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Lehrerberuf = Traumjob?

Arbeitsbedingungen von Lehrern in Deutschland und Argentinien

Seminararbeit 2009 24 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Arbeitsbedingungen von Lehrern in Deutschland
2.1 Lehrertätigkeit und Gehalt
2.2 Arbeitszeit
2.3 Zufriedenheit im Lehrberuf
2.4 Belastung im Lehrberuf

3 Arbeitsbedingungen von Lehrern in Argentinien
3.1 Soziale Bedingungen und Ausstattung
3.2 Lehrerstatus und Gehalt
3.3 Arbeitszeit
3.4 Zufriedenheit und Belastung im Lehrberuf

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

1 Einleitung

„Die Bevölkerung beneidet Lehrer wirklich nicht“ (Köcher 2009, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach). Die Forscher des Instituts für Demoskopie Allensbach befragten Anfang März 1.807 Deutsche ab 16 Jahren, darunter 300 Eltern von Schulkindern. Die Erwartungen der Gesellschaft an Schule und Lehrer sind sehr groß. Nicht nur Wissensvermittlung wird gefordert, sondern auch die Persönlichkeitsbildung der Schüler und der Erwerb der Sozialkompetenz. Aufgrund dieses Erwartungsdrucks fühlen sich viele Lehrer überfordert (vgl. Internetquelle: süddeutsche Zeitung).

Die Lehrtätigkeit ist eine Tätigkeit mit zwei Gesichtern. Einerseits kann es der Beruf sein, der dem Leben einen Sinn gibt, andererseits kann es auch sehr anspruchsvoll und ermüdend sein, ständig in der Kritik der Öffentlichkeit zu stehen.

Das öffentliche Ansehen spielt somit eine große Rolle. Das Image des Lehrers in Deutschland ist seit vielen Jahren sehr schlecht. Die internationalen Studien, voran PISA, beweisen, dass Schüler kaum noch etwas lernen. Die Kritik der Öffentlichkeit und die Arbeitsbedingungen beeinflussen die Zufriedenheit und die Belastung im Lehrerberuf gleichermaßen (vgl. van Dick 1999, S. 25)

Kann der Beruf „Lehrer“ als Traumjob angesehen werden?

Die Berufsentscheidung wird eher durch rationales Denken bestimmt, z.B. materielle Absicherung. Die Selbstverwirklichung in so genannten Traumberufen gerät immer mehr in den Hintergrund (vgl. Golisch 2002, S. 68 & S. 230).

Ob der Lehrerberuf als Traumjob oder als Beruf mit hoher Arbeitszufriedenheit angesehen werden kann, sollte überprüft werden. Hierbei beeinflussen viele Faktoren das Berufsleben: persönliche, soziale, individuelle oder irrationale Merkmale.

Lehrer, die mit ihrer Arbeitssituation zufrieden sind, können Ihren Beruf als Traumjob definieren. Andere sehen das nicht so, sie fühlen sich in ihrem Lehrerberuf überfordert und stark belastet.

Doch sind die Arbeitsbedingungen von Lehrern wirklich so utopisch wie viele meinen? Das möge bezweifelt werden und diese Arbeit nimmt sich diesem Thema an.

Wie sehen die Arbeitsbedingungen von Lehrern in Deutschland aus? Wie viel Zeit verbringen sie in der Schule und welche Aufgaben haben die Lehrer? Sie müssen schließlich nicht „nur Unterrichten“! Welche belastenden Bedingungen sind Lehrer ausgesetzt, bedingt durch den sozialen Kontext der Schüler und Lehrer? Welchen Einfluss haben andere Faktoren: z.B. Gehalt, Berufswahlmotivation, Image des Berufs in der Gesellschaft, Gesundheitszustand, Personen- und Umwelteinflüsse?

Wie sieht die Situation in anderen Ländern aus, speziell in Argentinien? Die Lehrer in anderen Ländern sind anderen Bedingungen ausgesetzt und müssen oftmals mehr arbeiten als die deutschen Lehrer. Sind die Belastungen unterschiedlich und wie sieht die Zufriedenheit innerhalb des Lehrerberufs aus?

Diese Arbeit baut auf einen Vergleich der Arbeitsbedingungen der Lehrer in Deutschland (Kapitel 2) und Argentinien (Kapitel 3) auf. Zusätzlich werden die Arbeitszufriedenheit und die Belastung behandelt. Aus diesem Vergleich wird ein Resumée (Kapitel 4) gezogen, ob der Lehrerberuf eher als Traumjob, Halbtagsjob oder Job mit Höhen und Tiefen angesehen werden kann.

Um eine gute Lesbarkeit zu gewährleisten und ständige Wiederholungen zu vermeiden, wird durchgängig die maskuline Form verwendet. Selbstverständlich ist die weibliche Form impliziert.

2 Arbeitsbedingungen von Lehrern in Deutschland

Die folgende Arbeit geht auf die Arbeitsbedingungen von Lehrern im Sekundarbereich, speziell an beruflichen Schulen, ein. Die Bezeichnung dieser Lehrkräfte ist „Studienrat A13“ und im Angestelltenbereich „Lehrkraft im öffentlichen Dienst mit der Entgeltgruppe E13-E15“ (vgl. Internetquelle: Öffentlicher Dienst Info).

Der Regelfall im Lehrerberuf, in den westdeutschen Ländern, ist das Beamtenverhältnis, dagegen befinden sich die ostdeutschen Lehrkräfte eher im Angestelltenverhältnis. Die Rechtsstellung der beamteten Lehrkräfte ist durch die Beamtengesetze der Länder geregelt. Zusätzlich befinden sich Bestimmungen zu Gehältern und Ruhegehältern auch im Bundesbesoldungsgesetz und im Beamtenversorgungsgesetz.

Die Arbeitsbedingungen für die angestellten Lehrkräfte finden sich im allgemeinen Arbeitsrecht und in den tarifvertraglichen Regelungen. Außerdem finden sich auf der Ebene der Länder Rechtsvorschriften oder -verordnungen von den Kultusministerien (vgl. Internetquelle: Kultusministerkonferenz). Die Informationen über die Arbeitsbedingungen von Lehrern in Deutschland habe ich vorwiegend aus den Studien „Organisation des Bildungssystems in der Bundesrepublik Deutschland“ der Europäischen Kommission (2006/07), der Veröffentlichung „Schlüsselzahlen zum Bildungswesen in Europa 2005“ und der Veröffentlichung „Der Lehrerberuf in Europa: Profil, Tendenzen und Anliegen. Allgemein bildender Sekundarbereich I 2003“ erhalten (vgl. Internetquelle: Europäische Kommission 2005, 2006/07).

2.1 Lehrertätigkeit und Gehalt

Der Lehrerberuf ist sehr vielfältig. Der Lehrer ist nicht Wissensvermittler, sondern auch Sozialarbeiter, Psychologe und Erziehungsfigur geworden. Von der Öffentlichkeit wird er für alles, was innerhalb der Schule passiert, verantwortlich gemacht (vgl. van Dick 1999, S. 20).

In der Bundesrepublik Deutschland unterliegt das Schulsystem den einzelnen Ländern, auch die Lehrerbildung ist Ländersache. Daher können sich die Arbeitsbedingungen in den einzelnen Bundesländern unterscheiden. Alleine der soziale Kontext beeinflusst die Schularbeit in den einzelnen Bundesländern. Neben der Unterrichtstätigkeit, der Unterrichtsvorbereitung und den Korrekturen, die als eigentlicher Gegenstand des Lehrerberufs zu betrachten sind, sind die Lehrer zum Teil vertraglich verpflichtet, verschiedene zusätzliche Leistungen zu erbringen. Folgende Leistungen zählen dazu: Vertretungsunterricht, Fächerübergreifender Unterricht, Lehrplanarbeit und Arbeit im Team im Rahmen der schulinternen Evaluierung und des Schulprogramms (vgl. Internetquelle: Europäische Kommission 2003, S. 59).

Der Grad der Flexibilität ist in Deutschland minimal, in Bezug auf folgende drei Aspekte: Beschreibung der beruflichen Tätigkeit, Verteilung der Arbeitszeit auf Unterrichtsstunden und andere Aufgaben, Möglichkeit der Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung (vgl. Internetquelle: Europäische Kommission 2003, S. 63).

Ein Lehrer hat didaktisch-methodische Aufgaben, z.B. Sachanalyse des Unterrichtsgegenstandes - Lehrzielformulierung, Vor- und Nachbereitung von Unterricht,

Leistungsbeurteilung oder aber auch erzieherische Aufgaben. Die Organisation von Schulfahrten, die Fort- und Weiterbildung sowie die berufliche Sozialisation können als weitere Aufgaben angesehen werden (vgl. Internetquelle: Europäische Kommission 2003, S. 57ff.).

Es zeigt sich, dass die Tätigkeit des Lehrers sehr umfangreich und damit schwer zu erfassen ist. Gemäß den Empfehlungen der KMK beinhalten die Kompetenzbereiche eines Lehrers folgende: Unterrichten, Erziehen, Beurteilen, Innovieren (vgl. Internetquelle: Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der BRD 2004, S. 8ff.). Die Arbeit im Team an der Schulentwicklung entwickelt sich auch zu einem im größer werdenden Aufgabenbereich. Genau zu bestimmen, was Lehrer leisten und welche Aufgaben sie haben, ist schwierig. Dennoch zeigt sich, dass ein Lehrer nicht nur Unterrichten muss, sondern noch viele weitere Tätigkeiten hat (vgl. Internetquelle: Europäische Kommission 2003, S. 57ff.).

Nach Schaarschmidt (2005, S. 15ff.) sollte der Lehrer nicht nur fachliche, methodische und fachdidaktische Anforderungen mitbringen, auch die sozial-kommunikative, emotionale und motivationale Kompetenz sollte beim Lehrer gut entwickelt sein. Er sollte sozial sensibel, ein hohes Maß an Robustheit besitzen, aber auch sich Selbstbehaupten und durchsetzen können (vgl. Schaarschmidt 2005, S. 15ff.).

Entscheidend sind jedoch nicht nur die Aufgaben einer Lehrkraft, sondern auch die Arbeitssituation. Die Klassengröße, die Ausstattungen und die Schulräume müssen bei den Aufgaben mitberücksichtigt werden. Einige, der eben genannten Merkmale, können auch zu höherer Belastung führen. Häufig wird der Lehrer als Einzelkämpfer gesehen und steht einem schlechten Image in der Öffentlichkeit gegenüber.

Die Autonomie innerhalb der Lehrtätigkeit ist in Deutschland mittelmäßig. Die volle Autonomie besitzt der Lehrer bei der Auswahl der Methoden, dennoch hat auch hier die Schule Einfluss auf die Entscheidungen des Lehrers. Bei der Auswahl der Lehrbücher entscheiden die Lehrer individuell oder kollektiv (vgl. Internetquelle: European Commission 2008, S. 17ff.).

Das Gehalt, bzw. bei Beamten Besoldung genannt, besteht aus dem „Grundgehalt, dem Familienzuschlag und Zulagen“ (Internetquelle: Europäische Kommission 2006/07, S.190). Ferner gehören Sonderzulagen und Urlaubsgelder zur Besoldung. Außerdem gibt es eine Reihe zum Teil sehr komplizierter Zuschlags- und Zulagenregelungen, die hier nicht weiter erläutert werden (vgl. Internetquelle: Europäische Kommission 2006/07, S. 190).

Die Besoldungsstufe bestimmt das Grundgehalt und richtet sich nach dem Lebensalter, wobei seit 1997 auch die Leistung berücksichtigt wird. Somit wird die letzte Besoldungsstufe meistens zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr erreicht. Zusätzlich zum Grundgehalt kommt der Familienzuschlag, dieser richtet sich nach der Besoldungsgruppe und natürlich den Familienverhältnissen. Außerdem können Zulagen erhalten werden, z.B. durch herausgehobene Funktionen (vgl. Internetquelle: Europäische Kommission 2006/07, S. 190ff.).

Im Folgenden werde ich kurz ein Beispiel zum Gehalt einer Lehrkraft erläutern.

Eine Lehrkraft an beruflichen Schulen im Alter von 30 Jahren, unverheiratet, ohne Kinder, in Bremen, würde im Monat brutto innerhalb der Besoldungsgruppe A13 (Besoldungsstufe 5) lt. BBesG Nr. 1 € 3.256,27 verdienen. Dies entspricht einem jährlichen Bruttogehalt von

€ 39.075,24.

Bei einer verheirateten Lehrkraft an beruflichen Schulen desselben Alters, mit 2 Kindern käme zusätzlich der Familienzuschlag in Höhe von € 108,34 + 92,66 = € 201,00 dazu. Jährliche Sonderzahlungen können in der Höhe variieren (§67 BBesG). Vermögenswirksame Leistungen erhalten Beamte nach § 68 BBesG (vgl. BBesG).

Das Weihnachts- und Urlaubsgeld wurde schon teilweise gestrichen. Die Überstunden werden teilweise ausgezahlt, jedoch beträgt die Höhe weniger als das reguläre Stundengehalt.

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Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640372416
ISBN (Buch)
9783640372119
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131467
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,7
Schlagworte
Lehrerberuf Traumjob Arbeitsbedingungen Lehrern Deutschland Argentinien

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Titel: Lehrerberuf = Traumjob?