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Essstörungen - eine Übersicht

Projektarbeit 2009 25 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Essstörungen
1.1 Definition
1.2 Wer ist davon betroffen?
1.3 Ursachen und Auslöser
1.3.1 Genetik
1.3.2 Wichtige biologische Faktoren
1.3.3 Sozial-psychische Faktoren
1.3.4 Persönlichkeitsspezifische Faktoren
1.3.5 Gesellschaft
1.3.6 Einstiegsdroge Diät

2. Formen der Essstörung
2.1 Magersucht (Anorexia nervosa)
2.2 Bulimie (Bulimia nervosa)
2.3 Ess-Sucht (Binge-Eating-Disorder)
2.4 Atypische Essstörungen

3. Gesundheitliche Auswirkungen von Essstörungen
3.1 Physische Auswirkungen
3.2 Psychische Auswirkungen
3.3 Soziale Auswirkungen
3.4 Wie kann Hilfe geleistet werden?

4. Internationale Initiativen gegen Essstörungen
4.1 Österreich
4.2 Deutschland
4.3 Spanien
4.4 Italien
4.5 Frankreich
4.6 Großbritannien
4.7 USA

Literaturverzeichnis

Anhang: A. Body Mass Indes (BMI)

B. Körperfett

C. Methoden zur Körperfettmessung

Einleitung

Essstörungen sind keine Modeerscheinungen mehr, sondern zählen zu ernsthaften Erkrankungen und werden gerade in unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft für viele zum Verhängnis.

Doch was ist der Grund, was sind die Ursachen und Auslöser? Gesellschaftlicher Einfluss, Perfektionismus, Schönheit, Macht und Anerkennung beherrschen und dirigieren unser Leben. Der reale Alltag tendiert immer mehr zu einer Scheinwelt. Aus Zufriedenheit, Wohlbefinden und Lebenslust entwickeln sich allmählich Stress, Unbehagen und Selbstkritik, was zu fatalen Folgen führen kann.

Der Fluchtweg in eine Essstörung ist von hier nicht weit entfernt. Allerdings verhilft diese nicht zur Bewältigung der Probleme, sondern stellt ein weiteres Problem dar. Aber dem noch nicht genug! Zusätzlich gibt es noch unzählige, weitere Hilfsmittel zur individuellen Befriedigung und Seligkeit, sei es in Form von Diäten, Nahrungsergänzungsmitteln oder auch exzessiver, körperlicher Verausgabung.

Der klar erkennbare Wandel zu einem schlanken und makellosen Körper und dessen unmittelbare Gleichsetzung mit Schönheit und Perfektionismus stehen im Vordergrund, unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialem Umfeld.

Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und das Streben nach zwanghafter Anerkennung führen in nahezu allen Gesellschaftsschichten heutzutage fast automatisch dazu, seinen Körper und seine Seele dem Ziel „weniger Gewicht = höherer Status“ unterzuordnen. Triumph, Lob und Prestige um jeden Preis!

1. Essstörungen

1.1 Definition

Essstörungen sind psychosomatische bzw. psychiatrische Erkrankungen, die durch Störungen der Nahrungsaufnahme bzw. des Körpergewichts gekennzeichnet sind, mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitsschäden. Essstörungen sind keine Ernährungsstörungen, die durch “richtiges” Essen gelöst werden können, kein Schlankheitstick, keine Pubertäts- oder Lebenskrise, sie haben mit einer gestörten Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Der eigene Körper wird ständig abgelehnt, das Wohlbefinden ist abhängig vom Körpergewicht und das Urteil der Außenwelt bestimmt die Selbstachtung.

Die gelebte Symptomatik zeigt das Ausmaß der inneren Not der Betroffenen und weist auf die eigene Unfähigkeit hin, mit dem Leben und seinen täglichen Anforderungen und Konfrontationen fertig zu werden. Durch das gestörte Essverhalten wird versucht, Lösungen bzw. Auswege für tiefer liegende seelische Probleme, Ablehnung oder Ersatz für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse zu finden. Das Gefühl, sich über Essen bzw. über Hungern Befriedigung zu verschaffen, führt zur schnellen Erleichterung und zu einem Erleben von Sicherheit, Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Dadurch bekommt die Essstörung eine Eigendynamik und gerät außer Kontrolle, gefolgt von Verweigerung der Nahrungsaufnahme oder wahllosem In- sich- Hineinstopfen.

Das Leben der Betroffenen kreist ständig um das Essen bzw. das Nicht-Essen, der Umgang mit Nahrung und Körpergewicht wird immer zwanghafter und beherrschender. Schritt für Schritt wird alles andere unwichtig und nebensächlich. Unbeschwertes Genießen, gesunder Appetit und Hunger sind nicht mehr möglich. Essen ist verbunden mit Scham- und Schuldgefühlen, der Angst zuzunehmen und dem Empfinden, zu versagen. Nicht-Essen dagegen bedeutet Stolz, Stärke und Macht. Das Essen ist vom Lebensmittel zum Lebensinhalt geworden.

Jeder Mensch hat sein ganz individuelles Normalgewicht und individuelle Proportionen. Jedoch die Definition von "normal" ist oft am Schwierigsten und das Essverhalten eines Menschen ist ein deutliches Signal dafür, wie es um sein seelisches Wohlbefinden bestellt ist:

„Normales“ Essen bzw. Essverhalten bedeutet das zu essen, was man essen will. Dies schließt erworbene Gewohnheiten, persönliche Vorlieben und soziale Verhältnisse mit ein. Ein ausgeglichener, entspannter und selbstbewusster Mensch isst gerne lustvoll, ohne schlechtes Gewissen und beendet seine Mahlzeit, wenn er angenehm satt und zufrieden ist.

Gezügeltes bzw. „Abnormales“ Essen bedeutet, bewusst und gezwungen nicht das zu essen, was man essen will. Einerseits aus Gründen akuter oder chronischer Krankheit, wie z.B. Diabetes oder Hypertonie, andererseits um seelische Probleme, Stress, Frust oder Ärger zu bewältigen. Schließlich wird das einzige Objekt, das immer verfügbar und willig ist, der eigene Körper, zum Schlachtfeld!

1.2 Wer ist davon betroffen?

Früher wurde angenommen, dass Essstörungen als typisch weiblicher Schlankheitswahn galten, der nur pubertierende Mädchen im Teenager-Alter und junge Frauen betraf. Heute stellt das gestörte Essverhalten ein zunehmendes, ernstes Gesundheitsproblem dar, vor allem in der westlichen Überflussgesellschaft, und die Zahl der Erkrankungen ist in den letzten Jahren stark gestiegen, unabhängig von Geschlecht und Alter. Nahrung, Körper und Gewicht sind Themen, die bei Frauen und Männern starke Verunsicherung und Selbstzweifel hervorrufen. Die Betroffenen fühlen sich ausgeliefert, haben eine gestörte Körperwahrnehmung, einen sehr hohen Perfektionsanspruch an sich und ihren eigenen Körper, geringes Selbstwertgefühl und wenig Selbstvertrauen.

Manche Personen wie z.B. Athleten, Tänzer, Schauspieler oder Models, bei denen zusätzlich die körperliche Erscheinung beruflich eine Rolle spielt, sind besonders empfänglich, denn der Sport, Leistungswille und gesellschaftliche Druck sind oft die Auslöser der Abmagerung.

Essstörungen sind in jedem Fall mit einer massiven Reduktion von Lebensqualität verbunden und behindern die Betroffenen in ihrer ganzheitlichen Entwicklung. Der Druck und Zwang, die Nahrungsaufnahme und damit den Körper zu manipulieren, steigt unkontrolliert an. Vordergründiges Ziel ist die Gewichtsabnahme bzw. Körperbeherrschung. Unbewusst wird dabei versucht, innere Konflikte, hoffnungslos erscheinende Schwierigkeiten, belastende Gefühle sowie Stress oder Kummer zu bewältigen und somit vor einer eigenverantwortlichen, konstruktiven Herangehensweise zu flüchten.

Viele Menschen schämen sich häufig für dieses Verhalten und verstecken die Störung vor anderen, so dass anfangs Freunde, Familie und Partner ahnungslos sind. Diese Heimlichkeit ist eine zusätzliche große Belastung und führt dazu, die Krankheit hinzunehmen und zu akzeptieren, auf äußere Unterstützung und Hilfe zu verzichten und sich immer mehr vom sozialen Umfeld zurückzuziehen.

In Österreich geht man von über 200.000 Betroffenen aus, die zumindest einmal in ihrem Leben an einer Essstörung erkranken, wobei die Dunkelziffer noch um einiges höher liegen dürfte. Allein in Wien besteht für mehr als 2.000 Mädchen und rund 100 Burschen ein akutes Risiko, an Magersucht oder Bulimie zu erkranken. Bei den stationären Spitalsaufenthalten in Österreich ist eine deutliche Zunahme aufgrund von Essstörungen festzustellen. Im Jahr 1989 wurden 269 Personen (89% der Aufenthalte betrafen Frauen) registriert, im Jahr 2000 waren es 1.471 Spitalsaufenthalte.[1]

1.3 Ursachen und Auslöser

Die Ursachen sind sehr vielfältig, individuell verschieden und finden sich im persönlichen, familiären, sozialen und biologischen Bereich. Viele Faktoren kommen zusammen, wenn ein Mensch eine Essstörung entwickelt, eine alles erklärende Ursache gibt es nicht.

1.3.1 Genetik

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Essstörungen zwar keine rein erblichen Krankheiten sind, die Möglichkeit von begünstigenden Faktoren dennoch berücksichtigt werden muss. Beim Essen bzw. Fasten kommt es zur Aktivierung von bestimmten Belohnungszentren im Gehirn, die auch bei anderen Suchterkrankungen, wie Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit, eine Rolle spielen und dadurch Zusammenhänge mit genetischen Einflüssen entstehen können. Neben den Erbanlagen sind auch Fehlfunktionen in den Belohnungsschaltkreisen des Gehirns verantwortlich, d.h. die Betroffenen sind zwar unfähig, Essen zu genießen, erleben aber Hunger wie einen Rausch bzw. verknüpfen die Nahrungsverweigerung mit einem Lustgefühl.

Durch Analysen der DNA von 1167 Erkrankten gelang es einem Team um Walter Kaye, Direktor der Klinik für Essstörungen an der University of California in San Diego, den Sitz der ausschlaggebenden Gene auf einen bestimmten Abschnitt einzugrenzen. In Tierversuchen testen sie derzeit ein Präparat, das einen bestimmten Rezeptortyp an den Nervenzellen blockiert, der auf die Wirkung des Hirnbotenstoffs Serotonin anspricht. Auf diese Weise sollen das neuronale Belohnungszentrum und damit der Appetit angeregt werden.[2]

[...]


[1] Vgl. http://www.essstoerungshotline.at/allgemeines/Zahlen_Daten_Fakten/Häufigkeit.html

[2] Vgl. Magazin Gehirn&Geist, 22.10.2008

Details

Seiten
25
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640365470
ISBN (Buch)
9783640373772
Dateigröße
816 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130904
Institution / Hochschule
Body & Health Academy
Note
sehr gut
Schlagworte
essstörungen magersucht bulimie

Autor

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