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Die Rolle der Frau bei Edgar Allan Poe

Hausarbeit 2005 14 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Rolle von Frauen in Poes Geschichten allgemein
2.1 In seinen Gedichten
2.2 In seinen Kurzgeschichten

3. Die Rolle der Frau in Ligeia

4. Die Rolle der Frau in Eleonora 1

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Edgar Allan Poe wurde am 19. Januar 1809 als Sohn zweier Schauspieler in Boston, Massachusetts geboren. Der Vater verließ die Familie früh, die Mutter starb als Edgar noch ein kleines Kind war. Durch diesen frühen Verlust kam der junge Poe in die Obhut des Kaufmanns John Allan und dessen Frau Frances, die für ihn zur Mutterfigur wurde. Edgar Allan Poe verbrachte während seiner Jugend mehrere Jahre auf einer Schule in England und besuchte anschließend für ein Jahr die University of Virginia. Kurz darauf trat er der Armee bei und sein erstes Buch Tamerlane and Other Poems erschien. 1829 musste Edgar Allan Poe wiederum einen schweren Verlust hinnehmen- Frances Allan, die er sehr liebte[1], starb. 1831 verließ er die Armee wieder und zog mit seiner Tante, Maria Clemm und deren Tochter Virginia, die er einige Jahre später heiraten sollte, nach Baltimore. Doch auch Virgina erlag 1847, im Alter von 25, einer Krankheit. Von diesem Schicksalsschlag erholte sich Edgar bis zu seinem Tod, zwei Jahre später, nicht mehr:

„Six years ago, a wife, whom I loved as no man ever loved before, ruptured a blood vessel in singing. Her life was despaired of. I took leave of her forever and underwent all the agonies of death. […] This I can and do endure as becomes a man – it was the horrible never-ending oscilliation between hope and despair which I not longer have endured without the total loss of reason.In the death of what was my life, then, I receive a new but – oh God! how melancholy an existence.”[2]

So hatte Poe während seines Lebens immer mit dem Verlust einer Frau zu kämpfen.

Bevor die Kurzgeschichten Ligeia und Eleonora bearbeitet werden, soll vorab auf die Problematik der Frauenrolle in Poes Werken allgemein eingegangen werden. Diese Problematik soll bei Gedichten und Kurzgeschichten differenziert voneinander untersucht werden und dabei die Frage gestellt werden, welche Rolle hierbei der private Hintergrund Poes und dessen Umwelt spielte. Anschließend wird die Rolle der Frau in Ligeia näher betrachtet, und in welchem Verhältnis der Erzähler zur Frauenrolle innerhalb des Stückes steht. Dieselbe Vorgehensweise wird bei Eleonora angewandt.

2. Die Rolle von Frauen in Poes Geschichten allgemein

2.1 In seinen Gedichten

In der Lyrik Edgar Allan Poes nahmen vor allem Frauen die zentrale Position ein, jedoch zumeist im Zusammenhang mit dem Tod. Der Tod war für Edgar Allan Poe ein poetischer Akt. Psychologen begründen Poes wiederholtes Eingehen auf den Tod mit dem frühen Verlust seiner Mutter und dem frühen Ableben seiner jungen Frau verankert. Man diagnostizierte Poe einen Mutterkomplex und ein Frauen-Abhängigkeits-Syndrom.[3] Das Motiv des Todes zeigt sich jedoch nicht von Beginn an in Poes Gedichten. In seinen ersten beiden Veröffentlichungen spricht Poe

vor allem über seine Trauer über den Verlust der Jugend. Erst in seiner dritten Veröffentlichung widmet er sich der Schönheit und somit den Frauen, wobei „er sich

eine ihm eigene Welt- abseits der Welt, die ihm jetzt verschlossen ist- schafft.“[4]

Eines seiner ersten Gedichte, das sich um eine Frau dreht, ist To Helen, das auch zweifelsohne zu seinen bekannteren Werken zählt. Die Inspiration zu To Helen hat Poe, nach eigenen Angaben, aus der Liebe zu der Mutter eines Spielgefährten erlangt.

Für Literaturkritiker ist dies jedoch nicht von Bedeutung. Dennoch wird die Frau, der das Gedicht gewidmet wurde, als konkrete Person aufgefasst, selbst wenn ihr richtiger Name nicht genannt wird, wird sie fiktive Person innerhalb des Gedichtes angesprochen:

“Helen, thy beauty […]”,

”Thy hyacinth hair, thy classic face,

Thy Naiad airs have brought me home […][5]

Was hingegen von Bedeutung ist, ist die Tatsache, dass Poe von der Schönheit einer Frau so angetan war, dass es ihm den Anstoß gab, dieses Gedicht zu verfassen. Betrachtet man sich das Gedicht nun näher, wird deutlich, dass sich innerhalb des Gedichtes ein Wandel vollzieht. Während das Augenmerk in den ersten beiden Strophen auf das beschränkt ist, was die Schönheit Helens für den Dichter ausmacht, widmet er sich in der letzten Strophe ausschließlich der bildlichen Schönheit, die er vor seinem inneren Auge hat: “How statue-like I see thee stand […]”.[6] Selten ist die Schönheit an sich Gegenstand eines Werkes, vielmehr das Erleben und das Empfinden der Schönheit.

In Lenore, das ebenso wie To Helen im Jahr 1831 erschien, taucht dann zum ersten mal als Thema der Tod einer Frau auf. Von da an wurde dieser, wie oben schon erwähnt, für Poe poetische Akt zum zentralen Thema seiner Lyrik. In Lenore führt der Dichter auf den ersten Blick einen Dialog, bei näherem Betrachten jedoch erkennt man, dass es sich eher um eine Art inneren Monolog handelt, wobei der Dichter zwei Seiten gleichzeitig vertritt. Zum einen den Mann, der über den Tod der Geliebten trauert, zum anderen „das Übersteigen der Trauer im Triumph“.[7]

Annabel Lee hingegen ist nicht als Dialog geschrieben, sondern ausschließlich in der Form der Ich-Aussage, um einen besonderen Effekt zu erzielen. Der Leser soll in eine vergangene Zeit versetzt werden, um den Dichter als Erzähler auftreten zu lassen. Durch einen Bruch innerhalb der Strophe, wandelt sich der Dichter jedoch vom Erzähler zum Geliebten der Frau im Gedicht. Annabel Lee, das vermutlich das letzte vor Poes Tod verfasste Gedicht war, wird sehr eng mit dem Tod von seiner Ehefrau Virginia in Verbindung gebracht. Wie das lyrische Ich in Annabel Lee hat Poe seiner kindlichen Frau eine größere Liebe entgegengebracht als es andere Menschen tun: „But we loved with a love that was more than love […]”, “With a love that the winged seraphs of heavencoveted her and me.” [8] Nur in der Phantasie und in den Träumen des Dichters lebt die Geliebte weiter, wobei die Träume und Phantasien von der Trauer, die durch die Realität existiert, begleitet werden. Genau aus diesem Grund könnte man Annabel Lee als lyrische Reaktion auf Virginias frühen Tod sehen. Da Poe sie heiratete, als sie noch ein Kind war und er ihrer, durch den Tod, beraubt wurde, ehe sie richtig erwachsen war, stilisierte er sie zu seiner Ikone aller irdischen Schönheit und somit ist Annabel Lee die „Verwirklichung eines Schönheitserlebens im Sinne seiner Theorie [und ein] analogiehaftes Nachvollziehen seines eigenen Erlebens“.[9] Ulalume, ein ebenfalls sehr kurz vor seinem Tod verfasstes Werk, ist wohl eines seiner finstersten Gedichte. Es entstand 1847, im Todesjahr Virginias und auch die innerhalb des Gedichtes von Poe beschriebene Landschaft ähnelt sehr dem Ort, an dem Virginia begraben liegt. Ulalume ist ein von Poe frei erfundener Name, den man allerdings anlehnen könnte an das lateinische Wort ululatus, was soviel bedeutet, wie Geheul oder Wehgeschrei.[10] Das Gedicht wird als einziges Geheul über den Verlust der Geliebten beschrieben. Ein Gegenbeispiel innerhalb eines Werkes könnte sich bei Eulalie- a song finden lassen, bei der man hinter dem Namen etwas Schönes, Melodisches erahnen könnte. Eulalie ist mit das fröhlichste Werk von Edgar Allan Poe. Bei Eulalie wird nicht die Geliebte dem Sprecher durch den Tod entrissen, sondern der Sprecher wird von Eulalie der Welt entrissen.

[...]


[1] Elmira Royster: “ […], aber er liebte die erste Mrs. Allan abgöttisch und sie ihn.“ in Dietrich Kerlen, Edgar Allan Poe – Der schwarze Duft der Schwermut, Berlin 1999:60

[2] E. A. Poe in Gerald J. Kennedy, Poe, death, and the life of writing, New Haven, London 1987:104

[3] Vgl. E. Richards, Gender and the Poetics of Reception in Poe´s Circle, Cambridge 2004: 30ff

[4] F. H. Link (Hg.), Edgar Allan Poe, ein Dichter zwischen Romantik und Moderne, Frankfurt am Main, Bonn 1968:77

[5] E. A. Poe, „To Helen“

[6] E. A. Poe, „To Helen“

[7] F. H. Link (Hg.), Edgar Allan Poe, ein Dichter zwischen Romantik und Moderne, Frankfurt am Main, Bonn 1968:109

[8] E. A. Poe, “Annabelle Lee”

[9] F. H. Link (Hg.), Edgar Allan Poe, ein Dichter zwischen Romantik und Moderne, Frankfurt am Main, Bonn 1968:117

[10] Vgl. F. H. Link (Hg.), Edgar Allan Poe, ein Dichter zwischen Romantik und Moderne, Frankfurt am Main, Bonn 1968:132

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640395606
ISBN (Buch)
9783640395422
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130782
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Schlagworte
Rolle Frau Edgar Allan

Autor

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