Lade Inhalt...

Die Pflegetheorie von Dorethea Orem

Ein Gewinn für jeden Patienten?

Hausarbeit 2009 21 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in die Thematik

2 Biographie von Dorothea Elizabeth Orem

3 Die Selbstpflegedefizit-Theorie nach Orem
3.1 Theorie der Selbstpflege
3.2 Theorie des Selbstpflegedefizits
3.3 Theorie des Pflegesystems
3.3.1 Allgemeiner Überblick
3.3.2 Arten von Pflegesystemen
3.4 Zusammenfassung der Einzeltheorien
3.5 Schwerpunkte der Selbstpflegedefizit-Theorie

4 Theorie und Praxis
4.1 Allgemeine Grundsätze
4.2 Akzeptanz in der Praxis

5 Kritische Betrachtung

6 Diskussion und Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einführung in die Thematik

In den USA lassen sich die Entwicklungen der Pflegetheorien bereits auf die 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückführen. Auch im europäischen Raum spielen sie vermehrt eine tragende Rolle seit sich Pflegestudiengänge in etwa Anfang der 90-er Jahre an deutschen Hochschulen etabliert haben. Zudem spiegeln sich gerade auch in den Pflegeleitbildern bundesdeutscher Kliniken immer wieder Bestandteile von Pflegetheorien in den sogenannten Pflegeleitbildern wieder. Eine der wohl wichtigsten Pflegetheorien dürfte die Selbstpflegetheorie nach Dorothea Orem sein. Diese ist in Europa, in besonderem Ausmaß gerade auch in den Niederlanden, weit verbreitet. Daher soll in dieser Arbeit genau diese Selbstpflegetheorie näher betrachtet werden. Mein spezielles Augenmerk gilt dabei der Frage, ob diese Pflegetheorie von Dorothea Orem auch wirklich für alle Patienten von Vorteil ist, oder ob es eventuell auch Patientengruppen gibt, die nur wenig oder vielleicht auch überhaupt nicht von dieser Theorie profitieren. Daher werden in dieser Arbeit auch die Biographie von Orem und die Entstehungsgeschichte der Orem-Theorie näher beleuchtet, und die Theorie wiederum auch auf ihre Akzeptanz, ihre Schwerpunkte, ihre Besonderheiten und auch die Kritik an ihr untersucht.

2 Biographie von Dorothea Elizabeth Orem

Dorothea Elizabeth Orem wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Baltimore (USA) geboren. In den frühen 30-er Jahren schloss sie ihre Krankenpflegeausbildung im Providence-Hospital in Washington, D.C. ab. Dort arbeitete sie anschließend im Operations-Bereich und auch als Privat-Krankenschwester und wurde letztlich auch Oberschwester. An der Catholic University of the United States of America in Washington, D.C., erhielt sie 1939 ihren Bachelor-Abschluss in Krankenpflege und studierte bis 1945 Pädagogik für Krankenpflege und schloss dieses Studium mit dem Master of Science ab. Im Anschluss daran wurde sie für drei Jahre Pflegedienstleiterin des Hospital of Detroit im Bundesstaat Michigan. Später unterrichte sie als Professorin für Krankenpflegeausbildung an der Katholischen Universität der USA in Washington, D.C., wo sie zuvor studierte. Von 1958-1960 arbeitete Dorothea Orem beim amerikanischen Gesundheitsministerium an einem Projekt zur Verbesserung der praktischen Ausbildung von Krankenschwestern und entwickelte und veröffentlichte Guidelines for Developing Curricula for the Education of Practical Nurses. (Vgl. Cavanagh 1995, S.9) Die Grundlagen für ihre Pflegetheorie entstanden ebenfalls in dieser Zeit und waren geprägt von den Fragen, was Pflegekräfte tun, warum sie es tun und welche Folgen ihr Handeln mit sich bringt. Zeitgleich war sie als Beraterin für verschiedene Universitäten in den USA und in Canada tätig. 1970 gründete sie in Chevy Chase im Bundesstaat Maryland die Beratungsfirma „Orem & Shields Inc.“ für Krankenpflege und Krankenpflegeausbildung. 1971 erschien ihr bedeutendes Werk „Nursing – concepts of practice-„, in welchem sie ihre über Jahre entwickelte Auffassung von Pflege beschreibt. Seit 1975 beteiligte sie sich an verschiedenen Forschungsprojekten und erhielt für Ihre Arbeit mehrere Ehrendoktortitel. Die Catholic University of the United States of America verlieh ihr 1980 den Ehrentitel für ihre Verdienste in der Entwicklung der Pflegetheorie. 1984 ging Dorothea Orem in den Ruhestand (Vgl. Marriner-Tomey 1992, S.189 f.) und verstarb am 22.Juni 2007 in Savannah, Georgia. (Vgl. Kolling 2008, S.221)

3 Die Selbstpflegedefizit-Theorie nach Orem

3.1 Theorie der Selbstpflege

Laut Dorothea Orem sind Menschen grundsätzlich fähig, individuelle und praktische Fertigkeiten zu entwickeln, die für die Selbstpflege, aber auch für die Pflege abhängiger Familienmitglieder erforderlich sind. Diese Eigenschaften sind kulturell bestimmt und können individuell sein, sie können aber auch unter mehreren sozialen Gruppen unterschiedlich ausgeprägt sein. Letztlich sind aber diese Selbstpflege und auch die Pflege der betroffenen Angehörigen stets Formen bewussten Handelns. Der Leistungsgrad der Pflege ist individuell abhängig von der Kompetenz und von der Neigung des Einzelnen. Hierbei kommt es darauf an, dass es jedem Individuum gelingt, zu erkennen wann überhaupt Maßnahmen der Selbstpflege oder Pflege der Angehörigen erforderlich sind und in einem zweiten Schritt, welche Maßnahmen zur Erfüllung der entsprechenden Pflegebedürfnisse geeignet sind. Auf diese Weise bilden sich bestimmte Pflegegewohnheiten heraus. (Vgl. Fawcett 1998, S.298) Ganz allgemein dienen sämtliche Selbstpflegehandlungen dazu, einen Beitrag zum eigenen Leben und zur Selbsterhaltung zu leisten, wodurch das eigene Wohlbefinden gefördert wird. Dies bezieht sich ebenso auch auf die Pflege der Angehörigen, so dass auch deren Wohlbefinden und deren Leben entsprechend gefördert werden. (Vgl. Dennis 2001, S. 27) Auch wenn die oben genannten Fertigkeiten kulturell bestimmt sind oder gar individueller Natur sind, so gibt es laut Orem dennoch grundlegende Bedingungsfaktoren, die alle Menschen betreffen. Dazu gehören unter anderem das Alter, das Geschlecht, der Entwicklungsstand, das Familiensystem und auch Umwelteinflüsse (Vgl. Dennis 2001, S. 28). Selbstpflege und Pflege von Abhängigen (im Original spricht sie von Dependent care (Orem 1991, S. 64)) bedürfen aber auch einer Unterstützung, die Pflegebedürfnisse erst einmal erkennen zu können. Das gerade ist eine grundlegende Aufgabe der Kranken-schwester, die durch ihre Erfahrung und ihre Kompetenz hier den wesentlichen Grundstein legt, die aber immer wieder auch überprüft, ob Maßnahmen den Bedürfnissen gerecht werden bzw. ob sich die Bedürfnisse vielleicht geändert haben. (Vgl. Orem 1991, S. 64) Ebenso muss zunächst auch geklärt werden, warum Menschen durch Pflege geholfen werden kann, es muss individuell geklärt werden, inwieweit die Befähigung einer Person den Bedürfnissen gerecht werden kann. Das ist die Basis, auf der Pflegekräfte ihre Methoden des Pflegens auswählen und immer wieder evaluieren, außerdem sind sie mit ihrem Fachwissen in Bezug auf biomedizinische Begebenheiten stets als Ansprechpartner des jeweiligen zu Pflegenden gefragt. (Vgl. Orem 1997, S.234) Und nicht zuletzt müssen die Krankenpflegekräfte aber auch erkennen und einschätzen können, wann die an der Selbstpflege bzw. Angehörigenpflege beteiligten Menschen an ihre Grenzen stoßen (Vgl. Orem 1997, S.235)

3.2 Theorie des Selbstpflegedefizits

Dieser Theorieteil ist das wichtigste Element der gesamten Selbstpflegedefizit-Theorie. (Vgl. Orem 1997, S.189) Er formuliert und entwickelt die Gründe, warum Menschen Pflege benötigen. (Orem 1997, S.189) Hierbei sollen die Voraussetzungen, die Grundidee und die Propositionen erläutert werden, da sie die Weiterentwicklung und die Richtlinien der Theorie darstellen. (Vgl. Orem 1997, S.189)

Die nötigen Voraussetzungen werden von Orem in insgesamt vier Grundsätzen zusammengefasst. Erstens ist es von wesentlicher Bedeutung, dass man mit dem eigenen Selbst bewusst umgehen kann, sowohl in einer stabilen als auch in einer sich verändernden Umwelt. Nur wenn dies erfüllt ist, wird ein Engagement für die Selbstpflege möglich. (Vgl. Fawcett 1998, S.288) Zweitens stellt Orem fest, dass dieses eben genannte Engagement von den individuellen Prägungen in Bezug auf das Leben, die Lebensentwicklung, die Gesundheit und das Wohlbefinden beeinflusst. (ebd.) Drittens bestimmt die allgemeine Lernfähigkeit einer sozialen Gruppe die Qualität der Pflege. Somit spielen auch kulturelle Einflüsse eine entscheidende Rolle für die Selbstpflege bzw. die Abhängigenpflege. (ebd.) Und natürlich bestimmt und begrenzt das Wissen des Einzelnen die entsprechenden Maßnahmen. (Vgl. Orem 1991, S. 71). Neben diesen vier Grundsätzen tätigt Orem noch ergänzende Aussagen zur Theorie des Selbstpflegedefizits. Gesellschaften leisten im Fall sozialer Abhängigkeit Fürsorge, indem sie Wege und Möglichkeiten institutionalisieren, um den Betroffenen helfen zu können, entsprechend des Grundes und der Art der Abhängigkeit. (ebd.) Durch die Institutionalisierung werden Hilfsmaßnahmen gegenüber den Hilfebedürftigen durch die Mitglieder der sozialen Gruppe durchgeführt. Diese Hilfsmaßnahmen lassen sich einteilen in welche, die mit altersbedingter Abhängigkeit zusammenhängen und welche, die damit nichts zu tun haben. Diese Hilfsmaßnahmen, die nicht altersbedingter Natur sind, lassen sich zusammenfassend als Gesundheitssystem bezeichnen. Und Krankenpflege ist ein Teil des Gesundheitssystems der westlichen Zivilisation (Vgl. ebd. und Fawcett 1998, Seite 289) Mit allen diesen Aussagen lässt sich die Grundidee der Theorie verdeutlichen. Diese besagt, dass der menschliche Bedarf an Pflege mit gesundheitsbezogenen oder gesundheitsgeleiteten Handlungseinschränkungen zusammenhängt, die dazu führen, dass die betroffenen Personen die Erfordernisse für ihre Selbstpflege oder auch Abhängigenpflege nicht mehr ausreichend oder überhaupt nicht mehr erkennen und somit auch ihre eigenen Funktionen und Entwicklungen genauso wie die der abhängigen Personen nicht mehr regulieren können. (Vgl. Orem 1997, S. 190)

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640364039
ISBN (Buch)
9783640364381
DOI
10.3239/9783640364039
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Erscheinungsdatum
2009 (Juli)
Note
1,3
Schlagworte
Pflegetheorie Dorethea Orem Gewinn Patienten

Autor

Zurück

Titel: Die Pflegetheorie von Dorethea Orem