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Unterrichtsentwurf zum "91er-Denkmal" in Oldenburg

Unterrichtsentwurf 2008 22 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Entwurf einer möglichen Unterrichtsstunde zum „91er-Denkmal“
2.1 Bedingungsanalyse
2.1.1 Klassensituation und Lernvoraussetzungen
2.1.2 Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
2.2 Lernziele der Stunde 6
2.3 Didaktische Strukturierung
2.3.1 Sachanalyse
2.3.2 Didaktische Analyse
2.3.3 Methodische Analyse
2.4 Geplanter Stundenverlauf

3. Fazit

Anlagen
Anlage 1 (Farbfolie)
Anlage 2
Anlage 3
Anlage 4
Anlage 5 (Folie)

LITERATURVERZEICHNIS

Curriculare Vorgaben

Sekundärliteratur

Internetressourcen

1. Einleitung

Als Geschichtslehrkraft steht man täglich vor der Aufgabe, Schülerinnen und Schülern[1] historisches Wissen zu vermitteln und sie zum historischen Lernen anzuleiten. Bevor man eine Unterrichtsstunde strukturieren und planen kann, sollte man sich jedoch vergegenwärtigen was unter „historischem Lernen“ überhaupt zu verstehen ist und wie dieses in einer konkreten Geschichtsstunde erreicht werden kann.

Die zentrale Kategorie des historischen Lernens ist das Geschichtsbewusstsein, das nach Hans-Jürgen Pandel als mentale Struktur verstanden wird, „die aus sieben aufeinander verweisenden Doppelkategorien besteht. In dem Maße, in dem das Kind diese Kategorien ausdifferenziert, erwirbt es jenes kognitive Bezugssystem, ohne das es weder Geschichte verstehen noch Geschichte erzählen könnte. Diese Kategorien sind:

- Zeitbewußtsein (früher – heute/morgen)
- Wirklichkeitsbewußtsein (real/historisch – imaginär)
- Historizitätsbewußtsein (statisch – veränderlich)
- Identitätsbewußtsein (wir – ihr/sie)
- politisches Bewußtsein (oben – unten)
- ökonomisch-soziales Bewußtsein (arm – reich)
- moralisches Bewußtsein (richtig – falsch).“[2]

Um einen erfolgreichen Geschichtsunterricht durchzuführen – und damit auch das historische Lernen der SuS zu fördern – ist es demnach unumgänglich eine Vertiefung der oben genannten Kategorien anzustreben. Dies ist nicht allein im Rahmen des Geschichtsunterrichts notwendig, sondern ebenso für eine erfolgreiche Teilhabe an der Geschichtskultur, die sich aus Institutionen und Organisationen zusammensetzt[3]. Die Geschichtskultur wird ferner als „ Außenseite des gesellschaftlichen Geschichtsbewusstseins“[4] definiert, was die enge Verknüpfung von Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur deutlich macht.

Besonders geeignet für die Entwicklung und Entfaltung des Geschichtsbewusstseins ist der Einsatz von Sachquellen im Geschichtsunterricht, zu denen auch Denkmäler zählen. Denkmäler bieten den Vorteil eines konkreten Objektes in dreidimensionaler Qualität, das den SuS ein forschendes Lernen mit allen Sinnen ermöglicht.[5] Daher soll im Folgenden eine Unterrichtsstunde entworfen werden, in der die Auseinandersetzung mit einem Denkmal vor Ort – eingebunden in eine dem Lehrplan entsprechende Unterrichtseinheit – im Mittelpunkt steht.

2. Entwurf einer möglichen Unterrichtsstunde zum „91er-Denkmal“

2.1 Bedingungsanalyse

2.1.1 Klassensituation und Lernvoraussetzungen

In der vorliegenden Hausarbeit kann leider keine Bedingungsanalyse im eigentlichen Sinn vorgenommen werden, da es sich um eine fingierte Unterrichtsstunde handelt und die konkrete Lernstandsanalyse einer Schulklasse hinsichtlich ihrer Vorkenntnisse, Interessen und ihres Leistungsvermögens daher nicht möglich ist.

Dennoch gibt es einige grundsätzliche Aspekte, die zu beachten bzw. vorauszusetzen sind.

Die Auseinandersetzung mit dem sogenannten „91er-Denkmal“ in Oldenburg erfolgt im Rahmen einer Unterrichtseinheit zum deutsch-französischen Krieg von 1870/1871. Diese Einheit ist gemäß den Rahmenrichtlinien für das Fach Geschichte für den Schuljahrgang 9 vorgesehen und ist in den Themenbereich Nationalstaat, Nationalismus, Imperialismus eingebunden, der unter dem Leitproblem Krieg und Frieden betrachtet wird.[6] Daher ist die folgende Unterrichtsstunde für eine 9. Klasse eines Gymnasiums vorgesehen, sie könnte aber ebenso mit weniger komplexen Anforderungen in einer Haupt- oder Realschulklasse durchgeführt werden.

Im Verlauf der vorherigen Unterrichtseinheit sollten Ursachen und Verlauf des deutsch-französischen Krieges erschöpfend behandelt worden sein, so dass nun das Augenmerk auf die Folgen des Krieges und damit auch auf die Rezeption in der deutschen Gesellschaft gelegt werden kann. Somit bietet sich ein idealer Anknüpfungspunkt um ein regionales Denkmal in den Geschichtsunterricht zu integrieren, da anhand eines Denkmals geschlussfolgert werden kann, wie der Krieg von der Bevölkerung bewertet wurde und wie sich diese Beurteilung im Laufe der Zeit evtl. verändert hat.

Um eine erfolgreiche Bearbeitung der Arbeitsaufträge zu gewährleisten, sollte noch vor der Unterrichtsstunde geklärt werden, inwiefern die SuS Wissensdefizite zum deutsch-französischen Krieg zeigen[7], da diese ggf. zu fehlerhaften Interpretationen führen könnten.

Bei meinem Entwurf gehe ich davon aus, dass die SuS zum ersten Mal mit einem Denkmal im Unterricht konfrontiert werden, so dass die Arbeitsaufträge ein kleinen Schritten aufeinander aufbauen, um den Umgang mit einem Denkmal zu trainieren. Da Geschichte in der Sekundarstufe I in der Regel zweistündig unterrichtet wird, setze ich voraus, dass jeweils eine Unterrichtsstunde im Umfang von 45 Minuten zur Verfügung steht.

2.1.2 Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Lernziele der Stunde 6

Die Lernziele der angegebenen Stunde werden nach Waltraud Schreiber[8] in historische Fragekompetenz, historische Methodenkompetenz, historische Orientierungskompetenz sowie historische Sachkompetenz differenziert:

- Historische Fragekompetenzen

Die SuS sollen in dieser Stunde eigene historische Fragen an das 91er-Denkmal stellen, beispielsweise: Was ist zu erkennen? Welche Formen bzw. Symbole sind verwendet worden? Was bedeuten diese Zeichen? Woran erinnert mich das Denkmal (Orte, Ereignisse)? Wie wirkt das Denkmal? Was war der Grund für die Errichtung? Wie können Antworten auf diese Fragen gefunden werden?

Im Anschluss sollen die SuS die aufgeworfenen Fragen klären, ebenso sollen sie vorgegebene Fragen durch die Lehrkraft angemessen beantworten.

- Historische Methodenkompetenzen

Die SuS sollen nach einer genauen Beschreibung des Denkmals den historischen Hintergrund rekonstruieren und es in seinen historischen Kontext einbinden. Hierzu sollen die SuS Materialien auswerten, aus denen Fakten zur Rekonstruktion abgeleitet werden können. Die „äußere Analyse“ des Denkmals (Formen, Symbole, Inschriften) muss darüber hinaus gedeutet werden und mit dem historischen Hintergrund verknüpft werden. Aus den genannten Aspekten sollen die SuS schlussfolgern, welchen Stellenwert der deutsch-französische Krieg auch im Jahre 1921 noch hatte und wie er in der Gesellschaft rezipiert wurde. Abschließend sollen die gewonnenen Erkenntnisse – die sich zunächst auf die Entstehungszeit des Denkmals beziehen – kritisch hinterfragt werden.

[...]


[1] S chülerinnen u nd S chüler wird im Folgenden mit SuS abgekürzt.

[2] Pandel, Hans-Jürgen: Dimension des Geschichtsbewusstseins. Ein Versuch, seine Struktur für Empirie und Pragmatik diskutierbar zu machen, in: Geschichtsdidaktik 12, 1987, S.130-142, S.132.

[3] Rüsen, Jörn: Geschichtsdidaktik heute – Was ist und zu welchem Ende betreiben wir sie (noch)?, in: Hinrichs, Ernst/ Jacobmeyer, Wolfgang (Hg.): Bildungsgeschichte und historisches Lernen. Symposium aus Anlaß des 65. Geburtstages von Prof. Dr. Karl-Ernst Jeismann. Braunschweig 19.-21. September 1990, Frankfurt/M. 1991, S.9-23, S.17.

[4] Schönemann, Bernd: Geschichtsdidaktik, Geschichtskultur, Geschichtswissenschaft, in: Günther-Arndt, Hilke (Hg.): Geschichtsdidaktik. Praxisahndbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2003, S.11-22, S.17.

[5] Zum Lernpotential gegenständlicher Quellen siehe ausführlicher: Reeken, Dietmar von: Gegenständliche Quellen und museale Darstellungen, in: Günther-Arndt, Hilke (Hg.): Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2003, S.11-22.

[6] Niedersächsisches Kultusministerium (Hg.): Rahmenrichtlinien für das Gymnasium. Schuljahrgänge 7-10. Geschichte, Hannover 1996, S.45 f.

[7] Z.B. in der vorherigen Stunde in Form eines lockeren Quiz’, bei dem die SuS ihre Antworten gegenseitig überprüfen können.

[8] Schreiber, Waltraud (Hg.): Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens (Bayerische Studien zur Geschichtsdidaktik, Bd.1), 2. erw. Aufl., Neuried 2004.

Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640377930
ISBN (Buch)
9783640378517
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v129784
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
Geschichtsbewusstsein Pandel Geschichtskultur deutsch-französischer Krieg 1870/1871 Waltraud Schreiber Infanterieregiment 91 Vionville Löwendenkmal Hugo Lederer Schlossplatz Paul von Hindenburg Theodor-Tantzen-Platz Historizitätsbewusstsein

Autor

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