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Der Umgang mit Tabus in der Lexikographie: sexuelle Termini im "Dictionnaire de l’Académie Française" und "Diccionario de la Lengua Española"

Aufnahme und Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 21 Seiten

Romanistik - Vergleichende Romanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesellschaftsgeschichte der Sexualität

3. Kurze Einführung der Académie Française

4. Kurze Einführung Real Academia

5. Diccionario de la Real Academia Española vs. Dictionnaire de L’Académie Française
Verwendete Editionen der Dictionnaire de l’Académie Française
Verwendete Editionen des Diccionario de la Real Academia Española
Gegenüberstellung der Begriffe
Diskussion der Ergebnisse

6. Auswertung der Fragebögen

7. Fazit

Bibliographie

Anhang

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um sexuelle Termini in der französischen und spanischen Sprache. Genauer gesagt wird untersucht, ob und falls ja, inwieweit diese Termini in den Wörterbüchern der jeweiligen Akademien aufgenommen und beschrieben werden. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Sprache ziehen. Bei der Analyse wird untersucht, wie die jeweilige Sprache mit sexuellen Termini umgeht, inwieweit Tabus existieren und was das eventuell über die Akademien oder gar die Nationen aussagt.

Als erstes folgt eine kleine Einführung in das Thema Sexualität in der Gesellschaft, da es wichtig ist von der sozialen Seite her zu verstehen, warum Sexualität ein eventuell belasteter Themenbereich sein könnte, der Tabus hervorbringt.Weiter geht es mit einer kurzen Einleitung in die Tätigkeiten und Aufgaben der Académie Française und der Real Academia Española. Dies ist insofern erforderlich, weil sich im späteren Verlauf dieser Arbeit das Corpus auf die Wörterbücher dieser Akademien stützt und eine einleitende Beschreibung sinnvoll ist. Im nächsten Paragraphen werden die untersuchten Editionen der jeweiligen Wörterbücher angeführt, da nicht alle vorhandenen Auflagen zur Untersuchung zur Verfügung standen. Darauf folgt die eigentliche Corpusarbeit an Hand der Wörterbücher.

Diese wurden auf das Vorkommen und die Beschreibung der Begriffe Penis und Vagina, also im Französischen pénis und vagin und im spanischen pene und vagina, untersucht. Dabei wird chronologisch vorgegangen. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Frage, ob männliche und weibliche Geschlechtsorgane genauso oft vorhanden sind in einer Sprache. Außerdem wird noch untersucht, ob es intersprachliche Unterschiede zwischen dem Französischen und dem Spanischen gibt. Falls die Gewichtung unterschiedlich sein sollte, stellt sich die Frage, welche Körperteile zuerst auftreten und was das aussagen könnte oder aber in welcher Sprache sie zuerst erscheinen und was das über die jeweiligen Länder aussagen könnte.

Wörterbücher sind eher starre Gebilde, die der Gesellschaft vorgegeben werden, die Verfasser dieser Arbeit interessiert aber außerdem noch die sprachliche Realität in Frankreich und Spanien. Daher wurde ein Fragebogen erstellt, der Muttersprachlern zur Beantwortung vorgelegt wurde.

Dieser beschäftigt sich damit, ob und wie die untersuchten Begriffe bei den Befragten verwendet werden und ob sie offen über Sexualität reden oder nicht. Diese Ergebnisse werden im weitern Verlauf mit den Ergebnissen der Corpusanalyse verglichen, es werden Parallelen und Unterschiede im Fazit aufgezeigt. Außerdem bietet das Fazit noch Anregungen zur weiteren Beschäftigung mit dieser Thematik.

2. Sexualität in der Gesellschaft

Um den Bereich der Sexualität in einem linguistischen Kontext untersuchen zu können, muss man die Auffassung der Gesellschaft bezüglich dieses Themas genauer erforschen. Ob Sexualität ein Tabubereich ist und wie sich dieses Phänomen im sprachlichen Verhalten manifestiert, erfordert den Blick auf die Strukturen unserer Gesellschaft. Da sich die Untersuchungen auf Frankreich, Spanien und Deutschland beschränken, wird der Wandel des Blickwinkels von der römischen Antike aus über das Mittelalter bis zur heutigen Zeit unseres Kulturkreises betrachtet.

Das Thema Sexualität ist von jeher ein belasteter und schwieriger Bereich, da „gerade alles Geschlechtliche unserer Kultur bisher von einer Geheimnistuerei und zugleich Sensationsmacherei umspielt war und mit einer Unzahl von vorgefaßten Meinungen und Tabus belastet ist, die jede sachliche Diskussion erschweren, wo nicht gerade unmöglich machen.“[1] Das macht den Diskurs über Sexualität interessant, da Tabus verschiedene Mechanismen nach sich ziehen, um die konkrete Nennung des Begriffes zu vermeiden.

Stellt sich jedoch als erstes die Frage, was Sexualität bedeutet.

Der allseits bekannte Begriff umfasst einen „Komplex verschiedenster Strebungen, die naturgegeben oder gesellschaftlich bestimmt und auch beides zugleich sein können und die in ihrer Vielfalt schließlich das ganze öffentliche Leben in all seiner Kompliziertheit erfassen und dabei diese Kompliziertheit noch weiter komplizieren, die jedenfalls zuletzt einen Großteil des Lebens öffentlich oder auch im geheimen bestimmen.“[2] Diese Definition umfasst schon deutlich die Relevanz des Begriffes für die Gesellschaft, rein biologisch betrachtet ist Sexualität „als Teil der Triebe [...] biologisch begründet, sie wird durch Nervenimpulse und Hormone mitbestimmt.“[3] Der soziale Aspekt der Sexualität ist beim Menschen, im Vergleich zu Tieren, wie beschrieben jedoch hochgradig mitbestimmend. „Die Sexualität des Menschen ist variabel, da der Einfluss gesellschaftlicher Normen auf das Sexualverhalten stark ist.“[4] Es entstehen Tabus in diesem Bereich, die schon weit in der Vergangenheit begründet liegen. Im christlich geprägten Mittelalter wird die Sexualität als negativ konnotiert gesehen, es gilt seine Triebe zu unterdrücken und die Sexualität diente einzig dem Zweck der Fortpflanzung in der Ehe. „Da in einer der Sexualität feindlich eingestellten Religion, wie im Christentum, die Befriedigung sexueller Wünsche als etwas Schlechtes und Sündhaftes hingestellt wird, erfolgt daraus eine permanente Produktion von Angst und Schuldgefühlen“[5]. Diese „Verdrängung und vollends die Verdammung des Geschlechtstriebs durch kirchliche Gebote“[6] wirkte lange Zeit an, auch wenn schon in der Renaissance eine Lockerung stattfand. Sexualität ist bis heute ein markiertes Gebiet, das Tabus aufweist, auch wenn seit Siegmund Freud und der sexuellen Revolution die Sexualität öffentlichkeitswirksam und vor allem auch medienwirksam geworden ist. Nach dem Motto Sex sells in den Medien entsteht die vermeintliche Annahme, dass Sexualität in unserer modernen Gesellschaft nicht mehr tabuisiert ist. Auch mit Erfindung der Antibabypille in den 60er/70er Jahren wird der Zweck der Sexualität als Fortpflanzungsmittel auf Lust und Genuss erweitert. Des Weiteren wirkten Diskurse über Homosexualität und Emanzipation enttabuisierend, aber dennoch bleibt der Bereich mit Tabus und Scham belastet.

Inwieweit im Französischen und Spanischen mit diesem Tabubereich in den Wörterbüchern der Académie Française und der Real Academia Española umgegangen wird, wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit an konkreten Begriffen geklärt.

3. Kurze Einführung der Académie Française

Die Académie Française wurde offiziell in 1635 unter König Louis XIII und Kardinal Richelieu gegründet. Sie gilt als eine der ältesten und ehrwürdigsten Institutionen Frankreichs, die die Vereinheitlichung und Sprachpflege zum Ziel hat.

Schon zu Beginn des 17 Jahrhunderts schien sich „eine neue Epoche anzubahnen: einerseits bildeten sich private Zirkel, wo sich gebildete Männer versammelten, um über Literatur, Theater, Sprachfragen usw. zu diskutieren; andererseits gab es die Salons, wo man sich ebenfalls über Literatur und sprachliche Angelegenheiten unterhielt.”[7]

Man bemühte sich also um die Qualität der französischen Nationalsprache und um die Erschaffung von Regeln und Normen. Der Schriftsteller Malherbe kümmerte sich ganz besonders um die Literatensprache und übte Kritik an der Dichtungssprache aus. Dieser wollte eine klare Literatursprache, die durchsichtig und demnach für jeden verständlich sei.[8]

Nach Malherbes Tod, in 1628, wurde die Bemühung um die Sprachpflege fortgesetzt.

Im Jahr 1629 traf sich wöchentlich ein kleiner Literatenkreis im Hause des Schriftstellers Valentin Conrart in Paris, um Gedanken über die Sprache und Literatur auzutauschen. Da die meisten von ihnen Dichter waren, spielten die Fragen des richtigen Ausdrucks und des Stils eine wichtige Rolle:

„ Die einzelnen Teilnehmer legten sich gegenseitig ihre Werke vor und übten freimütig Kritik. [...] Um diesen vertrauten Umgang miteinander zu fördern, schworen sich die Mitglieder dieses Zirkels, Verschwiegenheit nach außen hin zu bewahren. “[9]

Bald wurde Kardinal Richelieu auf diesen Kreis aufmerksam.

Dieser war von der Zielsetzung der Académie begeistert und kombinierte sein Interesse für die Sprache mit politischen Absichten. Somit wurde die Académie Française unter seiner politischen Herrschaft institutionalisert, und bekam Statuten. Diese Statuten vom 22. Februar 1635 waren fünfzig Artikel, in denen Normen, Aufgaben und Organisation festgehalten wurden.

Des Weiteren gab es noch die Lettres patentes, die der Legitimierung der Académie Française dienten. Diese enthielten Angaben über dessen Entstehungsgeschichte und Richtlinien. Es wurde mitunter festgelegt, dass die Mitgliederzahl auf vierzig Mitglieder beschränkt ist.

Die Mitgliedschaft ist auf Lebenszeit und für viele Franzosen „die höchste Ehre, die einem [...] zuteil werden kann . [10]

Seit dem Bestehen hat die Académie Française bisweilen etwa 700 Mitglieder gehabt.

Den Beinamen “Immortels” bekamen die Mitglieder der Akademie aufgrund des Richelieu verliehenem Siegels mit der Aufschrift “A l’immortalité”.

Ein Wörterbuch, eine Rhetorik, eine Grammatik und eine Poetik waren vorgesehen, von denen bis heute nur das Wörterbuch und die Grammatik veröffenlticht wurden.

Die erste Auflage des Dictionnaire de l’Académie Fraçaise erschien in 1694 mit etwa 20000 Einträgen in zwei Bänden. Die Erschaffung dieses Werks dauerte ca. sechzig Jahre.

Weitere folgten 1718, 1740, 1762, 1798, 1835, 1878, 1932–35 und 1992.

Die neunte Auflage ist in Vorbereitung; bisher sind die Bände „A bis E“ und „Éoc- Map“ erschienen. Es ist nicht abzusehen, wann der zweite Band erscheinen wird.[11]

4. Kurze Einführung Real Academia Española

Als Antonio de Nebrija in 1492 die erste Grammatik des Spanischen verfasste, stand der aktuelle Sprachgebrauch im Mittelpunkt und es wurde viel über Stil und Normierung gesprochen. Im 16. und 17. Jahrhundert durchlebte Spanien seine kulturelle und politische Blüte: Man spricht vom Goldenen Zeitalter, el siglo de oro, bei dem die Entstehung des Spanischen der Höhepunkt war.

Definitiv fixiert wurde die Sprache erst im 18.Jahrhundert, als nach italienischem und französischem Vorbild der Accademia della Crusca und der Académie Française, die Real Academia Española in 1713 gegründet wurde. Diese hat zum Ziel die Sprachpflege, die auf zweifache Weise betrieben wurde und immernoch wird:

Einerseits sollte die spanische Sprache gereinigt und stabilisert werden, andererseits sollte sie ihr Image, im Vergleich zu anderen Sprachen, verbessern. Ihr Leisatz Limpia, fija y da esplendor verdeutlicht das Ziel die Sprache von Neologismen zu reinigen, zu stabilisieren und ihr Glanz zu verleihen.

[...]


[1] Saller, Karl (Hg.) (1967:38f.)

[2] ebd. S. 39

[3] Runkel, Gunter (2003:7)

[4] ebd.: S. 14

[5] ebd. S. 104f.

[6] Saller, Karl (Hg.) (1967:42)

[7] Brigitte Frey ( 2000: 7)

[8] Vgl. Johannes Klare ( 1998: 118)

[9] Karin Rodegra ( 1996: 15)

[10] Brigitte Frey ( 2000: 1)

[11] vgl. http://www.academie-francaise.fr/histoire/index.html

Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640402212
ISBN (Buch)
9783640402557
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130999
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
Schlagworte
Umgang Tabus Lexikographie Termini Dictionnaire Française Diccionario Lengua Española Aufnahme Vergleich

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