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Pisa-Studien. Wie lassen sich die Pisa-Ergebnisse mit den Theorien Bourdieus erklären und wie reagieren die Schule und die Didaktik auf diese Ergebnisse?

Hausarbeit 2008 20 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die PISA-Studien (Program for international Student assessment)

3. Soziale Herkunft und Kompetenzerwerb
3.1 Kulturelles, soziales und ökonomisches Kapital
3.2 Kulturerwerb
3.3 Sprache als Ausgangshandicap
3.4 Funktion der Schule: Die Erhaltung des Bestehenden
3.5 Selbstgewähltes Schicksal

4. Verfügbarkeit der Kapitalsorten, Bildungserfolg und die PISA- Studien

5. Antworten auf die PISA-Ergebnisse

6. Fazit

Literatur

1. Einleitung

In dieser Arbeit sollen grundlegende Vorgehensweisen, Erkenntnisinteressen und Befunde der PISA-Studien der OECD vorgestellt werden.

Dem Leser soll ein Überblick gegeben werden, was die Studien beinhalten, auf welchen Gebieten Schüler untersucht werden und welche Daten über Schüler und deren soziales Umfeld durch die Studien erhoben werden.

Des Weiteren soll skizziert werden, welche Ergebnisse die mittlerweile zum dritten Mal durchgeführten Studien liefern, welche Rückschlüsse auf die Schülerleistungen und den Lernerfolg gemacht werden und welche Leistungsunterschiede zwischen den Schülern der unterschiedlichen Schulformen registriert werden.

Darüberhinaus wird der empirische Zusammenhang zwischen sozialem und ökonomischen Umfeld und Schulerfolg durch Ergebnisse der PISA-Studien dargestellt und mit Hilfe der Theorien Pierre Bourdieus zur sozialen Ungleichheit erklärt. Die Erhebungen der Sozialstruktur innerhalb der PISA-Studien orientieren sich an den Theorien Bourdieus, bei der er die Quantität und Qualität zur Verfügung stehender Kapitalsorten (soziales, ökonomisches und kulturelles Kapital) als wichtigsten Einflussfaktor für Erfolg im Allgemeinen und Bildungserfolg im Speziellen sieht.

Die PISA-Studien sind Schulleistungsstudien von 15-jährigen Schülern; Seit dem Jahr 2000 werden sie in dreijährigem Turnus in den meisten Mitgliedsstaaten der OECD durchgeführt. Sie sind im Umfang ihrer Datenerhebung eine der größten und aufwändigsten empirischen Sozialerhebungen, die international jemals durchgeführt worden sind. Die Menge an Daten, die über Schüler erhoben wird, ist äußerst umfangreich und geht über die Erfassung schulischer Leistung hinaus; die Daten geben auch einen Überblick über die Wohnsituation, die Ausstattung der Familie des Schülers mit kulturellen und ökonomischen Gütern sowie über Bildungs-, Berufserfolg und Einkommen der Eltern. Diese verschiedenen Daten werden einander gegenübergestellt und interessante Korrelationen erkannt.

Daran anknüpfend wird in dieser Arbeit versucht, Reformen und Veränderungen bei der Unterrichtsdurchführung und Didaktik, die durch die Studien entstanden oder zumindest vorangetrieben wurden, zu nennen. Da die PISA-Studien nur auf den Gebieten Lesefähigkeit (Schwerpunkt PISA-Studien von 2000), Mathematik (Schwerpunkt von 2003) und Naturwissenschaften (Schwerpunkt von 2006) Daten erhoben haben, fällt es schwer, spezielle Veränderungen für den sozialwissenschaftlichen Unterricht zu extrahieren. Dennoch gab es Veränderungen (-besserungen?) in der Art und Weise zu lehren, benachteiligte Schüler zu fördern und Unterricht zu gestalten, die selbstverständlich auch im Unterricht der Sozialwissenschaften stattgefunden haben. Gerade die Felder „Lesefähigkeit“ (oder das später in den Lernstandserhebungen geprüfte „Leseverständnis“) und die Problemlösefahigkeit sind für den politischen / sozialwissenschaftlichen Unterricht von besonderer Bedeutung.

2. Die PISA-Studien (Program for international Student assessment)

Wie schon erwähnt, werden die PISA-Studien von der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) im Abstand von drei Jahren (erstmals im Jahr 2000) durchgeführt; PISA untersucht dabei die Bildungsergebnisse der teilnehmenden Staaten.

Untersucht werden Kompetenzen in den Kernbereichen Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik; hinzukommen empirische Befragungen der teilnehmenden Schüler über gewisse Hintergrundmerkmale: Mittels Fragebögen werden diese Hintergrundmerkmale innerhalb des PISA-Tests ermittelt. Es soll hierbei aufgeklärt werden, unter welchen Lern- und Lebensbedingungen Kompetenzen entwickelt wurden. Fragebögen erfassen bestimmte Merkmale des Elternhauses (sozialer und kultureller Hintergrund, Einkommen etc.), der Schule (z. B. Ausstattung der Schule mit Computern) und des naturwissenschaftlichen Unterrichts (Häufigkeit von Experimenten).[1]

Bei jedem Durchgang nehmen je Land ca. 5000 Schüler an den PISA-Tests teil; der Test besteht aus einer 2-stündigen kognitiven Sitzung, bei der Fachaufgaben verschiedener Form beantwortet werden müssen, gefolgt von einer etwa 1-stündigen Fragebogensitzung. Die Lösungen und die Fragebögen werden von Beauftragten ausgewertet und an das internationale Projektzentrum übermittelt; die Lösungen werden in der Regel nur binär gewertet; also entweder „richtig“ oder „falsch“. Teillösungen oder Tendenzen bleiben unberücksichtigt. Die Schwierigkeits- und Kompetenzskala des Tests wird nachträglich nach Erfassung aller Daten mit dem OECD-Staatenmittel von 500 Kompetenzpunkten und einer Standardabweichung von 100 festgelegt. Die Ergebnisse sind demnach so zu werten:

Erlangt ein Schüler einen Kompetenzpunktewert von 525, so kann er mit 62,5prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Aufgabe mit dem Schwierigkeitsgrad 525 lösen.

Das Erhebungsprogramm der Studien ist so angelegt, dass neben einem curricularen Kern auch bereichsübergreifende Basiskompetenzen (Cross-Curricular Competencies) erfasst werden. In dem Jahr 2000 lag der Schwerpunkt auf der Lesefähigkeit, Mathematik und Naturwissenschaften waren im ersten Turnus nur Nebenkomponenten. Dementsprechend verhielt es sich in den Jahren 2003 mit dem Schwerpunkt Mathematik und 2006 mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften. Diese Reihe wird 2009 wieder mit Lesen als Schwerpunkt fortgesetzt.[2]

In Tabelle 1 sind exemplarisch Ergebnisse der Kompetenzpunkte durch die Mittelwerte der einzelnen Länder in Tabelle 1 aufgelistet. Die in Klammern stehenden Werte bei Deutschland und Finnland bilden den OECD- Ranglistenplatz der Länder in den verschiedenen Lernbereichen ab.

Tabelle 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: OECD-Berichte „First Results“ 2001, 2004[3] ; „PISA 2006. Science Competencies for Tomorrow´s World“.[4]

[Die Zahl hinter dem “±”- Zeichen ist der offizielle Standardfehler, die Zahlen in den Klammern bei Deutschland und Finnland zeigt den Ranglistenplatz]

Die Ergebnisse bescheinigen Deutschlands Schülern nur mittelmäßige Leistungen (s.o. Rangangaben), während Finnland und andere skandinavische Länder durchweg Spitzenpositionen einnehmen. Hier entstand in der Öffentlichkeit nach den PISA-Studien der Eindruck, 15-jährige deutsche Schüler könnten bei den Leistungen international nicht mithalten und das Bildungssystem, Schule und ihre Lehrer, hätten versagt. Vergleiche mit Ländern mit guten PISA-Ergebnissen (Japan, Finnland, Schweden etc.) wurden gezogen und Forderungen, es bei diesen Ländern „abzugucken“, wurden laut.

Jedoch lässt sich Deutschland nur schwer mit skandinavischen Ländern vergleichen. Die Länder weisen eine höchst unterschiedliche Sozialstruktur, ein anderes Gesellschaftssystem und eine andere Geschichte auf. In dieser Diskussion wurde Frankreich (das in den Studien auch besser abschnitt als Deutschland) als vergleichbares Land herangezogen: Ausländeranteile und Anteile von Bürgern mit Migrationshintergrund, sowie Staatsstruktur, Historie, wirtschaftliche Entwicklung sind objektiv vergleichbar. Doch auch hier ergeben sich Probleme bei der Gegenüberstellung: Bilden in Deutschland Türken die größte Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund, die zumindest in erster Generation als nicht muttersprachlich deutsch geprägt waren, so sind die Migranten in Frankreich größtenteils Personen aus Nordafrika mit Französisch als Muttersprache. Die Barriere der fehlenden Sprachkenntnisse war für Türken in Deutschland also groß, für Nordafrikaner in Frankreich jedoch nicht existent. Obwohl die Studien durch die OECD als „ranking“ gedacht sind, bieten solche Vergleiche zwischen den teilnehmenden Staaten also Risiken des Trugschlusses; es bleibt aber dennoch vorerst festzuhalten, dass deutsche Schüler im Mittel nur durchschnittlich und sogar unterdurchschnittlich abschnitten.

Dennoch bessern sich die Ergebnisse der deutschen Schüler bei jedem neuen PISA-Test im Vergleich zum vorhergegangenen.

Um die Werte vergleichbar zu machen, teilt die OECD die Leistungen der Schüler in sechs Kompetenzstufen und eine darunterliegende Stufe absoluter Inkompetenz ein. Schüler, die unterhalb der Kompetenzstufe 1 liegen, werden als „at risk“ bezeichnet.

3. Soziale Herkunft und Kompetenzerwerb

Die PISA-Studien basieren in ihren Annahmen auf den empirischen Ergebnissen und Theorien Pierre Bourdieus. Für Bourdieu ist die Schule eine Institution der höheren Klassen, der es nicht gelingt, bestehende soziale Ungleichheiten in Gesellschaften zu verringern. Die Gesellschaft basiert auf einer Reproduktion der vorhandenen Klassen, wobei die Sozialisation in Familie, Schule und Peer Group direkten Einfluss auf das Individuum nimmt und dafür sorgt, dass es die gleichen Lebenspraxen entwickelt, die in seinem Umfeld bestehen. Die Lehrer erkennen die Schüler, die ihrer Schicht zugehörig sind und fördern und / oder bevorzugen diese ungewollt. Aufsteiger innerhalb der Schichten sind laut Bourdieu eine Minderheit, denen es nur mit einem Mehr an Kraft, Motivation und Leistung gelingt, innerhalb der Schichten und im Bildungssystem aufzusteigen. Bourdieu vertritt selbst diese Ausnahme: er kam aus bäuerlichen Verhältnissen und wurde einer der bedeutendsten Ethnologen und Soziologen.

[...]


[1] http://pisa.ipn.uni-kiel.de/

[2] http://www.mpib-berlin.mpg.de/pisa/intgrundkonzeption.htm
(Grundkonzeption des internationalen PISA-Projekts)

[3] OECD: Lernen für das Leben. Erste Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudie PISA 2000. Paris. 2001.

[4] OECD: PISA 2006. Science Competencies for Tomorrow´s World. 2007

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640343584
ISBN (Buch)
9783656821878
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v128714
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Schlagworte
Pisa-Studien Pisa-Ergebnisse Theorien Bourdieus Schule Didaktik Ergebnisse

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Titel: Pisa-Studien. Wie lassen sich die Pisa-Ergebnisse mit den Theorien Bourdieus erklären und wie reagieren die Schule und die Didaktik auf diese Ergebnisse?