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Skizzieren Sie Goffmanns Modell des „korrektiven Austauschs“

Veranschaulichen Sie die Mechanismen der Erklärung und der Entschuldigung anhand eines aktuellen, gesellschaftlich relevanten empirischen Beispiels

Hausarbeit 2009 9 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der korrektive Austausch
2.1. Normen
2.2. Soziale Kontrolle
2.3. Korrektives Handeln
2.3.1. Erklärungen
2.3.2. Entschuldigungen
2.3.2. Ersuche
2.4. Der Dialog

3. Die Liechtenstein-Affäre

4. Mechanismen der Erklärung am Beispiel der Liechtenstein-Affäre

5. Mechanismen der Entschuldigung am Beispiel der Liechtenstein-Affäre

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

Erving Goffmann ist ein Handlungstheoretiker, der sich für die vielfältigen Ausdrucksformen von Individuen in sozialen Interaktionen und für die sozialen Regeln, auf die Individuen zurückgreifen, wenn sie ihre Identität gegenüber den vorgegebenen Rollen abgrenzen, interessiert. Goffmanns Mikrostudien „Das Individuum im öffentlichen Austausch“ umfassen den gesamten Handlungsbereich, der durch Interaktionen von Angesicht zu Angesicht sowie durch kommunikative Normen organisiert wird. Seine Forschungsziele bestanden in der Erklärung sozialer Mechanismen, durch die Interaktionen koordiniert sowie für Korrekturen und Modifikationen offen gehalten werden. Die sich dabei darstellenden Verhaltensmuster sind mit Grundregeln verknüpfte Routinehandlungen, die in ihrer Gesamtheit eine soziale Ordnung herstellen.

Goffmanns Prinzipien des korrektiven Austausches finden wir jeden Tag in öffentlichen Dialogen. Besonders Erklärungen und Entschuldigen nehmen eine gesellschaftlich relevante Stellung ein. Sie kommen ständig in Zeitungen, Nachrichten und Interviews vor. Aus diesem Grund sollen ihre Mechanismen in dieser Arbeit anhand des aktuellen Beispiels der Liechtenstein-Affäre hervorgehoben werden.

2. Der korrektive Austausch

Der korrektive Austausch, auch öffentlicher Austausch genannt, kommt bei alltäglichen Interaktionen aufgrund des sozialen Miteinanders immer dann zustande, wenn eine Regelverletzung stattgefunden hat. Für das Verständnis des korrektiven Austausches ist es wichtig die Begrifflichkeiten der Normen, der sozialen Kontrolle, des korrektiven Handelns und des Dialoges zu erläutern.

2.1. Normen

Normen legen fest, was Menschen als Inhaber von sozialen Rollen tun sollten. Sie regulieren das öffentliche Leben. „Eine soziale Norm ist eine durch soziale Sanktionen abgestützte Richtschnur des Handelns [..].“ (Goffmann 1974, S.138). Soziale Sanktionen sind Metanormen und dienen der Absicherung von Konformität. Sie sind „ [..] hart, prompt und willkürlich wechselnd [..].“ (Goffmann 1974, S. 138)

Normen werden erstens als Pflichten bzw. Verpflichtungen angesehen und zweitens bilden sie eine Erwartung in Bezug auf andere. Sie sind Bestandteil eines Normensystems, das mit einem Sanktionierungssystem verknüpft ist. Ein Sanktionierungssystem zeigt „ [..] die Übereinstimmung oder Abweichung des Individuums in Bezug auf Regeln [..].“ (Goffmann 1974, S. 150) Der Geltung von Regeln liegt die Verantwortlichkeit zu Grunde. Verantwortlichkeit gibt es im Sinne unmittelbarer Verursachung, für Schadenersatz, als Ergebung aus ‚vorsätzlichem Handeln’ und für die eigentlichen Absichten. Moralische Verantwortung bezeichnet die Fähigkeit eines Akteurs, der nicht nach einer bestimmten Regel gehandelt hat, sich regelkonform zu verhalten.

Eine Regelverletzung betrifft immer zwei Personen: den Regelverletzer und den Betroffenen. Vom Regelverletzer wird Wiedergutmachung und Korrektur erwartet. Vom Betroffenen wird erwartet, dass er „ [..] in einer korrekten Beziehung zu dem sanktionierenden System [..].“ (Goffmann 1974, S. 144) steht und sich auf soziale Mechanismen beruft. Bei Regelverletzungen wird die Beziehung zwischen Motiv und Folgen analysiert, wobei die Welt, in welcher der Regelverletzer lebt, explizit oder implizit, berücksichtigt wird. (Vgl. Goffmann 1974, S. 138-151)

2.2. Soziale Kontrolle

Durch den Prozess der sozialen Kontrolle sollen Individuen von Regelverletzungen abgehalten werden. Gelegenheiten, korrektive Prozesse hervorzurufen, stehen dabei im Mittelpunkt. Traditionell wird soziale Kontrolle durch Institutionen wie Gerichtssäle sichergestellt. Individuen müssen regelkonform handeln oder eine Regelverletzung verbergen. Wenn dies nicht der Fall ist, müssen sie mit negativen Sanktionen als Konsequenzen rechnen. Soziale Kontrolle dient also der Bestrafung eines Regelverletzers. Um dabei eventuell aufkommende Probleme zu verhindern (z.B. dass jemand einer Bestrafung trotz Schuldigkeit entgeht), muss ein Akteur korrektive und klärende Informationen liefern, die zur Vermeidung von Missverständnissen bestimmt sind und gut verstanden werden sollen. Soziale Situationen sollten Schauplätze darstellen, „ [..] auf denen mit großer Geschwindigkeit Miniaturversionen eines kompletten Justizverfahrens ablaufen.“ (Goffmann 1974, S. 154) Der Regelverletzer muss damit rechnen, sofort bestraft und aufgefordert zu werden, Wiedergutmachung zu leisten, um später wieder akzeptiert zu werden. Korrektive Handlungen sind dazu bestimmt, Reue des Regelverletzers gegenüber dem Betroffenen zum Ausdruck zu bringen. (Vgl. Goffmann 1974, S. 152-155)

2.3. Korrektives Handeln

Um korrektive Handlungen durchzuführen, können Individuen auf Rituale (routinisierte Verhaltensweisen) zurückgreifen. Korrektives Handeln besteht aus einem Prozess ritueller Art (ein virtueller Regelverletzer bringt seine Beziehung zu den Regeln zum Ausdruck) und einem restitutiven Prozess (der Betroffene erhält Entschädigung). Zur Restitution gehört auch die Möglichkeit des Regelverletzers einen Gesinnungswandel zu bezeugen. Korrektive Handlungen gehören zur ‚ausgleichenden Gerechtigkeit‘. Sie werden als Entschädigung für die Regelverletzung betrachtet. Dabei gilt, dass die Entschädigung umso größer ist, je größer das Unrecht ist. (Vgl. Goffmann 1974, S. 156-169)

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640363759
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130281
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,7
Schlagworte
Skizzieren Goffmanns Modell Austauschs“ Veranschaulichen Mechanismen Erklärung Entschuldigung Beispiels

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