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Internetaktivitäten von Medienunternehmen - Eine kritische Bestandsaufnahme bisheriger Erlösquellen

Hausarbeit 2003 64 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 GRUNDLAGEN
2.1 Begrifflichkeiten: Medien, Medienbranche und Medienunternehmen
2.2 Medienökonomie und Internet-Ökonomie

3 INTERNET - WERTSCHÖPFUNGSSTRUKTUR, GESCHÄFTS- UND ERLÖSMODELLE
3.1 Wertschöpfungstruktur
3.2 Geschäftsmodelle
3.2.1 Überblick
3.2.2 Content
3.2.3 Commerce
3.2.4 Context
3.2.5 Connection
3.3 Erlösmodelle und Erlösquellen

4 MEDIENUNTERNEHMEN – INTERNETAKTIVITÄTEN UND ERLÖSQUELLEN
4.1 Zeitungssektor
4.1.1 Grundlagen des Zeitungssektors
4.1.2 Einführung in die Internetaktivitäten von Zeitungsverlagen
4.1.3 Erlösquellen von Zeitungsverlagen
4.1.4 Erlösquellen am Beispiel der Süddeutschen Zeitung
4.1.5 Veränderung der Wertschöpfungskette
4.1.6 Kritische Betrachtung
4.2 Fernsehsektor
4.2.1 Grundlagen des TV-Sektors
4.2.2 Einführung in die Internetaktivitäten
4.2.3 Erlösquellen am Beispiel des Unternehmens RTL-Television
4.2.3.1 Bestandsaufnahme der Interneterlösquellen
4.2.3.2 Veränderungen der Wertschöpfungskette
4.2.3.3 Kritische Bewertung
4.3 Hörfunksektor
4.3.1 Grundlagen des Hörfunksektors
4.3.2 Einführung in die Internetaktivitäten
4.3.3 Erlösquellen am Beispiel des Unternehmens delta radio
4.3.3.1 Bestandsaufnahme der Interneterlösquellen
4.3.3.2 Veränderungen der Wertschöpfungskette
4.3.3.3 Kritische Bewertung

5 VERGLEICH DER INTERNETAKTIVITÄTEN, KRITISCHE BETRACHTUNG UND ZUKUNFTSAUSBLICK
5.1 Unterschiede in den Internet-Aktivitäten
5.2 Kritische Betrachtung
5.3 Zukunftsaussichten

QUELLENVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung über die Einteilung von Medien

Abbildung 2: Wertschöpfungskette im Internet

Abbildung 3: Geschäftsmodelle

Abbildung 4: Überblick über die Internet-Geschäftsmodelle

Abbildung 5: Systematik der Erlösformen

Abbildung 6: Technische Ausprägungen des institutionellen Mediums Zeitung

Abbildung 7: Derivative Erlösgenerierung

Abbildung 8: Originäre Erlösgenerierung

Abbildung 9: Erlösquellen

Abbildung 10: Startseite des Online-Angebotes der Süddeutschen Zeitung

Abbildung 11: Online-Newsletter

Abbildung 12: Vergleich Wertschöpfungskette Print und Internet

Abbildung 13: Zuschaueranteile 2002

Abbildung 14: Homepage RTL WORLD

Abbildung 15: Zielgruppengerechte Werbeflächenbelegung

Abbildung 16: Kooperationen auf RTLshopping.de

Abbildung 17: Wertschöpfungskette TV (und Hörfunk)

Abbildung 18: Multimedia-Wertschöpfungsnetzwerk

Abbildung 19: Werbefläche auf deltaradio.de

Abbildung 20: Kooperation mit amazon.de

Abbildung 21: Verteilung der Mediennutzungszeit in %

Abbildung 22: Erwartete Ausgaben für E-Content in Europa (Internet & Mobil)

1 EINLEITUNG

Das Internet – eine Chance für Medienunternehmen oder ein elektronisches Grab?

Noch vor einiger Zeit haben viele Medienunternehmen eine blühende Zukunft im Internet gesehen. Die letzten Jahre haben die Branche - leider – anderes gelehrt. Viele Internetprojekte, sei es von Verlagshäusern, Fernsehsendern oder Hörfunkanstalten wurden nicht weiter verfolgt, wesentlich verkleinert oder sogar eingestellt. Die Kosten standen in keiner Relation mehr zu den generierten bzw. erwarteten Einnahmen. Die Erlösmodelle schienen nicht immer bis zum Ende durchdacht worden zu sein. Diese schlechte Entwicklung schreckt dennoch viele Medienunternehmen und New Economy-Enthusiasten nicht davon ab, die Zukunft des Internet-Business zu planen. Die größten Erwartungen werden an die Erlösquelle des Paid Content, also Zahlungen der User für Mehrwertdienste und Spezial-Informationen, gelegt.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den bisherigen und zukünftigen Internet-Aktivitäten von ausgewählten Medienunternehmen des Zeitungssektors sowie des Hörfunkmarktes und der Fernsehbranche bzw. deren Erlösmöglichkeiten. Neben einer einleitenden Darstellung von Medienunternehmen, der Klärung verschiedener Begrifflichkeiten und der Verdeutlichung grundlegender Geschäftsmodelle und Erlösquellen im Internet wird speziell auf die bisherigen Aktivitäten von Zeitungsverlagen, hier besonders am Beispiel der Süddeutschen Zeitung, eingegangen. In den weiteren Kapiteln werden die Internetaktivitäten von delta radio, als Vertreter des Hörfunksektors, sowie RTL, als größtem privaten Fernsehsender in Deutschland, dargelegt und kritische Bewertungen der „Online-Möglichkeiten“ dieser Branchen bzw. allgemein der Medienunternehmen gegeben. Schlussendlich geht es um einen Überblick über die Unterschiede der Vorgehensweise und Aktivitäten der genannten Medienunternehmen im Internet und um die allgemeinen Zukunftsaussichten der verschiedensten Geschäfts- und Erlösmodelle.

Grundlegende zu klärende Fragen dieser Hausarbeit sind:

- Was sind Medienunternehmen, was bezeichnet der Begriff Medienbranche?
- Wie sahen die Aktivitäten von Medienunternehmen aus dem Fernseh-, Hörfunk- und Zeitungssektor bisher im Internet aus und wie haben diese Unternehmen Einnahmen generiert, Geschäftsmodelle erarbeitet und umgesetzt und ihren ursprünglichen „Medienauftrag“ im Internet, als „neuem“ Medium, umgesetzt?
- Was bieten diese Medienunternehmen dem Kunden durch ihren Internet-Auftritt neues, welcher Mehrdienst wird angeboten?
- Welche Möglichkeiten, Verbesserungsansätze und Zukunftsideen gibt es für die Medienunternehmen der genannten Branchen im Internet?

2 GRUNDLAGEN

2.1 Begrifflichkeiten: Medien, Medienbranche und Medienunternehmen

Grundsätzlich aber vor allem auch ursprünglich, d.h. zur Zeit der Entstehung der ersten Massenmedien, bestand und besteht die Aufgabe von Medienunternehmen in der Vermittlung und Bereitstellung von Meinungen, Informationen sowie Kulturgütern.[1] Erst in zweiter Linie dienen ihre Produkte der Unterhaltung. Massenmedien, als Produkt einer Vielzahl von Medienunternehmen, sind folglich das technische Mittel, diese Informationen und Güter bei räumlicher und/oder zeitlicher Trennung zwischen den Kommunikationspartnern an ein von einander getrenntes Publikum zu übermitteln.[2]

Es gibt jedoch keine allgemeingültige Definition von Massenmedien. Nach einer weit verbreiteten Auffassung lassen sich jedoch bis zu 17 Einzelmedien unterscheiden. Dabei handelt es sich um Theater, Blatt, Brief, Plakat, Buch, Zeitung, Zeitschrift, Flugblatt, Foto, Telefon, Schallplatte, Hörfunk, Film, Fernsehen, Video, Computer und Neue Medien.[3] Im allgemeinen Gebrauch hat sich jedoch die Einteilung in Printmedien, Rundfunkmedien, audiovisuelle Medien, Tonträger, nachrichtentechnische Medien und computergestützte Medien durchgesetzt.[4]

Dem übergeordneten Begriff der Medienbranche sind alle Medienkonzerne und Medienunternehmen zugeordnet. Medienkonzerne sind Zusammenschlüsse von mehreren, überwiegend im Medienbereich tätigen Unternehmen, den so genannten Medienunternehmen.[5] Die wirtschaftlichen Bedingungen und Umstände der Medienbranche werden als Medienökonomie, die betriebswirtschaftliche Organisation als Medienmanagement bezeichnet.[6]

Die einzelnen Zweige der Medienbranche lassen sich unterschiedlich klassifizieren. Die gröbste Einteilung und im Volksmund bekannteste ist die in „klassische bzw. traditionelle“ Medien und „neue“ Medien. Mit klassischen Medien sind vor allem Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Fernsehen und Radio gemeint, während als neues Medium vor allem das Internet gilt, aber auch z.B. Software häufig dazu gerechnet wird (Abbildung 1). Fälschlicherweise wird häufig der Begriff der Neuen Medien auch mit dem der elektronischen Medien gleichgesetzt, wobei dieser sehr viel weiter zu sehen ist und wirklich alle Medien umfasst, die auf elektronischem Wege übertragen werden (Fernsehen, Radio, Internet etc.).

Eine der gängigsten Definitionen der Neuen Medien besagt, dass es sich hierbei um Informationsträger handelt, die auf digitaler Informations- und Kommunikationstechnologie basieren und selbst als Agenten (aktiver Informationsträger) agieren, aber auch mit anderen Agenten interagieren (Interaktivität) können. Sie sind multimedial, ort- und zeitlos.[7]

Medienunternehmen können des Weiteren anhand verschiedener anderer Aspekte klassifiziert werden. Hierbei handelt es sich vor allem um

- die eingesetzten Technologien,
- die Produkte und
- die erbrachten Leistungen.[8]

Anhand der eingesetzten Technologie lassen sich Medienunternehmen zum Beispiel in Print-Medien, Online-Medien und Rundfunk-Medien unterteilen, also der technischen Art der Verbreitung von Informationen. Eine Einteilung in Produkte würde u.a. in Zeitschriften, Radiosendungen, Zeitungen, WebSites vorgenommen werden. Am verbreitesten ist jedoch die Definition von Medienunternehmen anhand ihrer Leistungen. Hierunter versteht man, dass alle Unternehmen, die Medienprodukte erstellen bzw. solche auf Märkten absetzen, grundsätzlich als Medienunternehmen bezeichnet werden.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung über die Einteilung von Medien

2.2 Medienökonomie und Internet-Ökonomie

Wie schon in Kapital „2.1 Medienbranche und Medienunternehmen“ erwähnt, handelt sich es bei der Medienökonomie um die in Deutschland gebräuchlichste Bezeichnung für die Anwendung wirtschaftswissenschaftlicher Methodik im Mediensektor. Sie beschäftigt sich mit der ökonomischen Funktionsweise des Mediensystems einer Gesellschaft.[10] Weitestgehend gleich setzen mit der Medienökonomie kann man Begriffe wie Medienbetriebswirtschaft, aber auch zum Großteil die vor allem in den Vereinigten Staaten bekannte Betrachtungsweise der Media Economics.

Das Internet nimmt eine besondere Ausnahme-Stellung in der Medienökonomie ein und wird deshalb auch als eigene Ökonomie, die Internet-Ökonomie, behandelt. Die erst wenige Jahre alte Geschichte wird gekennzeichnet von einer bis dahin nie da gewesenen Hype-Phase mit der Entwicklung zahlreicher neuer Geschäftsideen, damit verbundener Gründung von sehr vielen Online-Unternehmen und einem fast ebenso schnellen Rückgang zahlreicher Aktivitäten seit Ende 2001. In nur zwei bis drei Jahren entwickelte sich das Internet zu einem extrem bedeutenden Medium mit großem wirtschaftlichen Potential. Im Gegensatz zur Internetökonomie in den USA steckt diese in Deutschland bzw. im gesamten europäischen Raum jedoch noch in den Kinderschuhen, und es bedarf einiger Entwicklung, um das wirtschaftliche Potential voll aus zu schöpfen.[11]

Neben dem schnellen und rasanten Aufstieg des Internets sind noch eine Vielzahl von Besonderheiten zu beobachten. Keines der bisher bekannten Medien ist so dynamischen Marktwandlungen unterworfen wie das Internet. Der Lebenszyklus einer neuen Online-Technologie ist auf nur 60 Tage gesunken. Dieses ist zahlreicher Quellen nach zu urteilen vor allem auf den erhöhten Wunsch nach und der zunehmenden Bedeutung von Informationen - als knappem Gut - zurück zu führen. Durch die großen technologischen Entwicklungen der letzten Jahre hat das Internet in fast alle Branchen Einzug gehalten und vereinfacht durch die Vereinigung der Medien mit Telekommunikations- und Informationstechnologien viele wirtschaftliche Abläufe.[12] Durch die globale Vernetzung bietet das Internet als relativ neues und junges (im Hinblick auf die Nutzerstruktur)[13] Medium zahlreiche Möglichkeiten neuer Geschäftsmodelle und Erlösquellen.

Das Internet ist das einzige Massenmedium, an dem jeder Mensch, z.B. durch Launch einer Website, Teilnahme an Online-Chats oder durch Postings in Newsgroups, aktiv teilhaben kann. Es ist außerdem ein absolut interaktives Medium, in dem Aktion und Reaktion jederzeit direkt auf einander folgen können und jeder User jederzeit die für ihn wichtigsten und interessantesten Informationen nachfragen kann. Nicht zuletzt ist eine der hervorstechenden Besonderheiten des Internets, dass mit fortschreitender technologischer Entwicklung zahlreiche Medien online vereint werden. Heute schon können viele Zeitungen, Zeitschriften, aber auch Bücher in Form von E-Books gelesen und Radiosender empfangen werden.

Die Internet-Ökonomie ist somit das Ergebnis der eben geschilderten Vorgänge und verändert, durch die weiterhin vorschreitende Verbindung von Netzwerken, die bisherigen ökonomischen Strukturen.[14] Nicht zuletzt wird dieses durch die Einfachheit des Internets unterstützt. Es ist deutlich einfacher, Bits & Bytes in die Welt zu versenden, als Atome auf die Reise zu schicken.[15]

3 INTERNET - WERTSCHÖPFUNGSSTRUKTUR, GESCHÄFTS- UND ERLÖSMODELLE

3.1 Wertschöpfungstruktur

Mit der Wertschöpfungsstruktur sind vor allem Produktions- und Dienstleistungsstufen gemeint, bei denen der Wert eines Produktes oder auch einer Dienstleistung erhöht wird. In der Industrie ist dieses zum Teil vergleichbar mit der Veredelung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen zu Halbfertigwaren und später dann zu Fertigwaren.

Im Internet werden im Allgemeinen fünf Haupt-Wertschöpfungsstufen unterschieden.[16] In der ersten Stufe der Internet-Wertschöpfungskette (Abbildung 2) geht es um die Erstellung und Beschaffung von Inhalten durch redaktionelle Tätigkeiten aber auch Kauf und Recherche von Content. In der zweiten, der sog. Aggregationsphase, werden die zuvor erstellten und beschafften Inhalte aufbereitet und sinnvoll zusammengestellt sowie ergänzt. Mehrwertdienste und -leistungen stellen eine besonders wichtige Stufe der Wertschöpfungskette dar, da hiermit unter anderem die im Internetdienstleistungssektor wichtigen Beratungsleistungen gemeint sind. Nach Erstellung und Zusammenstellung sowie Werterweiterung werden die Dienste in der 4. Stufe übertragen. Dieses kann z.B. durch einfache Provider- und E-Mail-Dienste aber auch durch hochkomplexe Datenbankanwendungen geschehen. Die letzte Stufe beschäftigt sich vorherrschend mit der Schaffung und Erweiterung der Bedien- und Abrufbarkeit der in den ersten Stufen der Wertschöpfungskette generierten Produkte. Hier werden Bedienungstools im Sinne von Benutzeroberflächen aber auch technischen Endgeräten bereitgestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Wertschöpfungskette im Internet[17]

In allen fünf Phasen der oben kurz beschriebenen Stufen der Internet-Wertschöpfungskette sind somit verschiedenste Geschäftsmodelle und mit ihnen verbundenen Erlösmodelle und Erlösquellen denkbar, die im Folgenden näher betrachtet werden.

3.2 Geschäftsmodelle

3.2.1 Überblick

Die Das Auf Basis der Analyse der Wertschöpfungsaktivitäten eines Unternehmens können Geschäftsmodelle entwickelt werden. In einem Satz gesagt ist ein Geschäftsmodell „… defined as the organization (or ‚architecture’) of product, service and information flows, and the sources of revenues and benefits for suppliers and customers.”[18] Es ergeben sich hieraus drei Fragestellungen, mit denen sich Geschäftsmodelle beschäftigen. Zum einen geht es darum, welchen Nutzen ein Unternehmen generiert, d.h. also welcher Nutzen dieses zum Beispiel Kunden oder auch Partnern bringt. Die für diese Hausarbeit wohl interessanteste Frage ist die nach der Architektur der Wertschöpfung.[19] Es wird hierbei vor allem hinterfragt, wie der Nutzen für u.a. den Kunden geschaffen wird, also die konkrete Technik, Vorgehensweisen und Möglichkeiten der Leistungserstellung. Die dritte Frage ist die nach den monetären Quellen, also wodurch und im zweiten Schritt wie viel Geld überhaupt erlöst wird.

Das integrierte Geschäftsmodell besteht aus sechs Teilmodellen (Partialmodelle), welche teilweise wieder aus Subpartialmodellen bestehen (Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Geschäftsmodelle[20]

- Das Marktmodell, welches den Markt beschreibt, auf dem ein Unternehmen
agiert, das
- Beschaffungsmodell, das die Produktionsfaktoren beinhaltet sowie das
- Leistungserstellungs- und Leistungsangebotsmodell, die sich beide mit der Kombination von Produktion und Dienstleistung bzw. mit dem Spektrum der Leistungen, die den Nachfragern angeboten werden, beschäftigt.
- Des Weiteren spielen das Distributionsmodell (wie gelangen die Leistungen zum Nachfrager) und vor allem das
- Kapitalmodell eine der zentralen Rollen (Abbildung 3).[21]

Im Weiteren liegt der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf den verschiedenen Erlösmodellen und Erlösquellen der Internetbranche.

Heutzutage finden im Internet vier verschiedene Geschäftsmodelle als Basisgeschäftsmodelle Anwendung. Sie basieren hauptsächlich auf den verschiedenen Leistungen, die Internetunternehmen bereitstellen, wobei die einzelnen Modelle nicht absolut getrennt von einander betrachtet werden können, sondern ihre Grenze teilweise verwischen und einzelne Bereiche der Modelle eng mit anderen verknüpft sind. Nachstehend werden die vier Internet-Geschäftsmodelle, welche auch als 4C bekannt sind, näher beleuchtet (Abbildung 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Überblick über die Internet-Geschäftsmodelle[22]

3.2.2 Content

Das Geschäftsmodell Content basiert auf dem ursprünglichen Grundgedanken der Medien, nämlich der Verbreitung von Informationen. Es besteht im Einzelnen aus der Produktion, Sammlung, Selektion, Systematisierung sowie der Bereitstellung von Inhalten für Nutzer.[23] Die Produktion von Inhalten bei größeren Internet- bzw. Medienfirmen wird meist von eigenen Redaktionen vorgenommen, wobei diese sich teilweise deutlich von „Offline“-Redaktionen, also den herkömmlichen Printmedien, unterscheiden. Sehr häufig werden aber auch für Internetauftritte Content aus Zeitschriften und Zeitungen ausgewählt, gesammelt und für die Online-Nutzung teilweise neu aufbereitet. Zu dieser Contentaufbereitung kann auch die grafische Anpassung der Inhalte sowie die Veredelung z.B. durch Mehrwertapplikationen gehören. Ergänzt wird die Erstellung und Bereitstellung von Informationen durch die Content-Syndication: die Vermarktung von Inhalten für Websites, mobile Anwendungen und andere Plattformen. Außerdem ist Marken-Content bzw. Branded Content auf dem Vormarsch. Viele Unternehmen sponsern einzelne themenverwandte Specials auf Portalen oder richten ganz eigene MicroSites auf Portalen wie t-online oder msn.de ein. Beispiel hierfür ist u.a. Nivea, die das Beauty & Body-Angebot von fitforfun.de branden.[24]

Das Geschäftsmodell Content wird im Allgemeinen anhand der verschiedenen bereitgestellten Inhaltsgebiete in sog. Geschäftsmodellvarianten untergegliedert. So ergeben sich zahlreiche Special-Interest-Angebote, also Internetportale oder -sites, die sich nur mit einem Themenbereich oder sogar nur mit einem Thema beschäftigen.

Es werden drei bzw. vier Geschäftsmodellvarianten unterschieden (Abbildung 4):[25]

- E-Information ist weiter untergliedert in die Bereiche E-Politics, E-Society und E-Economics. Hierunter fallen alle Content-Angebote, WebPortale- und WebSites mit überwiegend informativem Charakter. Beispiele hierfür sind Angebote von Tageszeitungen aber auch Magazine wie focus.de. Vor allem Werbeeinnahmen aber auch zunehmende PaidContent (für Mehrwertleistungen und sehr spezialisierte Informationsangebote) sind Haupterlösquellen der Anbieter.
- E-Entertainment schließt alle Angebote mit Schwerpunkt Spiele, Filme und Musik ein. Dazu gehören u.a. Webportale wie cinema.de, eine der größten Kino-WebSites im deutschsprachigen Raum sowie musik.de, einer Spezialseite für Musik. Erlöse werden in diesem Bereich hauptsächlich durch Werbeflächenvermarktung, aber auch teilweise durch Download-Angebote und sehr vereinzelt durch PaidContent-Modelle erzielt.
- Zur Geschäftsmodellvariante E-Education gehören Universitäten mit eigener Webpräsenz genauso wie Online-Lernangebote oder WebSites von Schulen und anderen Bildungseinrichten. Vor allem Seiten von öffentlichen Bildungseinrichtungen verzichten auf jeglichen Erlös durch ihre Online-Angebote (teilweise ist es rechtlich sogar nicht erlaubt), wobei Anbieter wie akademie.de Erlöse durch Seminare und Weiterbildungsangebote generieren.
- Weiterhin wird teilweise noch der Bereich E-Infotainment gesondert betrachtet. Eigentlich handelt es sich hierbei um eine Überlagerung der Bereiche E-Entertainment und E-Information, z.B. Internet-Angebote wie kicker.de, die also sowohl informativen wie auch unterhaltenden Charakter haben.

3.2.3 Commerce

Commerce oder auch E-(lectronic)Commerce ist das von der Großzahl der im Internet aktiven Unternehmen primär genutzte Geschäftsmodell. Es umfasst die Anbahnung, Aushandlung und Abwicklung von allen Geschäftstransaktionen.[26] E-Commerce setzt sich aus drei Säulen zusammen. Am bekanntesten ist das Geschäftsmodell Attraction, das sich mit der Anbahnung von Transaktionen beschäftigt.[27] Dazu gehören die Bereitstellung und Vermarktung von Werbeflächen und Werbeformen im Internet. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Online-Werbeformen und es findet eine permanente Entwicklung neuer Werbeformen statt. Der größte Online-Vermarkter in Deutschland, die TOMORROW FOCUS AG, unterscheidet animierte und statische Banner verschiedener Größen, Pop-Up und Pop-Under, StickyAd, Billboards, Rectangle, Skyscraper, TOMercials, TOMORROWstitial, Cursor-Verfolger, StreamingAd, TransparentAd, MicroSite.[28],[29] Außerdem beinhaltet Attraction noch die Malls („Verkaufsstraßen“), also direkte Online-Verkaufsangebote, wie amazon.de oder auch karstadt.de. Karstadt zum Beispiel konnte seinen Umsatz 2002 auf 1,2 Milliarden Euro steigern und wird in Zukunft verstärkt auf E-Commerce setzen.[30]

Die zweite Säule Bargaining & Negotiation beschreibt die Aushandlung der Geschäftstransaktionen in Form von Preisverhandlungen. Bestes Beispiel hierfür ist letsbuyit.com, dessen Site die Möglichkeit bietet, durch Bildung von Käufergemeinschaften günstigere Kaufpreise zu erzielen. Das z.Zt. am stärksten wachsende Geschäftsfeld ist das der Auktionen. So hat eBay allein in Deutschland ständig mehr als 1 Million Artikel im Angebot und bedient weltweit knapp 50 Millionen Kunden.[31] Preisauskünfte haben sich in letzter Zeit ebenfalls stark entwickelt, so dass guenstiger.de heute zu einem der beliebtesten deutschsprachigen Online-Angebot gezählt werden kann.

Transaction, die dritte Säule des Commerce-Geschäftsmodells, umfasst Payment-Systeme wie die kürzlich geschlossene Plattform paybox.de und Delivery-Portals von z.B. UPS und FedEx.

3.2.4 Context

Das Auffinden, die Klassifizierung und die Systematisierung sowie Aufbereitung von Content steht im Blickfeld des Geschäftsmodells Context.[32] Zur klassischen Form dieses Geschäftsmodells zählen die Suchmaschinen, z.B. Yahoo! und google.de sowie die davon zu unterscheidenden Metacrawler. Metasuchmaschinen durchforsten zahlreiche herkömmliche Suchmaschinen und Webkataloge und sortieren diese nach ihrer Häufigkeit. Es werden folglich deutlich mehr Datenquellen gleichzeitig ausgewertet. Die in diesem Bereich tätigen Unternehmen benötigen zur Systematisierung und Auffindung der verschiedensten Informationen sehr komplexe technische Applikationen. Da das Internet durch die unglaublich große Anzahl von Informationsquellen für den User nicht mehr überschaubar ist, richten viele Internetnutzer eine Suchmaschine als Startseite im Browser ein.[33] Umsätze werden aufgrund der hohen Anzahl von PageImpressions (Seitenbesuchen) hauptsächlich durch den Verkauf von Werbeflächen erzielt.

Web-Kataloge bieten zumeist neben dem Service einer eigenen Suchmaschine noch eine Art "Gelbe Seiten", in denen Informationen bzw. Links nach Themenschwerpunkten sortiert zu finden sind. Im Gegensatz zu Suchmaschinen sind Web-Kataloge von Redakteuren erstellte Werke und keine technische Applikation zum Auffinden von Links.

3.2.5 Connection

Ohne einen Großteil der Dienst- und Serviceleistungen, der in dem Geschäftsbereich Connection, der in der Literatur auch häufig als Communication bezeichnet wird, würde es keines der eben beschriebenen Geschäftsmodelle geben.

Unterschieden wird zwischen Intra- und Inter-Connection. Dem Modell der Inter-Connection folgen alle Provider, also u.a. T-Online und AOL sowie Anbieter reiner Internetzugänge (z.B. freenet.de oder RTL WorldNet). Hierbei ist noch eine Einteilung in Fix-Connection, also Unternehmen, die einen stationären Dienst anbieten, und Mobile-Connection, vor allem Anbieter von Mobilfunk-Services (i-mode, wap), sinnvoll.

Das zweite, sehr weite Feld dieses Geschäftsmodells beschäftigt sich mit allen kommerziellen und kommunikativen Dienstleistungen. Es kann sich dabei um User-Communities (Umfrage-Portale, guenstiger.de) aber auch den stark ansteigenden Markt der Share-Communities, nach dem Vorbild von Napster, handeln. Zur Zeit sehr beliebte Share-Communities sind Overnet, DirectConnect und KaZaa, die dem User die Möglichkeit bieten, Musikstücke, Filme und Software kostenlos zu tauschen.

[...]


[1] Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 9

[2] Vgl. Gabler (Hrsg.): Wirtschaftslexikon , online, 20.02.2003

[3] Vgl. Sennewald, N. (1998): Massenmedien und Internet, S. 8ff

[4] Vgl. Gabler (Hrsg.): Wirtschaftslexikon , online, 20.02.2003

[5] Vgl. Meyers (Hrsg.) (2001): Meyers großes Taschenlexikon, S. 134

[6] Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 8

[7] Vgl. Stähler, P. (2001). Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie, S.107

[8] Vgl. Alexander/Owers/Carveth (1998): Media Economics – Theory and Practice, S. 4

[9] Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 9

[10] Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 12, nach: Wegehenkel (1999)

[11] Vgl. Zerdick/Schrape et al (1999): Die Internet-Ökonomie, S. 20

[12] Vgl. Zerdick/Schrape et al (1999): Die Internet-Ökonomie, S. 136

[13] Vgl. Picot/Löwer et al (2002): Vorlesung Netze und Multimedia SS 2002, online, 24.02.2003

[14] Zerdick/Schrape et al (1999): Die Internet-Ökonomie, S. 137

[15] Zerdick/Schrape et al (1999): Die Internet-Ökonomie, S. 139

[16] Vgl. Denger, K.S. (1995): Innovatives Wissensmanagement und Multimedia, S. 20ff

[17] in Anlehnung an Wirtz, B.W. (1999): Convergence Process, S. 18

[18] Vgl. Timmers, P. (1999): Electronic Commerce, S. 31

[19] Vgl. Stähler, P. (2001). Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie, 2001, S. 41f

[20] in Anlehnung an Keuper/Hans (2003): Multimedia-Management, S. 124

[21] Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 50f und S. 409f

[22] in Anlehnung an Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 412ff

[23] Vgl. Eigner, C. (2002): Content, oder: Vom Text zur Ware mit Informationsgehalt, online, 25.02.03

[24] Vgl. Saal, M. (2002): Markencontent erobert Portale, S. 45

[25] Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 413ff

[26] Vgl. Picot/Löwer et al (2002): Vorlesung Netze und Multimedia SS 2002, online, 24.02.2003

[27] Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 421f

[28] Vgl. IVW (Hrsg.) (2003): Online Nutzungsdaten, online, 24.02.2003

[29] Vgl. TOMORROW FOCUS AG (Hrsg.) (2003): Werbeformen, online, 24.02.03

[30] Vg. Jochen Zimmer (2002): Das Einkaufsnetz wird weiter geknüpft, S. 50

[31] Vgl. eBay (Hrsg.): Über eBay, online, 24.02.2003

[32] Vgl. Wirtz/Becker (2002): Geschäftsmodellansätze und -varianten im Electronic Business, S. 85ff.

[33] Vgl. Wirtz/Lihotzsky (2001): Internetökonomie, Kundenbindung und Portalstrategien, S. 427

Details

Seiten
64
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638187459
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12978
Institution / Hochschule
Wirtschaftsakademie Hamburg – FB Medienbetriebswirtschaft
Note
1,5
Schlagworte
Internetaktivitäten Medienunternehmen Eine Bestandsaufnahme Erlösquellen Medienmanagement

Autor

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