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Die Kuba-Krise: Stand die Welt tatsächlich so knapp vor dem dritten Weltkrieg?

Eine Analyse von Internetdiskursen anhand der kritischen Diskursanalyse

Hausarbeit 2009 32 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Geschichte der Internationalen Beziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitende Bemerkungen

2 Die Kuba-Krise: Der (verbreitete und allgemein akzeptierte) historische Ablauf

3 Wie stellt sich die Forschungslage dar?

4 Der theoretische und methodische Rahmen
4.1 Hypothesenbildung
4.2 Methodik

5 Die Untersuchung
5.1 Vorbemerkung
5.2 Kategorisierung
5.3 Prüfung der Alternativansichten
5.3.1 Prüfung Skep1 A
5.3.2 Prüfung Skep1 B
5.3.3 Prüfung Skep2

6 Implikationen und Schlussbemerkungen

7. Verwendete Literatur und Internetseiten

8 Anhang

„Wir standen so nah am nuklearen Abgrund. Und verhinderten den atomaren Schlagabtausch nicht etwa durch ein gekonntes Management, sondern durch schieres Glück. Keiner von uns begriff damals wirklich, wie nah wir am Rand der Katastrophe standen.“[1]

(Robert McNamara, US-Verteidigungsminister 1961-1968)

Wirklich?

1 Einleitende Bemerkungen

Diese, zugegebenermaßen provokante, Einleitung gibt erste Hinweise darauf, mit welcher Thematik, welchem Untersuchungsgegenstand sich diese Arbeit beschäftigen wird. Die Kuba-Krise aus dem Jahre 1962, die die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion (scheinbar) fast dazu veranlasst hätte, einen nuklearen Krieg zu führen, gilt, propagiert und stilisiert durch „Siegerliteratur“, als Geschichtskapitel, dass demonstriert, wie sich ein heroischer junger US-Präsident und sein älterer und aufgrund weiser Überlegungen zum Einlenken bereiter sowjetischer Gegenpart, aufmachten, die Welt vor dem atomaren Holocaust zu bewahren.

Doch eines gilt es zu bedenken:

Geschichte ist beileibe nicht so starr, wie man gemeinhin annimmt, sondern sie ist ein Produkt von Interpretationen, deren Endergebnis eine allgemeine und allgemeingültige „Geschichte der Geschichte“ darstellt. Dass dabei demjenigen, der auf Seite des „Gewinners“ steht, die Deutungshoheit zugesprochen wird, scheint natürlich und verständlich. Nichtsdestotrotz muss klar attestiert werden, dass diese Darstellung nicht der Realität entspricht bzw. entsprechen muss. Somit kann grundsätzlich angenommen werden, dass andere Interpretationen durchaus ihre Berechtigung haben können, kurz: Ist das „Wissen“, dass wir zu einem Thema, einem historischen Ereignis etc. haben nicht doch zu geprägt durch Deutungsinstanzen, deren Objektivität eingeschränkt sein dürfte und das Alternativtheorien bzw. auch spekulative Ansätze gesellschaftliche Relevanz besitzen können?

Die sich u. U. auftuende Frage, weshalb die Untersuchung dieses Sachverhaltes denn von Interesse ist, führt unweigerlich zur theoretisch-methodischen Grundlage dieser Arbeit: dem Diskurs, der als „Fluss von Wissen bzw. sozialen Wissensvorräten durch die Zeit“[2] verstanden werden kann. Ohne jetzt schon näher darauf einzugehen, was Diskurs bzw. kritische Diskursanalyse, der theoretische Rahmen, den diese Arbeit hat, genau bedeutet, kann man anhand Jürgen Links[3] knapper Diskursdefinition erkennen, welche Mechanismen und Reichweiten der Diskurs in sich birgt: „wir verstehen [unter Diskurs] institutionalisierte, geregelte Redeweisen, insofern sie an Handlungen gekoppelt sind und also Machtwirkungen ausüben.“[4]

Der Machtbegriff, der hier erscheint, ist bei der (kritischen) Analyse des sich hier darstellenden Sachverhaltes bedeutend, zeigt er doch, wie sich scheinbar definitives „Wissen“ gesellschaftlich manifestiert.

Ich fasse zusammen, um dann nach einer kurzen Präsentation meines Diskursraumes und meiner Gliederung mit der Arbeit fortzufahren: Die Kuba-Krise, der historische Rahmen der Arbeit, wird (beinahe) immer gleich und basierend auf Aufzeichnungen bestimmter Personen[5] gezeichnet. Geschichte wird somit als „wahr“ dargestellt. Man kann allerdings behaupten, „dass es keine wirklichen „Wahrheiten“ gibt, Wahrheiten, die die Zeit überdauern und für alle Menschen gelten.“[6] Die auf das Thema gemünzte Fragestellung lautet somit präzise formuliert:

Stand die Welt während der Kuba-Krise tatsächlich so knapp vor dem dritten Weltkrieg?

Diskurse und deren kritische Analyse bilden den Schlüssel, um Alternativsichtweisen zuzulassen. Um einen möglichst breiten Diskurs zu haben, der nicht nur in den Sphären der mitunter gesellschaftsfernen Akademien und Wissenschaften liegt, wird diese Arbeit sich auf Theorien, Annahmen und/oder Spekulationen beziehen, die sich im diskursträchtigen Raum des Mediums „Internet“ finden lassen. Zur Auswahl der Beiträge und zu den Einschränkungen, die gemacht werden müssen, werde ich mich in einem späteren Abschnitt äußern.

Die Aufteilung dieser Abschnitte sieht dann wie folgt aus: nachdem ein kurzer Überblick zur Kuba-Krise und der stattgefundenen Ereignisse gegeben wurde[7], wird in knapper Form beschrieben, wie die Forschungslage zu diesem Thema aussieht. Da es sich um ein historisches Ereignis handelt und die Literatur hierzu eine überwiegend sehr einhellige Meinung vertritt (was als Basis dieser Arbeit ja vorausgesetzt wurde! Es soll ja kritische analysiert werden, wie Subdiskurse einen Gegenvorschlag zu bestehendem „Wissen“ bilden könn(t)en!), könnte man diesen Abschnitt mit ein paar kurzen Hinweisen auf Vertreter alternativer Ansichten beschließen. Da der Diskursschauplatz sich jedoch zu einem großen Teil im „World Wide Web“ befindet, ist es sinnvoll, sich genauer damit zu befassen. Es wird also in verkürzter Form geschildert, auf welchen Seiten sich themenspezifische Diskurse welcher Qualität entwickelt haben.[8] Anschließend wird der theoretische Rahmen samt Hypothesenbildung abgesteckt, wobei es zur Präzisierung des „kritischen“ in der Diskursanalyse kommt und somit zur theoretischen Konkretisierung im Gegensatz zu einer reinen Analyseform. Nachdem dann das methodische Vorgehen dargestellt wurde, kommt es auf Grundlage der Theorie zur eigentlichen Untersuchung und im Anschluss werden die Ergebnisse interpretiert. Eventuell auftretende Probleme bzw. Schwächen während der Untersuchung bzw. der Untersuchung werden in diesem Abschnitt ebenso diskutiert. Den finalen Teil bilden dann die Schlussbemerkungen, die zusammenfassend die Arbeit schildern und nochmals Bezug auf die Anfangsfragestellungen nehmen.

2 Die Kuba-Krise: Der (verbreitete und allgemein akzeptierte) historische Ablauf

An dieser Stelle wird nun ein zusammenfassender Überblick zu den Ereignissen im Jahr 1962 gegeben. Dabei werden, wie bereits angekündigt, die Darstellungen geschildert, die von den meisten Menschen erlernt und akzeptiert wurden.[9]

Die Krise begann indirekt eigentlich schon Ende der 1950er Jahre, indem die Sowjetunion und die USA Raketen in der Nähe des jeweiligen Kontrahenten installierten (die Sowjetunion in der DDR, die USA in Italien und in der Türkei). 1959 stürzten die Revolutionäre Fidel Castro und Ernesto „Che“ Guevara den durch die USA unterstützten kubanischen Führer Batista, woraufhin die Vereinigten Staaten die monetäre Unterstützung Kubas einstellten. In der Folge kam es dann zur schrittweisen Annäherung von Kuba mit der Sowjetunion. Nach der gescheiterten US-Invasion in der Schweinebucht wurde der sowjetisch-kubanische Kontakt intensiviert und es kam zur Stationierung von Abschussvorrichtungen sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba im Jahr 1962, die alsbald jedoch von den Amerikanern entdeckt wurden. Nachdem amerikanische Aufklärungsflieger mehrere Fotos dieser Vorrichtungen geschossen hatten, konnte der damalige Verteidigungsminister McNamara samt seinem Mitarbeiterstab diese Schnappschüsse auswerten und dem Präsidenten Kennedy vorlegen. Seine Reaktion war die Einberufung eines Exekutivkommittees („ExComm“), bestehend aus dem Beraterstab, die diverse mögliche Reaktionen erörterten und weitere Aufklärungsflüge anordneten. Der 17. Oktober 1962 stellte einen Wendepunkt dar, wurden doch nebst den Abschussrampen auch Raketen auf Kuba entdeckt und dabei handelte es sich eben auch um solche mit einer längeren Reichweite, die u.U. auch die Hauptstadt der USA, Washington D.C., hätten treffen können. Einen Tag nach diesen Erkenntnissen traf der sowjetische Außenminister Gromyko in den USA ein, ein schon länger geplanter Besuch. Während die Kubathematik jedoch bei dieser Zusammenkunft nicht erörtert wurde, plädierten immer mehr Militärs für einen Angriff aus der Luft auf Kuba, um so die Vorrichtungen und die Raketen zu zerstören. Allerdings kam im Verlauf des Tages eine andere Strategie ins Spiel: die Seeblockade.

Während John F. Kennedy am darauffolgenden Tag plangemäß Wahlkampf für die Kongresszusammensetzung im November diesen Jahres machte, ein Vorgehen, dass der Öffentlichkeit suggerieren sollte, das es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe, stimmte das „ExComm“ unter Leitung von Robert Kennedy die beiden Hauptmöglichkeiten zur Lösung der Krise ab. Ergebnis war die Bevorzugung der Blockade gegenüber dem Luftangriff. Allerdings ließ sich Präsident Kennedy noch immer die Möglichkeit offen, einen Angriff zu fliegen. Diese Option strich er auf Anraten seiner Berater, da sie die Gefahr sahen, dass eine Komplettzerstörung der Raketen möglicherweise nicht garantiert werden könne. Somit war das Vorgehen geklärt und die Vorbereitungen zur Seeblockade wurden in Gang gesetzt indem das Militär seine Bereitschaft erhöhte. Zu diesem Zeitpunkt richtete John F. Kennedy dann auch eine Rede an die Nation, in der er die prekäre Lage darstellte.

Am 24. Oktober trat die (natürlich vom sowjetischen Führer Chruschtschow als inakzeptabel empfundene) Seeblockade in Kraft. Am folgenden Tag konfrontierte der US-Botschafter Stevenson bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates seinen sowjetischen Kollegen mit den Beweisfotos der Raketen und entlarvt auf diese Weise die Verschleierungspolitik der Sowjetunion. Doch trotz der Tatsache, dass die Welt nun vom sowjetischen Gebaren wusste, ging die Raketeninstallation auf Kuba weiter. Gleichzeitig schrieb Nikita Chruschtschow jedoch einen Brief an John F. Kennedy, in dem er einen Handel vorschlug, der vorsah, dass die Raketen auf Kuba abgezogen werden würden, sofern die USA dauerhaft auf eine Invasion Kubas verzichteten. An diesem wie am nächsten Tag kam es einige male zum beinahe Zusammenstoß bzw. auch zu tatsächlichen Zwischenfällen. So gerieten ein sowjetisches Atom-U-Boot und ein US-Schiff aneinander, im sowjetischen Luftraum wurden um ein Haar amerikanische Flugzeuge abgeschossen und ein US-Aufklärungsflieger wurde über Kuba vom Himmel geholt.

Trotz des mittlerweile vollzogenen Umdenkens des „ExComm“ hin zu einem Angriff durch die Luft, entschloss sich Präsident Kennedy dazu, einem Kompromiss Chruschtschows zuzustimmen, den dieser Kennedy durch einen weiteren Brief hatte zukommen lassen: Abzug der sowjetischen Raketen auf Kuba während gleichzeitiger Abrüstung von US-Raketen vorwiegend in der Türkei sowie dem Verzicht auf Invasion seitens der USA auf Kuba.

Der Öffentlichkeit wurde letztlich ein Ergebnis präsentiert, dass auf Besonnenheit und Einsicht beruhte, ein Bild, das sich kollektiv eingebrannt hat, auch wenn immer weitere Details zu Tage kamen, die an dieser wohlwollenden Darstellung Zweifel aufkommen lassen könnten.[10]

3 Wie stellt sich die Forschungslage dar?

Wie schon angemerkt, ist eine Darstellung des Forschungsstandes bezüglich dieses Themas äußerst diffizil. Literatur, die sich kritisch mit der Kuba-Krise bzw. den Kennedys bzw. den politischen Führern der Zeit im Allgemeinen auseinandersetzt, ist eher rar gesät.

Als ertragreich stellt sich das Buch „Kennedy. Das Ende einer Legende“ des Pulitzer-Preisträgers Seymour Hersh heraus, eine kritische, sich auf Biografien von Teilnehmern von damals, aufarbeitende Literatur und mittlerweile einsehbaren Geheimunterlagen stützende Lektüre.

Vor allem ein unter militärischen Gesichtspunkten und damit auch durchaus weniger pathetisch-patriotisch in eine Richtung verlaufende Darstellung lässt sich in „Vor dem Abgrund: Die Streitkräfte der USA und der UdSSR sowie ihrer deutschen Bündnispartner in der Kubakrise“ von Dimitrij N. Filippovych und Matthias Uhl finden.

Ohne nun in jeder Einzelheit jedes Buch hier aufzuführen, fasse ich einen Grundtenor der meisten Werke zusammen: Sofern John F. Kennedy im Mittelpunkt der Literatur steht und ein kritischer Blick angewendet wird, wird v. a. auf das schlüpfrige Privatleben[11] von ihm eingegangen. Es ist eindeutig, dass diese Sicht für die diese Arbeit nicht von Interesse ist.[12]

Kritikübende Literatur, die sich unabhängiger von Akteuren zeigt, stört sich meist an der eindimensionalen pro-amerikanischen Darstellung der Kuba-Krise.[13] Hier wird oft das aggressive Verhalten der USA der Sowjetunion gegenüber dargestellt und das mitnichten der Kontrahent der östlichen Hemisphäre der alleinige (teils nicht einmal der hauptsächliche) Aggressor war. Ausführungen dieser Art stellen sich schon als wesentlich ergiebiger dar, zeigen sie doch ein geringer verklärtes Bild. Nichtsdestotrotz findet sich auch hier keine Theorie, die die Gefahr des dritten Weltkrieges abschwächt und eine weniger dramatische Alternative bietet. Trotz gemäßigter Jubelgesänge auf das mutig-besonnene Vorgehen des US-Präsidenten Kennedy wird auch hier die Möglichkeit der Andersdarstellung nicht aufgegriffen. Diese Chance soll in dieser Arbeit ergriffen werden, indem der öffentliche Diskurs dazu analysiert wird.

4 Der theoretische und methodische Rahmen

Wie schon mehrfach angedeutet, bezieht sich der theoretische Unterbau auf Diskursanalyse. An dieser Stelle muss die Unterscheidung zwischen einer reinen diskursiven Analyseform und einer Theorie, basierend auf (kritischem) Diskurs, gemacht werden. Vorweggeschickt werden muss noch, dass sich die Theorie auf Siegfried Jägers kritische Diskursanalyse[14] bezieht, welche sich wiederum auf Michel Foucault beruft und sein Verständnis von Diskurs, Wahrheit und Machtwirkung weiterentwickelt.

Um die Theorie zu erklären, muss zunächst die Realität gezeigt werden, die dargestellt werden soll. Die Jägersche Aussage „dass es keine wirklichen „Wahrheiten“ gibt, Wahrheiten, die die Zeit überdauern und für alle Menschen gelten“[15], stellt dabei das Zentrum der theoretischen Überlegungen dar. Wenn „Wahrheit“ ein relatives Konstrukt ist, das einem Transformationsprozess unterliegt, muss der Grund gefunden werden, der „Wahrheiten“ dazu bringt, sich gesellschaftlich zu verankern, oder auf das hier zugrunde liegende Thema übertragen:

Warum stellt sich die Kuba-Krise denn immer und für (fast) jeden so dermaßen dramatisch dar?

Und: Kann anhand geführter Alternativdiskurse die propagierte „Wahrheit“, die sich über viele Jahrzehnte gehalten und den Anspruch der Objektivität für sich hervorgehoben hat, relativiert werden um somit dem wahren Kern doktrinärer Diskurse bzw. „Wahrheiten“, der Macht, näherzukommen?

Hier begegnet uns ein weiterer zentraler theoretischer Punkt: die Macht. Schon mit Jürgen Links Diskursdefinition[16] zeigte sich, dass „Macht“ bzw. „Machtwirkung“ den Diskursen zugrunde liegt. Oder anders ausgedrückt:

[...]


[1] vgl. http://www.nur-zitate.com/autor/Robert_Strange_McNamara.html (Stand: 04.03.09)

[2] vgl. Jäger, S.: „Diskurs und Wissen. Theoretische und methodische Aspekte einer Kritischen Diskurs- und Dispositivanalyse“, S. 84. In: Keller, R./ Hirseland, A./ Schneider, W./ Viehöver, W. (Hrsg.): „Handbuch sozialwissenschaftliche Diskursanalyse“.

[3] Jürgen Link ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Diskursanalytiker und war Professor an der Universität Dortmund (Emeritierung 2005)

[4] vgl. Jäger, S.: „Kritische Diskursanalyse“, S.127

[5] in diesem Fall basiert eigentlich jedes Standardgeschichtsbuch, das sich der Kuba-Krise widmet, auf den Aufzeichnungen von John F. Kennedys Bruder und damaligen US-amerikanischen Justizminister Robert F. Kennedy („Thirteen Days. A Memoir of the Cuban Missile Crisis“ bzw. “Dreizehn Tage: Wie die Welt beinahe unterging”, S.11-125)

[6] vgl. Jäger, S.: „Kritische Diskursanalyse“, S.215

[7] Vorbemerkung: dieser Abschnitt wird sich auf die allgemeine Darstellung der Krise beziehen, d.h. sie wird so nachgezeichnet, wie man sie in jedem x-beliebigen Schülerbuch im Fach Geschichte, aber auch auf populären Internetseiten (z. B. Wikipedia) nachlesen kann. Wie schon erwähnt, ist die Hauptquelle sowieso im Normalfall dieselbe (Robert Kennedy). Es wird zudem versucht werden, diese Nacherzählung möglichst knapp zu halten.

[8] Da mir keine Forschungsarbeit mit dem theoretisch-methodischen Hintergrund der (kritischen) Diskursanalyse zu dem Thema „Kuba-Krise“, die Diskurse via Interneteinträge analysiert, bekannt ist, kann unmöglich die Forschungslage beschrieben werden. Andere kritische Analysen von Diskursen zu schildern erscheint ebenso wenig sinnvoll, da diese Analyse ja immer themenspezifisch ist und somit wenig mit anderen Analysen gemein hat. Somit wird dem Abschnitt „Forschungslage“ weniger Bedeutung beigemessen wie der theoretischen Struktur und der Methodik und natürlich der eigentlichen Untersuchung.

[9] Wie schon einmal angemerkt, beziehe ich mich dabei auf Robert Kennedy, in diesem Fall auf sein Buch „Dreizehn Tage: Wie die Welt beinahe unterging”. Allerdings wird hier, entgegen der üblichen wissenschaftlichen Arbeit, auch das Medium Internet als Quelle akzeptiert, im speziellen populäre, einem Großteil der Bevölkerungen Antwort gebende Seiten wie z. B. Wikipedia o.ä.

Es geht hierbei ja nämlich nicht um „Wahrheit“ als stringentes, überdauerndes Konstrukt, sondern um die Darstellung von scheinbaren „Wahrheiten“ zu einem, in diesem Fall historischen, Ereignis. Dies erfordert eine Sicht auf propagierte „Tatbestände“, die populär ist.

[10] Das Abkommen zwischen Kennedy und Chruschtschow bezüglich der gegenseitigen Deinstallation von Raketen z. B. wurde erst etliche Jahre später bekannt, weit nach dem Tod von John F. Kennedy, Robert Kennedy und Nikita Chruschtschow. Mit diesem Wissen stellt sich vor allem die Leistung der Kennedys schon ziemlich anders dar.

[11] politische wie erotische Affären, man könnte, natürlich mit einem Augenzwinkern versehen, stellvertretend die Alliteration „Mafia und Marylin“ anführen. Darstellungen dieser Art finden sich wieder z. B. auch bei Seymour Hershs „Kennedy. Das Ende einer Legende“ und v.a. in „Das Intimleben amerikanischer Präsidenten“ (S.211ff) von Nigel Cawthorne.

[12] Hier muss etwas Angemerkt werden: ohne dem methodischen teil vorzugreifen, in dem ja noch Auswahlkriterien geschildert werden, muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass, obwohl andere Sichtweisen zentraler Bestandteil dieser Arbeit sind, nicht jede abstruse Idee aufgenommen wird. D.h. Thesen zur Kuba-Krise, die fernab jeglicher Nachprüfbarkeit und inneren Logik sind, werden nicht berücksichtigt. Dazu würden auch solche Sichtweisen gehören, die die Krise um Kuba in Verbindung bringen mit der u.U. vorhandenen „leichten“ Lebensart des damaligen US-Präsidenten Kennedy, da diese Theorien weder geprüft werden können noch berücksichtigen, dass eine ganze Reihe anderer Menschen (so ja besonders der sowjetische Führungsstab) beteiligt waren, was das Private einer einzelnen Person als Grundlage einer solchen Krise eigentlich ausschließt!

[13] Auch hier muss Seymour Hersh genannt werden, dazu aber auch Harald Biermanns Beitrag „Die Streitkräfte der USA während der Kubakrise“ (S.11ff) in „Vor dem Abgrund: Die Streitkräfte der USA und der UdSSR sowie ihrer deutschen Bündnispartner in der Kubakrise“ von Dimitrij N. Filippovych und Matthias Uhl sowie Arnold Piok „Kennedys Kuba-Krise. Planung, Irrtum und Glück am Rande des Atomkrieges 1960-1962“ (S.30ff)

[14] vgl. Jäger, S.: „Kritische Diskursanalyse“ sowie Jäger, S.: „Diskurs und Wissen. Theoretische und methodische Aspekte einer Kritischen Diskurs- und Dispositivanalyse“, S. 84. In: Keller, R./ Hirseland, A./ Schneider, W./ Viehöver, W. (Hrsg.): „Handbuch sozialwissenschaftliche Diskursanalyse“.

Verwendet wurden zudem noch die Internetseite:

http://www.diss-duisburg.de/Internetbibliothek/Artikel/Aspekte_einer_Kritischen_Diskursanalyse.htm (Stand: 20.02.2009) sowie als Sekundärliteratur zum allgemeinen Verständnis „Theorien der Internationalen Beziehungen“ (Kapitel 16 & 17) von Schieder, S./Spindler, M. (Hrsg.)

Anmerkung: Es mag irritierend wirken, dass bei einer Theorie von der Methodik der Analyse die Rede ist. Aber Siegfried Jägers Entwicklung der kritischen Diskursanalyse geht weit über den methodischen Rahmen hinaus und stellt sich letztlich als Theorie dar. Da er aufbauend auf v.a. Foucault entwickelt, lässt sich durchaus auch auf ihn zurückgreifen. Und Michel Foucault (der eine Diskurstheorie entwarf!) wird dem Poststrukturalismus zugeordnet, weswegen Jäger im Endeffekt dieser Richtung folgt. Deshalb nutze ich auch weiterhin den Terminus „Analyse“, auch wenn es sich um eine Theorie handelt.

[15] vgl. Jäger, S.: „Kritische Diskursanalyse“, S.215

[16] „wir verstehen [unter Diskurs] institutionalisierte, geregelte Redeweisen, insofern sie an Handlungen gekoppelt sind und also Machtwirkungen ausüben.“ Vgl. Seite 2 dieser Arbeit, Fußnote 4

Details

Seiten
32
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640357567
ISBN (Buch)
9783640357376
Dateigröße
789 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128008
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Internationale Beziehungen IB Kuba Weltkrieg Diskursanalyse kritische Diskursanalyse Foucault Siegfried Jäger Politik Analyse Kuba-Krise Kubakrise Kennedy Lüge dritter Weltkrieg

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