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Leistungsbewertung und Benotung im Sport

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 18 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Leisten und Leistung

2 Sportpädagogische Aufgabe
2.1 Leitsätze für die sportpädagogische Praxis
2.1.1 Variantenrepertoire!
2.1.2 Fordern, aber nicht überfordern!
2.1.3 Leistungserfahrungen im Sport!
2.1.4 Auf Gütekriterien achten!
2.1.5 Etappen zur Zielerreichung setzen!
2.1.6 Individuellen Lernfortschritt beachten!

3 Gründe und Ziele für die Benotungspraxis

4 Kriterien für das Messen von Leistung
4.1 Objektivität
4.2 Reliabilität
4.3 Validität

5 Widerstände gegen die Abschaffung der Sportnote

6 Notengebung
6.1 Ziele der Unterrichtsauswertung
6.2 Absichten der Unterrichtsauswertung
6.3 Formen der Unterrichtsauswertung
6.3.1 Beobachten
6.3.2 Messen
6.3.3 Testen
6.3.4 Bewerten
6.3.5 Beurteilen, Benoten
6.3.6 Befragung
6.3.7 Einschätzung

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Leisten und Leistung

Leisten bedeutet ein Bemühen um eine Aufgabe, Leistung bezeichnet das Ergebnis dieses Bemühens. Entscheidend: individuelle Bezugsnorm (Voraussetzungen und Bemühen

Also: Leisten ist voraussetzungsgemäßes Bemühen um die Bewältigung einer Bewegungsaufgabe. Können wir ein erreichtes Ergebnis auf das so verstandene Leisten zurückführen, liegt eine Leistung vor. Häufig werden die Anforderungen die an jemand gestellt werden als Leistung bezeichnet. Leistung ist im Allgemeinen das Ergebnis von Handlungen und Prozessen. Unter normativen Gesichtspunkten, jedoch eine erfolgreiche oder bestmögliche Bewältigung einer Aufgabe. (Röthig, 2003, S. 332ff.)

2 Sportpädagogische Aufgabe

Hierin besteht das vorrangige Ziel den Schülern angemessene Herausforderungen zu bieten, die es ihnen ermöglichen Leistungen zu vollbringen und zu verbessern. Die Erfahrung des individuellen Leistungsfortschritts ist vorrangig zu betrachten, der Vergleich mit den Anderen spielt eine untergeordnete Rolle. Ein besonderes Augenmerk sollte im Sport auch auf die Erfahrung gemeinsam erarbeiteter Leistung gelegt werden. Dies dient auch der Erfüllung des sozialen Lernziels im Schulsport (Wolters, 2000, S. 20ff.)

2.1 Leitsätze für die sportpädagogische Praxis

In der Praxis des Sportunterrichtes gilt es viele Dinge zu beachten, damit der Sportunterricht nicht überfordert oder auch unterfordert. Den Schülern soll es trotz der unterschiedlichen Voraussetzungen möglich sein, im Sport Erfolge zu erleben. Einige Leitsätze werden nun näher dar gelegt.

2.1.1 Variantenrepertoire!

Der Sport enthält Leistungsanforderungen unterschiedlichster Art. Das wird schon deutlich, wenn wir uns die jeweils leistungsbestimmenden Merkmale vor Augen halten, die bestimmte Sportarten fordern. Die einen fordern vor allem Kraft, andere Ausdauer, in wieder anderen geht es vorwiegend um die Koordination, oft zugleich um die Beweglichkeit. In einigen Sportarten geht es um das optimale Ergebnis in einer standardisierten Situation, in anderen gerade um das angemessene Handeln in veränderlichen Situationen, in manchen hat Vorteile, wer besonders groß oder schwer ist, in anderen gilt das Gegenteil.

Die allgemeine Regel für den Schulsport sollte sein, dass diese Vielfalt im Unterricht einigermaßen ausgewogen zum Ausdruck kommt. Es darf nicht sein, dass bestimmte Schüler systematisch zu dem Urteil gebracht werden, der Sport sei nichts für sie, nur weil sie in der Schule einseitig in einem Sport gefordert werden, für den sie vergleichsweise ungünstige Voraussetzungen haben.

Es gibt im Schulsport ein ärgerliches, verbreitetes Beispiel für die Verletzung dieser Regel: Im gemeinsamen Unterricht von Mädchen und Jungen dominiert der Sport, für den Jungen bessere Leistungsvoraussetzungen haben, weil Kraft, Ausdauer, Größe und Gewicht Vorteile bringen. Formen des Sports, in denen es vorwiegend um Koordination, Beweglichkeit, Rhythmusgefühl geht (z.B. Turnen, Gymnastik, Tanz) und in denen regelmäßig die Mädchen besser abschneiden, haben eine Außenseiterposition.

Sehr lehrreich im Sinn dieser Regel ist es auch, eine Leistungsvoraussetzung, die man sich nicht verdient hat, durch besondere Regeln zu annullieren: Die Leichtathletik sieht so etwas regelmäßig mit ihren geschlechtsspezifischen Gerätemaßen vor (Hecker, 1984, S. 229ff.).

2.1.2 Fordern, aber nicht überfordern!

Dies ist vielleicht die wichtigste Regel, zugleich aber die, deren Realisierung im Unterricht die größten Schwierigkeiten macht. Die Regel scheint zunächst trivial: Wer 1,70 hochspringen kann, wird einen Sprung über 1,20 als wenig herausfordernd empfinden; 1,90 zu versuchen, hat wenig Sinn. Hier gibt es zwar individuelle Unterschiede, doch grundsätzlich gilt: Aufgaben reizen dann am meisten, wenn sie einen mittleren Schwierigkeitsgrad zwischen "zu schwer, schaffe ich sicher nicht" und "zu leicht, schaffe ich ohne Mühe" haben. Auch für die Entwicklung eines realistischen Anspruchsniveaus und eines Selbstwertgefühls werden Aufgaben dieser Art gefordert.

Das größte praktische Problem unserer Regel besteht jedoch darin, dass Sportgruppen selten leistungshomogen sind, besonders Schulklassen, aber auch Sportkurse von Erwachsenen, sind nicht unter dem Gesichtspunkt zusammengestellt, für den Sport möglichst ähnliche Leistungsvoraussetzungen zu haben. In gemischten Klassen verbreitert sich das Leistungsspektrum nochmals. Je größer nun die Leistungsunterschiede in einer Gruppe, desto unwahrscheinlicher wird es, dass dieselbe Anforderung für alle angemessen ist. Man muss also differenzieren. Grundsätzlich gibt es dafür zwei Möglichkeiten:

a) Man bietet Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeit zur Wahl
b) Man stellt allen dieselbe Aufgabe, jedoch so, dass jeder seine Schwierigkeit wählen kann (Hecker, 1984, S. 229ff.).

2.1.3 Leistungserfahrungen im Sport!

Eine Besonderheit der Leistungen im Sport ist, dass ihre Entwicklung gut kalkulierbar ist und besonders junge Menschen im Sportunterricht deutliche Fortschritte machen können. Der Sport muss aber auch so gestaltet sein, dass diese Erfahrungen gemacht werden können. Für den Schulsport bedeutet dies: Die Schüler dürfen ihn nicht als eine Folge einzelner Tests wahrnehmen, in denen es jeweils darum geht, was sie können oder nicht können. Sie müssen an eindrucksvollen Beispielen auch erfahren können, wie sie durch Übung und Training vorwärts kommen können (Hecker, 1984, S. 229ff.).

2.1.4 Auf Gütekriterien achten!

Jede Sportart hat ihre Gütekriterien, nach denen im Wettkampf die Leistung bewertet wird. Oft ist es für den Anfänger enttäuschend, verhindert auch eine optimale Leistungsentwicklung, wenn er seine Leistungsentwicklung von Anfang an nach diesen Kriterien bewertet sieht: Beispielsweise der Tischtennis-Anfänger, der immer möglichst auf Punkte spielen möchte oder auch der Speerwerfer, dem es immer nur um die Weite geht.

Ein besonders anschauliches Beispiel, wie gerade zu Beginn Gütekriterien sinnvoll variiert werden können, bietet die Einführung in das Laufen längerer Strecken. Zunächst wird versucht, allmählich die Zeit zu steigern, die man überhaupt ohne Pause laufen kann; dann wird man versuchen, immer längere Strecken ohne Pause zu laufen, und erst wenn man auf diese Weise zum Dauerläufer geworden ist, kommt das sportliche Gütekriterium "Zeitminimierung" vielleicht noch hinzu. Aber auch wer dies gar nicht anwendet, sondern nur dahin kommt, eine Stunde ohne Pause zu laufen und in dieser Zeit auch eine ordentliche Strecke zurückzulegen, kann das als Leistung empfinden und stolz darauf sein (Hecker, 1984, S. 229ff.).

2.1.5 Etappen zur Zielerreichung setzen!

Leistungen im Sport, vor allem die größeren, über die wir uns lange freuen können, fallen uns nicht von heute auf morgen zu. Sie erfordern viel Übung, Training und Geduld - im Grenzfall über Jahre. Besonders Kinder und Jugendliche, aber auch ältere Menschen mit wenig Sporterfahrung verlieren leicht die Lust, wenn das Ziel in zu weiter Ferne ist. Es ist daher wichtig, Zwischenmarken zu setzen, die man schneller erreicht und die auch selbst schon als lohnende Ziele wahrgenommen werden. Das Interesse am Sport sinkt verständlicherweise gegen Null, wenn häufiger die Einschätzung aufkommt: "Das schaffe ich nie, und wenn ich da nicht ankomme, hat alles auf dem Weg keinen Sinn."

Beispiele: Ein Kind wird schneller und mit mehr Vergnügen schwimmen lernen, wenn ihm viele kleine Schritte auf dem Weg zu diesem großen, fernen Ziel als Leistungen von eigenem Wert erscheinen: dass es untertaucht und die Augen öffnet, Gegenstände vom Boden holt, nach Abstoß von der Wand gleitet usw.

Je nach Voraussetzung der Teilnehmer müssen diese Zwischenmarken dichter oder können auch weiter auseinander liegen (Hecker, 1984, S. 229ff.).

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Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640348862
ISBN (Buch)
9783640348855
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130112
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Leistungsbewertung Benotung Sport

Autor

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Titel: Leistungsbewertung und Benotung im Sport