Lade Inhalt...

Biografiearbeit in der stationären Altenpflege. Planung, Durchführung und Auswertung einer Mitarbeiterbefragung und Dokumentenanalyse zum Biografiebogen

Studienarbeit 2007 42 Seiten

Pflegemanagement / Sozialmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangslage

2. Biografiearbeit in der Altenpflege
2.1. Grundlagen
2.1.1. Was ist Biografie?
2.1.2. Was ist Biografiearbeit

3. Problemlage

4. Theoretischer Begründungszusammenhang
4.1 Antonovsky`s Modell der Salutogenese
4.2. Aktionforschung -Kurt Lewin-

5. Ziele der Studie

6. Forschungsdesign

7. Fragebogenerhebung
7.1. Konstruktion des Fragebogens
7.2. Die Frageformulierung
7.3. Der Pretest
7.4. Auswahl der Stichprobe
7.5. Information der Mitarbeiter
7.6. Ausgabe und Rücklauf
7.7. Datenaufbereitung
7.8. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

8. Dokumentenanalyse
8.1. Auswahl der Dokumente
8.2. Kriterien der Dokumentenanalyse
8.3. Datenaufbereitung
8.4. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

9. Fragebogenerhebung und Dokumentenanalyse - ein Vergleich -

10. Empfehlung und Fazit
10.1 Ableitung von Verbesserungspotentialen
10.2. Integration der Ergebnisse in die Arbeit der Projektgruppe
10.3. Kritische Reflexion

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Ausgangslage

Biografiearbeit gewinnt in den Einrichtungen der stationären Altenpflege immer mehr an Bedeutung.

Der demographische Wandel und die Zunahme der Demenzerkrankten macht eine biografieorientierte Arbeit mit dem alten Menschen, welche persönlichkeitsfördernd- und - akzeptierend sein muß, unerläßlich.

Folgt man Kitwood´s personen-zentrierten Ansatz, ist die Hauptaufgabe der Demenzpflege „...der Erhalt des Personseins...“(Kitwood 2005, 125). Nach Kitwood ist Identität eines der fünf großen Bedürfnisse, die bei allen Menschen vorhanden sind und die es zu erfüllen gilt.

Um Identität zu erhalten, ist es von essentieller Bedeutung, „ ...einigermaßen detailliert über die Lebensgeschichte einer Person Bescheid zu wissen...“

(Kitwood 2005, 125). Nur unter dieser Voraussetzung wird es möglich, mit dem alten Menschen in Interaktion zu treten.

Bei jeder Form von Interaktion geht es aber nicht nur um die Kontaktaufnahme mit dem Klienten, sondern ausschlaggebend ist die richtige Deutung gesendeter Signale. Werden die vom Bewohner gesendeten Signale in ihrer Bedeutung erfaßt, stärkt dies die Identität und zieht auch auf anderen Ebenen, wie beispielsweise dem Erhalt von Fähigkeiten, positive Effekte nach sich.

Ermöglicht wird die richtige Deutung gesendeter Signale nur durch möglichst umfangreiches Biografiewissen, welches durch Biografiearbeit gewonnen wird.

Obwohl die Zahl der Fort- und Weiterbildungen zum Thema Biografie und Biografiearbeit, sowie die Literatur zu diesem Thema nahezu unbegrenzt ist, fehlt es an einem praxistauglichen Konzept.

Vorherrschend ist, daß tatsächliche Biografiearbeit in den Einrichtungen der stationären Altenpflege bei kritischer Betrachtung kaum in die tägliche Praxis integriert wird.

Der konzeptionelle Rahmen der Biografiearbeit beschränkt sich auf Angaben in einem halbherzig bearbeiteten Biografiebogen, der kaum als Basis fundierter Biografiearbeit dienen kann. Jede Person in ihrer Einzigartigkeit wahrzunehmen und Biografiearbeit frei von Tendenzen des Sterotypisierens und Pathologisierens zu sehen ist damit nicht möglich (vgl. Kitwood, 173).

Es mangelt an der richtigen Haltung gegenüber dem Klienten und zahlreich vorhandene Konzepte der Biografiearbeit sprengen den finanziellen und organisationalen Rahmen.

Viele dieser Konzepte würden einen erheblichen Umfang an Schulungen der Mitarbeiter bedeuten und finanzielle sowie zeitliche Ressourcen binden, die von den Einrichtungen in Zeiten des immer größer werdenden Druckes nicht bereit gestellt werden können. Daher bietet es sich meiner Meinung nach an, ein bereits vorhandenes Instrument wie den Biografiebogen zu verbessern und ihn so für die Biografiearbeit nutzbar zu machen.

Wenn Biografiearbeit vornehmlich als Interaktion und Kommunikation mit dem Klienten verstanden wird, bedarf es an relevanten Anknüpfpunkten, die als Basis für dieses Vorgehen fungieren.

Diese Anknüpfpunkte können die Informationen aus dem Biografiebogen sein.

Alle mir bekannten Altenpflegeeinrichtungen arbeiten mit solchen Bögen, die in ihren Fragestellungen alle sehr ähnlich sind und nur wenig markante Unterschiede zeigen.

Auch die stationäre Altenfplegeeinrichtung, „Maria-Hötte-Stift“ in Münster, verfügt über einen solchen Bogen, der jedoch nur wenig Hilfestellung im Sinne von Biografiearbeit bietet und kaum Aussagen zur Persönlichkeit bzw. Identität eines Bewohners trifft. Die bisherige Vorgehensweise ermöglicht es nicht, den Bewohner in seiner Einzigartigkeit zu sehen und ihm seine Identität zu erhalten.

Die genannten Defizite führen auch im Kollegenkreis zu dem Wunsch, den Biografiebogen zu überarbeiten, da er in seiner jetzigen Form für die tägliche Arbeit mit dem Bewohner wenig brauchbar ist. Diese Einwände könnten ausschlaggebend für die scheinbar geringe Akzeptanz des vorhandenen Biografiebogens sein, was die Qualität der Bearbeitung negativ beeinflußt und die gewonnenen Informationen zusätzlich schmälert.

Als die Pflegedienstleitungen der Caritas Betriebsführungsgesellschaft Münster, zu der auch das „Maria-Hötte-Stift“ gehört, im Dezember 2006 zum Thema Biografiearbeit und Modifizierung des vorhandenen Biografiebogens die Gründung einer Projektgruppe beschlossen, bot es sich an, im Vorfeld eine Mitarbeiterbefragung zu diesem Thema durchzuführen.

Ziel der Studie war es:

- Verbesserungspotentiale im Hinblick auf den Biografiebogen aufzudecken.
- Die geringe Akzeptanz des vorhandenen Biografiebogens nachzuweisen.
- Durch die Involvierung der Mitarbeiter letztendlich nicht nur die Biografiearbeit zu verbessern, sondern zukünftig auch die Motivation und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter in Bezug auf Biografiearbeit zu erhöhen, und somit zur Gesundheitsförderung der Mitarbeitern beizutragen.

Bevor jedoch näher auf die Studie eingegangen wird, bedarf es der Erläuterung einiger Grundlagen.

2. Biografiearbeit in der Altenpflege

2.1. Grundlagen

2.1.1. Was ist Biografie?

Es ist anzunehmen, daß ein Großteil der Professionellen bei einem Erklärungsversuch eher den Tatbestand des Lebenslaufes beschreiben, als den der Biografie.

Der Lebenslauf ist eine Beschreibung der objektiven Lebensdaten, den verschiedenen Stationen und Ereignissen des Lebens. Bei Reitsma beschrieben als äußere Biografie, die sich relativ leicht abrufen läßt und häufig Inhalt gängiger Biografiebögen ist (2003, 13).

„Doch während wir durch all diese äußeren Geschehnisse des Lebens hindurch gegangen sind, haben wir auch Allerlei durchgemacht. Wir hatten dabei Erlebnisse und mit diesen Erlebnissen haben wir allmählich Entwicklungen, Erfahrungen gemacht, an denen wir gewachsen sind, die uns verändert haben“ (Reitsma 2003, 13).

Diese Erfahrungen, Entwicklungen unterschiedlich in ihrer Art machen letztendlich die individuelle Biografie aus. iografien sind also nicht ein Sammelsurium von Eckdaten, sondern „ konstruierte Geschichten, in denen verschweigen, betont und hinzugefügt wird. Die sozial-historische Dimension des Lebenslaufes und die individuelle biografische Konstruktion sind unterschiedliche Kategorien“(Freibe 2004, 4).

Erst die subjektiv interpretierten Ereignisse, die Rekonstruktion des Erlebten im Zusammenspiel mit dem gesamten Kontext macht die individuelle Biografie aus und führt zur Identität des Selbst.

2.1.2. Was ist Biografiearbeit

Im Zentrum steht das Individuum und dessen Bedürfnis der Lebensrückschau. Biografiearbeit ist Erinnerungsarbeit und „dient der Versicherung eigener Identität und eigenen Wertes.

Gleichzeitig ist es der Versuch, sich am Ende des Lebens mit seinem Schicksal auszusöhnen. Nebenprodukt dieser versöhnlichen Lebensbilanz ist der Zuwachs an persönlicher Stärke, Gelassenheit und Lebensfreude. Das wiederum erleichtert es dem alten Menschen, sich mit den belastenden Erscheinungen des Älterwerdens auseinander zu setzen und sie zu meistern“

(Osborn 1997,10). Biografiearbeit ist also kein Synonym für das Abfragen bestimmter Vorlieben, Abneigungen oder zeitlicher Eckdaten. Viel mehr geht es um die Begleitung des alten Menschen zu seiner Selbst, um das ihn Verstehen mit allen individuellen Facetten. Denn „in Lebensgeschichten ist nicht nur von Erfolgen, oder aktenkundigen Mißerfolgen, sondern auch von mißglückten Versuchen, Demütigungen, Enttäuschungen, Krisen, Zweifeln und Verzweiflungen die Rede und von mühsamen Versuchen, sie dennoch zum Guten zu wenden, sie in Gewinn zu verwandeln und sei es nur der Gewinn der Einsicht. In Lebensläufen scheinen Laufbahnen und Rollen normiert und zugleich isoliert, als von einander unabhängig. In Lebensgeschichten dagegen kreuzen, verbinden oder reiben sie sich aneinander.

In Lebensgeschichten wird deutlich, daß Laufbahnen nicht gradlinig verlaufen, sondern in Wendungen und Biegungen, mit Brüchen, Unterbrechungen, vergeblichen Anläufen und Rückschlägen und gegen innere Widerstände ...“ (Schulze 1993, 190).

Solche Wendungen und Biegungen, solche Brüche, Unterbrechungen, vergebliche Anläufe und Rückschläge zu betrachten, ist Inhalt und Aufgabe von Biografiearbeit. Folgt man Erikson´s Lebenszyklusmodell, könnte man diese Wendungen und Brüche ebenso als die von ihm beschriebenen Krisen bezeichnen. Denn nach Erikson gibt es in der Persönlichkeitsentwicklung phasenspezifische Krisen, die bewältigt werden müssen und nur durch die Lösung dieser Krisen kann Persönlichkeit im positiven Sinn wachsen und im Alter zu Integrität führen.

2.2. Ziele der Biografiearbeit

Biografiewissen als essentieller Bestandteil der Arbeit mit alten Menschen wird durch Biografiearbeit gewonnen und fließt in die Pflege und Betreuung ein. Durch unterschiedliche Formen der Biografiearbeit gilt es, durch das sich Erinnern das Identitätsgefühl des alten Menschen zu erhalten. Zwischen Pflegepersonal und Bewohner entsteht eine Vertrauensbasis durch geteiltes Erinnern, wodurch die Beziehung und Kommunikation verbessert wird. Verhaltensweisen und Bedürfnisse der Bewohner werden entsprechend interpretiert. Der alte Mensch kann sein personales „Selbst “ erhalten, da er sich angenommen und verstanden fühlt.

Diese Hinwendung zum Subjekt und durch die Bewahrung und Förderung von Identität, wird den Professionellen der Zugang zum alten Menschen erleichtert.

Durch das Verstehen von Verhaltensweisen und Äußerungen des Klienten kann sicherlich die Arbeitszufriedenheit des Pflegepersonals positiv beeinflusst werden (vgl. Wächterhäuser 2002, 16). Um jedoch mit dem Bewohner in Interaktion treten zu können, ist es notwendig, eine Auswahl an Anknüpfpunkten aus der Biografie des Bewohners zu kennen.

Basis für den Beginn der wirklichen Biografiearbeit können Angaben sein, die bei Einzug in eine stationäre Einrichtung mit Hilfe eines Biografiebogens erhoben werden. Maßgeblich beeinflußt wird die Qualität der Biografiearbeit durch die gewonnenen Daten.

Nur durch umfangreiches Biografiewissen ist es möglich, dem Bewohner mit seinen Erlebnissen und dem individuellen Umgang und der Verarbeitung dieser Erlebnisse gerecht zu werden.

3. Problemlage

In den meisten Einrichtungen der stationären Altenpflege ist die Erhebung biografischer Daten mit Hilfe eines Biografiebogens etabliert. Fraglich ist jedoch, ob sie tatsächlich als Instrument der Biografiearbeit fungieren und etwas über die Identität eines Bewohners aussagen, oder ob sie vielmehr chronologisch sortierte Daten zum Lebenslauf enthalten und somit für die Biografiearbeit wenig wertvoll sind?

Aussagen zur Einzigartigkeit einer Person sind häufig eher Interpretationen gewonnener Daten verschiedener Dimensionen, wie beispielsweise Kultur, Geschlecht und soziale Klasse. Ausschlaggebend ist jedoch nach Kitwood „...die Angelegenheit der persönlichen Geschichte. Jeder Mensch ist an dem inneren Ort, an dem er sich gegenwärtig befindet, auf einem nur ihm eigenen Weg gelangt, und jede Station an diesem Weg hat dabei ihre Spuren hinterlassen„ (Kitwood 2005, 35).

Unter Betrachtung dieser Aspekte ist es nur all zu verständlich , daß ein nicht praxistaugliches Instrument, wie der derzeit verwendete Biografiebogen, im Kreis der Professionellen wenig akzeptiert wird.

Vorstellungen davon, den Betreuenden fällt es durch Biografiewissen leichter, Verhaltensweisen, Äußerungen und Bedürfnisse zu interpretieren, scheinen damit nicht realisierbar zu sein.

Es kommt also nicht nur zu negativen Auswirkungen im Hinblick auf die Betreuung der Bewohner, sondern als Begleiterscheinung wächst bei Mitarbeitern die Arbeitsunzufriedenheit und Frustration.

Ziele jeden Unternehmens, das Humankapital gesund und leistungsfähig zu erhalten, kann auf diese Weise nicht erreicht werden, wenn man Antonovsky`s Modell der Salutogenese folgt.

Auch Lewin´s Grundgedanke der Demokratischen Partizipation zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit spricht gegen ein von den oberen Hirarchieebenen „verordnetes“ Instrument, welches in den Augen der Praktiker kein unterstützendes Werkzeug in der täglichen Pflegepraxis ist. Die beiden genannten Konzepte unterstützen somit in ihren theoretischen Ausführungen die weiter unten beschriebene Studie und das in Aussicht gestellte Projekt.

4. Theoretischer Begründungszusammenhang

4.1 Antonovsky`s Modell der Salutogenese

Seit Antonovsky den Begriff der Salutogenese prägte, steht dieser im engem Zusammenhang mit dem Feld der Prävention und Gesundheitsförderung. Allerdings war Antonovsky`s Hauptaugenmerk darauf gerichtet, welchen ursächlichen Zusammenhang es dafür gibt, daß Menschen gesund bleiben. Er sieht zunächst alle Individuen auf einem Kontinuum verortet, dessen eine Pol Gesundheit und der andere Krankheit ist. Je nach Lokalisation auf diesem Kontinuum wird ein Zustand von mehr oder weniger gesund erreicht. Maßgeblich für die Lokalisation auf dem Gesundheits-Krankheitskontinuum ist nach Antonovsky das Kohärenzgefühl(1997, 23). Wobei es sich beim Kohärenzgefühl um eine individuelle sowohl kognitive als auch affektiv-emotionale Grundeinstellung handelt, die Menschen in die Lage versetzt vorhandene Ressourcen zum Erhalt ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens zu nutzen (vgl. Bengel u.a. 2001,.28).

Wesentlich beeinflusst wird das Kohärenzgefühl von den Komponenten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit. Verstehbarkeit bedeutet hierbei die Interpretationsfähigkeit von Personen, Ereignisse als sinnvoll und erklärbar einzuordnen. Die Komponente der Handhabbarkeit spiegelt die Überzeugung wieder, mit Problemen umgehen zu können, sie nicht als Last, sondern als Herausforderung zu sehen. Bedeutsamkeit bezieht sich auf das Ausmaß, in dem man das Leben als emotional sinnvoll betrachtet wird (vgl. Antnovsky 1997, 35).

Folgt man Antonovsky`s Modell und geht man davon aus, daß das Kohärenzgefühl die zentrale Größe für die Lokalisation auf dem Gesundheits- Krankheits- Kontinuum ist , muß das Ziel aller Maßnahmen der Gesundheitsförderung die Stärkung bzw. Stabilisierung des Kohärenzgefühls sein.

Die oben genannten Aspekte haben ihre Relevanz selbstverständlich auch im Arbeitsleben, denn es ist ausschlaggebend, daß Menschen die ihnen gestellten Aufgaben gut heissen, daß sie erhebliche Verantwortung für ihre Ausführung haben, und daß das was sie tun oder nicht tun sich auf das Ergebnis auswirkt (vgl. Antonvsky 1997, 94).

Mitarbeiter müssen dementsprechend verstehen, wie und warum sie gewisse Aufgaben lösen.

Außerdem trägt ein hohes Maß an Involvierung maßgeblich zur Motivation und zum Verständnis gestellter Aufgaben bei. So gilt es heute Arbeitnehmer über Partizipation, Identifikation und kooperativen Führungsstil zu motivieren und somit gesund zu erhalten.

Eine ähnliche Zielsetzung verfolgt Lewin`s Konzept der Aktionsforschung

4.2. Aktionforschung -Kurt Lewin-

Die von Lewin begründete Aktionsforschung als angewandte Forschung, die somit „... in scharfen Gegensatz steht zum herkömmlichen Modell der rein wissenschaftlichen Untersuchung, in dem die Angehörigen der Organisationen “... „ als passive Objekte behandelt werden, von denen einige nur in der Weise beteiligt sind, daß sie das Projekt genehmigen, dessen Gegenstand sie sind und später die Resultate entgegen nehmen“ (vgl. Hart / Bond 2001, 37).

Aktionsforschung will „bewußt am Interesse eines Wissens ansetzen, daß für und mit dem jeweils betroffenen und nicht von außen erforscht werden soll.

Eines der charakteristischen Merkmale der Aktionsforschung ist das Bemühen um die Lösung von Problemen in einer konkreten Situation und unter spezifischen Umständen“ (vgl. Hart / Bond 2001, 62).

Ziel ist immer die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Aktionsforschung läßt sich durch folgende Besonderheiten kennzeichnen:

- Die Problemstellung erfolgt nicht primär aus wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse, sondern entsteht aus konkreten Mißständen.
- Das Forschungsziel besteht nicht vorrangig im Überprüfen theoretischer Aussagen, sondern in der Veränderung der untersuchten Problemlagen.
- Die Gruppenmitglieder geben die Rolle von Befragten und Beobachteten auf und beteiligen sich aktiv an der Zieldiskussion, Datenerhebung und Auswertung.

„Forschung wird dabei nicht als ein Erkenntnisprozeß auf Seiten des Forschers gesehen, sondern als ein Erkenntnis-, Lern- und Veränderungsprozeß auf beiden Seiten“ (Flick ( o. J.), 27).

In der durchgeführten Studie war der Focus zwar auf die etablierten Biografiebögen gerichtet, die Involvierung der Mitarbeiter spielte jedoch eine nicht unerhebliche Rolle.

5. Ziele der Studie

Basierend auf eigenen Erfahrungen und der Beobachtungen, daß Biografiebögen bei Einzug eines Bewohners mit wenig Engagement bearbeitet werden und der Inhalt dieser Bögen kaum Einzug in die Praxis hält, entsteht der Eindruck, daß der Biografiebogen in seiner jetzigen Form bei Mitarbeitern wenig akzeptiert wird und kein Instrument biografischer Arbeit darstellt.

Unterstützt wird diese Annahme durch Kollegenwünsche, den bisherigen Biografiebogen zu modifizieren.

Es liegt also Nahe, anzunehmen, daß eine positive Beziehung zwischen der Akzeptanz der verwendeten Biografiebögen und der Integration dieser in die tägliche Praxis besteht.

In diesem Zusammenhang sind folgende Fragestellungen relevant:

- Welchen Stellenwert hat der zur Zeit verwendete Biografiebogen bei den

Pflegefachkräften in Bezug auf Biografiearbeit?

- Über welches Ausmaß an Hintergrundwissen bezüglich Biografiearbeit verfügen die Pflegefachkräfte?

- Wo sehen die Pflegefachkräfte Verbesserungspotential bei der Konstruktion eines neuen Biografiebogens?

Neben der Beantwortung dieser Fragestellung und der oben genannten Hypothese sollte die durchgeführte Studie durch Involvierung und Partizipation der Mitarbeiter auch einen gesundheitsförderlichen Aspekt haben.

[...]

Details

Seiten
42
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640355488
ISBN (Buch)
9783640355235
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129451
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
Planung Durchführung Auswertung Mitarbeiterbefragung Dokumentenanalyse Biografiebogen Altenpflegeeinrichtung

Teilen

Zurück

Titel: Biografiearbeit in der stationären Altenpflege. Planung, Durchführung und Auswertung einer Mitarbeiterbefragung und Dokumentenanalyse zum Biografiebogen