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Das Böse in der abendländischen Kultur

Studienarbeit 2009 17 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

1 Inhalt

2 Einleitung

3 Definition des Bösen

4 Die Personifikation des Bösen

5 Die Hölle als Ort des Bösen
5.1 Die Hölle als Ort des Bösen in den Visionen der Mönche
5.2 Die Hölle im NT
5.3 Die Hölle der Theologen
5.4 Die Hölle und die Pastorale der Angst

6 Woher kommt das Böse?

7 Die Bedeutung des Böse

8 Zusammenfassende Gedanken

9 Literatur

2 Einleitung

Gutes ohne Böses kann es geben; Böses ohne Gutes aber kann es nicht geben.

(Thomas von Aquin)

In dieser Arbeit setze ich mich mit der Definition des Bösen auseinander, der Frage der Personifikation des Bösen und mit der Hölle als Ort des Bösen. Ich beschäftige mich auch mit der Frage „woher kommt das Böse?“ und mit der Bedeutung des Bösen. Verschiedene Ansichten von Theologen, Philosophen, Psychologen oder Ethiker habe ich für die Arbeit beigezogen. Die Arbeit soll auch aufzeigen, dass das Thema ein „Dauerthema“ ist, betrachtet im jeweiligen Zeitfenster mit vielen Fragen und möglichen Antworten. Der Abschluss der Arbeit bilden einige zusammenfassende Gedanken.

3 Definition des Bösen

Das Böse (add. Bosi, von vordeutsch bausja: „gering, schlecht“), ist der Gegenbegriff zum Guten und ein zentrales Konzept der Philosophie- und Religionsgeschichte.[1]

Nachstehend einige Definitionen sowie Gedanken zum „Bösen“: Die allgemeinste aller Definitionen könnte lauten: Böse ist eine Handlung, wenn sie wissentlich und willentlich den Schaden anderer herbeiführt. Nun haben wir aber die Frage, wann ist eine Handlung wissentlich und willentlich, das heisst in absoluter Freiheit, vollzogen worden? Auch ist das Empfinden von Schaden individuell verschieden. Annamarie Piper sagt, dass das Böse die Herbeiführung des Schadens anderer in der Einschränkung der Freiheit ist, in welcher der andere nach seinem persönlichen Ziel strebt.[2]

Die soziologische Sicht versucht das Böse zu erklären als etwas, was dem Menschen in Form von destruktiven, ungerechten gesellschaftlichen Strukturen begegnet. Auch wenn diese menschengemacht sind, wirken sie wieder auf den Menschen zurück und fördern so das Böse im Menschen.

In der Philosophie wird als „Böse“ das bezeichnet, was ethisch falsch ist. Das Böse ist das Gegenteil des Begriffes „moralisch gut“. Die Begriffe „gut“ und „böse“ sind normative und präskriptive Begriffe. Die Begriffe werden auch als gegensätzliche Pole betrachtet. Karl Jasper sagt in seinem Werk „Einführung in die Philosophie“, dass das Verhältnis zwischen Gut und Böse mit drei Stufen zu erklären sei. Der Mensch hat die Alternative bei der Entscheidung: Das moralische Verhältnis. Es steht im kantschen Sinn zwischen Neigung und Pflicht, sich von den Antrieben leiten zu lassen. Das ethische Verhältnis, das von der Wahrhaftigkeit der Motive bestimmt wird. Das Böse ist hier „Schwäche“, die der Neigung nachgibt. Das metaphysische Verhältnis, welches das Verhältnis zwischen zum Sein drängende Liebe und zum Nichtsein drängender Hass beschreibt.[3] Leibniz unterscheidet drei Formen des Übels: das Metaphysische, welches die Unvollkommenheit schlechthin darstellt, das Physische, welches das Leiden und das Moralische, welches die Sünde beschreibt. Gott erschafft „das Böse von Möglichen“. Nach diesem Prinzip sei die Welt erschaffen.[4] Das Böse hat Kant in seinem Werk „Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft (RGV)“ als unerklärliches Phänomen definiert, das jeden Menschen eigen ist: Jeder Mensch trage von Natur aus dem Hang zum Bösen in sich. Dieses Prinzip sei es, was den Menschen abhalte, moralisch zu handeln.[5]

Die Ethik beschäftigt sich damit, was gutes Handeln oder schlechtes Handeln ausmacht. Das ethische Denken fragt also danach, wie der Mensch handeln soll und wie nicht. Dazu gehören auch die Auseinandersetzung mit dem Ausmass individueller menschlicher Freiheit sowie eine Bestimmung von Gut und Böse.[6]

Die Religionswissenschaft unterscheidet zwei Formen des Bösen: Das Böse in der menschlichen Sphäre (als Gegenpol des sittlichen Guten). Das Böse als göttliche bzw. geistige Mächte. Ihr Wirken ist schädigend. Die Gegenmacht versucht das Verhältnis zwischen Gott und Menschen zu bedrohen und zu zerstören. Die Gegenmacht (das Böse) versucht den göttlichen Heilsplan zu durchkreuzen. Das Christentum erklärt das Böse aus dem menschlichen Urtrieb, selbst Gott sein zu wollen. Es wird versucht dies zu belegen mit dem Sündenfall und die daraus resultierende Erbsündenlehre. Der Theologe Dalferth sagt in seinem Werk „Das Böse“, dass eine Welt ohne Leben nicht besser wäre, als eine Welt mit dem Bösen, weil es in ihr weder Gutes noch Böses gäbe. Nur einer Welt, der etwas Wirkliches widerfährt, ist eine Welt mit Leben. Nur, wo es Leben gibt, kann etwas widerfahren. Ein Widerfahrnis ist das, was einem Lebewesen passiv, und zwar ohne eigenes Zutun und wider Erwarten geschieht. Das Leben wird so betroffen, dass es dadurch anders wird. Was widerfahren ist, zeigt sich daran, wie ein Leben auf das Betroffenwerden reagiert.[7] Der Theologe Barth sagt in seinem Vortrag „Das Problem des Bösen“, dass das Böse die Bühne des Weltgeschehens beherrscht. Es gäbe keine Historie, kein Drama ohne das Böse.[8] Bosheit wird als Widerfahrnis der Seele empfunden. Das Böse wird zu einer auf uns eindringenden Macht. Es gewinnt eine hinreissende persönliche Gewalt. Es begegnet den Menschen als diabolischen Widersacher. Eine andere Möglichkeit ist, dass Gott selbst der Urheber des Bösen sei. Andere Gedankengänge sind, dass Gott das Böse als Strafe billige. Damit würde aber der Begriff der Güte sinnlos, da Gott selbst zu bösen Mitteln greift. Oder Gott ist das Böse nicht mächtig, weil er als Schöpfer die Freiheit des Geschöpfs zugelassen hat. Gott steht vor der Wahl, entweder das Böse oder die Schöpfung aufzuheben. Dann gäbe es keine Freiheit ohne den Preis des Leidens. Im Christusereignis stellt sich Gott dem Bösen, indem er es auf sich nimmt. Christus ist die letzte Antwort auf die Theodizeefrage.[9]

Es kann gesagt werden, dass das Böse, das dem Guten Entgegengesetzte ist, das Verwerfliche. Es gilt als Ursache von Leid und Unglück in der Gesellschaft. Das Problem des Bösen in seiner Unfassbarkeit sowie Unerklärlichkeit ist ein dauernder Gesprächsstoff in der Geistesgeschichte. Diskussionen über seine Herkunft finden wir schon in der Genesis (Gen. 3). Im 19. Jahrhundert setzte eine Positivierung des Bösen ein, besonders von Schelling vorangetrieben.[10] Die natürlichen Erklärungen und metaphysischen Rechtfertigungen wurden verworfen. Das Böse wurde als der unaufhebbare Gegensatz zum Guten aufgefasst. Probleme ergeben sich bis heute in der Fragestellung, entweder ist der Mensch zum Bösen determiniert; dann trifft ihn keine Schuld, denn er handelt nicht willentlich. Seine Handlungen lassen sich nicht moralisch bewerten, denn jede Moral setzt Freiheit voraus. Oder der Mensch ist frei. Dann ist böses Handeln unsinnig. Das böse Handeln beschneidet seine Freiheit. Heute wird auch die Definition des Bösen zusammengefasst unter dem Begriff „Aggressionen“. Darunter wird ein affekt- oder triebbedingtes Angriffverhalten des Menschen verstanden. Es gibt die These, dass es sich bei Aggressionen um Fehlleistungen eines lebenswichtigen Instinkts handelt, der sein adäquates Ventil nicht finden kann. Aggression ist verknüpft mit dem nicht gestillten Verlangen nach Gerechtigkeit.[11]

Aus dem Erwähntem sieht man, dass die Definition des Bösen viele Blickwinkel.

4 Die Personifikation des Bösen

Der Begriff „Personifikation“ ist eine rhetorische Figur, die Pflanzen, Gegenständen oder abstrakten Wesenheiten eine Stimme gibt oder menschliche Züge verleiht.[12] Eine der ersten Personifizierungen des Bösen in der abendländischen Kultur ist die Schlange. Die Kulturen haben verschiedene Personifikationen des Bösen: germanischer Loki, christlicher Teufel oder der arabische Dschinn. Im Hinduismus sind es die Dämonen. Allen gemeinsam ist, dass sie aus freiem Willen und eigenständig Unglück und Verdammnis bringen. Im Judentum wird nichts als das personifizierte Böse betrachtet. Es gibt keinen Teufel. Hebr. 2,14 redet von „den, der des Todes Gewalt hat, nämlich den Teufel“. Von einer abstrakten Idee wird wie von einer Person gesprochen. Die Bibel benutzt oft Personifikationen. Der Teufel oder auch Satan genannt, repräsentiert die bösen Wünschen in uns. Im NT personifiziert sich das Böse in der Gestalt des Satans wie in der Versuchung Jesus, in der das Böse als eigenständige widergöttliche Macht agiert (Mt 4, vergl. Kor 7,5, 2 Kor 11,14). Das Böse kann Menschen befallen oder Judas zu seinem Verrat verführen (Luk 23,3). Am Ende der Zeit wird Satan losgelassen und er kann sein Zerstörungswerk in Angriff nehmen (Apk 20, 2.7). Paulus spricht davon, dass wir zwei Wesen in uns hätten: der Mann des Fleisches, „der Teufel“, kämpft gegen den Mann des Geistes (Röm 7,15-21). Der sündhafte Teil unserer Natur wird als „der Böse“ personifiziert (Mt. 6,13) – der biblische Teufel. Karl Barth sagt, dass das Böse in Gottes Schöpfung das „unmögliche Mögliche“ sei, deren Wirklichkeit wir nicht beschreiben können. Es kann nicht zurückgeführt werden auf einen positiven Willen Gottes. Barth schreibt auch dem Verneinen Gottes eine Kraft zu, auch das Verneinte hat eine Art Wirklichkeit. So „ist“ auch das Böse, was aber von keinem Bestand sein wird. Joest sagt, dass Barth von Christus her argumentiert. In Christus ist das Böse überwunden, das „Nichtige“ wird zu einem fliehenden Schatten.[13] Ratzinger meint, das Böse komme allein aus dem Herzen der Menschen, es sei allein Sache des Menschen. Durch den Teufel, das Böse, würden die Eigengesetzlichkeit und Eigenverantwortlichkeit des Menschen in Frage gestellt.[14] Die frühen Konzilien betonen nachdrücklich, dass Gott eine sichtbare und unsichtbare Welt geschaffen hat. Wie ist die Personifikation des Bösen heute zu sehen? Die Personifikation des Bösen kann in der heutigen Zeit auch in der Gestalt von Hitler, Stalin, Osman bin Ladan etc. gesehen werden. Das Böse erscheint für uns in vielfältigen Handlungen: im Holocaust, in den Gulags von Stalin, in der Zerstörung des World Trade Centers in New York u.a. Die Frage des persönlichen Leidens oder einer absurden Welt und doch der Gedanke an einem guten Schöpfer beschäftigt viele. Ob Gott auf Grund einer absurden Leidenswelt gerecht sei, hat eine lange Tradition. Wer das Böse mit der Behauptung zu begründen versucht, es lasse erst das Gute erkennen, rechtfertigt nicht Gott, sondern das Böse. Auch die Behauptung, wo Licht ist, gibt es auch Schatten, wo Gutes ist, ist auch Böses, besagt, dass am Ende nicht ein guter Schöpfer ist, sondern ein dualistisches Prinzip von Gut und Böse.

[...]


[1] Duden, Das Synonymwörterbuch

[2] Piper, Gut und Böse, S. 16 f

[3] Jasper, Einführung in die Philosophie, Kapitel 5

[4] Leibniz, Gesammelte Werke, S. 601 ff

[5] Kant, Werke in 12 Bänden. Band 8, S. 680 - 688

[6] Eigene Notizen, Lehrgang „ethische Entscheidungsfindung in Organisationen“, FH Nordwestschweiz, Dialog Ethik und Universität Freiburg, 2008

[7] Lüthi, Gott und das Böse, S. 6 ff

[8] Barth, Das Problem des Bösen, S. 9

[9] Hofmann, Katholische Dogmatik, S. 84 ff

[10] Hügli, Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 682 - 708

[11] Eigene Notizen, Lehrgang „ethische Entscheidungsfindung in Organisationen“ FH Nordwestschweiz, Dialog Ethik und Universität Freiburg, 2008

[12] Duden, Das Fremdwörterbuch, S. 753 f

[13] Joest, Dogmatik Bd. 2, S. 19

[14] Ratzinger, Dogma und Verkündigung, S. 226

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640340415
ISBN (Buch)
9783640338962
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v127616
Institution / Hochschule
Universität Basel – Theologische Fakultät
Schlagworte
Böse abendländische Kulter Theologie Geschichte Ethik Kultur und das Böse woher kommt das Böse? Personifikation des Bösen Hölle Teufel Kultur das Gute Gerechtigkeit und das Böse Philosophie Recht Kriege

Autor

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