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Paarbeziehungen - eine theoretische Erklärung zur Funktionalität von Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit

Hausarbeit 2007 37 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Theorien zu Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit in Paarbeziehungen
2.1 Theorien zur Phase des Kennenlernens und der Partnerwahl
2.1.1 Soziobiologischer Ansatz
2.1.2 Balance-Theorie
2.2 Theorien zur Phase des Bestehens einer Paarbeziehung
2.2.1 Equity-Theorie
2.2.2 Theorie der komplementären Bedürfnisse
2.3 Theorie zur Phase der Partnerwahl und des Bestehens einer Paarbeziehung
2.3.1 Theorie der sozialen Vergleichsprozesse
2.4 Folgerungen

3. Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit in verschiedenen Beziehungsbereichen und ihre Funktionen für die Partnerschaft
3.1 Ähnlichkeitsbereiche in der Phase des Kennenlernens und der Partnerwahl
3.1.1 Ähnlichkeit in soziodemografischen Merkmalen
3.1.2 Ähnlichkeit in physischen Merkmalen
3.1.3 Einstellungsähnlichkeit
3.2 Ähnlichkeits- und Gegensätzlichkeitsbereiche in der Phase des Bestehens einer Paarbeziehung
3.2.1 Ähnlichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen
3.2.2 Gegensätzlichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen
3.2.3 Ähnlichkeit der kognitiven Fähigkeiten
3.2.4 Ähnlichkeit der Liebesstile
3.2.5 Ähnlichkeit der Bindungsstile
3.2.6 Gegensätzlichkeit der Bindungsstile
3.2.7 Gegensätzlichkeit der Geschlechterrollen
3.3 Folgerungen

4. Ein hypothetisches Modell der Funktionen von Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit in Paarbeziehungen
4.1 Bedeutung der zentralen Funktionen von Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit für Paarbeziehungen
4.2 Hypothetisches Modell der Funktionen von Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit in Paarbeziehungen

5. Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit behandelt die Funktionalität von Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit in Paarbeziehungen auf theoretischer Ebene. Es werden Theorien gesucht, die auf Funktionen von Ähnlichkeiten und Gegensätzlichkeiten in verschiedenen Bereichen der Paarbeziehungen bezogen werden können.

Behandelt werden folgende Theorien zur Erklärung von Ähnlichkeit und ihrer Funktionen: Der soziobiologische Ansatz, die Balance-Theorie, die Equity-Theorie und die Theorie der sozialen Vergleichsprozesse. Eine Theorie, die Gegensätzlichkeit und ihre Funktionen behandelt ist die Theorie der komplementären Bedürfnisse.

Die folgenden Beziehungsbereiche werden aufgrund von empirischen Ergebnissen der bisherigen Forschung auf Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit überprüft: Soziodemografische Mermale, physische Merkmale, Einstellungen, Persönlichkeitsmerkmale, Geschlechterrollen, kognitive Fähigkeiten, Liebesstile und Bindungsstile. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf Funktionen der Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit dieser Bereiche gerichtet, die durch die ausgewählten Theorien unterstützt werden.

Die übergeordnete Funktion von Ähnlichkeit ist die Verbreitung und der Schutz der eigenen Gene (soziobiologischer Ansatz). Die zentralsten Funktionen können aber in der Beziehungsqualität und –stabilität gesehen werden. Diese können durch alle Theorien, ausser durch den soziobiologischen Ansatz, bestätigt werden. Daneben gibt es zahlreiche vermittelnde Funktionen der Ähnlichkeits- und Gegensätzlichkeitsaspekte, deren übergeordnete Funktionen wiederum in der Beziehungsstabilität und –qualität bestehen.

Es wird schliesslich versucht, die Ähnlichkeits- und Gegensätzlichkeitsbereiche mit den herauskristallisierten Funktionen in ein Modell zu integrieren.

1. Einleitung

In der Paarforschung kommt dem Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern“ eine besondere Bedeutung zu, da ihm die Botschaft „Gegensätze ziehen sich an“ gegenübersteht.

Die Zwillingsphantasie

„Der Traum von der weitgehenden Kongruenz mit einem geliebten Menschen erscheint nicht wenigen Personen als eine Art Paradies und als glücklicher Ausweg aus eigenen, sich wiederholenden Beziehungskrisen. Die Zwillingsseele als exakte Kopie des eigenen Selbst verspricht ein ganzes Bündel an Befriedigungsmöglichkeiten und heilenden Balsam für seelische Wunden. Für all diejenigen, die der Wahrnehmung und der wohlwollenden Resonanz ihrer Person und ihrer einmaligen Eigenart bedürfen, stellt der Zwillingspartner den idealen Spiegel dar. In seinen Augen sehen sie das eigene Sein bestätigt und freudig bejaht. Die Tatsache, dass es eine Zweitausgabe ihrer eigenen Wesensart gibt, begründet deren Existenzberechtigung. (…) Es entfällt die Notwendigkeit, alles das, was man selber fühlt, aber so schwer in Worte fassen kann, einem anderen mitzuteilen und plausibel machen zu müssen. Der Partner weiss es ja schon immer. (…) Weitgehende Harmonie ist garantiert. Nun fällt auch nicht mehr ins Gewicht, dass er oder sie oder beide gehemmt sind, Bitten und Wünsche auszusprechen. Der andere errät und erfüllt sie und tut sich damit selber den grössten Gefallen“ (Stiemerling 2002, S. 65)

und das Andere

„Jeder Mensch ist ein einmaliges Exemplar seiner Gattung. Aber er verkörpert aus der riesigen Palette menschlicher Charaktere und Lebensentwürfe immer nur einen winzigen Ausschnitt. (…) Wir brauchten Tausende von Wiedergeburten, um auch nur annähernd die Potentialität unserer Rasse in immer wieder neuen Entfaltungsformen auszuschöpfen. Wen wundert es da, dass Menschen in ihrer Ergänzungsbedürftigkeit von einem Partner fasziniert sind, der anders ist als sie. (…) Der andere kann aus einer Welt kommen, die mir bisher verschlossen war; oder er kann mir eine neue Welt eröffnen. (…) Wir begreifen: In der nicht-neurotischen Wahl eines Kontrast-Partners ist immer auch die allzu menschliche Sehnsucht enthalten, die Begrenztheit der eigenen Existenz zu transzendieren und von der möglichen Lebensfülle wenigstens einen Zipfel zu erhaschen. Der andere wird in seiner Funktion als „Bereicherung“ gesucht und erlebt und manchmal auch über lange Zeiträume hinweg genossen“ (Stiemerling, 2000, S. 171).

Diese zwei Zitate des Psychotherapeuten Dietmar Stiemerling sollen als Einführung in das Thema dieser Arbeit dienen und die Polarisierung von Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit in Paarbeziehungen aufzeigen. Grundsätzlich stellt sich hier die Frage, ob eher Gegensätzlichkeit oder Ähnlichkeit zu einer „guten“ und zufriedenstellenden Beziehung beiträgt. Vermutet wird, dass eine solch extreme Polarisierung nicht existiert, sondern dass in einigen Beziehungsbereichen eher Ähnlichkeit, in anderen Bereichen eher Gegensätzlichkeit positive Funktionen für eine Partnerschaft erfüllt.

Die Ähnlichkeitsthese besagt, dass sich Menschen eher von Partnern angezogen fühlen, die ihnen in physischen, psychischen und sozialen Merkmalen ähnlich sind (Mikula & Stroebe, 1991). Die Gegensätzlichkeitsthese nimmt dagegen an, dass in Partnerschaften wechselseitige Ergänzung durch komplementäre Eigenschaften von zentraler Bedeutung ist (Winch, 1958).

Die Ähnlichkeitshypothese ist in der sozialpsychologischen Forschung gesamthaft gesehen besser bestätigt als die Gegensätzlichkeitsthese. Eine stärkere Gewichtung der Ähnlichkeitsthese ist somit die Folge dieses Tatbestandes.

Verschiedene Autoren wiesen Funktionen von Ähnlichkeit in Partnerschaften nach. Danach werden die zentralsten Funktionen von Ähnlichkeit in verschiedenen Bereichen der Beziehung in der Stabilität und der Qualität der Partnerschaft gesehen (Murstein und Christie, 1976; Hassebrauck, 1990; 1996; Bierhoff und Grau, 1999; Hassebrauck, 1990; Burleson und Denton, 1997; Neyer, 2003; Karney und Bradbury, 1995; Eyseneck und Wakefield, 1981). Diese Funktionen wurden bezüglich der Ähnlichkeit in Einstellungen, Persönlichkeitsmerkmalen, kognitiver Komplexität und Attraktion nachgewiesen.

Auf dem Hintergrund eines signifikanten Beitrags einer stabilen und harmonischen Partnerschaft zur allgemeinen Lebenszufriedenheit eines Menschen (Campbell et al., 1976; Bloom et al. 1978) scheint die Erforschung von Determinanten der Stabilität und Qualität von Paarbeziehungen von einer nicht zu überschätzenden Relevanz zu sein. Es wird in dieser Arbeit in umgekehrter Richtung nach Funktionen von Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit gefragt, was aber zur selben Thematik beitragen kann und eventuell hilft, die Frage nach Einflüssen der Lebenszufriedenheit zu beantworten.

Vor diesem Hintergrund soll nun in der vorliegenden Arbeit der Frage nachgegangen werden: Welche sozialpsychologischen Theorien vermögen die Funktionalität von Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit bei Paarbeziehungen zu erklären?

Die vorliegende Arbeit ist folgendermassen gegliedert:

In Kapitel zwei werden Theorien zur Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit vorgestellt, und ihre Aussagen bezüglich der Funktionen dieser zwei Aspekte untersucht. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit verschiedenen Paarbeziehungsbereichen, in denen Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit besteht und die Funktionen für die Beziehung erkennen lassen.

Anschliessend wird in Kapitel vier ein hypothetisches Modell aufgestellt, in dem versucht wird, die verschiedenen Funktionen in Beziehung zueinander zu setzen. Zum Abschluss werden in Kapitel fünf Schlussfolgerungen aus den Erkenntnissen dieser Arbeit gezogen.

2. Theorien zu Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit in Paarbeziehungen

Bevor die theoretischen Ansätze zur Sprache kommen, die für die Fragestellung dieser Arbeit von Interesse sind, soll ein Überblick über die wichtigsten Theorien erfolgen, welche die Ähnlichkeits- und Komplementaritätsthese stützen.

Verschiedene theoretische Ansätze integrieren die Ähnlichkeitsthese, weshalb nicht von einer ausschliesslich der Paarforschung vorbehaltenen Theorie gesprochen werden kann. In austauschtheoretischen Hypothesen entspricht die Ähnlichkeit von Partnern der postulierten Fairness und Angemessenheit des Gleichgewichts zwischen Partnern (Lösel & Bender, 2003).

Auf die Gegensätzlichkeitsthese wird vermehrt in tiefenpsychologischen Paartheorien eingegangen. In seinem Kollusionsmodell nimmt Willi (1975) an, dass die Kindheitserfahrungen mit dem andersgeschlechtlichen Elternteil und der Elternbeziehung einen grossen Einfluss darauf hat, wie die Paarbeziehung gewählt und im Verhalten gestaltet wird. Gegensätzlichkeit kommt in befriedigenden Partnerschaften zum Zug, indem sich auf den Stufen der psychosexuellen Entwicklung die individuellen Positionen ergänzen.

In der Theorie der Familienkonstellationen von Toman (1987) wird angenommen, dass Partnerschaften dann am ehesten funktionieren, wenn sich Partner in Hinsicht auf die Rang- und Geschlechtsfolge in ihren Geschwisterpositionen aus der Herkunftsfamilie ergänzen. Vollkommene Gegensätzlichkeit besteht zum Beispiel dann, wenn der eine Partner der jüngere Bruder einer älteren Schwester ist, der andere Partner die ältere Schwester eines jüngeren Bruders (Lösel & Bender, 2003).

Beide Aspekte werden bei Winch (1958) bestätigt. In der Phase der Partnerwahl stünden eher die Ähnlichkeit von Werten und Interessen im Vordergrund, während in den folgenden Phasen der Beziehung immer mehr die Ergänzung der beiden Personen sowie die gegenseitige Befriedigung von Bedürfnissen in den Vordergrund treten würden. Murstein (1976) weist auf drei verschiedene Phasen einer Beziehung hin, in denen Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit unterschiedlich gewichtet werden. In der ersten Phase (Partnerwahl) kommen äusseren Merkmalen wie physische Attraktivität und Status eine besondere Bedeutung zu. Die zweite Phase ist geprägt von der Suche nach gemeinsamen Werten und der Gegensätzlichkeit der Partnerrollen. In der letzten Phase können entweder Aspekte der gegenseitigen Ähnlichkeit oder der Ergänzung in den Vordergrund treten (Grau & Bierhoff 1998).

Die Theorien zur Ähnlichkeit und Gegensätzlichkeit, die im Folgenden zur Sprache kommen, werden nach Beziehungsphasen unterschieden, in denen sie ihre Wirksamkeit entfalten. Einerseits werden Theorien betrachtet, die in der Phase des Kennenlernens und der Partnerwahl besondere Bedeutung erlangen. Dazu gehören der soziobiologische Ansatz, wie auch die Balance-Theorie. In der Phase des Bestehens einer Beziehung kann die Equity-Theorie als grundlegend betrachtet werden. Hier kann ebenfalls die Theorie der komplementären Bedürfnisse verortet werden. Sowohl in der Phase der Partnerwahl als auch während einer Beziehung kommt die Theorie der sozialen Vergleichsprozesse zum Einsatz.

Theorien der Gegensätzlichkeit und der Ähnlichkeit werden im selben Kapitel behandelt, da sie aufgrund dieser beiden Kriterien nicht einfach zu trennen sind. Zudem sind für gegensätzliche Bereiche der Partnerschaft nur vereinzelte und zudem stark kritisierte theoretische Ansätze zu finden, was es nötig erscheinen lässt, dass Theorien zur Ähnlichkeit ebenfalls zur Erklärung dieser Bereiche herangezogen werden sollten.

2.1 Theorien zur Phase des Kennenlernens und der Partnerwahl

In der Phase des Kennenlernens und der Wahl eines Partners wird der soziobiologische Ansatz und die Balance-Theorie interessant, wenn nach der Bedeutung des Kriteriums der Ähnlichkeit bei der Partnerwahl gefragt wird.

2.1.1 Soziobiologischer Ansatz

Die Soziobiologie wendet die Theorie der natürlichen Selektion von Darwin (1871) auf die Erklärung der Gründe und des Beibehaltens des Sozialverhaltens an und setzt sie vor allem in der Phase des Kennenlernens und der Partnerwahl ein. Zur Sprache kommen dabei die Theorie der selektiven Partnerwahl, die Theorie der Fitness und der Ansatz zur Genotyp-Umwelt-Beziehung.

Die Theorie der selektiven Partnerwahl (z.B. Asendorpf & Banse, 2000) hat ihre Wurzeln in der Evolutionstheorie, bezieht aber die Überschneidung von Einflüssen der Vererbung und des sozialen Milieus von Anfang an in ihre Überlegungen mit ein.

Aus der Perspektive der Evolutionstheorie ist die selektive Partnerwahl und damit das Ähnlichkeitskriterium relevant für die Aufrechterhaltung und Förderung der genetischen Variabilität, wie zum Beispiel die Körpergrösse, die oft zwischen Partnern korreliert. Würden solche physischen Merkmale kein Selektionskriterium darstellen, wäre längerfristig gesehen eine Einschränkung der genetischen Variabilität die Folge. Unter genetischer Variabilität versteht man die Möglichkeit der Entfaltung der von den Genen gegebenen Merkmale (Neyer, 2003).

Die oft beobachtete Ähnlichkeit zwischen Partnern wird aus der soziobiologischen Perspektive also damit erklärt, dass diese sichtbare Ähnlichkeit auf die genetische Ähnlichkeit zurückzuführen ist.

Die Theorie der Fitness (Hamilton, 1964) stützt diese Erklärung durch die Aussage, dass das Verhalten von Individuen darauf ausgerichtet ist, das Überleben der eigenen Gene sicherzustellen. In Bezug auf die Ähnlichkeit in Partnerschaften wird vor allem die direkte Fitness interessant, bei der die Anzahl der Gene, die durch eigene Nachkommen weitergegeben wird von Bedeutung ist. Neben der direkten Fitness ist auch die indirekte Fitness zu erwähnen, bei der die eigenen Gene durch Verwandte an die nächste Generation weiter gegeben werden. Die Gesamtfitness, also der genetische Erfolg eines Lebewesens, besteht aus der Addition dieser beiden Fitnessarten. Der Grundsatz dieser Theorie ist somit nicht das Überleben der Art oder des Individuums, sondern des Gens (Klein, 1995). Es bestehen nach Rushton und Nicholson (1988) verhaltenssteuernde Mechanismen, die dafür sorgen, dass genetisch ähnliche Partner durch die Orientierung an phänotypischen Merkmalen wie Anlage- und Erbfaktoren identifiziert werden können. Es wird auch vermutet, dass diese verhaltenssteuernden Mechanismen auf frühkindliche Erfahrungen mit engen Bezugspersonen zurückgehen, die für die Vorliebe eines bestimmten Partnertyps verantwortlich sind (Rushton & Nicholson 1988). Die Trennung von Einflüssen der Vererbung und Umwelteinflüssen ist schwierig, denn diese beiden Determinanten scheinen kaum unabhängig voneinander aufzutreten und können auch durch Sozialisationseinflüsse im Erwachsenenalter beeinflusst werden. Wenn sich beispielsweise Partner in ihrem Bildungsniveau ähnlich sind, ist es schwierig festzustellen, ob das Interesse am Anderen auf die Wahrnehmung genetischer Ähnlichkeit zurückzuführen ist oder auf dasselbe soziale Milieu, das eine erhöhte Wahrscheinlichkeit mit sich bringt, sich kennen zu lernen (Rushton & Nicholson, 1988).

Eine andere Erklärung dieser besprochenen Ursachen ist die Genotyp-Umwelt-Korrelation (Plomin et al., 1977). Genotypen (Gesamtheit aller individuellen Erbanlagen) befinden sich in Umwelten, die zu ihnen passen und deren Charakter sie beeinflussen. Es sind passive, reaktive und aktive Formen von Genotyp-Umwelt-Korrelationen festzuhalten. Der Prototyp einer sowohl aktiven wie auch reaktiven Form kann in der selektiven Partnerwahl gesehen werden. Personen suchen demnach Umwelten auf, in denen sich andere Personen aufhalten, deren genetisch beeinflusste Merkmale und Präferenzen mit den ihren übereinstimmen. Umgekehrt werden erstere gleichzeitig von potenziellen Partnern mit eben diesen Merkmalen angezogen.

Der theoretische Beitrag zur Funktionalität von Ähnlichkeit kann beim soziobiologischen Ansatz darin gesehen werden, dass Ähnlichkeit der Ausbreitung und Erhaltung der eigenen Gene dient und der Aufrechterhaltung und Förderung der genetischen Variabilität.

[...]

Details

Seiten
37
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640371747
ISBN (Buch)
9783640371587
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131312
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Sozialpsychologisches Institut
Note
5-6
Schlagworte
Paarbeziehungen Erklärung Funktionalität Gegensätzlichkeit

Autor

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