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Konditionierung vs. Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe. Ein ethisches Dilemma oder eine Frage der richtigen Haltung?

©2022 Einsendeaufgabe 19 Seiten

Zusammenfassung

Wie wirkt die Konditionierung, zur Erreichung erwünschter Verhaltensweisen, auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, in der Kinder- und Jugendhilfe aus?

Beim Anschauen einer Fernsehsendung mit dem Namen "Train your Baby like a Dog" ist mir aufgefallen, dass die dort verwendete operante Konditionierung mittels eines Clickers in Verbindung mit einer positiven Belohnung dazu geführt hat, dass Kinder zu einem erwünschten Verhalten geführt wurden. Die Sendung hat ein unheimlich negatives Veto im Bereich der Sozialen Medien entfacht, und zwar aufgrund der Tatsache, dass bestimmte Methoden anscheinend ethisch nicht vertretbar sind, in diesem Kontext eben die operante Konditionierung bei Kindern. Die Kritik an dieser Sendung war so extrem, dass der Sender diese auch nach einer Folge abgesetzt hat. Bei der Recherche zu dieser Sendung und der Sichtung der Fakten ist mir dann aber aufgefallen, dass zu Erreichung von erwünschten Verhaltensweisen, wir in unserem Alltag mit den Kindern in der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch mit den eigenen Kindern immer wieder auf Konditionierungselemente zurückgreifen, um das Verhalten der Kinder anzupassen. Insofern stellt sich die Frage tatsächlich nicht, ob Konditionierung genutzt wird, sondern tatsächlich muss die Frage lauten, wie wirkt sich Konditionierung auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern aus. Dies habe ich dann in der Forschungsfrage auch formuliert.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition
2.1. Konditionierung
2.1.1 Klassische Konditionierung
2.1.2 Operante Konditionierung
2.2. Partizipation
2.3. Berufsethik

3. Theorien und Konzepte der Konditionierung und Partizipation
3.1. Theorie der Konditionierung nach Thorndike und Skinner
3.1.1 Edward L. Thorndike und die instrumentelle/operante Konditionierung
3.1.2 Skinner und das operante Konditionieren (Lernen durch Verstärkung)
3.2. Theorie der Partizipation

4. Betrachtung des ethischen Dilemmas

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Forschungsfrage:

„Wie wirkt die Konditionierung, zur Erreichung erwünschter Verhaltensweisen, auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, in der Kinder- und Jugendhilfe aus. „

Entstehung der Fragestellung:

Beim Anschauen einer Fernsehsendung mit dem Namen „Train your Baby like a Dog“ ist mir aufgefallen, dass die dort verwendete operante Konditionierung mittels eines Clickers in Verbindung mit einer positiven Belohnung dazu geführt hat, dass Kinder zu einem erwünschten Verhalten geführt wurden. Die Sendung hat ein unheimlich negatives Veto im Bereich der Sozialen Medien entfacht und zwar aufgrund der Tatsache, dass bestimmte Methoden anscheinend ethisch nicht vertretbar sind, in diesem Kontext eben die operante Konditionierung bei Kindern. Die Kritik an dieser Sendung war so extrem, dass der Sender diese auch nach einer Folge abgesetzt hat. Bei der Recherche zu dieser Sendung und der Sichtung der Fakten ist mir dann aber aufgefallen, dass zu Erreichung von erwünschten Verhaltensweisen, wir in unserem Alltag mit den Kindern in der Kinder- und Jugendhilfe aber auch mit den eigenen Kindern immer wieder auf Konditionierungselemente zurückgreifen um das Verhalten der Kinder anzupassen. Insofern stellt sich die Frage tatsächlich nicht, ob Konditionierung genutzt wird, sondern tatsächlich muss die Frage lauten, wie wirkt sich Konditionierung auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern aus. Dies habe ich dann in der Forschungsfrage auch formuliert.

Eine andere Methodik die diametral zur klassischen Konditionierung steht, ist die Partizipation zur Aktivierung der intrinsischen Motivation. Hier würde man versuchen die Kinder davon zu überzeugen, dass es in Ihrem eigenen Interesse ist, sich den Aufgaben zu stellen.

Man kann sich hier die Frage stellen ob die klassische Konditionierung der Aktivierung von intrinsischer Motivation vorgezogen wird, weil den Mitarbeitern in Heimen die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder nicht so wichtig ist, da sie nicht die eigenen Kinder sind und sie hier nur einen Erziehungsauftrag sehen und nicht das ganzheitliche Wohl der Kinder.

Ein Erklärungsansatz hierzu wäre, dass Konditionierung sehr gut ohne Umwege effektiv funktioniert. Hingegen ist die Aktivierung von intrinsischer Motivation meist nur über Umwege erreichbar.

Diese Umwege aber sind es, die den Charakter der Kinder formen. Sie lernen hierbei wichtige Eigenschaften wie z.B. Empathie und Resilienz, die sie brauchen um selbstständig denkend und fühlend die Aufgaben des Alltages anzugehen und diese als produktiv für sich selbst und andere wahrzunehmen. Wohingegen Konditionierung einfach nur ein Reizreaktionsmuster ist, dass auf Effektivität ausgerichtet ist.

Und an dieser Stelle nun entsteht das ethische Dilemma das die Hausarbeit näher betrachten soll. Warum ein Dilemma entsteht ergibt sich aus der Definition von Ethik als eine bestimmte Form der Haltung, gegenüber unserem Klientel. Eine Haltung die sich in der Sozialen Arbeit zu einer Berufsethik transformieren muss, nach der auch berufsethisch gehandelt werden kann.

Dazu wird zunächst definiert warum Ethik überhaupt wichtig ist, um dann den Bezug zwischen der Ethik und der Sozialen Arbeit herzustellen. Im weiteren Verlauf soll daraufhin dargelegt werden, welche Anforderungen die Berufsethik der Sozialen Arbeit an die professionellen Handelnden stellt. Des Weiteren werden die Begriffe Partizipation und Konditionierung definiert, um schließlich die persönliche ethische Haltung mit diesen Begriffen, in ein Verhältnis zu setzen. In einem Fazit werden die Ergebnisse der Ausarbeitung zusammengefasst und reflektiert.

2. Begriffsdefinition

2.1. Konditionierung

Der Begriff Konditionierung steht für das Erlernen eines bestimmten Reiz-Reaktions-Verhaltens, d.h. auf einen bestimmten Reiz (Stimulus) erfolgt eine entsprechende Reaktion (Response). Bei der Konditionierung wird zwischen klassischer und operanter Konditionierung unterschieden.

2.1.1 Klassische Konditionierung

Unter klassischer Konditionierung versteht man das Prinzip der Steuerung von ursprünglich unkonditionierten Reaktionen (ungelernte, unwillkürliche und automatische Reaktionen, wie Essen, Schlafen, Fortpflanzen etc.) durch ursprünglich neutrale Außenreize. Verknüpft man einen neutralen Reiz mit einem unkonditionierten Reiz, erfolgt nach einer gewissen Zeit eine bedingte Reaktion, d.h. der neutrale Reiz reicht zur Auslösung des Verhaltens aus. Der Psychologe Iwan P. Pawlow führte dazu zu Beginn des 20. Jahrhunderts Experimente an hungrigen Hunden durch. Die Hunde bildeten beim Anblick von Futter Speichel in ihren Speicheldrüsen. Im nächsten Schritt koppelte er diesen unkonditionierten Reiz mit einem neutralen Reiz, der ursprünglich keine Speichelbildung auslöste. In diesem Fall war es ein Ton, den er erklingen ließ, kurz bevor das Futter gezeigt wurde. Nach wiederholter Paarung löste der Ton auch ohne nachfolgendes Zeigen des Futters beim Hund Speichelfluss aus. Der Ton war zu einem konditionierten Reiz geworden. (Vgl. Mietzel, Gerd (1998): S. 126)

2.1.2 Operante Konditionierung

Im Gegensatz zum klassischen Konditionieren, bei dem der Lernende innerhalb des Reiz- Reaktions­Schemas passiv ist und unwillkürlich lernt, steht beim operanten Konditionieren spontan gezeigtes, aktives Verhalten und die Konsequenz dieses Verhaltens im Vordergrund. Diese Konsequenz erfolgt in Form einer Verstärkung bzw. Bestrafung. Die Konsequenz wiederum entscheidet wie häufig das Verhalten in Zukunft auftreten wird. Deshalb kann man auch sagen, dass die Konsequenz der Umwelt die entscheidende Variable beim operanten Lernen ist.

2.2. Partizipation

Der Terminus „Partizipation“ stammt von dem lateinischen Wort „participatio“ ab und hat in seiner umgangssprachlichen Übersetzung verschiedene Bedeutungen. In seiner Verbform „partizipieren“ steht der Begriff für teilnehmen, teilhaben und mitwirken.

Was bedeutet Partizipation in der Pädagogik?

In der Pädagogik wird unter Partizipation die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen bei allen, das Zusammenleben betreffenden, Ereignissen und Entscheidungsprozessen verstanden. Das deutsche Recht gibt den Kindern z.B. im SGB VIII (Artikel 8) das Recht auf Beteiligung und Beschwerdeführung.

Was bedeutet nun die Forderung nach mehr Partizipation von Kindern und für Kinder? Im besten Falle führt sie zu mehr Mitbestimmung. Voraussetzung aber ist erstmals die Wahrnehmung von Partizipationsrechten und die Fähigkeit zu partizipatorischem Handeln. Die kinderpolitischen und partizipatorischen Formen wollen diese Fähigkeit wecken und aufbauen, wollen praktiziertes „Demokratie lernen“ ermöglichen“ (S. SWIDEREK 2001, S.115).

„Wenn lebensweltorientierte Jugendhilfe darauf hinzielt, dass Menschen sich als Subjekte ihres eigenen Lebens erfahren, ist Partizipation eines ihrer konstitutiven Momente. (S. BMJFFG 1990, S.88)

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Details

Seiten
19
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783346759597
ISBN (Paperback)
9783346759603
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale – Pädagogik
Erscheinungsdatum
2022 (November)
Note
1,3
Schlagworte
konditionierung partizipation kinder- jugendhilfe dilemma frage haltung
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