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Einsatz von Gebärden bei nichtsprechenden Menschen

Seminararbeit 2003 31 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Einführung in die Unterstützte Kommunikation
2.1 Personenkreis der nichtsprechenden Menschen
2.2 Ziele der Unterstützten Kommunikation (UK)

3 Möglichkeiten der Verständigung für nichtsprechende Menschen
3.1 Kommunikation ohne Hilfsmittel oder: Körpereigene Kommunikationsformen
3.2 Kommunikation mit Hilfsmitteln oder: Externe Kommunikationshilfen
3.2.1 nicht-elektronische Hilfen
3.2.2 elektronische Hilfen Geräte ohne Sprachausgabe Geräte mit Sprachausgabe

4 Möglichkeiten des Einsatzes von Gebärden
4.1 Deutsche Gebärdensprache (DGS) Das internationale Fingeralphabet
4.2 Lautsprachbegleitende Gebärdensprache (LBG)
4.3 MAKATON-Programm
4.4 Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK)

5 Praktische Hinweise zur Anwendung von Gebärden

6 Reflexion anhand der Vor- und Nachteile des Einsatzes von Gebärden bei der Förderung von nichtsprechenden Menschen
6.1 Vorteile
6.2 Nachteile

7 Quellenangaben

1 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz von Gebärden bei nichtsprechenden Menschen.

Das Thema war für mich nahe liegend. Die Gebärdensprache hat mich schon länger interessiert, seit Januar 2002 lerne ich an der Volkshochschule Dortmund Deutsche Gebärdensprache. Mittlerweile habe ich den zweiten Kurs abgeschlossen.

Viele Menschen sind nicht in der Lage, sich mit Hilfe der Lautsprache zu äußern. Dadurch wird jeglicher Kontakt mit der Umwelt erschwert.

Eine Möglichkeit, nichtsprechenden Menschen Kommunikation zu ermöglichen, ist die Förderung mit Hilfe von Gebärden. Dieses soll im Folgenden näher vorgestellt werden.

Ich werde mich kaum mit den Auswirkungen des Gebärdeneinsatzes beschäftigen, schon deshalb, weil der Personenkreis sehr inhomogen ist.

Näher dargestellt werden soll, wie Gebärden als Kommunikationsmittel eingesetzt werden können. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Gebärden zu verwenden.

Zuerst werde ich die Gebärden der Gehörlosen vorstellen, um dann die Unterschiede zu anderen Gebärdenkonzepten zu erläutern. Ich werde zudem auf die Ziele sowie die Vor- und Nachteile von Gebärden bzw. deren Gebrauch eingehen.

Um einen Einstieg in die Thematik zu finden, möchte ich im ersten Kapitel kurz den Begriff der „Unterstützten Kommunikation“ definieren und den Personenkreis nichtsprechender Menschen beschreiben.

Da Gebärden nur eine mögliche Form der Unterstützten Kommunikation darstellen, werde ich zur Einführung noch andere Möglichkeiten der Kommunikationshilfen aufzeigen.

2 Einführung in die Unterstützte Kommunikation

Der Begriff „Unterstützte Kommunikation“ umfasst alle pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen, die eine Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten bei Menschen ohne oder mit unzureichender Lautsprache bezwecken. Unterschiedliche Kommunikationshilfen, -strategien und

-techniken sollen die Kommunikation mittels gesprochener Sprache unterstützen, ergänzen oder ersetzen (siehe Kap.3 Möglichkeiten der Verständigung).

2.1 Personenkreis der nichtsprechenden Menschen

Kommunikation ist für alle Menschen lebensnotwendig. Sie ist die Grundlage jeglicher zwischenmenschlicher Beziehung. Sprache macht die Weitergabe von Wissen in mündlicher sowie schriftlicher Form möglich. Daneben spielen nonverbale Kommunikationsformen eine große Rolle.

Menschen haben den Wunsch nach Austausch und brauchen andere zur Befriedigung dieses Bedürfnisses. Wir wollen unsere Gedanken, Erfahrungen, Erlebnisse, Freuden und Ängste mitteilen und erleben Kommunikation dann als erfolgreich, wenn wir uns verstanden fühlen und ernst genommen werden. Bereits vor der Geburt tritt ein Mensch in Interaktion mit seiner Umwelt.

Zielgruppe der Unterstützten Kommunikation sind alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die zwar ein ihrem Entwicklungsstand gemäßes Sprachverständnis besitzen, aber aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Behinderung so stark eingeschränkt sind, dass sie vorübergehend oder dauerhaft:

- kaum,
- gar nicht,
- nur einem vertrauten Personenkreis gegenüber oder
- nur unter günstigen Umstanden

lautsprachlich kommunizieren können.

Zudem erschweren motorische Beeinträchtigungen bei vielen Betroffenen die nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten, so dass sie sich zusammenfassend also "mit den ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationsmöglichkeiten nicht zufrieden stellend ausdrücken können" (Kristen 1994).

Zu dieser Personengruppe zählen (nach Kristen 1999)

- Menschen mit angeborenen Behinderungen (Cerebralparesen, geistige Behinderung u.a.)
- Menschen mit einer fortschreitenden Erkrankung (Muskeldystrophie, Multiple Sklerose)
- Menschen mit erworbenen Schädigungen durch Unfälle oder Schlaganfälle
- Menschen mit vorübergehend eingeschränkten Möglichkeiten

Dabei können nach Kristen Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation:

- als ständige Hilfe nötig sein, z.B. bei Dysarthrie,
- als vorübergehende Hilfe z.B. bei Schädel-Hirn-Trauma oder
- als Hilfe zum Spracherwerb eingesetzt werden.

Nicht sprechen können heißt nicht „Nicht verstehen“. In ihrer Entwicklung sind Verstehen und Sprechen aufeinander bezogen und differenzieren sich zunehmend. Das Verstehen geht auf der jeweiligen Stufe dem Mitteilen deutlich voraus.

Wenn aktive Sprache ausbleibt oder eingeschränkt ist, kann umgekehrt nicht auf den Grad des Sprachverständnisses und kognitive Fähigkeiten geschlossen werden.

2.2 Ziele der Unterstützten Kommunikation (UK)

Da Kommunikation eine wichtige Variable in der Persönlichkeitsentwicklung ist, sollte die Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit übergreifendes Ziel einer Kommunikationsförderung sein.

Unterstützte Kommunikation zielt darauf, individuelle Kommunikationsysteme zu entwickeln, damit für die Betroffenen und ihre Bezugspersonen eine effektivere Verständigung möglich wird.

Kommunikationsförderung muss sich an Art und Ausmaß der Schädigung und vor allem an den vorhandenen Fähigkeiten der Betroffenen orientieren.

Dabei vertritt die Unterstützte Kommunikation den Ansatz der totalen Kommunikation, d.h. "sämtliche Möglichkeiten, einem Menschen ein umfassendes Kommunikationssystem bereitzustellen, sollen ausgeschöpft werden" (Braun 1994). Ein maßgebliches Kriterium für die Entwicklung eines solchen Kommunikationssystems liegt somit in der Effektivität für den/ die Benutzerin. Daher muss mit jedem Menschen ein individuelles, bedürfnisorientiertes Kommunikationssystem gefunden werden. Ein solches Kommunikationssystem kann sich mosaikartig aus vielen, zum Teil unüblichen Kommunikationsformen, zusammensetzen. In der Fachsprache wird ein solches Kommunikationssystem "Multimodales Kommunikationssystem" genannt. Nach Kristen (1994) sollen in diesem folgende Ausdrucksmöglichkeiten eines Menschen bewusst berücksichtigt werden:

Blickbewegung,

Mimik,

Gestik,

Laute, Lautsprache,

Körperhaltung, Körperbewegung,

Gebärden,

nicht-elektronische Hilfe,

elektronische Hilfe,

Schriftsprache.

Im Mittelpunkt der Unterstützten Kommunikation steht also die Förderung der kommunikativen Fähigkeiten.

Dabei reicht es nicht, nur Kommunikationshilfen zu erarbeiten, sondern es ist notwendig, den nichtsprechenden Personen Strategien zu zeigen, mit denen sie zum Beispiel Aufmerksamkeit erhalten können oder ein Gesprächsthema auswählen und steuern können.

Es ist für diese Menschen genauso wichtig, dass man ihnen aufrichtig, wertschätzend und mit einfühlendem Verstehen und Empathie (Rogers) gegenübertritt, damit sie die Erfahrung machen, dass sie und ihre Themen oder Mitteilungen ernst genommen werden. Sie erleben sich so als kompetente GesprächspartnerInnen. Gerade dadurch werden Frustrationserlebnisse abgebaut und die Motivation zu neuen Aktionen erhöht sich.

3 Möglichkeiten der Verständigung für nichtsprechende Menschen

Es gibt verschiedene Formen der Unterstützung für nichtsprechende Menschen, deren kommunikative Möglichkeiten erweitert werden sollen.

Dabei wird zwischen Kommunikation ohne Hilfsmittel, auch körpereigene Kommunikation genannt, und Kommunikation mit nichtelektronischen und elektronischen Hilfsmitteln, oder externen Kommunikationshilfen, unterschieden.

Es soll an dieser Stelle nur um eine kurze vereinfachte Darstellung gehen. Ich erhebe keinen Anspruch auf eine ausführliche und vollständige Beschreibung aller Möglichkeiten.

3.1 Kommunikation ohne Hilfsmittel

oder: Körpereigene Kommunikationsformen

Jeder Mensch verfügt über körpereigene Kommunikationsformen wie Mimik, Gestik, gesprochene Sprache etc. Sie werden auch bei Kommunikation über Lautsprache häufig gebraucht und vom Gesprächspartner eher unbewusst wahrgenommen.

Die Kommunikation benötigt keine Hilfsmittel bei der Anwendung, setzt aber bestimmte motorische Fähigkeiten voraus. Je größer die motorische Beeinträchtigung eines Menschen, um so kleiner ist das ihm zur Verfügung stehende Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten. Eine große Rolle spielen zusätzlich das Entwicklungsniveau, die aktuelle Bedürfnislage und die Art der Beziehung zum Gesprächspartner.

Eine Form der körpereigenen Kommunikation sind Ja/Nein-Zeichen unterschiedlichster Art. Der sprechende Partner stellt so lange immer weiter einengende Fragen, bis der vom nichtsprechenden Partner gemeinte Inhalt entschlüsselt ist.

Blickbewegungen können gezielt als Kommunikationsmittel eingesetzt und durch Vokalisation verstärkt werden.

Andere wichtige Formen sind Gebärden (-sprache), Fingeralphabet, Morsealphabet, verbale und vokale Äußerungen, Hand- oder Fußbewegungen und Tätigkeiten.

Darüber hinaus können die Atmung, die Körpertemperatur, die Muskelspannung und die Körperhaltung einen Hinweis auf die Befindlichkeit oder entsprechende Bedürfnisse geben.

Körpereigene Kommunikationsformen haben den Vorteil, jederzeit zur Verfügung zu stehen. Komplexere Formen sind allerdings häufig nur mit eingeweihten Personen möglich, was den Kreis der Kommunikationspartner beschränkt.

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Details

Seiten
31
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638187527
ISBN (Buch)
9783656451242
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12987
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Fakultät Rehabilitationswissenschaften
Note
sehr gut
Schlagworte
Einsatz Gebärden Menschen Seminar Sprachförderung Kinder

Autor

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Titel: Einsatz von Gebärden bei nichtsprechenden Menschen