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Familie im Nationalsozialismus

Referat (Ausarbeitung) 2009 17 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Volk. Die natürliche Ordnung

3. Familienpolitik im Nationalsozialismus
Ehetauglichkeitsgesetz

4. Der innere Aufbau der Familie
Die Aufgabe des Mannes in der Familie
Die Aufgabe der Frau in der Familie

5. Eltern und Kinder. Die Erziehung in der Familie

6. Die nationalsozialistische Familie in der Realität

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Bedeutung der Familie spielte in der Geschichte schon immer eine wichtige Rolle. Doch in jeder Zeit wurde der Begriff ,Familie` anders definiert. Heutzutage sieht man neben den ,klassischen` Familien (Eltern und Kinder) häufig auch alleinerziehende Elternteile, Patchworkfamilien und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. In der Zeit des Nationalsozialismus wären diese Formen von Familie schwer vorstellbar gewesen. Familie kommt vom lateinischen familia, das Hausgemeinschaft bedeutet. Es ist eine Lebensgemeinschaft, die durch Heirat oder Abstammung meist aus Eltern und Kindern besteht und zusammen lebt.

Im Dritten Reich wurde die Familie nach Horst Becker folgendermaßen definiert: „Die Familie ist eine Lebensgemeinschaft, aber eine Lebensgemeinschaft besonderer Art. Sie ist Lebensgemeinschaft innerhalb der natürlichen Ordnung, innerhalb der naturhaften Schicht des Geschehens. Sie ist Lebensgemeinschaft, die auf Blutsgemeinschaft beruht, sie ist Lebendgemeinschaft und Blutsgemeinschaft zugleich. In dieser innigen Verbindung und Durchdringung liegt die Einmaligkeit und Einzigartigkeit der Familie. (...) Die Familie ist die natürlichste, unmittelbarste und innigste Gemeinschaft."1

Unter Natürlichkeit verstand Horst Becker, die Gleichheit des Blutes. Unmittelbar sei die Familie, weil man in sie hineingeboren ist ohne sie wählen zu können und die Innigkeit begründet er damit, dass sie die „Erziehungsgemeinschaft ersten Ranges"2 sei.

Im nationalsozialistischen Staat kam der Familie eine ganz besondere Bedeutung zu. Sie war diejenige Instanz, die ausschließlich für die Fortpflanzung des deutschen Volkes zuständig war.

In dieser Ausarbeitung wird zunächst auf die Stellung der Familie im Volk und die daraus resultierende Familienpolitik eingegangen. Danach wird der innere Aufbau der Familie und die Erziehung in dieser betrachtet. Zuletzt wird überprüft, ob und in welchem Maße das nationalsozialistische Idealbild der deutschen Familie in die Realität des Nationalsozialismus umgesetzt worden ist.

2. Das Volk. Die natürliche Ordnung

Für den Nationalsozialismus war das Volk der oberste Wert, der oberste Gedanke. Ausgang und Ziel von allem war das Volk, dessen Erhaltung und Stärkung. Es sollte eine wahre Volksgemeinschaft entstehen, in welcher der Wert der Einzelpersönlichkeiten nicht nach Herkunft, Vermögen und Stand, sondern allein nach Leistung für die Gemeinschaft bestimmt wurde.

Der Nationalsozialismus sah im Volk die lebendige , Gemeinschaft aus Blut und Boden`. Die Theorie der , Gemeinschaft aus Blut und Boden` entsprang der nationalsozialistischen Überzeugung, dass das deutsche Volk mit seinem reinen Blut zu einer solchen Einheit zusammenwachsen sollte. Diese Auffassung gründete auf dem Gedanken der Volksgemeinschaft und der blutsmäßigen Verbundenheit aller Deutschen. Entscheidend war die rassische Begründung dieser Volksgemeinschaft. Die deutsche Nation galt als die Blutsgemeinschaft der sogenannten ,Arier`, deren Rasse rein erhalten und weiterentwickelt werden sollte.

Den Ideen der Nächstenliebe und Barmherzigkeit setzte der Nationalsozialismus die Pflicht entgegen, mit jedem Opfer für die Gemeinschaft einzutreten. Die nationalsozialistische Ideologie forderte die Zusammenordnung aller Deutschen zu einer echten Lebensgemeinschaft.

Die Familie stellt einen wichtigen Teil dieser Lebensgemeinschaft dar. Horst Becker schrieb: „Von Anfang an ist die Familie eingeordnet in das großere Gebilde Volk. Vom Volk aus bestimmt sich ihre Aufgabe und ihre besondere Form."3 Erst das Volk macht die Familie zu etwas Ganzem und bestimmt ihr Wesen und ihre Aufgaben: „Die Familie ist nirgends schon das Ganze , sondern erst das Volk ist das Ganze (...). Nur als Glied des Volkes hat die Familie ihr Recht und ihre Aufgabe."4

Die Aufgaben und Rechte der Familie waren in der nationalsozialistischen Ideologie stets mit der Gemeinschaft des Volkes verbunden. Daher wollten die Nationalsozialisten möglichst genau die Aufgaben der Familie definieren, um sie besser in das ganze Gebilde Volk einzubauen.

Die Familie galt als „die wichtigste Zelle des Staates" (Hans Anderlahn, 1937)5, da sie für die Erhaltung der Gemeinschaft verantwortlich war. Durch ihre Aufgabe als „Bewahrerin der natiirlichen Kr l fte des Volkes, Bewahrerin des Blutsstromes und der blutstreuen Sitte"6 stellte sie das „bewahrende Element innerhalb der natiirlichen Ordnung des Volkes"7 dar.

Die Familie als Glied des Volkes wurde von den Nationalsozialisten verherrlicht und idealisiert. Sie war das wesentliche Element der Erhaltung des Blutes. Allerdings stellte die Familie als Element, in sich geschlossen, auch eine Gefahr für den nationalistischen Staat dar. Die Regierung versuchte daher die einzelnen Mitglieder der Familie zu separieren, um diese besser steuern und beeinflussen zu können. Eine strenge Familienpolitik wurde verfolgt, die vor allem auf das Bewahren und Vermehren des arischen Blutes zielte. Die Familie als private Gruppe wurde zur „Familie als beauftragtes Glied des Volkes"8. Familiengründung wurde somit zur nationalen Pflicht für jeden Deutschen.

3. Familienpolitik im Nationalsozialismus

Die wichtige Bedeutung, welche die Familie für das deutsche Volk hatte, zeigte sich in der Familienpolitik des Nationalsozialismus: „Die neue Auffassung von der Familie und ihrer Aufgabe im Volk findet ihren praktischen Niederschlag in einer neuen Familienpolitik."9 Dabei wurde verlangt individuelle Ansprüche zurückzustellen und Opfer für die Gemeinschaft einzubringen: „Fiir uns ist das erste und oberste nicht das Individuum mit seinen oberflächlichen Glücksansprüchen, sondern die Gemeinschaft des Volkes, und unter dieser die Gemeinschaft der Familie."10

Die Familienpolitik im Nationalsozialismus war vor allem von der rassischen Bevölkerungspolitik bestimmt. Ihre oberste Aufgabe bestand in der Reinhaltung des deutschen Erbgutes. Die Familie „steht unter politischem Auftrag; in ihrem inneren Aufbau wird sie durch Kameradschaft, den Grundgedanken der politischen Volksordnung, neu verbunden, ihr Autoritätsverhältnis durch den Führergedanken gekräftigt. Ihr eigentlicher politischer Auftrag bleibt aber der, Schoß des Organischen zu sein, Zelle zu sein, in der die Substanz des Volkes bewahrt und erneuert wird, natürliche Ordnung, die in dem jungen Volksbürger den Grund seiner völkischen Erziehung 7tegt."11

Ein deutsches Volk sollte mit Hilfe von politischen Mitteln herangezüchtet werden. Folgende Regeln galten, um dieses zu erreichen:

- Verhütung bei erbkranken, körperlich oder geistig benachteiligtem Nachwuchses (Gesetz zur Verhütung des erbkranken Nachwuchses vom 14.7.1933)
- Verhinderung und Verbot von Mischehen (Nürnberger Gesetze vom 15.11.1935)
- Förderung Erbgesunder und Erbtüchtiger

Nach den Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935 war es nur arischen Personen erlaubt eine Ehe einzugehen. Beziehungen eines nicht Ariers mit einem Arier waren nicht geduldet und wurden zum ,Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre` verboten. Der NS Staat wollte arisch einwandfreien und gesunden Nachwuchs. Behinderten, kranken Frauen und Männer konnte daher eine Zwangssterilisation und Zwangsabtreibung anbefohlen werden.

Um das deutsche Blut zu bewahren sollten arische Frauen und Männer früh heiraten und möglichst viele Kinder zeugen: „Es geht hier darum, dafi der Lebensstrom nicht abreißt, daß der Kreislauf von Hochzeit, Geburt, Aufzucht und wieder Hochzeit durch alle Schwierigkeiten hindurch weiter bewahrt wird."12

Im Ehegesetz von 1938 wurde das Zeugen von Kindern als Sinn der Ehe festgelegt. Jede ,gute Familie` sollte mindestens vier Kinder haben. Der wichtigste Grund für eine Familiengründung sollte im Nationalsozialismus nicht die Liebe der Partner zueinander sein, sondern das Zeugen von Nachkommen.

Um die Geburtensteigerung in Familien zu steigern gab es verschiedene Förderprogramme, zum Beispiel Ehestandsdarlehen mit Geburtenrabatt (Heiratswillige Paare bekamen Darlehen und mussten weniger Geld zurückzahlen, je mehr Kinder sie bekamen), Kindergeld, finanzielle Beihilfe, Steuervergünstigungen, Ehrungen von Müttern nach ihrer Kinderzahl und zahlreiche Horte und Kindergärten.

[...]


1 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig.S.38.

2 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig.S.38.

3 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig. S.11.

4 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig. S.140.

5 http://www.lsg.musin.de/geschichte/Material/Quellen/ns-familie.htm (4.01.09).

6 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig. S.138.

7 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig. S.136.

8 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig. S.141.

9 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig.149.

10 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig.150.

11 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig.149.

12 Becker, Horst: Die Familie. Bücher zur deutschen Volkskunde; Verlegt bei Moritz Schäfer in Leipzig.137.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640363087
ISBN (Buch)
9783640363391
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130732
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1-
Schlagworte
Familie Nationalsozialismus

Autor

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Titel: Familie im Nationalsozialismus