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Die Gestaltung der Beziehung der Gouvernante zu den Kindern in - Henry James:The Turn of the Screw -. Aspekte der Erzählperspektive

Essay 2000 7 Seiten

Amerikanistik - Literatur

Leseprobe

Die Gestaltung der Beziehung der Gouvernante zu den Kindern in Henry James

The Turn of the Screw

Aspekte der Erzählperspektive

Henry James´ Geschichte The Turn of the Screw wurde im Jahre 1898 erstmals veröffentlicht und löste unter den Lesern recht bald eine große Resonanz aus.

Bis heute haben sich die Literaturkritiker im Besonderen mit der Frage befaßt, ob die Geister, die die Gouvernante auf Bly wahrnimmt, wirklich existieren und sie mit allen Mitteln versucht, ihre Schützlinge vor diesen Geistern zu retten und James somit eine Geistergeschichte geschrieben hat, oder ob es ihre reine Phantasie ist, die sie diese Gestalten sehen läßt. Hierbei könnte man davon ausgehen, daß es die Geschichte einer psychisch labilen Frau ist, deren Handlungen letztendlich zur Katastrophe, nämlich zum Tod des Jungen und zum Zusammenbruch des Mädchens führen.

Die Interpretation der Geschichte, entweder als Geistergeschichte oder als psychologische Studie, ist auch ausschlaggebend für die Beantwortung verschiedener Fragen, die sich mir während des Lesens stellten, wie beispielsweise : Wie wird die Beziehung zwischen der Gouvernante und den Kindern dargestellt ?

Die Besonderheit liegt darin, daß die Ich – Erzählerin, die Gouvernante selbst also, über ihre Erfahrungen und Beobachtungen berichtet und der Leser zunächst darauf angewiesen ist, ihren Beschreibungen der Vorgänge auf Bly Glauben zu schenken. Oliver Evans belegt dies mit einem Zitat von Henry James : “She (the governess) has ‘authority’, which is a good deal to have given to her.“[1]

Er verweist darauf, daß die Gouvernante nicht die Macht über die Kinder besitzt, da sie bereits von Bösen besessen wären, sondern daß Henry James die Macht gemeint hat, die sie über den Leser und dessen Interpretation der Geschichte ausübt: “... he does not mean that the governess has authority where the children are concerned,

but where the reader is ...“[2]

Edmund Wilson vertritt die Ansicht, daß die Erzählperspektive in The Turn of the Screw nicht zufällig , sondern von James sehr bewußt als Mittel der Beeinflussung der Interpretation eingesetzt wird, denn :

“... gives us not really a direct account of the internal workings of his characters, but rather James´reflective feelings..., and that the floor of the layer of consciousness that we are usually allowed to explore sometimes rings rather hollow. Where motivations are rarely revealed, we cannot always tell how much the author knows...“

“Carefully though, from one point of view, the point of view of technical machinery, Henry James alsways planned his novels,...“[3]

Die Darstellung der Beziehung zwischen der Gouvernante und den Kindern wird durch die Erzählperspektive insbesondere geprägt, denn die Gouvernante stellt als Ich- Erzählerin ihre edlen Absichten und Motive dar, wodurch die Glaubwürdigkeit ihrer Geschichte stark gestützt wird. John Lyndberg erklärte dies folgendermaßen:

“ ... we can know the children and the apparitions only through the governess, and we can know the governess only through her own words: her observations and actions and conclusions.“[4]

Katherine Anne Porter sieht genau darin das Kernproblem der Geschichte, sie argumentiert, daß der Leser zwar zunächst geneigt ist, den Ausführungen der Gouvernante zu glauben, daß sie aber, sobald man das Geschehen rational betrachtet, angezweifelt werden muß:

“There are two levels : the level at which she sees the action and the level at which the reader can see it, and this creates an irony of which the governess is not aware.“[5]

Dies zeigt recht deutlich, wie verschieden man das Verhalten der Gouvernante und damit auch die Geschichte interpretieren kann.Die Beziehung der Gouvernante zu den Kindern kann also von der Frage der Glaubwürdigkeit der Gouvernante als Ich – Erzählerin abhängig gemacht werden.

[...]


[1] Oliver Evans, “James´s Air of Evil: The Turn of the Screw“, Casebook on James´s Turn of the Screw, ed. by Gerald Willen (University of N.Y. 1969), 205.

[2] Evans, 205.

[3] Edmund Wilson, “The Ambiguity of Henry James“, Casebook on Henry James´s Turn of

the Screw, ed. by Gerald Willen (University of N.Y. 1969), 148.

[4] John Lyndberg, “The Governess Turns the Screw“, Casebook on Henry James´s Turn of

the Screw, ed. by Gerald Willen (University of N.Y. 1969), 275.

[5] A Radio Symposium: Katherine Anne Porter, Allen Tate, Mark van Doren,

“ James: ‘The Turn of The Srew’ “, Casebook on James´s The Turn of The Screw,ed. by Gerald Willen (University of N.Y. 1969),168.

Details

Seiten
7
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638187893
Dateigröße
345 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13035
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Anglistik/Amerikanistik
Note
1,0
Schlagworte
Gestaltung Beziehung Gouvernante Kindern Henry James Turn Screw Aspekte Erzählperspektive Proseminar Einführung Literaturwissenschaft

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Titel: Die Gestaltung der Beziehung der Gouvernante zu den Kindern in - Henry James:The Turn of the Screw -. Aspekte der Erzählperspektive