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Der Aufruf Papst Urbans II 1095 in Clermont – Pilgern?

Essay 2009 9 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen Pilger und Pilgern

3. Die Chronisten des Aufrufes von Papst Urban II

4. Der Aufruf von Papst Urban II nach Fulcher von Chartres

5. Eigenschaften eines Pilgers, die in der Rede zu finden sind

6. Fazit

7. Literaturangabe

1. Einleitung

Die Kreuzzüge gelten oft als Inbegriff des Krieges. Sie waren aber auch ein besonderer Krieg. Es handelte sich nicht nur um einen gerechten Krieg im Sinne der Definition des Kirchenvater Augustinus, ein „bellum iustum“, der von einer legitimen Instanz, dem Papsttum, mit einem legitimen Grund ausgerufen wurde um beispielsweise das Heilige Land zu gewinnen, sondern es handelte sich auch um einen Krieg für Gott. Der Lohn hierfür war eine Zusage für einen geistlichen Lohn in Form eines Ablasses.

Die Ziele des Aufrufs von Papst Urbans II 1095 in Clermont sind aus heutiger Sicht ganz klar die Befreiung Jerusalems und die Gründung von Kreuzfahrerstaaten und eine lateinischen, dem Papsttum unterworfenen Kirche. Doch kamen diese Ziele vermutlich erst im zweiten Schritt zustande. „Nach der Absicht des Papstes und der Konzilväter sollte eine begrenzte Zahl südfranzösische Ritter den byzantinischen Kaiser bei der Verteidigung und Rückgewinnung christlicher Gebiete im Osten unterstützen“[1]. Im Vordergrund stand kein Krieg, sondern der Gottesfriede.

Man begegnet in der Literatur häufig der Meinung, dass es sich bei den christlichen Kriegern der Kreuzzüge um Pilger handelte.

Beispiele:

1. „Von jenem historischen Angebot an wurden Pilger und Pilgerfahrt … von den Machthabern der Kirche … ausgenutzt. Sie wurden nach Belieben benutzt, fremde Territorien zu erobern, andere unter Kontrolle zu halten, sowie ketzerische Christen oder andere widerspenstige Mitglieder des Klerus zu vernichten, und nicht zu schweigen von der Abschlachtung von Millionen von Juden und anderen Ungläubigen.“[2]
2. „So klang es auch aus der rede Papst Urban II, sich mit dem Rüstzeug der Zerstörung zu wappnen und sich aufzumachen als Pilger gegen die islamischen Hunde…“[3]
3. „Wir dürfen hierbei nicht vergessen, dass der Erste Kreuzzug in der mittelalterlichen Welt etwas völlig Neues darstellte. Nicht nur die religiösen Dimensionen einer bewaffneten Pilgerfahrt dieses Ausmaßes war neu, sondern auch ihre Konsequenzen.“[4]
4. „… und damit ergaben sich Möglichkeiten auch für solche Pilger, deren materielle Situation in ihrem Heimatland unbefriedigend war.“[5]

In diesem Essay soll es um die Frage gehen, ob es sich bei den Teilnehmern der Kreuzzüge wirklich um Pilger handelte. Dies soll anhand der berühmten Rede Papst Urbans II von 1095 in Clermont untersucht werden.

Hierfür müssen zwei Dinge geklärt werden. Erstens: Was bedeuten die Begriffe Pilger und Pilgern? Zweitens. Was beinhaltet diesbezüglich die Rede von Papst Urban II?

2. Definitionen Pilger und Pilgern

Pilgern: „Das Wort „pilgern“ geht zurück auf das lateinische (pergere /per agere). Übersetzt bedeutet dies „jenseits des Ackers“ oder „in der Fremde“. Im Unterschied zur Wallfahrt bezeichnet die Pilgerschaft meist eine längere, religiös motivierte Reise. Bei diesem Begriff denken wir an die Tradition der oft jahrelangen Reisen in das Heilige Land, nach Rom oder nach Santiago de Compostela. Wallfahrt und Pilgerfahrt sind untrennbar verbunden mit dem Glauben, dem Göttlichen oder dem Heil an einem bestimmten Ort näher zu sein. Dem Weg oder dem Unterwegssein kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.“[6]

Pilger: „ Pilger stammt vom lateinischen Wort peregrinus (oder peregrinari, in der Fremde sein) ab, was Fremdling bedeutet. Im Kirchenlatein als pelegrinus abgewandelt, bezeichnet es eine Person, die aus religiösen Gründen in die Fremde geht, zumeist eine Wallfahrt zu einem Pilgerort unternimmt, zu Fuß oder unter Verwendung eines Verkehrsmittels. Der Anlass kann eine auferlegte Buße sein und das Bemühen, einen Sündenablass zu erhalten, die Erfüllung eines Gelübdes, die Hoffnung auf Gebetserhörung in einem bestimmten Anliegen oder auf Heilung von einer Krankheit, religiöse Vertiefung oder Abstattung von Dank. Ziel ist ein als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche, ein Tempel, ein Baumheiligtum usw.“[7]

Zusammenfassende Eigenschaften des Pilgers und Pilgerns.

1. In der Fremde sein.
2. Längere, religiös motivierte Reise.
3. Verbunden mit dem Glauben, dem Göttlichen und dem Heil an einem bestimmten Ort näher zu sein.
4. Besondere Bedeutung des Unterwegsseins und des Weges.
5. Weg zu Fuß oder mit einem Verkehrsmittel zurücklegen.
6. Anlass kann auferlegte Buße sein oder das Erhalten eines Sündenablasses, die Erfüllung eines Gelübdes, die Hoffnung auf Gebetserhörung in einem Bestimmten Anliegen, Heilung einer oder mehrerer Krankheiten, eine religiöse Vertiefung. Abstattung von Dank.
7. Ziel ist ein als heilig betrachteter Ort.

[...]


[1] Hiestand, Rudolf: Gott will es! – Will Gott es wirklich? Die Kreuzzugsidee in der Kritik ihrer Zeit. Band 29. S.5 Kohlhammer Stuttgart 1998

[2] Foster, Norman: Die Pilger. Reiselust in Gottes Namen S. 149

[3] Ebenda S.148

[4] Lilie, Ralph-Johannes: Byzanz und die Kreuzzüge. S. 36; Kohlhammer Stuttgart 2004

[5] Lilie, Ralph-Johannes: Byzanz und die Kreuzzüge. S.35f; Kohlhammer Stuttgart 2004

[6] http://www.pilgern-bewegt.de/pilgern (Stand 23.02.09)

[7] Wikipedia (Stand 23.02.09)

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640359127
ISBN (Buch)
9783640359455
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129753
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Philosophische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
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