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Weltwirtschaftskrise 1929-1932

Internationale und deutsche Daten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 20 Seiten

VWL - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Zeitlicher Ablauf
2.1 Die goldenen Zwanziger
2.2 Die Große Depression – Ursachen und Folgen

3 Ausgewählte Messgrößen
3.1 Produktionsdaten, Lebenshaltungskosten und Welthandel
3.2 Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der Zahl der Selbstmorde

4. Die Große Depression – Auswirkungen
4.1 Auswirkungen auf politischer Ebene
4.2 Auswirkungen auf ökonomischer Ebene

5 Thesenförmige Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts war die größte wirtschaftliche Krise, die es bis dahin gegeben hatte. Nicht nur, dass sie mit den damals bekannten ökonomischen Methoden nicht erklärt werden konnte, sondern auch die offensichtliche Verflechtung von realer Wirtschaft, Bankwirtschaft und Kapitalmarkt und ihre sehr gravierenden Auswirkungen auf das damalige Leben, lassen diese Krise auch heute noch als Schreckensszenario erscheinen.

In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, inwiefern die vorhandenen Verflechtungen sich gegenseitig negativ beeinflussten, welche Auswirkungen die Krise auf verschiedene Bereiche der realen Wirtschaft sowie die Politik hatte, wie es zu einem Paradigmenwechsel in der Ökonomie kam und wie die Krise bekämpft wurde. Des Weiteren soll geklärt werden, ob sich solch eine, die Weltwirtschaft bedrohende Krise, wiederholen kann.

Dazu werden zunächst die damaligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umstände in ihrem zeitlichen Ablauf dargestellt, um anschließend ausgewählte volkswirtschaftliche Messgrößen vorzustellen und zu kommentieren. Dadurch soll ein tieferer Einblick in die Folgen der Weltwirtschaftskrise ermöglicht werden. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf deutschen und amerikanischen Daten.

In Kapitel 3 werden die Auswirkungen im historischen Kontext kurz erläutern. Dabei erfolgt je ein kurzer Abriss über Auswirkungen auf politischer Ebene, die die Machtergreifung der Nationalsozialisten bedeutete sowie der Auswirkungen auf wissenschaftlicher Ebene, die einen Paradigmenwechsel der Ökonomie und der Neuschaffung der Makroökonomie bedeutete.

Kapitel 4 zeigt einen Ausblick auf die kommenden Jahrzehnte und den Umgang der Marktteilnehmer mit den veränderten Rahmenbedingungen.

Im fünften Kapitel werden die gewonnenen Erkenntnisse nochmals thesenförmig zusammengefasst.

2 Zeitlicher Ablauf

2.1 Die goldenen Zwanziger

Die zwanziger Jahre in Deutschland waren dreigeteilt. Der erste Teil war geprägt von der Hinwendung der Kriegswirtschaft zur Friedensproduktion. Die demobilisierten Soldaten wurden in den Wirtschaftsprozess integriert. Dies geschah durch die Schaffung des Achtstundentags und durch die Aufnahme weiterer Staatsschulden, um durch Staatsnachfrage die Wirtschaft anzukurbeln. Da niedrige Lohn- und Produktionskosten vorherrschten, konnten die gestiegenen Produktionen günstig in das Ausland exportiert werden.[1] In dieser Zeit lag bei den Arbeitnehmern nahezu Vollbeschäftigung vor. Nach dem Statistischen Jahrbuch des Deutschen Reiches von 1926 waren 1921 lediglich 354.000 Menschen arbeitslos und 1922 sogar nur 213.000.

Die Geldentwertung der exportorientierten deutschen Industrie erleichterte auf kurze Sicht den Wiedereinstieg in den Welthandel. Auf längere Sicht waren die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft gravierend.

Unter der Last der Reparationsforderungen der Siegermächte des Ersten Weltkrieges, der Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und Belgien 1923 und dem Versuch der Regierung, die besetzten Gebiete finanziell zu unterstützen, entwickelte sich aus der Inflation eine Hyperinflation – dem zweiten Teil. Im November 1923 druckte die Reichsbank einen Geldschein über eine Billion Reichsmark, insgesamt wurden während dieser Zeit ca. 10 Milliarden Inflationsscheine extra gedruckt und ausgegeben. Diese Geldmittel reichten nicht aus, um den Preisverfall aufzuhalten und so wurden zusätzliche Notgeldscheine von mehr als 5.800 Städten, Gemeinden und Firmen ausgegeben – insgesamt über 700 Trillionen Mark Notgeld und circa 524 Trillionen Mark von der Reichsbank.[2]

Infolge dieser Inflationen sank der Reallohn auf 40 Prozent des Vorkriegsniveaus, was eine Verarmung des Großteils der Bevölkerung nach sich zog.[3]

Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Dollarkurses, des ersten Aktienindex in Deutschland, der sogenannten „Börsenkennziffer“ sowie der Lebenshaltungskosten von 1919 bis 1923.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Entwicklung Dollarkurs, Aktienindex, Lebenshaltungskosten 1919-1923

Quelle: http://www.dhm.de/lemo/objekte/statistik/infstad/index.html

Im dritten Teil der Zwanziger Jahre kam es zu den sogenannten „Roaring Twenties“[4], wie Kindleberger sie nannte. Der Begriff steht für den Aufschwung der weltweiten Konjunktur. So kam es im Deutschen Reich durch die Währungsreform, die das Wirtschaftsleben und die innenpolitischen Spannungen beruhigte[5], durch den Dawes-Plan, „einen neuen Finanzierungsplan, der die Reparationszahlungen ausschließlich von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Deutschen Reichs abhängig machen sollte“[6], und der deutschen Wirtschaft als ‚Starthilfe‘ eine internationale Anleihe in Höhe von 800 Millionen Goldmark bereitstellte[7], sowie dem auch im Rest der Industriestaaten einsetzendem Durchbruch von Schlüsseltechnologien zu einem neuen Aufschwung, der auch als „New Era“[8] bezeichnet wurde.

Diese Schlüsseltechnologien waren unter anderem[9]:

(1) Pkw-Massenproduktion von Ford: Fließbandfertigung, Arbeitsteilung, Normierung und Standardisierung führten zu einer Vervielfachung der Produktivität in der Fertigung. Als Folge erhöhte sich die Produktion und die Preise für Autos fielen in kurzer Zeit auf ein Drittel. Ähnliches galt für die Produktion von LKW. Auch wurde der gesamte Infrastrukturbau auf die Automobile ausgerichtet.
(2) Traktoren, Sähmaschinen, Mähdrescher und andere Maschinen revolutionierten die Produktivität der Landwirtschaft, sodass die Ernährung für die breite Bevölkerung billiger wurde.
(3) Elektrische Haushaltsgeräte setzten sich durch und werden zu einem Massenmarkt.

Gerade in Amerika gab es einen extremen Anstieg der Produktion. „Allein zwischen 1925 und 1929 wuchs die Zahl der Produktionsbetriebe von 183.900 auf 206.700; der Wert ihrer Produktionsleistung stieg von 60,8 Milliarden auf rund 68 Milliarden Dollar. Der Federal Reserve Index der Industrieproduktion, der 1921 nur bei 67 stand (1923 bis 1925 = 100), war im Juli 1928 auf 110 gestiegen und erreichte im Juli 1929 sogar 126 Punkte.“[10]

Diesem weltweiten Boom mit hoher Produktivität, hohem Output und, in dessen Folge, einem weltweiten Überangebot an den verschiedensten Gütern, sollte 1929 die „Great Depression“ – „das größte ökonomische Debakel der modernen Zeit“[11] – folgen.

2.2 Die Große Depression – Ursachen und Folgen

In der Literatur werden mehrere Ursachen für die Entstehung der Weltwirtschaftskrise aufgezeigt. Als wichtigster Grund für das gesamtwirtschaftliche Zusammenbrechen kann die Überinvestition bei den oben genannten Schlüsseltechnologien, vor allem auf den Agrar- und Rohstoffmärkten, genannt werden. Da die Nachfrageseite mit dem sprunghaften Anstieg der Angebotsseite nicht mithalten konnte, begannen Nachfrage und Preise zu sinken.[12] Entgegen „dem [bisherigen] Verständnis der klassischen Ökonomie“[13] blieb die Stabilisierung nach zwei bis drei Jahren aus und es folgte ein extremer Preisverfall, der in „eine beispiellose Deflation“ führte. Dabei sanken die Preise für Rohstoffe, binnen drei Jahren, um über 60 Prozent, die Preise für Fertigwaren um über 25 Prozent.[14] Abbildung 2 zeigt die Entwicklung der Industrieproduktion in den Jahren 1925 bis 1938 in den damals vier größten Industriestaaten der Welt. In den USA fiel die Produktion um ca. 50 Prozent, in Deutschland um etwa 40 Prozent, 30 Prozent in Frankreich und in Großbritannien um „lediglich“ 10 Prozent, da dort der Abschwung bereits Anfang der 1920er begonnen hatte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 – Industrieproduktion in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und in den USA, 1925-1938

Quelle: Temin, Peter (1989): Lessons from the Great Depression; Cambridge: MIT Press

Dieser realwirtschaftliche Verlauf wurde nach Kreiss et al. von den Börsen der Welt unter Übertreibungen nachgezeichnet. „In New York stiegen die Aktien von Mai 1924 bis September 1929 um das 4,3fache, also um 430 [Prozent] in gut fünf Jahren […]! Im September begann der Umbruch an der Aktienbörse. Allein in den drei Wochen zum 13. November 1929 fielen die Aktien um 50 [Prozent]! […] Im Juli 1932 waren die Aktien um insgesamt 89 [Prozent] gefallen.“[15] Abbildung 3 zeigt den Verlauf des Dow-Jones Industrial Index in der Periode von 1924 bis 1933:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 – Entwicklung des Dow-Jones Industrial Index; 1924 - 1933

Quelle: www.khbrodbeck.homepage.t-online.de/crash29.htm

Auch hier kam es, wie bei der realen Wirtschaft zu keiner Stabilisierung, „wie bei früheren Auf- und Abschwüngen […], sondern die Kurse stürzten dramatisch ab wie nie zuvor in der Geschichte“[16].

[...]


[1] www.dhm.de/lemo (a).

[2] www.dhm.de/lemo (a).

[3] Braun, Helmut (2008).

[4] Kindleberger, Charles P. (1973).

[5] www.dhm.de/lemo (b).

[6] www.dhm.de/lemo (c).

[7] www.dhm.de/lemo (d).

[8] Kindleberger, Charles P. (1973).

[9] Das Folgende nach Kreiss, Christian (2003).

[10] Galbraith, John K. (1988).

[11] Sachs,Jeffrey; Larrain, Felipe (2001).

[12] Kreiss, Christian (2003).

[13] Sachs, Jeffrey; Larrain, Felipe (2001).

[14] Kreiss, Christian (2003).

[15] Kreiss, Christian (2003).

[16] Kindleberger, Charles P. (1973).

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640376032
ISBN (Buch)
9783640376261
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131788
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
1,7
Schlagworte
Weltwirtschaftskrise Internationale Daten

Autor

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Titel: Weltwirtschaftskrise 1929-1932