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Friedrich Wilhelm August Fröbel - Lebensbild und –werk eines großen Pädagogen

Hausarbeit 2007 22 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biographie
2.1 Zeitgenössische Umstände
2.2 Kindheit und Jugend
2.3 Hinwendung zum pädagogischen Beruf
2.4 Gründung der „Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt“
2.5 Der Kindergarten

3 Spielpädagogik
3.1 Die Spielgaben
a) Die erste Spielgabe- Der Ball
b) Die zweite Spielgabe- Kugel und Würfel
c) Die Spielgaben drei bis sechs
3.2 Umgang des Kindes mit den Spielgaben

4 Kindergartenpädagogik
4.1 Situation der Kinder zur Zeit Fröbels
4.2 Konzeption des Kindergartens
a) Ziele
b) Didaktisch- methodische Grundlagen
c) Bezug zu Familie und Schule
4.3 Kindergartenpraxis
a) Spiele
b) Gärten
c) Ausstattung
4.4 Kindergärtnerinnen

5 Fröbelkindergarten im Vergleich zur Kita
5.1 Kritik an Fröbels Pädagogik
5.2 Eigene Auffassungen zum Thema

6 Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der bekannte Pädagoge Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782- 1852) entwickelte im Laufe seines Lebens bedeutende Spielgaben. Sie beabsichtigten die Förderung frühkindlicher Fähigkeiten und die sinnvolle Beschäftigung. Besonders geeignet waren diese Materialien für Kinder im Vorschulalter. Weiterhin konzipierte er eine Einrichtung für eine frühkindliche Kindesbetreuung und nannte diese „Kindergarten“. Er schulte die Kindergärtnerinnen nach seiner eigenen pädagogischen Auffassung und machte auf die Bedürfnisse seiner Zöglinge aufmerksam. Fröbel bezog in seiner Arbeit stets die Natur ein und versuchte den Kindern auch praktische Arbeiten im Garten oder im Wald nahe zu bringen. Einige wichtige Ansätze werden auch heute noch angewendet, wie beispielsweise der Unterricht in dem Fach Schulgarten, welches die meisten Kinder in der Grundschule besuchen.

Friedrich Fröbels Gedankenwelt hatte einen weitreichenden Einfluss auf die spätere Entwicklung der Pädagogik in Deutschland. Es bewirkte eine Revolution. Die vorher eher vernachlässigten Kinder im Vorschulalter, erfuhren nun eine Pflege und Betreuung durch Kindergärtnerinnen in gesonderten Anstalten. Er war ein Weggefährte Pestalozzis, eines ebenso bekannten Pädagogen und doch wird über Fröbels Leistungen heute kaum soviel diskutiert, wie es seiner würdig gewesen wäre.

Um die Arbeit Fröbels im Ganzen verstehen zu können, legt diese Arbeit großen Wert auf seinen Lebensweg. Seine Biografie liest sich wie ein Roman und sollte nicht ungenannt bleiben beziehungsweise keinesfalls stark gekürzt werden. Um die Entwicklung des Kindergartens zu verstehen, ist sie von großer Bedeutung.

Im Laufe seines Lebens erfuhr er viele Rückschläge, die für die Entwicklung des Kindergartens von großer Bedeutung waren. Doch Fröbel gab seine Ideen nicht auf und durch seine Hartnäckigkeit gelang ihm ein Meisterwerk der pädagogischen Geschichte.

Er kämpfte gegen damalige Werte, gegen die beständige Kritik der Kirche und die Skepsis der Politiker. Auch wenn er seinen großen Erfolg nicht mehr erlebte, war die Energie, die er in die Verbesserung der kindlichen Lebensumstände einfließen ließ, der Grundstein für den Aufbruch Deutschlands in Bezug auf die kindliche Entwicklung.

In dieser Hausarbeit möchte ich Fröbels Lebensweg ausführlich schildern und im weiteren Verlauf auf die Entwicklung des Kindergartens und die verschiedenen Spielgaben eingehen.

Eine Darstellung der pädagogischen Auffassungen Fröbels erfordert ebenfalls eine entgegenstehende Kritik, die ich ebenfalls darstellen möchte.

2 Biographie

2.1 Zeitgenössische Umstände

Friedrich Wilhelm August Fröbel wurde in einer Zeit geboren, als sich das feudalabsolutistische Gesellschaftssystem in einer tiefen Krise befand. Deutschland war in über 300 größere, mittlere, kleine und kleinste Staaten, Staatengebilde und Winkelherrschaften zersplittert. Es gab eine verwirrende Anzahl von Geldsorten, Währungen, Gesetzen und Rechtsbräuchen. Das Leben war geprägt von Korruption, Pessimismus, kleinlicher Enge und blindem Egoismus (vgl. Schuffenhauer, 1979, S.7f.). „In dieser Zeit des verfallenden und verfaulenden Feudalabsolutismus, in dieser Zeit der stärksten sozialen Gegensätze zwischen arm und reich, in dieser Zeit, in welcher aber andererseits das deutsche Bürgertum, erweckt durch das zündende Beispiel der französischen Revolution, in zunehmendem Maße- besonders vorerst auf geistigem, ideologischem Gebiet- auf den Plan trat, vollzog sich die Persönlichkeitsentwicklung Friedrich Fröbels.“ (Schuffenhauer,1979, S.8) In der Zeit Napoleons, während der Besetzung Berlins und der Zerschlagung des preußischen Militärstaates war Fröbel 24 Jahre alt. Er nahm am Krieg teil und erlebte die Niederlage Napoleons (vgl. Schuffenhauer, 1979, S.24f.).

Im Bezug auf die Geschichte der Pädagogik lebte Fröbel in der dritten Epoche ab 1800, der Deutschen Klassik. Sie beruhte auf der Erziehung und Bildung in der entstehenden bürgerlichen Gesellschaft (vgl. Gudjons u.a., 1993, S.65). „Diese Epoche kann auch beschrieben werden als Kampf des Neuhumanismus gegen die preußische Reaktion. Es gab wohl kaum eine Epoche in der Geschichte der Pädagogik, die eine solche geballte Konzentration pädagogischer Denker hervorgebracht hat wie die Jahrhundertwende um 1800 und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts.“ (Gudjons u.a.,1993, S.65)

2.2 Kindheit und Jugend

Friedrich Wilhelm August Fröbel wurde am 21. April 1782 in Oberweißbach geboren. Er war das jüngste Kind des Pfarrers Johann Jakob Fröbel und dessen Frau Jakobine Eleonore (vgl. Rockstein, 2004, S.9). „Die frühsten Lebensjahre Friedrichs waren arm an frohen Kindheitserlebnissen. Gänzlich mußte er die Fürsorge mütterlicher Liebe entbehren, denn seine Mutter verstarb kurz nach seiner Geburt. Seine älteren fünf Geschwister verließen nach uns nach das elterliche Haus. Von der zweiten Frau seines Vaters, wurde er, als sie bald eigenen Kindern das Leben schenkte, zurückgestoßen und nur noch in der dritten Person angesprochen.“ (Schuffenhauer,1979, S.9) Das Leben im Elternhaus gestaltete sich mehr und mehr einsam für Fröbel. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr war ihm das Verlassen des Grundstücks und der Umgang mit den Dorfkindern verboten. Auf dieser Grundlage richtete er seine gesamte Aufmerksamkeit auf die Pflanzen- und Tierwelt der Pfarrwiese. Er entwickelte eine tiefe Naturverbundenheit, die er sich ein Leben lang erhielt (vgl. Rockstein, 2004, S.10).

Als Fröbel das Schulalter erreichte, wurde er von seinem Vater in eine reine Mädchenklasse der Oberweißbacher Dorfschule geschickt. Er war unter 100 Mädchen der einzige Junge und wirkte wie ein verstockter, störrischer Einzelgänger. Trotz der Einschränkung sozialer Kontakte in seinen ersten Lebensjahren, machte er in der Schule schnelle Fortschritte. Jedoch machte ihm sein Wissen das Leben im Elternhaus noch unerträglicher. Er erfuhr keinerlei Förderung oder Beschäftigung durch seine Familie und konnte seinen Wissensdurst nicht stillen (vgl. Schuffenhauer, 1979, S.10). Zum Glück des Jungen blieb seine traurige Situation nicht unentdeckt. Nach einem Besuch des Onkels bat dieser Johann Fröbel, die Erziehung Friedrichs in seine Hände zu legen. Nach einigen Gesprächen willigte der Vater ein und ließ seinen Sohn im Alter von 10 Jahren nach Stadtilm umsiedeln. Es wurde eine glückliche Zeit für Friedrich, er konnte endlich mit anderen Kindern spielen, sich bilden und erstarkte körperlich (vgl. Schuffenhauer, 1979, S.11). Nach Abschluss der Stadtschule begann Fröbel 1797 seine zweijährige Lehre bei dem Förster Witz in Hirschberg an der Saale. Nach Beendigung dieser Zeit wurde Fröbels Wunsch, an einer Universität zu studieren, trotz des väterlichen Widerstands, Wirklichkeit (vgl. Rockstein, 2004, S.12). „Am 22. Oktober 1799 begann er das Studium der Naturwissenschaften an der Universität Jena und wurde Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft, der auch Goethe angehörte.“ (Rockstein,2004,S.12) Nach einiger Zeit jedoch zwangen ihn finanzielle Schwierigkeiten dazu, sein Studium im vierten Semester abzubrechen. Er kehrte in sein Elternhaus zurück und sinnierte über seine Zukunft. Im Februar 1802 starb sein Vater Johann, worauf für Fröbel Wanderjahre begannen (vgl. Rockstein, 2004, S.12). (Siehe auch Abbildung 1)

2.3 Hinwendung zum pädagogischen Beruf

Nachdem sich Fröbel im Juni 1805 nach Frankfurt am Main begab, verwarf er den Berufswunsch des Architekten und wurde auf die Pädagogik aufmerksam. Er lernte den Pestalozzi- Anhänger Gottlieb Anton Gruner kennen, der eine Musterschule führte. Johann Heinrich Pestalozzi (1746- 1827) war ein Schweizer Pädagoge. Fröbel entschied sich, Lehrer an Gruners Schule zu werden (vgl. Rockstein, 2004, S.12). „Noch im gleichen Jahr wanderte er zu Fuß in die Schweiz, um Pestalozzi in seinem weltberühmten Erziehungsinstitut in Ilferten aufzusuchen. Nur 14 Tage konnte Fröbel bleiben, aber sein Eindruck, den er von der Anstalt erhielt, wirkte nachhaltig.“ (Rockstein,2004, S.12) Die Reise wurde ihm von Caroline von Holzhausen, einer begeisterten Anhängerin Pestalozzis, finanziert. Mit ihr entwickelte sich auch eine über 20 Jahre andauernde Beziehung. Nach seiner Rückkehr arbeitete Fröbel noch einige Zeit an der Schule von Gruner, bis er am 24. Juni 1806 die Stelle als Hauslehrer der drei Kinder bei der Familie von Holzhausen antrat (vgl. Rockstein, 2004, S.13). „Gemeinsam mit den Kindern bezog er das Landhaus „Auf der Öde“. Sein Unterrichtsprogramm umfaßte auch Wanderungen, Gartenarbeit, körperliche Übungen und handwerkliche Techniken wie den Umgang mit Papier und Holz.“ (Rockstein,2004, S.13) „Fröbels großes Einfühlungsvermögen und pädagogischem Geschick gelang es zwar, die Liebe und das Zutrauen der drei ihm anvertrauten Kinder zu gewinnen; wenn er aber hoffte, seinen wohlgemeinten Einfluss auf die Eltern auszudehnen, so sah er sich bald in seinen Erwartungen getäuscht.“ (Schuffenhauer,1979, S.18) Besonders der stolze Vater teilte Fröbels Meinung über dessen Erziehungsstil nicht. Aus diesem Grund entschloss sich dieser die Kinder aus dem Umkreis ihrer Familie zu entfernen und reiste am 27. September 1808 mit den drei Söhnen zu Pestalozzi nach Ilftern. Fast zwei Jahre brachte er in der Schweiz als Schüler Pestalozzis und Lehrer seiner Zöglinge zu, bis tiefe Konflikte mit dem großen Pädagogen und dessen Instituts seinen Aufenthalt beendeten. Nach einem weiteren Jahr in Frankfurt gab er seine Funktion als Hauslehrer auf und begann 1811 ein Studium in Göttingen, dessen Inhalt das Erlernen alter Sprachen sowie einige naturwissenschaftliche Disziplinen war. Im November 1812 immatrikulierte er an der Universität in Berlin und studierte Kristallographie bei Professor Christian Samuel Weiß (vgl. Rockstein, 2004, S.14). „Mit Ausbruch der Befreiungskriege gegen Napoleon im März 1813 meldete sich Fröbel in das Freikorps unter dem Kommando von Major Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow. Im Krieg lernte er die Theologiestudenten Wilhelm Middendorff und Heinrich Langethal kennen. Beide wurden ihm später unentbehrliche Mitstreiter und traten durch Heirat in seinen Verwandtenkreis.“ (Rockstein,2004, S.14) Ende Juni 1813 beendete Fröbel seinen Kriegsdienst und ging zurück nach Berlin. Als Assistent des oben genannten Professor Weiß arbeitete er bis 1816 am Mineralogischen Institut der Universität. Nach dem Tod seines Bruders Christoph nahm er dessen drei Söhne als Zöglinge auf und widmete seine Zeit deren Erziehung (vgl. Rockstein, 2004, S.15).

2.4 Gründung der „Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt“

„Fröbel begann mit der selbstständigen pädagogischen Arbeit im Jahre 1816. Im Forsthaus zu Griesheim hatte er sein anfangs noch recht bescheidenes Erziehungsinstitut, in welchem vorerst die Kinder seines Bruders die einzigen Zöglinge waren, eingerichtet.“ (Schuffenhauer,1979, S.28) Im nächsten Jahr erwarb die Witwe seines Bruders ein kleines Bauerngut in Keilhau, woraufhin Fröbel seine Heimschule dorthin verlegte. Durch die wachsende Anzahl der Kinder begannen seine Freunde Heinrich Langethal und Wilhem Middendorff als Erzieher und Helfer in der „Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt“ zu wirken.

Nach der Bekanntschaft mit Charlotte Henriette Wilhelmine Klepper zu Fröbels Berliner Zeiten folgte im September 1818 die Hochzeit und der gemeinsame Wohnsitz in Keilhau. Ebenfalls übersiedelten sein Bruder Christian mit seiner Familie und gestalteten zusammen mit Fröbel die Erziehungsanstalt in einzigartiger Atmosphäre. Während seiner Zeit in Keilhau entstanden wichtige Schriften Fröbels, wie beispielsweise die sechs Keilhauer Werbeschriften, die in einer bekannten Zeitschrift erschienen. Auch sein Hauptwerk die „Menschenerziehung“ wurde 1826 als Ergebnis der schulpädagogischen Arbeit veröffentlicht (vgl. Rockstein, 2004, S.16).

„Die Anwesenheit des Burschenschaftlers Johannes Arnold Barop führte dazu, daß Fröbel und seine Anstalt in den Verdacht gerieten „Demagogen“ und „Aufwiegler“ zu sein. Das preußische Innenministerium erwartete die Überprüfung des „Demagogennestes“ Keilhau. (Rockstein,2004, S.16) Durch den Bericht des Superintendenten Christian Zeh wurde eine Schließung des Institutes zwar vermieden, jedoch wurden viele Eltern unsicher und meldeten ihre Kinder ab. Die Anstalt stand vor dem finanziellen Ruin. Fröbel gab auf und überließ die Leitung der Anstalt 1830 Johannes Arnold Barop.

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Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640384501
ISBN (Buch)
9783640384914
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130164
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,3
Schlagworte
Friedrich Wilhelm August Fröbel Lebensbild Pädagogen

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