Lade Inhalt...

Aviation Supply Chains - Flughafenlogistik als entscheidender Wettbewerbsvorteil

Seminararbeit 2007 19 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Begriffliche und theoretische Grundlagen
2.1 Die traditionelle Lufttransportkette
2.2 Die Aviation Supply Chain
2.3 Ground Handling als wesentliche Primärfunktion der Flughafenlogistik

3 Die Wettbewerbssituation in der Luftfahrtbranche
3.1 Veränderungen des Luftverkehrsmarktes
3.2 Liberalisierung des Ground Handling Marktes in der Europäischen Union

4 Flughafenlogistik als entscheidender Wettbewerbsvorteil

5 Zusammenfassende Betrachtung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Verzeichnis des Anhangs

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Die Globalisierung schreitet voran und die Vernetzung der weltweiten Märkte nimmt immer weiter zu. Im Zuge dessen ist die Nachfrage nach grenzüberschreitenden Luft-transportleistungen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2005 wurden in den damaligen 25 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) insgesamt über 700 Millionen Menschen und nahezu 11 Millionen Tonnen Luftfracht und -post befördert, was einem Zuwachs von 8,5% respektive 3,5% entspricht (de la Fuente Layos, 2007, S. 2, 7). Die logistischen Anforderungen an die Fluggesellschaften, aber auch an die Flug-häfen und deren Infrastruktur werden somit immer höher. Gleichzeitig öffnen Liberali-sierungsbestreben in der Luftfahrtbranche sowohl die Passagier- und Frachtverkehrs-märkte, als auch den Bereich der Bodenabfertigung für neue Anbieter und externe Dienstleister. In diesem Zuge entwickelt sich die traditionelle Lufttransportkette immer mehr in Richtung einer Aviation Supply Chain.

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es nun, diese Veränderung hin zu einer in-tegrierten Supply Chain, sowie die strategischen Auswirkungen des Wandels in der Luftfahrtbranche darzustellen. In diesem Zuge wird besonders auf das Ground Handling als wesentlichen Hauptbestandteil der Flughafenlogistik eingegangen, sowie gezeigt, inwiefern die Flughafenlogistik sich als entscheidender Wettbewerbsfaktor in der Luft-fahrt herausgebildet hat.

1.2 Gang der Untersuchung

Zu Beginn der Arbeit werden dem Leser notwendige begriffliche und theoretische Grundlagen vermittelt, auf denen die weitere Themenbehandlung aufbaut. Dabei wird zuerst sowohl die traditionelle Lufttransportkette als auch die Aviation Supply Chain näher erläutert. Darauf folgt die Darstellung des Ground Handlings als wesentliche Pri-märfunktion der Flughafenlogistik.

An diese Erläuterungen anschließend wird dargestellt, wie sich die Wettbewerbssituati-on in der Luftfahrtbranche verändert hat, wobei auf zwei Punkte eingegangen wird. Zu-erst werden die Veränderungen betrachtet, die sich auf dem Markt des Personen- und Frachtverkehrs in den letzten Jahren vollzogen haben. Schließlich werden die Einflüsse erörtert, welche die EU-Direktive zur Liberalisierung des Ground Handling Marktes auf den Wettbewerb hatte. Zum Abschluss des Hauptteils wird nun dargestellt, wie die Flughafenlogistik sich im Zuge dieses Wandels als entscheidender Wettbewerbsfaktor in der Luftfahrt herausgebildet hat.

Im letzten Kapitel werden die vorherigen Punkte noch einmal abschließend betrachtet und es wird ein Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen gegeben.

2 Begriffliche und theoretische Grundlagen

2.1 Die traditionelle Lufttransportkette

Laut der Norm 30781, Teil 1, des Deutschen Instituts für Normung e.V. wird unter einer Transportkette „eine Folge von technisch und organisatorisch verknüpften Vorgängen [verstanden], bei denen Personen oder Güter von einer Quelle zu einem Ziel bewegt werden“ (1983). Als Lufttransportkette wird dabei eine Transportkette bezeichnet, die den Verkehrsträger Luft mit einschließt, wobei der Lufttransport grundsätzlich in vor-und nachgelagerte Transportprozesse am Boden eingegliedert ist (Albers, 2000, S. 23). Die Lufttransportkette ist eine mehrgliederige Transportkette, da bei der Verbindung von Liefer- und Empfangspunkt ein Wechsel des Transportmittels stattfindet (Pfohl, 2004, S. 164). Die Transportleistung vom Abflug- zum Zielflughafen erbringt dabei in jedem Fall die Fluggesellschaft, die bodengebundenen Transportprozesse unterscheiden sich jedoch, abhängig davon ob es sich um Fracht-, Gepäck- oder Passagierlogistik han-delt.

Bei der Frachtlogistik gliedert sich die Lufttransportkette grob gesehen in fünf Ab-schnitte: Im ersten Schritt erfolgt die Vergabe des Auftrages durch den Verlader, wo-raufhin die zu transportierenden Güter von einem Einzelanbieter (z.B. einem Spediteur) abgeholt und auf dem Landweg zum Flughafen transportiert werden. Dort erfolgt zu-nächst die Zwischenlagerung in einem Warenhaus, anschließend werden die Güter im dritten Schritt im Zuge der Bodenabfertigung in ein Fracht- oder Passagierflugzeug um-geladen, welches sie zu ihrem Zielflughafen transportiert. Nach der Landung werden die Güter schließlich wieder entladen und möglicherweise zwischengelagert, ehe sie erneut auf dem Landweg zum Empfänger transportiert werden (Maurer, 2006, S. 117). Die einzelnen Leistungen der Luftfrachttransportkette sind auf der Abbildung 1 dargestellt (vgl. Anhang S. 15).

Bei der Gepäcklogistik ist die Lufttransportkette Teil einer Dienstleistungssequenz rund um den Passagier und beginnt--im Gegensatz zu der Luftfrachttransportkette--erst am Flughafen, wenn der Kunde eincheckt, und nicht schon außerhalb des Flughafens. Das Gepäck wird im ersten Schritt vom Passagier am Check-in Schalter der Abfertigungsge-sellschaft übergeben, woraufhin es in die Gepäckanlage und dort in den entsprechenden Gepäckraum gefördert wird. Von dort aus wird es in Container oder auf Gepäckwagen und anschließend in das Flugzeug verladen. Direkt nach der Ankunft am Zielflughafen wird das Gepäck wieder aus dem Flugzeug entladen und mit Hilfe von Flurförder-schleppern zu den Ausgabestellen gebracht, wo es vom Passagier wieder entgegenge-nommen wird (Scheimann, 2005, S. 28-30, 34-35).

Die Passagierlogistik umfasst den Bereich zwischen dem Eintreffen des Passagiers am Flughafen bis zu dem Zeitpunkt an dem er ihn wieder verlässt. Dazwischen liegt eine Vielzahl von Prozessen deren Ziel es ist, eine möglichst schnelle und komfortable Be-förderung zu gewährleisten. Die Steigerung der Umsteigequalität durch ein geeignetes Logistikmanagement ist dabei die wesentliche Aufgabe der Passagierlogistik. Bestand-teile dessen sind die Sicherung von schnellen Umsteigezeiten bei Transferpassagieren, die Gewährleistung der Pünktlichkeit und des Komforts des Transports, sowie die Ge-staltung der einzelnen Ströme von Passagieren und Gepäck. Der zügige Transport der Passagiere wird mit Hilfe verschiedenster technischer Mittel erreicht. So werden bei-spielsweise Fahrsteige und Rollbänder zum vertikalen und horizontalen Transport be-nutzt, große Distanzen werden unter Anderem mit Hilfe von Bussen oder Passagier-Transfer-Systemen überwunden (Baumgarten & Butz, 2003, S. 21-22). Die Prozesse der Gepäck- und der Passagierlogistik sind auf der Abbildung 2 dargestellt (vgl. Anhang S. 15).

2.2 Die Aviation Supply Chain

„Unter dem Begriff ‚Supply Chain‘ wird im engeren Sinne eine Lieferkette, Versor-gungskette oder unternehmensübergreifende Wertschöpfungskette verstanden. Da die meisten Unternehmen mit mehreren Organisationen zusammenarbeiten, stellt sich die Supply Chain in der Praxis gewöhnlich als Netzwerk . . . bestehend aus verschiedenen Organisationen dar“ (Busch & Dangelmaier, 2004, S. 4). An dieser Stelle muss erneut zwischen der Passagier-, der Gepäck- und der Frachtlogistik unterschieden werden.

Aus der Sicht des Kunden wird von den Airlines mehr als nur die reine Beförderung zwischen den Flughäfen erwartet, sondern diese wird von ergänzenden Dienstleistungen begleitet. In dieser Servicekette sind Leistungen enthalten, die vor, während oder nach dem Flug erbracht werden. Die wesentlichen Glieder der Kette sind dabei die Kunden-ansprache, die Reservierung des Fluges, Zusatzleistungen vor Antritt des Fluges, der Check-in, der Aufenthalt am Flughafen, In Flight-Services und Leistungen nach Ab-schluss des Fluges. Diese Leistungen werden entweder von der Fluggesellschaft selber erbracht oder können über sie reserviert werden (z.B. Hotelreservierung) (Pompl, 2007, S. 64, 86).

Der Flughafen nimmt in der Aviation Supply Chain eine wichtige Rolle ein. Er stellt die Schnittstelle zwischen dem bodengebundenen Transport und dem Lufttransport dar und positioniert sich somit sehr spezifisch, da er sowohl die Infrastruktur als auch den Servi­ce für eine hochspezialisierte Nachfrage bereitstellt. In dieser Funktion muss der Flug-hafen die Bedürfnisse unterschiedlichster Kundengruppen befriedigen, unter anderem die der Fluggesellschaften, der Passagiere und der Bodenabfertigungsgesellschaften (Budde & Koch, 2005, S. 379-380).

2.3 Ground Handling als wesentliche Primärfunktion der Flugha-fenlogistik

Die International Air Transport Association (IATA) definiert die Bodenabfertigung wie folgt: „Ground Handling covers the complex series of processes required to separate an aircraft from its load (passengers, baggage, cargo and mail) on arrival and combine it with its load prior to departure“ (International Airport Transport Association, o.A.).

Die Bodenabfertigung ist auf dem Vorfeld dafür zuständig, dass ein gelandetes Flug-zeug so schnell wie möglich wieder abflugbereit gemacht wird und somit so wenig Zeit wie möglich auf dem Boden verbringt. Prinzipiell ist es im Interesse der Fluggesell-schaften, diese Ground Handling Dienste selbst abzuwickeln, die Kunden also nach eigenen Standards betreuen zu und auch die Abfertigung des Flugzeuges selbst vorneh-men zu können. Betriebswirtschaftliche Gründe können jedoch dazu führen, dass Airli­nes diese Dienste teilweise oder im Ganzen von anderen Unternehmen in Anspruch nehmen. Gründe dafür, dass eine Fluggesellschaft keine eigene Flughafenstation be-treibt, können beispielsweise sein, dass die Airline die Route gerade erst neu aufge-nommen hat oder dass das Verkehrsaufkommen an dem entsprechenden Flughafen zu gering ist. Es ist aber auch möglich, dass eine lokale Abfertigungsgesellschaft oder auch die Flughafengesellschaft die Leistungen kostengünstiger produziert und anbietet als die Airline. In diesem Fall kommen Handlingagents, die da wären andere Fluggesellschaf-ten, der Flughafenbetreiber, ein Tochterunternehmen der Flughafengesellschaft oder auch spezialisierte Abfertigungsgesellschaften (Handlinggesellschaften wie z.B. Glo-beGround Berlin) in Frage. Mit dem entsprechenden Handlingagent schließt die Flugge-sellschaft einen Vertrag über die Leistung der Bodenabfertigungsdienste ab, der übli-cherweise der Form des IATA-Standardvertrages (IATA-Standard Ground handling agreement) entspricht (Maurer, 2006, S. 119).

Die Bestandteile des Ground Handlings sind zahlreich. Maurer unterteilt die Produkte, welche die Flughafen- und Handlinggesellschaften anbieten, in die vier Hauptkategorien Passenger Services, Ramp Services, Aviation Security und Cargo Handling (2006, S. 120). Eine Übersicht über die genauen Einzeltätigkeiten in den Kategorien findet sich auf Abbildung 3 (vgl. Anhang S. 16). Sobald das Flugzeug gelandet ist und seine end-gültige Parkposition erreicht hat, kommen die stationären und mobilen Abfertigungs-und Serviceeinrichtungen zum Einsatz. Das Ground Operations Manual (GOM, auch Bodenbetriebshandbuch) der Airline dient dabei als Arbeitsgrundlage für das eigene Personal, sowie für fremde Dienstleister (Flughafengesellschaft, Handlingagents). Es gibt für jeden Flugzeugtypen vor, wie die Service-Fahrzeuge um das Flugzeug herum positioniert werden müssen und in welche Aufeinanderfolge die einzelnen Arbeits-schritte durchzuführen sind, um einen optimalen und reibungslosen Ablauf zu garantie-ren. Im Folgenden sollen einige dieser Elemente der Bodenabfertigung erläutert werden. Da wäre zum Einen das Boarding und Deboarding der Passagiere. Dies kann auf zwei verschiedene Arten organisiert werden: Entweder dienen Fluggastbrücken als direkte Verbindung zwischen dem Flugzeug und dem Terminalgate oder die Passagiere verlas-sen bzw. betreten das Flugzeug über mobile Gangways vom Vorfeld aus, der Transport zwischen Terminal und Flugzeug wird dabei von Bussen erledigt. Das Handling des Gepäcks kann ebenfalls auf zwei verschiedene Arten von Statten gehen, wobei dies von der Art der Gepäckbeladung abhängig ist.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640447725
ISBN (Buch)
9783640447695
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131121
Institution / Hochschule
European Business School - Internationale Universität Schloß Reichartshausen Oestrich-Winkel
Note
1,5
Schlagworte
Aviation Supply Chain Flughafen Logistik Gorund Handling

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Aviation Supply Chains - Flughafenlogistik als entscheidender Wettbewerbsvorteil