevölkerung ihnen viel mehr vertraut als den Politikern.96 De-mentsprechend kam es trotz der schlechten wirtschaftlichen Perspektiven zu einem Publikationsboom. Nach Angaben des ukrainischen Rosumkow-Zentrums für politi-sche und wirtschaftliche Forschung stieg die Anzahl der Periodika in den letzen Jah-ren von 1799 auf 2551 Zeitungen sowie von 206 auf 1374 Zeitschriften – und das, obwohl die jährliche Gesamtauflage um mehr als ein Drittel zurückging.97

Derzeit sind in der Ukraine ca. 120 Nachrichtenagenturen registriert, während es im Jahr 2000 gerade einmal 35 Agenturen waren. Die wichtigsten drei sind die staatliche Nachrichtenagentur Ukrinform, sowie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraina und die ukrainische unabhängige Nachrichtenagentur UNIAN.

Auch die Organisation des Rundfunks wurde seit der Unabhängigkeit mehrfach ver-ändert. Ende der 90er Jahre wurde versucht, ein duales Rundfunksystem zu schaffen, welches allerdings immer noch nicht realisiert werden konnte. Immer noch wird von starker staatlicher Zensur gesprochen. Obwohl 1994 auch Privatsender zugelassen wurden, bleiben sie technisch vom Staat abhängig, da sich die terrestrischen Fre-quenzen im Staatsbesitz befinden.

Die Umstrukturierung des ukrainischen Energiemarktes führte 1994 zu vermehrtem Engagement der Finanzclans (Oligarchen) im Medienbereich. Um sich gegenüber den Konkurrenten durchzusetzen, benötigten sie politischen Einfluss, den sie sich durch die Finanzierung defizitärer Medienunternehmen (Print, TV und Radio) schu-fen. Diese Medien blieben dann linientreu und unterstützen damit die Position des jeweiligen „Sponsors“.98

Wie stark die Abhängigkeit der Medien von diesen Gruppen und der Grad ihrer „Un-terstützung“ war und teilweise noch bleibt, kann nur schwer gemessen werden. Als ein Beispiel dafür könnte eine Stichwahl, erhoben durch oppositionelle Kräften im Jahr 2004 während der Präsidentschaftskampagnen, dienen. Sie stellten die starken Verzerrungen zugunsten des regierungsnahen Kandidaten fest, indem die zentralen Fernsehkanäle - „Inter“, „ICTV“, „1+1“, „UT-1“, „STB“- überwiegend negativ über den Oppositionskandidat - V. Juščenko berichteten und sich besonders positiv über den von der Regierung als Nachfolger präsentierten Kandidaten Janukovyč äußerten.

In Bezug auf Online-Medien in der Ukraine ist trotz einer geringen Nutzung von gerade mal 20% im Jahr 2006 auch ein Wachstum von Internet-Medien zu beobach-ten. Seit der Einführung der Domain „.ua“ Anfang der 1990er Jahre hat das Internet in der Ukraine erheblich an Bedeutung gewonnen. Heutzutage arbeiten in der Ukrai­ne mehr als 280 Internet-Provider. Da es immer noch keine rechtlichen Vorgaben und staatliche Kontrollmechanismen gibt, die die Arbeit der Online-Medien regulie-ren, führt dies zu einem großen Wachstum in diesem Sektor. Viele Printmedien sind auch online präsent, daneben gibt es reine Online-Publikationen, wie z.B. Ukrainska Prawda, ProUa, UaToday, Korrespondent.net.99

Mit der Orangenen Revolution war häufig die Hoffnung auf qualitative Verbesserun-gen in der Medienpolitik sowie in der journalistischen Praxis verbunden. Doch hier-bei stimmen Theorie und Praxis oft nicht überein. Die fehlende wirtschaftliche Ren-tabilität bringt viele Massenmedien weiterhin in eine fragwürdige finanzielle Abhän-gigkeit. Auch die zögerliche Haltung des Staates bei der Debatte um die Einführung eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks scheint auf Angst vor Einflussverlust hinzu-deuten.100

Dennoch sind auch positive Veränderungen bemerkbar. Die neue ukrainische Regie-rung hat sich verpflichtet, die Prinzipien der Meinungs- und Pressefreiheit einzuhal-ten. Seit 2005 arbeiten Journalisten in einem anderen politischen Umfeld.101 Nach Angaben des ukrainischen Instituts für Masseninformation, das seit 1995 Verletzun-gen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Ukraine überwacht, wurde der Druck auf Journalisten in den Jahren nach der Revolution deutlich geringer.102 Auch die inter-nationale Organisation „Reporter ohne Grenzen“ stellte positive Veränderungen hin-sichtlich der Pressefreiheit fest. Im Ranking von 2006 nahm die Ukraine Platz 105

von 168 Ländern ein und ist somit im Vergleich zu 2004 um 33 Plätze aufgestie-gen.103

3.4. Eckpfeiler der ukrainischen Außenpolitik

Bei der Definition der nationalen Interessen in der Außenpolitik der Ukraine kommt die führende Rolle nationaler staatlichen Interessen zum Ausdruck, was durch die politischen Erfahrungen der Jahre 1917-1920 erklärt werden kann. In der nationalen ukrainischen Historiographie wird die Auffassung vertreten, dass die Hauptursache des Scheiterns der ukrainischen Unabhängigkeit nach dem Zusammenbruch des rus-sischen Reiches 1917 die Schwäche der eigenen Staatlichkeit war. Aus dieser Erfah-rung prägte sich nach den Meinungen der Historiker104 ein Stereotyp heraus, dass jede Beschränkung des Staates durch andere politische Akteure außer die Regierung zur Schwächung des Landes beitragen würde. Als vorläufiges Ergebnis der politi-schen Transformation ist ein politisches System entstanden, in dem der Staat und die staatlichen Institutionen die dominierenden Funktionen in der Gestaltung der Innen-und Außenpolitik einnehmen.

Der Bereich der Außenpolitik ist also die Tätigkeitssphäre der Exekutive, vor allem des Präsidenten. Bei der Umsetzung des vom Präsidenten bestimmten außenpoliti schen Kurses besitzt das Außenministerium die wichtigsten Kompetenzen. Mit dem Ministerium konkurriert als Koordinierungsgremium die Administration des Präsi-denten. Der vom Parlament geschaffene gesetzliche Rahmen bindet die Exekutive nur durch die abstrakten Bestimmungen der Resolution über die Hauptrichtlinien der Außenpolitik ein. Somit hat das Parlament nur eine geringe Rolle bei der Gestaltung der ukrainischen Außenpolitik.

In der „Kučmagate-Zeit“105 wurde die Außenpolitik der Ukraine auf das angebliche Konfliktpotenzial zwischen dem Westen und Russland ausgerichtet. So wurde die Ukraine in einer Art Gegenüberstellung zu Russland dargestellt, was dem Land wie-derum ein negatives Bild in der Welt verschaffte.

„For Kučma „European ambitions” were a tactical device with which he regulated his multi-vectoral policy of balancing between Russia and the West, lacking the po­litical will to fulfil criteria of EU membership“106

In Bezug auf die Europäische Union wurde behauptet, dass “die Teilnahme an der EU ein langfristiges Ziel der Außenpolitik der Ukraine ist“107, die in der Wirklichkeit bis dato nur eine abstrakte Zielsetzung bleibt. Zwar hat der Umbruch des politischen Systems die Neuformulierung der Außenpolitik hervorgerufen, womit die Akzente auf einen Kurs zur Europäischen Mitgliedschaft gelegt wurden und kein Kompro-miss zwischen dem Westen und Russland vorgesehen ist, doch bis heute sind wenige Fortschritte ersichtlich. Die anhaltenden politischen Konflikte zwischen dem Präsi-denten Juščenko und dem Parlament stellen die Fortführung der bisherign Außenpo-litik erneut in Frage.

3.5. Deutsch-ukrainische Beziehungen

Die deutsch-ukrainischen Verhältnisse sind durch zahlreiche wechselbare Beziehun-gen gekennzeichnet, deren Ursprünge zurück in die mittelalterlichen Handelsbezie-hungen reichen und im 17. Jh. fortschreiten, als die ersten deutschen Kolonisten der Einladung der russischen Zarin Katharina II folgten, die Regionen nördlich des Schwarzen Meer zu besiedeln. Später ließ auch die österreichische Kaiserin Maria Theresia die Händler, Künstler und Fabrikanten nach Galizien und später in die Bu-kowina umsiedeln.108 So lebten am Anfang des Zweiten Weltkrieges auf dem Terri-torium der modernen Ukraine ungefähr 880 000 Deutsche.109

Für die ukrainischen Geistlichen war Deutschland in der Vor- und Zwischenkriegs-zeit ein Exilland mit den zahlreichen öffentlichen gesellschafts-politischen und kultu-rellen Organisationen in München und Berlin, deren Tätigkeitsfelder Professor Dorošenko im bis jetzt umfangreichsten Werk über die deutsch-ukrainische Bezie-hungen zusammenfasste.110 1912 wurde die erste ukrainische Organisation in Deutschland unter dem Namen „ukrainische Bildungsvereinigung“ gegründet. Nach der Februarrevolution in Russland wurde in Berlin ein Bund zur Befreiung der Uk­raine eröffnet. Die Kontakte bestanden außer mit der ukrainischen Botschaft in Ber­lin auch mit dem ukrainischen Generalkonsulat in München, wo der Generalkonsul Wasyl Orentchuk umfangreiche Aktivitäten entwickelte. Er begann seinen Amtszeit in München 1918 und setzte sie bis 1923 fort, ungeachtet der russischen Besetzung der Ukraine. Zur gleichen Zeit befanden sich in München eine deutsch-ukrainische Wirtschaftsgesellschaft und ein Verein namens „Freie Kosakentum“ („Wilne Kosatz-two“), der eine Zeitschrift unter dem gleichen Titel herausgab. Berlin wurde zum Hauptzentrum der Ukrainer in Deutschland während des ersten Weltkrieges und bleib es bis 1945. Unter der Leitung der deutsch-ukrainischen Gesellschaft kamen hier auch die Zeitung „Nachrichten des ukrainischen Pressebüros“ sowie die Zeit-schrift „Ukraine“ heraus. Auf Initiative des im Exil lebenden ehemaligen ukraini-schen Staatsoberhauptes Hetman Pawlo Skoropadskyj und mit der Unterstützung der deutschen Regierung wurde im Jahr 1926 in Berlin ein ukrainisches wissenschaftli-ches Institut gegründet, dessen Direktor der ehemalige Außenminister der Ukraine, Professor Dorošenko war.111

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die deutsch-ukrainischen Beziehungen in erster Linie durch die Ideologien des kalten Krieges bestimmt. Erst mach dem Erlangen der Unabhängigkeit waren sie in eine neue Phase getreten, die sowohl positive als auch negative Aspekte aufwiesen.

Das Interesse der Ukraine an Deutschland ist heute deutlich höher als umgekehrt“, stellte Kathrin Hartmann in ihrem Bericht zur Ukraine fest.112 Die Bundesrepublik ist mit einem Anteil von 7% am ukrainischen Umsatz der wichtigste Handelspartner der Ukraine nach Russland.113 Umgekehrt nimmt die Ukraine bisher erst den 40. Rang unter den deutschen Außenhandelspartnern ein (0,2 % des deutschen Umsatzes).114 Eine der wichtigsten Bedeutungen wird der Ukraine als Transportland von Öl und Gas zugeschrieben. 93% der russischen Gas-Lieferungen nach Westeuropa werden durch ukrainisches Territorium geleitet.115 Dennoch hat sich gerade hier wegen des Gas-Streites der Ukraine mit Russland ein gewisses Missverhältnis der Wirtschafts-und Energiebeziehungen zwischen Deutschland und der Ukraine entwickelt, das sich auch in den außenpolitischen Beziehungen der Staaten widerspiegelt. Das Verhalten der Ukraine in diesen Fragen bezeichnete Rjabtschuk als „Pendelkurs“ - „im Früh-jahr, wenn es wärmer wurde, integrierte sich die ukrainische Regierung in Richtung Europa, und im Herbst, wenn die Heizperiode begann, näherte man sich wieder Russland an.“116

Die westliche Politik gegenüber der Ukraine hat häufig ebenso undeutliche Kontu-ren. Seit der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1991 richtet die Ukraine ihre Außen-politik offiziell Richtung Mitgliedschaft in die EU und Nato aus. Auf die Initiativen der ukrainischen Regierung zur Eurointegration - indem beispielsweise das Einreise-visum für die EU-Bürger abgeschafft wurde - reagierte die europäische Gemein-schaft, und dabei auch Deutschland, ausweichend-diplomatisch. Generell basieren sich die deutsch-ukrainischen außenpolitischen Beziehungen auf den Grundlagen der am 9.

[...]


1 Gawrisch, Dmitrij. Rezension von 03.02.2007 auf das Buch Rjybchuks: Die reale und imaginierte Ukraine. Frankfurt/Main, 2005. http://www.amazon.de/review/product/3518124188 (24.11.2008)

2 Vgl. O.V.: NATO-Beitritt der Ukraine. Bush dafür, Frankreich dagegen. In: Stern. 01.04.2008. http://www.stern.de/politik/ausland/:Nato-Beitritt-Ukraine-Bush-Frankreich/615808.html (24.11.2008)

3 Bonfadelli, Heinz (2002): Medieninhaltsforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendung. Konstanz, S. 53 ff.

4 Wilke, Jürgen (2008): Nachrichtenberichterstattung im internationalen Vergleich. In: Melischek, Gabriele / Seethaler, Josef / Wilke, Jürgen: Medien und Kommunikationsforschung im Vergleich. Grundlagen, Gegenstandsbereich, Verfahrensweisen. Wiesbaden, S. 239.

5 Vgl. Peters, Christoph (1999): Deutschland und die Deutschen im Spiegel britischer Tageszeitungen: die Berichterstattung der überregionalen Presse Großbritanniens 1989 – 1994. Münster, S. 13.

6 Werner, Adam (1993): Ukraine verdient mehr Augenmerk. In: FAZ 18.05.93, S. 1.

7 Vgl. Kovtun, Elena (2003): Imageprogramm für die Ukraine? Wettbewerb „Marketing live“ (über-setz aus dem Russischen). Имиджевая программа для Украины? Конкурс живой маркетинг. In: http://prinfo.webzone.ru/stmmiximageukrain21012003.htm (20.08.2008)

8 Semler, Christian (2005): Typisch Ukraine? In: TAZ 10.03.2005, S. 14.

9 Vgl. o.V.: Wer die Ukrainer verstehen will, muss ihre Geschichte verstehen. Ein historischer Exkurs. In: http://www.sos-kindervontschernobyl.de/ukraine (10.07.2008)

10 Vgl. Cybenko, Larissa(1998): Die Ukraine im Spannungsfeld der Kulturen. Trans 5/1998. In: http://www.inst.at/trans/ (10.07.2008)

11 Vgl. Semler (2005), S. 14.

12 Vgl. Jilge, Winfried (2001): Dialog mit Defiziten. Die deutsch-ukrainische Kulturbeziehungen. Bestandaufnahme und Empfehlungen. IfA-Dokumente, 2/2001, S. 53 ff.

13 Siehe dazu die Ukraine-Analysen der Forschungsstelle Osteuropa, Universität Bremen.

14 Vgl. Počepcov, Georgiy (2003): Ukraine: Branding und Rebranding. In: Krylov, Aleksandr (Hrsg.): Public Relations im osteuropäischen Raum. Frankfurt/Main, S. 189-206.

15 Remer, Claus (1995): Zum Ukrainebild in Deutschland vom 19. zum 20. Jahrhundert. In: Wegner, Michael: Russland und Europa. Historische und kulturelle Aspekte eines Jahrhundertproblems. Leip­zig, S. 225-245.

16 Vgl. Dorošenko, Dmytro (1941): Die Ukraine und Deutschland. Neun Jahrhunderte deutsch-ukrainische Beziehungen. Leipzig.

17 Vgl. Blome, Astrid (2000): Das deutsche Rußlandbild im frühen 18. Jahrhundert. Untersuchungen zur zeitgenössischen Presseberichterstattung über Russland unter Peter I. Wiesbaden, S. 14.

18 Vgl. Seifert, Katrin (2003): Die Konstruktion Russlands in der deutschen Auslandsberichterstattung 1985- 1995. Studien zum Wandel der deutschen Wahrnehmung Russlands. Berlin.

19 Vgl. Esau, Eugen (2007): Das postsowjetische Russlandbild in deutschen Printmedien. Eine qualita­tive Zeitungsanalyse. Saarbrücken.

20 Vgl. Wilke, Jürgen (1989): Imagebildung durch Massenmedien. In: Völker und Nationen im Spiegel der Medien. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. 1989, S. 12-13; Hub, Astrid (1998): Das Image Israels in deutschen Medien: zwischen 1956 und 1982. Frankfurt/Main, S. 2 ff.

21 Vgl. Wilke (1989), S. 12-13.

22 Vgl. Peters (1999), S. 51.

23 Vgl. Lippmann, Walter (1965): Public Opinion. New York.

24 Vgl. Wilke (1989), S. 13.

25 Boulding, Kennenth E. (1969): National Images and International Systems. In: James N. Rosenau (Hrsg.): International Politics and Foreign Policy. New York-London, S. 423.

26 Ebd.

27 Vgl. Iwand, Wolf Michael (1976): Nationenbilder als Gegenstand der Kommunikationsforschung. Imageanalytische Ergebnisse am Beispiel USA. In: Communication. 2/1976, S. 167-185.

28 Vgl. Schweiger, Günter (1992): Österreichs Image in der Welt. Ein weltweiter Vergleich mit Deutschland und der Schweiz. Wien.

29 Pütz, Wolfgang (1993):Das Italienbild in der deutschen Presse. Eine Untersuchung ausgewählter Tageszeitungen. München, S. 36.

30 Vgl. Boulding (1969), S. 423 ff.

31 Vgl. Süsmuth, Hans (1993): Deutschlandbilder im Ausland. In: Deutschlandbilder in Polen und Russland, in der Tschechoslowakei und in Ungarn. Baden-Baden, 1993, S. 81.

32 Vgl. Bentele, Günter (1995): Der Entscheidungsprozess der Nationenimages. Informationsquellen und Verzerrungen. Überlegungen zu Grundlagen der staatlichen Auslands-Öffentlichkeitsarbeit. In: Mahle,Walter (1995) (Hrsg.): Deutschland in der internationalen Kommunikation. AKM Studien. Bd. 40. Konstanz, S. 59-72; Vgl. Süßmuth, Hans (1995): Deutschlandbilder in Europa. Internationale Kommunikation und Nationenimage. (Düsseldorfer Medienwissenschaftliche Vorträge). Bonn.

33 Vgl. Hoge, James F. (1995): Der Einfluss der Massenmedien auf die Weltpolitik. In: Kaiser, Karl / Schwarz, Hans Peter (Hrsg.): Die neue Weltpolitik. Bd. 334. Bonn, S. 268.

34 Galtung, Johann / Mari Humboe Ruge (1970): The structure of foreign news. In: Tunstall, Jeremy (Hrsg.): Media Sociology. London, S. 260.

35 Vgl. Wilke, Jürgen (1993): Internationale Beziehungen und Massenmedien. In: Bonfadelli, Heinz / Meier, Werner A. (Hrsg.): Krieg, Aids, Katastrophen... Gegenwartsprobleme als Herausforderung der Publizistikwissenschaft. Konstanz, S. 181.

36 Vgl. Schenk, Michael (1987): Medienwirkungen: kommentierte Auswahlbibliographie der anglo-amerikanischer Forschung. Tübingen, S. 12; Vgl. Scherer, Helmut / Tiele, Annekaryn / Haase, Ansgar (2006): So nah und doch so fern? Zur Rolle des Nachrichtenfaktors „Nähe“ in der internationalen Tagespresse. In: Publizistik, Heft 2, 6/2006, 51 Jahrgang, S. 201.

37 Vgl. Pütz (1993), S. 45.

38 Vgl. Schulz, Winfried (1990): die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Freiburg, S. 13 ff; Galtung Johann / Ruge Mari Humboe (1970), S. 261 ff.

39 Vgl. Pütz (1993), S. 44f.; Schulz, Winfried (1990), S. 31 ff.; Kunczik, Michael / Zipfel, Astrid (2001): Publizistik. Köln, S. 250.

40 Vgl. Hirsch, Birgit (1984): Auslandsberichterstattung und internationaler Nachrichtenfluss. Be-standsaufnahme und Analyse der empirischen Studien. Mainz, S. 58.

41 Vgl. Schulz (1990), S. 32; Hirsch (1984), S. 59.

42 Vgl. Hirsch (1984), S. 61 f.

43 Vgl. Hafez (2005), S. 49.

44 Vgl. Ebd. S. 64.

45 Vgl. Pütz (1993), S. 44 f.; Schulz, Winfried (1990), S. 32 f.

46 Vgl. Hirsch (1984), S. 64 f.

47 Vgl. Wilke, Jürgen (1998): Konstanten und Veränderungen der Auslandsberichterstattung. In: Holtz-Bacha, Christine: Wie die Medien die Welt erschaffen und wie die Menschen darin leben. Wiesbaden, S. 53.

48 Hafez, Kai (2001): Das Nahost- und Islambild der deutschen überregionalen Presse. Bd. 1. Theore-tische Grundlagen. Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. Baden-Baden, S. 15.

49 Kepplinger, Hans Mathias (1998): Der Nachrichtenwert der Nachrichtenfaktoren. In: Holtz-Bacha, Christina (Hrsg.): Wie die Medien die Welt erschaffen und wie wir darin leben. Wiesbaden, S. 20.

50 Vgl. Kunczik (2001), S. 260.

51 Kepplinger (1998), S. 21.

52 Zur Ausprägung des Faktors Regionalismus im zeitlichen Bezug vgl. Hirsch (1984), S. 51 ff.

53 Hafez, Kai (2005): Mythos Globalisierung: warum die Medien nicht grenzenlos sind. Wiesbaden, S. 48.

54 Hafez, Kai (2005), S. 49.

55 Ebd. S. 52 f.

56 Hafez (2005), S. 53.

57 Ebd. S. 55.

58 Vgl. Seifert (2003), S. 66 ff.

59 http://www.nachrichtenaufklaerung.de (10.08.2008)

60 Hafez (2005), S. 57.

61 Ebd. S. 59.

62 Ursprünglich diente Auslandsberichterstattung in Deutschland schon im 17. Jh. als Ablenkung von den Problemen im eigenen Lande. Vgl. Wilke, Jürgen (1986): Auslandsberichterstattung und interna-tionaler Nachrichtenfluss im Wandel. In: Publizistik, 31, 1986, S. 67.

63 Schmidt, Dagmar / Wilke, Jürgen (1998): Die Darstellung des Auslands in den deutschen Medien. In: Deutschland im Dialog der Kulturen. Medien – Images – Verständigung. Konstanz, S. 176.

64 Eigene Aufarbeitung anhand der Datentabelle von Schmidt / Wilke, S. 174.

65 Vgl. Kamps, Klaus (1998): Nachrichtengeographie. Themen, Strukturen, Darstellung. Ein Ver-gleich. In: Kamps, Klaus / Meckel, Miriam (Hrsg.): Fernsehernachrichten. Prozesse, Strukturen, Funktionen. Wiesbaden, S. 290 f.

66 Wilke (2008), S. 248.

67 Vgl. Ebd.

68 Vgl. Wilke, Jürgen (1998), S. 53; Kunczik (2001), S. 428.

69 Eigene Aufarbeitung anhand der Datentabelle von Schmidt/Wilke (1998), S. 179.

70 Vgl. Hagen, Lutz / Berens, Harald / Zeh, Reimar / Leidner, Daniela (1998): Ländermerkmale als Nachrichtenfaktoren: Der Nachrichtenwert von Ländern und seine Determinanten in den Auslands-nachrichten von Zeitungen und Fernsehen aus 28 Ländern. In: Holtz-Bacha, Christine: Wie die Me-dien die Welt erschaffen und wie die Menschen darin leben. Wiesbaden, S. 59-83.

71 Vgl. Scherer, Helmut / Tiele, Annekaryn / Haase, Ansgar / Hergenröder, Sabine / Schmid, Hannah (2006): So nah und doch so fern? Die Rolle des Nachrichtenfaktors „Nähe“ in der internationalen Presse. In: Publizistik 51, 6/2006, S. 201-224.

72 Ebd. S. 201.

73 Vgl. Wilke (1998), S. 54.

74 Vgl. Wilke (2008), S.248.

75 Vgl. Ebd.

76 Vgl. Dsjuba, Ewgenija (1993): Die Ukraine und die Welt von heute. In: Hausmann, Guido / Kapel-ler, Andreas (Hrsg.): Ukraine. Gegenwart und Geschichte eines neuen Staates. Baden-Baden, S. 25.

77 Vgl. Hagen, Mark von / Andreas, Kappeler (Hrsg.) (2003): Culture, Nation and Identity. The Ukrainian-Russian Encounter, 1600-1945. Edmonton: Canadian Institute of Ukrainian Studies Press. In: http://www.h-net.org/reviews/showpdf.cgi?path=181231078540161l (05.12.2007)

78 Vgl. Simon, Gerhard (2002): Die Ukraine auf dem Weg – wohin? In: Simon, Gerhard (Hrsg.): Die neue Ukraine. Gesellschaft – Wirtschaft – Politik (1991-2001). Köln; Weimar; Wien, S. 5 ff.

79 Vgl. Kapeller, Andreas (2000): Kleine Geschichte der Ukraine. München, S. 76 ff.

80 Vgl. Schulze, Brigitte (1999): Picknick auf dem Eis. Den Markt muss man erfinden: Literatur in der Ukraine. In: FAZ, 26.03.1999, S. 44; Rjabtschuk, Mykola (2005): Die reale und imaginierte Ukraine. Frankfurt/Main, S. 33-36.

81 Simon (2002), S. 11.

82 Vgl. Brzezinski, Zbigniew (2007): Die Rolle der Ukraine als „älterer Bruder“ Russlands. Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Auslandsbüro Ukraine, 2007, S. 1 ff. In: www.kas.de-/proj/home/pub/47/1/-year-2007/dokument_id-12226/index.html (10.10.2008)

83 Vgl. Brzezinski (2007), S. 17.

84 Vgl. Simon (2002), S. 19.

85 Ebd., S. 23.

86 Vgl. Kapeller (2000), S. 99.

87 Vgl. Ivanov, Valerij / Lange, Nico (2008): Democracy Report 2008. Konrad Adenauer Stiftung, S. 135. In: http://www.kas.de/wf/doc/kas_14907-544-1-30.pdf (27.11.2008); Vgl. Scheer, Evelyn / Ser-dyuk, Irina (2007): Kulturschock Ukraine. Paderborn, S. 136-143.

88 Vgl. Lindner, Rainer (1998): Die Ukraine zwischen Transformation und Selbstblockade. Ebenhau-sen: Isartal 1998, S. 10.; Schwabe, Andreas / Deuber, Günter (2008): Die (globalisierte) Volkswirt-schaft der Ukraine. In: Peines, Heiko (Hrsg.): Die aktuelle Wirtschaftslage der Ukraine. Erfolge und Herausforderungen für die Regierung Timoschenko. Forschungsstelle Osteuropa, Universität Bremen, S. 5.

89 Vgl. Pawlowskyj (1997): Suspilstvo ta ekonomika perehidnogo periodu. Schljach Ukrainy (Gesell-schaft und Wirtschaft in der Transformationszeit. Ukraine), Kyjiv, S. 44-75.

90 Vgl. Lindner (1998), S. 10.

91 Vgl. O.V.: Trendwende in der ukrainischen Wirtschaft. In: Neue Zürcher Zeitung, 05.02.2001. S. 8.

92 Vgl. Schwabe (2008), S. 5.

93 Vgl. Ebd., S. 6 ff.

94 European Institute for the Media: Monitoring the media Coverage of the March 2002 parliamentary Elections in Ukraine. 2003, S. 10-14. In: http://eim.or/MaDP/downloads/Ukraine-final-report.pdf (01.03.2008) auch in: http://www.media-politics.com/EIM%20reports/Ukraine%202002.pdf (29.11.2008)

95 Vgl. Khabyuk (2004), S. 20.

96 Vgl. Ivanov (2008), S. 142.

97 Vgl. Lukyanova, Maria (2006): Massenmedien in der Ukraine. In: Ukraineanalysen 17. For-schungsstelle Osteuropa, Bremen, S. 2 ff.

98 Vgl. Lukyanova (2006), S. 3.

99 Vgl. Ebd., S. 4.

100 Vgl. Ivanov (2008), S. 135.

101 Vgl. Lupis, Alex / Ognianova, Nina (2006): Die Mediensituation nach der Orangen Revolution. Länderbericht Ukraine 2005. In: Ukraineanalysen 17. Forschungsstelle Osteuropa, Bremen, S. 8-10.

102 http://imi.org.ua/index.php?option=com_content&task=view&id=100235&Itemid=42 (12.08.2008).

103 Vgl. Lukynova (2006), S. 4 ff.

104 Vgl. Prizel, Ilya (1997): Ukraine between Proto-democracy and „Soft“Authoritarianism. In: Dawi-sha, Karen / Bruce, Parrott (Hrsg.): Democratic Changes and Authoritarian Reactions in Russia, Ukraine, Belarus and Moldova. Cambidge. Authoritariarism and Democratization in Postcommunist Societies. Bd 3, S. 334.

105 Vgl. Tereščenko, Volodymyr (2004): Evolution der politischen Beziehungen zwischen der Ukraine und der EU 1991- 2004. Frankfurt/Main, S. 69.

106 Kusztra, Marta (2005) (Hrsg.): The „new“ Ukraine’s policy towards EU. Stefan Batory Foundati­on: Warsaw, S. 23.

107 Resolution über die Hauptrichtungen der Außenpolitik der Ukraine. Aus dem Ukrainischen „Pro osnovni naprjamy polituku Ukrainu“. Kyjiv, 1993.

108 Vgl. Scherer (2006), S. 39.

109 Vgl. Deutsche Jugend in der Ukraine e.V. (2008): Deutsche Minderheit in der Ukraine. In: http://www.dju.org.ua/index.php?option=com_content&view=article&id=188%3A2008-10-23-15-10-39&catid=49%3Agechichte-der-deutschen-der-regionen&Itemid=84&lang=uk (12.11.2008)

110 Vgl. Dorošenko (1941).

111 Vgl. Müntzel, Max (1993): „Wer Kijew hat, kann Russland zwingen!“. Die Entwicklung deutsche Ukraine-Politik. In: Bahamas, 9/1993. http://www.redaktion-bahamas.org/index.htm (10.08.2008)

112 Hartmann Kathrin (2008): Dialog mit Potenzial. Die deutsch-ukrainischen Kulturbeziehungen. In: Ukraineanalysen 48. Forschungsstelle Osteuropa. Bremen, S. 17.

113 Vgl. Auswertiges Amt (2008): Ukraine. Beziehungen zu Deutschland. In: http://www.-auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Ukraine/Bilateral.html (01.11.2008)

114 Vgl. Deutsche Beratergruppe Wirtschaft bei der ukrainischen Regierung (2003): Deutschland-Ukraine – ein starkes Wirtschaftsteam. Berlin. In: http://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/-17/40811/UAaktuell20030930.pdf (15.10.2008)

115 Vgl. Kulpinsky, Sergey (2000): Überwindung wirtschaftlich-politischer Grenzen: Die Ukraine und die europäische Union. Vortrag in der Ringvorlesung des ZOS (Zentrum für Osteuropastudien) am 20.12.2000. In: http://www.uni-kiel.de/eastlaw/zos/kulp_ring00.htm (10.05.2008)

116 Rjabtschuk (2005), S. 147.

Details

Seiten
178
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640340071
ISBN (Buch)
9783640338566
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v127513
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – IfP
Note
2
Schlagworte
Imagebildung Darstellung Ukraine Frankfurter Allgemeinen Zeitung Süddeutschen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der lange Weg zur Imagebildung - Die Darstellung der Ukraine in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in der Süddeutschen Zeitung