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Lärm - Auswirkungen auf den Menschen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 19 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Lärm?

2. Was ist Schall? – Schallmessung

3. Funktionsweise des menschlichen Ohres

4. Auswirkungen von Lärm

5. Aussicht

6. Literatur

„Die Seuche der Zukunft wird der Lärm sein, und die Menschheit wird den Lärm eines Tages ebenso erbittert bekämpfen müssen wie die Pest oder Cholera.“ (Robert Koch, Ende des 19. Jahrhunderts, zitiert nach Strasser & Hesse, 1988).

Die Lärmbelästigung ist in Deutschland, wie in anderen europäischen Ländern, sehr hoch. So sind schätzungsweise 20% der Bevölkerung der Europäischen Union (das sind ca. 80 Mio. Menschen) tagsüber ständig verkehrsbedingten Lärmpegeln über 65 dB(A) ausgesetzt. In Deutschland ist die Geräuschbelastung trotz erfolgreicher technischer und planerischer Lärmminderungsmaßnahmen auf einem sehr hohen Niveau. Dieses ist vor allem auf den weiterhin zunehmenden Straßenverkehr zurückzuführen. Etwa 15,6% der Bevölkerung der alten Bundesländer sind tagsüber mit Mittelungspegeln von über 65 dB(A) belastet, etwa 30% sind auch nachts Pegeln über 50 dB(A) ausgesetzt. Die gesundheitliche Relevanz derartiger Lärmbelastungen wird derzeit intensiv erforscht und kontrovers diskutiert (vgl. Umweltdaten Deutschland 1998, www.umweltbundesamt.de/udd/lae/lae2.html).

1. Was ist Lärm?

Lärm ist eines der gravierendsten, wenn auch politisch noch immer am stärksten unterschätzten Umweltprobleme (Marks, 1999, S.7).

In der Fachliteratur finden sich verschiedene Definitionen zum Thema Lärm, die im Folgenden kurz skizziert werden.

Lärm wird bisweilen als akustische Umweltverschmutzung bezeichnet. Analog zur Definition von Luftverschmutzung als Verunreinigung der Luft durch Materie begreift diese ökologische Definition Lärm als die Verunreinigung der Luft durch Schallenergie (Kemper & Siebrasse, 1978, S. 165, zitiert in Marks, 1999, S. 11). Dabei werden lediglich die durch den Menschen verursachten Geräusche negativ belegt. Dieser Ansatz vernachlässigt, dass bereits Naturgeräusche als subjektiv störend erlebt werden können, und Lärm somit nicht ausschließlich von den Werkzeugen und Maschinen der Menschen herbeiführt wird.

Eine naturwissenschaftliche Definition bezeichnet Lärm als lauten Schall (bzw. physikalisch korrekt formuliert: Schall mit hoher Schallenergie). Gemäß dieser Definition, auf die sich Politiker und Gesetzgeber in der Regel stützen, wäre Lärm objektiv messbar (vgl. Marks, 1999, S. 10). Wer jedoch jedes laute Geräusch als Lärm bezeichnet, macht sich die Sache zu einfach: Ob ein Geräusch als Lärm empfunden wird, hängt nicht nur von der Lautstärke, sondern auch vom

Informationsgehalt und der subjektiven Einstellung des Hörers gegenüber dem Schallereignis ab.

Beispiele:

- Leise Instrumentalmusik stört bei geistiger Arbeit kaum, wohl aber Vokalmusik oder gar Sprache, wenn sie verstanden wird (höherer Informationsgehalt, daher leichtere Ablenkung)
- Das gleichbleibende Rattern der Eisenbahn wirkt geradezu einschläfernd, obwohl es durchaus laut sein kann.
- Der Besucher eines Sinfoniekonzertes empfindet die oft sehr laute Musik kaum als Lärm; abends im Bett aber lässt ihn das sehr viel leisere Geräusch des tropfenden Wasserhahns nicht einschlafen (vgl. Hoffmann & von Lüpke, 1986, S. 16).

Ergo gibt es qualitative Unterschiede zwischen verschiedenen Geräuschquellen.

Das Umweltbundesamt (1997, S. 8) konstatiert hinsichtlich der naturwissenschaftlichen Definition: „Lärm ist (...) nicht mit physikalischen Geräten messbar, weil die individuellen Empfindungen sich objektivierbaren Messverfahren entziehen.“

Diese Erkenntnis führt zu einem psychologischen Lärmverständnis, dem zufolge Lärm als unerwünschter bzw. störender Schall angesehen wird (vgl. u.a. Marks, 1999, S.9ff; Guski, 1987, S. 8; Hoffmann & von Lüpke, S. 1986, S. 16f; Gebert, 1981, S. 96f; Bergius, 1939, S. 2).

Die Begriffe unerwünscht und störend implizieren, dass Lärm eine psychologische Größe ist. Es kann also erst auf Grund der Aussagen von Individuen entschieden werden, ob ein Schallereignis als Lärm bezeichnet wird oder nicht. Physikalische Messungen allein sind somit als Indikator für Lärm unzureichend.

Neben dem aversiven Charakter sollte auch der tendenziell pathogenen Wirkung von Lärm Rechnung getragen werden, denn Lärm kann nicht nur stören, sondern auch schädigen (vgl. Gebert, 1981, S. 96). Zu beachten ist dabei, dass diese beiden Merkmale nicht gleichzeitig auftreten müssen. Des öfteren hört man von Arbeitern, die unter dem Einfluss starker Lärmquellen arbeiten, die Behauptung, sie hätten sich an den Lärm gewöhnt, ihnen mache er nichts mehr aus, und anschließend durchgeführte Untersuchungen ergeben dann schwerwiegende Erkrankungen der Hörorgane (vgl. Hoffmann & von Lüpke, 1986, S. 16). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Lärm deshalb auch als „akustische Energie, welche die Gesundheit des Menschen oder sein physisches, geistiges oder soziales Wohlbefinden beeinträchtigt oder beeinträchtigen kann“ (vgl. Klein, 2001, S.120).

Nichtsdestotrotz sind in der Praxis mit den allgemein gebräuchlichen Ausdrücken Lärm, Lärmwirkungen, Lärmwirkungsforschung objektiv messbare Schallbelastungen sowie deren Wirkungen auf den menschlichen Organismus und die Erforschungen dieser Wirkungen gemeint (vgl. Gebert, 1981). Lärm selbst kann nämlich auf Grund der subjektiven Dimension (die der Lästigkeit bzw. Aversität des Schalls) nur schwer gemessen bzw. erfasst werden.

2. Was ist Schall? – Schallmessung

Schall ist eine physikalische und damit wertneutrale Kategorie. Physikalisch handelt es sich dabei um Luftdruckschwankungen, welche sich wellenartig in einem Medium (Luft, Flüssigkeit, Körper) bewegen (vgl. u.a. Marks, 1999, S.50ff; Hellbrück & Bisping in Kals, 1998, S. 20ff; Hoffmann & von Lüpke, 1986, S. 17ff). Schall kann auf sehr verschiedene Weisen entstehen. Die für den Menschen wichtigsten Vorgänge, bei denen Schallenergie erzeugt wird, sind Interaktionen zwischen schwingenden festen Körpern (z.B. Schlagen, Reiben) und aerodynamische Prozesse (z.B. Pfeifen, Sprechen). Daneben spielen auch noch Geräusche durch Flüssigkeitsbewegungen eine Rolle (Guski, 1996, S. 66).

Es werden dabei die Parameter Frequenz, gemessen in Hertz (Hz, Anzahl der Schwingungen pro Sekunde), die Amplitude, welche vom Schalldruck p (durch Schallschwingung hervorgerufener Druck im Medium) abhängig ist, und die Phase (Schwingungszustand zu jedem Zeitpunkt) unterschieden (Meis, 1998, S. 9).

Für das menschliche Gehör sind Frequenzen von 16 (20) bis 20000 Hz wahrnehmbar. Abbildung 1 illustriert den Hörbereich des gesunden menschlichen Ohres. Die tiefen Töne (niedere Frequenz) finden sich im linken, die hohen im rechten Bereich der Abbildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abbildung 1 – Quelle: Marks, 1999, S. 53)

Töne unter (16) 20 Hz werden als Infraschall bezeichnet, diejenigen über 20000 Hz als Ultraschall. Infra- und Ultraschall können vom menschlichen Ohr nicht gehört werden. Die Hörempfindlichkeit stimmt dabei nicht in allen Frequenzbereichen mit dem physikalisch messbaren Schallpegel überein. Unterschiedliche Frequenzen werden also vom menschlichen Ohr als unterschiedlich laut empfunden. Um eine hörgerechte Schallmessung zu erzielen, wird das physikalische Messergebnis frequenzgewichtet, zumeist nach der sogenannten Bewertungskurve A. Diese filtriert gewisse Anteile der tiefen und hohen Töne heraus. Auf diese Weise soll der genannten Eigenschaft des Ohres Rechnung getragen werden, gewisse Frequenzen schlechter aufzunehmen (vgl. Marks, 1999, S. 52f; Meis, 1998, S. 10; Birbaumer & Schmidt, 1996, S. 411ff; Krech, Crutchfield u.a., 1992, S.27).

Wie überall stehen auch in der Akustik Ursache und Wirkung in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Ursache ist hier die der Schallquelle zugeführte Leistung, Wirkung ist der Schalldruck p (vgl. Hoffmann & von Lüpke, 1986, S. 20). Normalerweise wird die an der Quelle abgestrahlte Schallstärke als Schalldruck p in Einheiten von Newton pro Quadratmeter angeführt oder als Schalldruckpegel (Sound Pressure Level-SPL) Lp in Dezibel (dB) angegeben. Das zu Ehren von G. Bell so genannte Dezibel ist eine Verhältniszahl, die den aktuellen Schalldruck px mit einem festen Bezugsschalldruck p0 (2 . 10-5 N/m2) vergleicht. Der Bezugsschalldruck entspricht etwa demjenigen Druck, der notwendig ist, um die sogenannte Hörschwelle gerade zu überschreiten. Die Relation px/p0 wird dekadisch logarithmiert und mit 20 multipliziert, um handliche Zahlen zu erhalten:

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638186582
Dateigröße
956 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12867
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – FB Wirtschaftspsychologie
Note
1,3
Schlagworte
Lärm Schall

Autor

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Titel: Lärm - Auswirkungen auf den Menschen