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Leistungsdiagnostik in der Premier League. Belastungssteuerung im Fußball

©2022 Studienarbeit 45 Seiten

Zusammenfassung

Die erste Liga in England gehört zu den weltbesten, stärksten und größten Ligen der Welt. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Übersicht zu den relevantesten (Leistungs-)Diagnostiken im englischen Fußball zu erstellen. Der Fußball hat sich maßgeblich verändert. Im Vergleich zum Fußball vor zehn Jahren laufen Mittelfeldspieler nicht mehr sieben oder acht Kilometer, sondern in neunzig Minuten über vierzehn Kilometer. Früher benötigte eine Mannschaft zum Kontern mindestens eine halbe Minute, mittlerweile schaffen es die hochtrainierten Spieler in unter zehn Sekunden.

Im Spitzenfußball sind im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten des Sports andere Leistungen möglich. Dies trifft auf die taktische, technische als auch auf die athletische Komponente zu. Die letztere Komponente wird Gegenstand dieser Arbeit. Neue Forschungsansätze als auch Neugewinne an Wissen in der Trainings- und Bewegungswissenschaft ermöglichen es, eklatanten Einfluss auf die konditionellen, koordinativen als auch leistungsrelevanten Eigenschaften im Fußball zu nehmen. Die Leistungsdiagnostik ist weltweit im professionellen Sport von Bedeutung. So auch in der englischen Premier League.

Als Praxisbezug wurde im Zuge der Arbeit ein Interview mit Toni Stahl durchgeführt. Toni Stahl ist (Stamm-) Torwart des FC Energie Cottbus in der Regionalliga Nord – Ost in Deutschland. Der ehemalige U18- Nationalspieler der deutschen Nationalmannschaft spielte in der Saison 2018 / 2019 in der U23- Mannschaft des FC Fulham in der Premier League 2. Auf Grundlage des Interviews wurde die Übersicht der wesentlichsten Diagnostiken im englischen Fußball angefertigt. Eingegangen hierbei wurde auf die Testdurchführung, die Testinterpretation sowie, wenn erforderlich, auf Besonderheiten innerhalb des spezifischen Tests beziehungsweise der Leistungsdiagnostik.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hinführung zur Thematik
2.1 Was umfasst die Leistungsdiagnostik?
2.2 Allgemeine Testprinzipien der Leistungsdiagnostik
2.3 Qualitätskriterien einer Leistungsdiagnostik
2.3.1 Validität
2.3.2 Reliabilität
2.3.3 Objektivität

3 Interview mit Toni Stahl über Diagnostiken in der Premier League

4 Ausdauerleistungsfähigkeit
4.1 Wissenschaftliche Definition Laktat
4.2 Aerobe Ausdauer
4.3 Anaerobe Ausdauer
4.4 Aerobe und anaerobe Schwelle

5 Aerobe leistungsdiagnostische Tests und Verfahren
5.1 Herzfrequenz - Test
5.2 Spiroergometrie
5.2.1 Ablauf der Spiroergometrie
5.2.2 Untersuchungsparameter
5.3 Conconi - Test
5.3.1 Ablauf des Conconi - Tests
5.3.2 Testauswertung und Interpretation
5.4 Rampentest
5.4.1 Ablauf des Rampentests
5.4.2 Testinterpretation

6 Anaerobe leistungsdiagnostische Tests und Verfahren
6.1 Wingate - Test
6.1.1 Ablauf des Wingate - Tests
6.1.2 Testinterpretation
6.2 Isokinetischer Test
6.2.1 Ablauf des isokinetischen Tests
6.2.2 Testinterpretation

7 Sonstige Leistungsdiagnostiken in der Premier League
7.1 Laktatbasierende Diagnostiken
7.1.1 Laktatleistungstest
7.1.1.1 Ablauf des Laktatleistungstests
7.1.1.2 Testinterpretation
7.1.2 Vla max - Test
7.2 Functional - Movement - Screen nach Janda
7.2.1 Ausschultern
7.2.2 Rumpfbeuge seitwärts
7.2.3 Rumpfdrehen
7.2.4 Rumpfbeuge vorwärts
7.2.5 Test der Wadenmuskulatur nach Janda
7.2.6 Test der geraden vorderen Oberschenkelmuskulatur nach Janda
7.3 Caliper - Test

8 Leistungsdiagnostik in Deutschland versus Leistungsdiagnostik in England

9 Zusammenfassung

10 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Danksagung

Ich möchte mich vorab bei allen Menschen bedanken, welche zum Gelingen der Studien­arbeit beigetragen haben.

Ein recht herzlicher Dank gilt an meinen Dozent Herrn Dr. Thomas Hauser, welcher mich jederzeit umfassend fachlich unterstützte.

Im Zuge der Arbeit nahm sich Toni Stahl die notwendige Zeit, um ein Interview durch­zuführen. Für die investierte Zeit möchte ich mich erkennend bedanken.

An letzter Stelle möchte ich meiner Freundin danken, welche mich trotz aller Umstände jederzeit mit guten Ratschlägen und motivierenden Worten bis zur Abgabe der Arbeit begleitet hat.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verschiedene Typen der Leistungsdiagnostik

Abbildung 2: Laktatbildung bei Wettkämpfen

Abbildung 3: Laktatleistungskurve

Abbildung 4: O2 - Aufnahme bei steigender Belastung

Abbildung 5: Referenzwerte der relativen VO2max ausgewählter Sportarten

Abbildung 6: Rückschluss aus dem RQ zur Art des Energiestoffwechsels

Abbildung 7: Auswertung Conconi - Test

Abbildung 8: Referenzvergleich Conconi - Test

Abbildung 9: Rampentest bei einer linear stufenlosen Belastungssteigerung

Abbildung 10: Laktatverlauf Wingate - Test

Abbildung 11: Leistungs - Zeit - Verlauf beim Wingate - Test

Abbildung 12: Kurve beim isokinetischen Test

Abbildung 13: Interpretation der Leistungskurve

Abbildung 14: Belastungsrichtwerte auf dem Fahrradergometer

Abbildung 15: Herzfrequenz - Laktatkurve

Abbildung 16: Test der Wadenmuskulatur nach Janda

Abbildung 17: Test der vorderen Oberschenkelmuskulatur nach Janda

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhangsverzeichnis

Anhang A Interview mit Toni Stahl

Einleitung

Der Fußball hat sich maßgeblich verändert. Im Vergleich zum Fußball vor zehn Jahren laufen Mittelfeldspieler nicht mehr sieben oder acht Kilometer, sondern in neunzig Minuten über vierzehn Kilometer. Früher benötigte eine Mannschaft zum Kontern mindestens eine halbe Minute, mittlerweile schaffen es die hochtrainierten Spieler in unter zehn Sekunden (vgl. Escher, 2018, S. 10). „Der Fußball ist athletischer geworden, schneller, durchdachter“ (Escher, 2018, S. 10). Im Spitzenfußball sind im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten des Sports andere Leistungen möglich. Dies trifft auf die tak­tische, technische als auch auf die athletische Komponente zu (vgl. Escher, 2018, S. 10 - 11). Die letztere Komponente wird Gegenstand dieser Arbeit. Neue Forschungsansätze als auch Neugewinne an Wissen in der Trainings- und Bewegungswissenschaft ermöglichen es, eklatanten Einfluss auf die konditionellen, koordinativen als auch leistungsrelevanten Eigenschaften im Fußball zu nehmen. Die Leistungsdiagnostik ist weltweit im professionellen Sport von Bedeutung. So auch in der englischen Premier League. Die erste Liga in England gehört zu den weltbesten, stärksten und größten Ligen der Welt. „ ... Besser. Schneller. Stärker. Die ganze Welt liebt den englischen Fußball ...“ (Honigstein, 2006, S. 13). Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, eine Übersicht zu den relevantesten (Leistungs-) Diagnostiken im englischen Fußball zu erstellen. Als Praxisbezug wurde im Zuge der Arbeit ein Interview mit Toni Stahl durchgeführt. Toni Stahl ist (Stamm-) Torwart des FC Energie Cottbus in der Regionalliga Nord - Ost in Deutschland. Der ehemalige U18- Nationalspieler der deutschen Nationalmannschaft spielte in der Saison 2018 / 2019 in der U23- Mannschaft des FC Fulham in der Premier League 2 (vgl. Stahl, 2022, Interview). Auf Grundlage des Interviews wurde die Übersicht der wesentlichsten Diagnostiken im englischen Fußball angefertigt. Eingegangen hierbei wurde auf die Testdurchführung, die Testinterpretation sowie, wenn erforderlich, auf Besonderheiten innerhalb des spezifischen Tests beziehungsweise der Leistungsdiagnostik.

Hinführung zur Thematik

Im Verlauf der Arbeit wird ständig auf die Leistungsdiagnostik im (Fußball-) Sport ein­gegangen. In den folgenden Unterpunkten soll auf die Definition als auch auf die grund­legenden Voraussetzungen der Diagnostiken eingegangen werden.

2.1 Was umfasst die Leistungsdiagnostik?

Historisch betrachtet besitzt die Leistungsdiagnostik im Leistungssport eine lange Tra­dition. Im Verlauf der Entwicklung des professionellen Sports wurden zunehmend um­fangreichere und genauere Testverfahren erforscht. Inzwischen liegen vorrangig exten­sive Erkenntnisse in den Ausdauersportarten vor. Dies umfasst auch die Mannschafts­sportspielarten, so auch der Fußballsport (vgl. Hottenrott, Neumann, 2020, S. 298). Grundlegendes Ziel der Leistungsdiagnostik ist im Wesentlichen die optimale Trainings­steuerung als auch zugleich die optimale Rückmeldung der Effektivität der genutzten Trainingsmaßnahmen (vgl. Schurr, 2007, S. 7). Damit stellt die Leistungsdiagnostik das eigentliche Kernstück der Trainingssteuerung dar. Mit ihr wird neben der Erfassung des gegenwärtigen Trainingszustands beziehungsweise Leistungsstands des Athleten auch die Wirksamkeit des momentanen absolvierten Trainings evaluiert (vgl. Schurr, 2003, S. 39). Die Bedeutung der Leistungsdiagnostik ergibt sich aus der objektiven Darstellung der Daten und Ergebnisse (vgl. Hottenrott, Neumann, 2020, S. 299). Unterschieden kann der Begriff der interdisziplinären Leistungsdiagnostik in folgende Unterdisziplinen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als Basis der Arbeit ist das Hauptaugenmerk auf die sportmotorischen Tests innerhalb der Leistungsdiagnostiken zu legen. Bei den sportmotorischen Tests wird die motorische Fähigkeit gemessen. Als Beispiel hierfür dient der Standweitsprung. Hierbei wird die Sprungkraft aus dem festen Stand gemessen. Abgesehen von der Wettkampfdiagnostik können mit den Tests einzelne Fähigkeiten und Fertigkeiten diagnostiziert werden. Defizite als auch Leistungsreserven können in Bezug zur Technik, Kondition und Koordination erfolgreich ermittelt werden und das Training demnach angepasst werden (vgl. Schurr, 2003, S. 39). Durch die optimale Trainingssteuerung der Leistungsdiagnos­tik wird das im Leistungssport knapp gestaltete Zeitbudget zudem zielführend genutzt. Zusammenfassend lässt sich die leistungsdiagnostische Untersuchung definieren als Ver­fahren zur Untersuchung und Beurteilung des sportlichen Leistungsvermögens als auch als Ergebnisanalyse, mit der Informationen zur bestmöglichen Trainingsgestaltung und ökonomischen Trainingsumsetzung umgewandelt werden können (vgl. Schurr, 2007, S. 7).

2.2 Allgemeine Testprinzipien der Leistungsdiagnostik

Folgende Hinweise sind vor einer Testdurchführung zu beachten. Der Athlet ist vor dem Test über seinen gegenwärtigen Gesundheitszustand zu befragen, damit das Ergebnis keine Verfälschung aufweist. Aus medizinischer beziehungsweise gesundheitlicher Sicht darf kein Einwand bestehen. Mahlzeiten sind drei Stunden vor dem Test zu vermeiden. Ausgenommen dessen sind leicht bekömmliche Kost, welche bis zu einer Stunde vor dem Test eingenommen werden kann. Als Erwärmung vor dem Test hat der Athlet sich fünf bis zehn Minuten aufzuwärmen. Von geringerer Bedeutung hierbei ist es, ob der Test unter Feld- oder Laborbedingungen zu absolvieren ist. Die Anfangsbelastung des Tests richtet sich nach dem individuellen Leistungsvermögen des Sportlers. Ferner ist nach dem Test ein mindestens fünfminütiges Cool - down - Programm durchzuführen, um keine Herz - Kreislauf - Funktionsstörungen hervorzurufen. Grundsätzlich ist die Wieder­holung von leistungsdiagnostischen Tests erst nach vier bis sechs Wochen ratsam, da erst nach dieser Zeitspanne eine objektive Anpassung messbar ist (vgl. Hottenrott, Neumann, 2020, S. 299 - 300).

2.3 Qualitätskriterien ein er Leistungsdiagnostik

Um eine aussagekräftige Leistungsdiagnostik zu generieren, muss ein Test mehreren Qualitätskriterien genügen. Eine gelungene Diagnostik kann zuverlässig und mit einer hohen Genauigkeit Informationen geben, welche für gezielte Interventionen innerhalb des Trainingsprozesses sorgen kann (vgl. Haber, 2017, S. 244).

2.3.1 Validität

Das Kriterium der Validität gibt an, ob die durchgeführte beziehungsweise planmäßig durchzuführende Leistungsdiagnostik die Eigenschaft oder Fähigkeit erfasst, welche er­wünscht ist. Als Beispiel dient hier der Ergometertest. Dieser sei gültig für die Ausdauer­leistungsfähigkeit, jedoch nicht für die Maximalkraft (vgl. Haber, 2017, S. 244).

2.3.2 Reliabilität

Die Reliabilität gibt an, mit welcher Genauigkeit das getestete Merkmal erfasst wird und wie zuverlässig dieses Ergebnis ist. Zu prüfen ist, ob ähnliche Ergebnisse bei mehrfach hintereinander durchgeführten Tests erzielt worden wären. Ein Maß dafür ist der Varia­tionskoeffizient. Die statistische Größe des Variationskoeffizienten (V) ergibt sich nur, wenn der Test mehrmals durchgeführt wurde, das arithmetische Mittel (X) der Werte gebildet werden konnte und die Standardabweichung (s) der einzelnen Werte vorliegt. Der Variationskoeffizient berechnet sich durch folgende Formel: V=100 x s/X % (vgl. Haber, 2017, S. 244). Ein Test kann angenommen werden, wenn der errechnete Wert unter 10 % liegt. Als Beispiel dient hierbei die Ergometrie des Laktatleistungstests. Der Koeffizient liegt bei circa fünf bis sechs Prozent (vgl. Schurr, 2007, S. 8f).

2.3.3 Objektivität

Die Güte der Objektivität definiert, „ wie sehr ein Testergebnis vom Untersuchenden, dem Auswertenden und der interpretierenden Person abhängig ist. Um eine große Objektivität zu gewährleisten, sollte der Test ... streng standardisiert sein“ (Schurr, 2018, S. 28).

Interview mit Toni Stahl über Diagnostiken in der Premier League Als wissenschaftliches Ziel der vorliegenden Arbeit soll eine Übersicht der Diagnostiken der englischen Premier League erstellt werden. Als Informationsgrundlage wurde ein Interview mit Toni Stahl gewählt. Der am 17. September 1999 in Cottbus geborene Torwart Toni Stahl steht momentan als Vertragslizenzspieler beim FC Energie Cottbus (FCE) unter Vertrag. Sein sportlicher Werdegang begann beim SV Leuthen / Oßnig bis 2006. Danach wechselte er zum FCE. Weitere neun Jahre später wechselte er in die U17 von RasenBallsport Leipzig (RB Leipzig). Dort verblieb er drei Saisons, bis er an­schließend von der RB Leipzig U19 - Jugend nach Fulham zum FC Fulham in die U23 - Mannschaft wechselte. In England spielte er in der Premier League 2 zwischen Juli 2018 und August 2019. Seit 2019 ist Toni Stahl wieder in seiner Geburtsstadt beim FCE unter Vertrag (vgl. Stahl, 2022, Interview). Auf die Frage hin, welche Leistungsdiagnostiken er in England durchlief, nannte er folgende Diagnostiken: (Spiro-) Ergometer - Test, den Herzfrequenz - Test, den Conconi - Test, den Rampentest als auch den Wingate - Test und den Isokinetischen Test. Darüber hinaus durchlief er zwei auf Laktat basierende Diagnostiken. Zum einen den Laktatleistungstest als auch den Vla max - Test. Toni Stahl berichtete, dass aufgrund seiner Torwartposition im Fußball der Functional - Movement - Screen (FMS) von großer Bedeutung war. Sowohl in Deutschland beim FCE als auch in der Jugendabteilung von RB Leipzig oder der U23 des FC Fulham. „Vor allem Sprung, Kraft und Beweglichkeit (Stretch - Tests) wurden immer und immer wieder abverlangt und genaustens dokumentiert. Wir hatten jeden Tag beim FC Fulham Übungen für Zuhause oder im Training zum FMS“ (Stahl, 2022, Interview). Auf die Fragestellung hin, wie hoch die Frequenz der Testungen war, antwortete Toni Stahl, dass bei Fulham der Herzfrequenz - Test und der Caliper - Test (Fettmessung) jährlich durchgeführt wurden. Alle anderen erwähnten Diagnostiken wurden größtenteils halbjährig durchgeführt. Es kam jedoch auch dazu, dass man vereinzelt Leistungsdiagnostiken mehrfach wiederholt oder ignoriert hatte (vgl. Stahl, 2022, Interview).

Ausdauerleistungsfähigkeit

Die Ausdauer gehört zu den grundlegenden motorischen (konditionellen) Fähigkeiten. Sie wird auch im Volksmund als Ermüdungswiderstandsfähigkeit beschrieben (vgl. Zintl, Eisenhut, 2004, S. 30). Wissenschaftlich definiert werden kann die Ausdauer als „ ... Fä­higkeit, die eine belastungsadäquate Energieversorgung des Organismus sichert, ermü­dungsbedingte Leistungs- oder Geschwindigkeitsabnahmen bei sportlichen Belastungen verzögert und die Erholungsfähigkeit beeinflusst“ (Hottenrott, Neumann, 2020, S. 123). Physiologisch - medizinisch kann die Ausdauer definiert werden als „Fähigkeit, durch Muskeltätigkeit verbrauchtes Adenosin - Tri - Phosphat (ATP) durch Steigerung der Produktion zu resynthetisieren und damit eine neue Leistungshomöostase für ATP einzustellen“ (Haber, 2017, S. 116). Entsprechend dem biochemischen Weg der ATP - Resynthese können zwei zentrale Formen mit jeweils zwei Unterformen der Ausdauer unterschieden werden (vgl. Haber, 2017, S. 117). Im folgenden Teil der Arbeit werden oft die Begriffe Laktat, aerob als auch anaerob genutzt. Um diese besser verstehen zu können, werden diese im Voraus definiert.

4.1 Wissenschaftliche Definition Laktat

Laktat ist ein (Energie-) Stoffwechselzwischenprodukt, welches durch den Stoffwechsel der Glukoneogenese wieder zu Glykogen resynthetisiert werden kann (vgl. Hottenrott, Neumann, 2020, S. 76). Bei einer gleichförmigen Belastung (beispielsweise im Fußball) besteht ein Gleichgewicht zwischen Laktatbildung und Laktatabbau, der sogenannte Laktat - Steady State (LSS). Der LSS kann im sportlichen Training 2 mmol/l bis 4 mmol/l und im Wettkampf 5 mmol/l bis 9 mmol/l betragen (vgl. Neumann, Pfützner, Hottenrott, 2004, passim). Das Erreichen dieser maximalen Laktatkonzentration ist neben der spezifischen Bewegungsmuster ebenfalls von dem individuellen Stoffwechselzustand der Fast - Twitch - Muskelfasern (FT - Fasern) abhängig. Zu beachten hierbei ist, dass die Konzentration des Laktatwertes mit zunehmender Wettkampfdauer abnimmt, da sich im Verlauf des Wettkampfes die Intensität der Belastung vermindert (siehe Abbildung 2) (vgl. Hottenrott, Neumann, 2020, S. 76).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Laktatbildung bei Wettkämpfen (In Anlehnung an Hottenrott, Neumann, 2020, S. 76)

Der Abbau des Laktats findet zu 50% in der Leber (Hepar) statt. 30% werden in der nicht belasteten Muskulatur abgebaut sowie jeweils 10% im Herz (Cor, Kardia) und den Nieren (Renes) (vgl. Hottenrott, Neumann, 2020, S. 77). Athleten, welche eine höhere Anzahl an FT - Fasern aufweisen, haben eine höhere Laktatbildungsfähigkeit, da die Laktatbildung hauptsächlich in den FT - Fasern stattfindet. Gollnick et. al. wiesen 1973 nach, dass Leistungssportler mit einer Mindestanzahl an 40% der FT - Fasern eine deutlich höhere Laktatbildungsfähigkeit aufweisen als Sportler mit nur 20% bis 30% FT - Fasern oder 70% bis 80% an Slow - Twitch - Fasern (ST - Fasern) (vgl. Gollnick et al., 1973, S. 107ff.). Das bei nahezu gleichförmigen, intensiven sportlichen Belastungen gebildete Laktat kann durch muskelfaserabhängige Monocarboxylattransportern (Transportpro­tein) in die Blutbahn ausgeschleust werden (vgl. Juel, 2004, S. 157ff). Die Abbaurate innerhalb des Blutes beträgt 0,3 mmol/l bis 0,5 mmol/l in einer Minute, wobei trainierte Sportler das Laktat schneller abbauen können. Dadurch übersäuert der Muskel nicht und die Belastung kann weiterhin aufrechterhalten werden. Die im Blut enthaltende Laktatmenge ist stets kleiner als die im belasteten Muskel (vgl. Hottenrott, Neumann, 2020, S. 77).

4.2 Aerobe Ausdauer

Die aerobe Ausdauer beschreibt die ATP - Resynthese durch den oxidativen Abbau von Fettsäuren und / oder Glukose. Die Grundlage der Bestimmung erfolgt immer durch die Messung der maximalen Sauerstoff (O2) - Aufnahme (VO2max) (vgl. Haber, 2017, S. 117). Dieser Weg des Energiestoffwechsels liegt bei geringer bis mittlerer Belastungsintensität vor, da in erster Linie das eingelagerte Muskelglykogen aufgebraucht wird. Die aerobe Ausdauer kann hinsichtlich der Vergrößerung des Glykogenspeichers als auch der Verbesserung des Fettstoffwechsels bei zunehmender Belastung trainiert werden. Die Intensität dieses Trainings muss zwingend unter dem Wert von circa 60% der maximalen Sauerstoffaufnahme liegen (vgl. Schurr, 2003, S. 11). Je nach dem oxidativen Abbau des Substrats Fettsäure oder Glukose unterscheiden sich zwei Unterformen der aeroben Ausdauer (vgl. Haber, 2017, S. 117). Zum einen kann die extensiv - aerobe Ausdauer vorliegen. „Die ATP - Synthese während der Belastung erfolgt mit oxidativem Glukose - und Fettabbau, also mit einem Mischstoffwechsel“ (Haber, 2017, S. 117). Die extensiv - aerobe Ausdauer kann auch als Grundlagenausdauer bezeichnet werden, da sie die Basis des Ausdauertrainings zur Verbesserung der VO2max bildet. Sie bildet die Grundlage jeglicher länger andauernden Tätigkeit (vgl. Haber, 2017, S. 118). Als zweite Form der aeroben Ausdauer kann die intensiv - aerobe Ausdauer verstanden werden. Im Vergleich zu der extensiv - aeroben Ausdauer findet in der zwei­ten Form die ATP - Synthese ausschließlich per Glukoseoxidation statt. Dies geschieht vor allem bei hoher Intensität zwischen 60 - 70% der VO2max. Das physiologische Anzeichen ist ein Laktatwert von mehr als 4 mmol/l Blut. Diese Form der Energiebereit­stellung ist jedoch von keinem großen Umfang gekennzeichnet, da Glukose im Organis­mus nur in beschränkter Menge vorkommt (Muskel- und Leberglykogen), folglich nur etwa 15g/ kg Muskel. Daher ist ein sparsamer Verbrauch geboten (vgl. Haber, 2017, S. 119). „Training der intensiv - aeroben Ausdauer ist nur in der Vorbereitung auf ... Wettkämpfe sinnvoll und sollte sportartspezifisch durchgeführt werden“ (Haber, 2017, S. 120).

4.3 Anaerobe Ausdauer

Im Gegensatz zur aeroben Ausdauer erfolgt die ATP - Resynthese ohne (immediatem) Verbrauch von Sauerstoff durch die Spaltung energiereicher Moleküle. Dies hat zur Folge, dass eine wesentlich höhere Energiebereitstellung zu wesentlich höherer Leistung führt. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die anaerobe Ausdauer nicht in „Abwesenheit“ von Sauerstoff stattfindet, obwohl es der Name so vermutet. Das Gegenteil trifft zu. Die aerobe Ausdauer, also jene, welche unter Sauerstoff arbeitet, läuft parallel auf Hochtouren weiter. Unter physiologischen Bedingungen läuft im menschlichen Organismus die anaerobe ATP - Produktion nie ohne Sauerstoffzufuhr ab, obwohl es rein pathologisch (beispielsweise beim Herzinfarkt) möglich wäre (vgl. Haber, 2017, S. 120). Die anaerobe Ausdauer findet folglich dann statt, wenn der ATP - Abbau die rein oxidative Resynthese übersteigt. Eine weitere Art der anaeroben Ausdauer ist die Überbrückung der ersten ein bis zwei Minuten einer weiteren aeroben Belastung. Die Überbrückung dient des Ausgleichs zwischen der ersten Belastung und des Ausgangsniveaus der oxidativen Energiebereitstellung. Wie auch bei der aeroben Ausdauer kann ebenfalls die anaerobe Ausdauer hinsichtlich ihrer biochemischen Reaktion in zwei Unterarten gegliedert werden (vgl. Haber, 2017, S. 120f.). Zum Ersten wird die laktazid - anaerobe Ausdauer definiert. Hierbei erfolgt die ATP - Synthese durch die Glykolyse. Beweggrund der dominierenden Wirkung der laktazid - anaeroben Ausdauer ist eine hohe Intensität der Belastung, die die aerobe ATP - Resynthese nicht bewerkstelligen kann. Diese Form der Ausdauer ist nur für eine Belastungsdauer bis zu sechs Minuten leistungsbestimmend. Das gezielte Training, welches innerhalb von zwei bis drei Monaten volle Entwicklung zeigt, ist demnach nur für Wettkämpfe sinnvoll, welche die Zeit von sechs Minuten Belastung nicht übersteigt (vgl. Haber, 2017, S. 121). Als zweite Form ist die alaktazid - anaerobe Ausdauer zu verstehen. Im Gegensatz zur laktazid - anaeroben Form bedient sich hier die ATP - Synthese der Hydrolyse von Kreatinphosphaten. Folglich findet diese Form vor allem Anwendung in der energetischen Basis für Sprints und von kurzen hochintensiven Kraftleistungen. Beide motorischen Fähigkeiten (Schnelligkeit, Kraft) dürfen nicht länger als zehn Sekunden Belastungsdauer übersteigen (beispielsweise 100 - Meter Sprint). Die alaktazid - anaerobe Ausdauer sollte nur sportartspezifisch trainiert werden (vgl. Haber, 2017, S. 121).

4.4 Aerobe und anaerobe Schwelle

Für ein optimal steuerbares Training ist das Wissen über die Form der Energiebereit­stellung von großer Bedeutung. Nur mit diesem Wissen kann ein (individuelles) Training erfolgreich gestaltet werden. Wichtig dabei ist vor allem die aerobe Schwelle als auch der Übergangsbereich der vorwiegenden aeroben zur anaeroben Schwelle (vgl. Schurr, 2003, S. 14). Die aerobe Schwelle stellt dabei „ die Grenze der rein aeroben Energiebereit­stellung dar. Das anfallende Laktat kann von der Muskulatur selbst beseitigt werden“ (Schurr, 2003, S. 14). Ab der anaeroben Schwelle steigt das anfallende Laktat im Blut weiter an und kann nicht mehr vom Muskel abgebaut werden. Die Belastungsintensität kann nur noch kurzzeitig aufrechterhalten werden. Zwischen der aeroben und anaeroben Energiebereitstellung lokalisiert sich der aerobe - anaerobe Übergangsbereich. In dieser Zeit stellt sich ein LSS ein. Innerhalb der LSS hält sich die Laktatbildung und der Laktat­abbau in der Waage. Nach vielen wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich der Wert von 2 mmol/l für die aerobe und 4 mmol/l für die anaerobe Schwelle herausgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jedoch muss hierbei beachtet werden, dass dies statistische Schätzwerte sind und sie keiner biologischen Gesetzmäßigkeit unterliegen (vgl. Schurr, 2003, S. 14).

Aerobe leistungsdiagnostische Tests und Verfahren Ziel der vorliegenden Arbeit soll eine Erarbeitung zu relevanten Diagnostiken im eng­lischen Fußball sein. Auf Grundlage des Interviews mit Toni Stahl wurden Leistungs­diagnostiken im Fußball zwischen aeroben und anaeroben leistungsdiagnostischen Tests und Verfahren unterschieden. Im Verlauf des fünften Unterpunktes werden die von Toni Stahl beschriebenen aeroben Diagnostiken vorgestellt. Bezug wird auf den Ablauf und auf die Testauswertung beziehungsweise -interpretation genommen.

5.1 Herzfrequenz - Test (HFT)

Der Herzfrequenz - Test / EKG - Test ist die am einfachsten zu ermittelnde physiolo­gische Antwort auf eine Belastung. Innerhalb einer Ergometrie nimmt sie nahezu linear mit der Intensität der Belastung zu. Gemessen kann die Herzfrequenz (HF) mit einem Elektrokardiogramm (EKG) oder einer Pulsmessuhr (vgl. Haber, 2017, S. 267). Der HFT wird wie folgt durchgeführt: Der Athlet beginnt am Ruhewert seiner HF und beginnt mit der physiologischen Belastung bis zum symptomlimitierten Abbruch (Maximalwert). Dabei ist die maximale HF (HFmax) unabhängig vom Geschlecht, der Körpergröße und dem Trainingszustand des Athleten. Negativ korreliert die maximale Herzfrequenz jedoch mit dem Alter, wodurch sich die Formel HFmax = 220 - Alter (in Jahren) ergibt. Beachtet werden muss jedoch, dass die Formel nur ein statistischer mittlerer Schätzwert ist und die individuelle HFmax stark davon abweichen kann (vgl. Haber, 2017, S. 267f.). Ziel des Herzfrequenztests ist die Überprüfung des allgemeinen Gesundheitszustandes des Athleten oder der Entdeckungen vegetativer Störungen (beispielsweise Übertraining oder eine gegenwärtig deutlich starke Ermüdung des Athleten) innerhalb des Trainings. Vegetative Störungen zeigen sich dann, wenn eine stufenförmige Ergometrie regelmäßig wiederholt wird und miteinander verglichen werden kann. Wenn nach einer Ausdauer­trainingsperiode ein Anstieg der zuvor getesteten HF bei einer gleichen Belastungsstufe gemessen wird, liegt wohlmöglich eine vegetative Störung vor. Auch bei einem einmalig­en HFT kann eine Beurteilung des Leistungsstandes erfolgen, wenn die Werte mit einer standardisierten Tabelle mit Referenzwerten verglichen werden (vgl. Haber, 2017, S. 268).

5.2 Spiroergometrie

Innerhalb einer Spiroergometrie wird Prüfverfahren - übergreifend bei ansteigender Be­lastung die Konzentration der Atemgase bestimmt. Durch diese Form der Messung können genaue Rückschlüsse auf den Energiestoffwechsel des getesteten Athleten geschlossen werden. Zu beachten ist, dass die Diagnostik zwingend sportart- beziehungs­weise disziplinspezifisch durchgeführt werden sollte (vgl. Schurr, 2007, S. 38). Da der Fußballsport einer Laufdisziplin angegliedert wird, ist die Laufbandergometrie von großer Bedeutung. Innerhalb der Ergometrie können zwei unterschiedliche Prüfverfahren durchgeführt werden. Das erste Prüfverfahren ist der Ausdauerstufentest mit der Ziel­setzung der Ermittlung der Laktatleistungskurve. Als zweites Verfahren gilt der Kurzzeitstufentest, mit der die maximale aerobe Leistungsfähigkeit als auch die VO2max ermittelt werden kann (vgl. Schurr, 2003, S. 48).

5.2.1 Ablauf der Spiroergometrie

Der Athlet trägt während seiner Belastung (beispielsweise auf dem Fahrradergometer, Laufbandergometer etc.) eine Maske über der Nase und dem Mund. Dadurch wird das ein- als auch ausgeatmete Atemgas kontinuierlich gemessen (vgl. Schurr, 2007, S. 38). Da zwischen der jeweiligen Belastungsstufe (Bsp.: Stufe 1: 100 Watt, Stufe 2: 130 Watt usw.) und der Sauerstoffzuname eine lineare Beziehung besteht, kann man der Intensität immer einen berechneten Sauerstoffbedarf zuordnen. Dieser Zustand der Sauerstoffzu­nahme wird O2 - Steady - State genannt. Je nach gewählten Belastungssprüngen vergeht eine Zeit von etwa zwei bis sechs Minuten zwischen den Belastungserhöhungen, je nach­dem wann der O2 - Steady - State erreicht ist (vgl. Schurr, 2018, S. 55). Die Diagnostik endet je nach vorher vereinbarter Zeit oder ab dem Levelling - Off - Phänomen. Dieses Phänomen beschreibt die Stagnation der Sauerstoffzunahme. Diese Grenze ist ein zu­lässiges Kriterium für das tatsächliche Erreichen der maximalen aeroben Ausdauer­leistungsfähigkeit. Jedoch wird dieses Phänomen nahezu nur beim Laufbandergometer erreicht und weniger beim Fahrradergometer, da die geringe beanspruchte Muskelmasse meist vorher einen Abbruch erfordert (vgl. Schurr, 2007, S. 40).

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Details

Seiten
45
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783346768643
ISBN (Paperback)
9783346768650
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Erscheinungsdatum
2022 (November)
Note
1,7
Schlagworte
leistungsdiagnostik premier league belastungssteuerung fußball
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Titel: Leistungsdiagnostik in der Premier League. Belastungssteuerung im Fußball