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Digital Divide

Die digitale Spaltung und ihre globalen Auswirkungen

Hausarbeit 2008 19 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Was ist digitale Spaltung?

2 Die digitale Spaltung innerhalb Deutschlands
2.1 Der Faktor Alter
2.2 Der Faktor Bildung
2.3 Der Faktor Geschlecht
2.4 Maßnahmen zur Überwindung der digitalen Spaltung innerhalb Deutschlands

3 Digitale Spaltung zwischen Nord und Süd
3.1 Ursachen der globalen digitalen Spaltung
3.2 Pessimistische Einschätzungen
3.3 Optimistische Einschätzungen
3.4 Maßnahmen zur Überwindung der globalen digitalen Spaltung

Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

“The Digital Divide and its global consequences”

(ABSTRACT)

The revolution in Information and Communication Technology (ICT) has contributed to the creation of the concept of the "information – knowledge society".

As more and more information and transaction are being carried out online, computer and internet skills play an increasingly important role in our society.

Since the mid 1990’s the internet changes “our” lives and became an important resource for accessing news and information, communication, distance learning, commerce, entertainment, job searching, civic participation, and government services.

Unfortunately not everybody has access to take part in, and the benefit of the endless possibilities offered by the World Wide Web.

The term digital divide, also called digital gap, refers to these inequalities. The term subscribes to the growing gap between those who have and those who have not. Where neither general access nor access to content that could benefit them economically and or socially is possible.

Firstly, the following paper defines the phrase digital divide and describes the factors which limit and prevent the majority of world's population from taking part in the advantages of the "information society".

With reference to Germany - as an example of the digital divide within developed countries -the causes, the population groups who are affected by this problem, and solutions to bridge the gap, will be briefly discussed in the second part of this paper.

The main part of the assignment concentrates on an analyses of the different aspects of the global digital divide and focuses on disparities in internet access and use, mainly across developed ("information-rich") and developing ("information-poor") countries and regions in the world.

Furthermore the paper describes how the lack of technology , the lack of skills, and of how limited access to technology, affects both the individuals and the population as a whole in regions where this digital divide is most evident. It also compares the possible perspectives of the cyber-optimists with cyber pessimists, given the development of the global digital divide and the directions it may take in the future.

Finally, a brief overview will be given on the approaches and programs currently being instituted to narrow the global digital gap. With further research into new proposals and possible solutions, this could also contribute to the realisation of a global information society.

Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich mich mit dem Thema der digitalen Spaltung auseinandersetzen. Dabei will ich im Wesentlichen auf die Ursachen, Auswirkungen und die Möglichkeiten zur Überwindung der digitalen Spaltung näher eingehen. Das Phänomen der digitalen Spaltung – in Anlehnung an den englischen Ausdruck „digital gap“ auch digitale Kluft genannt – ist relativ jung, ebenso jung wie die flächendeckende Verbreitung des Internets und dessen Nutzung auch durch Privatpersonen. Diese Entwicklung der massenhaften Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechniken (IKT) breitete sich erst seit Mitte der 90er Jahre rasant aus und hat unter dem prägnanten Namen Internet bzw. „World Wide Web“ unser aller Leben in vielerlei Hinsicht verändert.

Wie jedoch bei allen neuen Techniken sind die Anschaffungs- und Zugangskosten zu diesem fast unendlich vielen Möglichkeiten eröffnenden Netz der Netze so hoch, dass sich längst nicht alle Menschen diese Technik leisten und damit diese auch nutzen können. Die Kluft zwischen jenen, die Zugang zum Netz haben, und jenen, die diesen nicht haben, ist bereits jetzt gewaltig groß und sie wird nach Ansicht der Experten mit einer pessimistischen Einschätzung in den nächsten Jahren, wenn das Internet eine noch bedeutendere Rolle einnimmt, noch tiefer werden und „kann die soziale Spaltung der Zukunft bedeuten.“[1]

Aus vielen Bereichen ist das Internet nicht mehr weg zudenken: sei es zum Lesen unzensierter Nachrichten, zum Beschaffen und Austausch von Informationen, zum Wissenstransfer oder einfach nur zur Kommunikation. Das Internet bietet mit seiner beinahe unbegrenzten Fülle an Informationen so etwas wie eine dezentrale Bibliothek, die das Wissen der Menschheit enthält. Man kann an allem Wissen, das irgendwer, irgendwo auf der Welt ins Netz gestellt hat, teilhaben, ohne erst in eine Bibliothek gehen und einen Nutzerausweis beantragen zu müssen.

Nur leider kommen, wie zuvor erwähnt, längst nicht alle Menschen auch nur vor die Tür dieser Bibliothek. Der größte Teil der Weltbevölkerung weiß wahrscheinlich nicht einmal, dass es sie gibt.

Der amerikanische Soziologe Jeremy Rifkin beschrieb die „digital divide“ in einem Aufsatz über die Veränderungen, die die digitale Revolution für die Marktwirtschaft bedeutet, wie folgt:

„Während ein Fünftel der Weltbevölkerung auf dem Weg ins Cyberspace, Vernetzung und Zugangsbeziehungen ist, leidet der Rest der Menschheit noch immer unter materiellem Mangel. (...) In ihrer Welt spielen Glasfaserkabel, Satellitenverbindungen, Mobiltelefone, Computerbildschirme und Netzwerke im Cyberspace keine Rolle. Auch wenn es sich manche von uns nur schwer vorstellen können: Über die Hälfte der heute lebenden Menschen hat noch nie telefoniert.“[2]

Angesichts der immensen Unterschiede und der weitaus größeren Auswirkungen dieses „Phänomens“ habe ich mich entschieden, die digitale Spaltung auf nationaler Ebene nur zu Beginn der Hausarbeit kurz zu thematisieren und den Schwerpunkt dieser Arbeit auf die globale Ebene zu legen. Diese Arbeit soll einen Überblick über Ursachen und Folgen der digitalen Spaltung geben sowie einen Klärungsversuch unternehmen, welche Zukunftseinschätzungen es gibt und durch welche Maßnahmen man diese Kluft schließen oder zumindest minimieren kann.

1 Was ist digitale Spaltung?

Digitale Spaltung bedeutet in erster Linie die Diskrepanz zwischen „Information-Haves“, also denjenigen, die Zugang zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien haben und denen, die darüber nicht verfügen - den „Information-Have-Nots“. Die digitale Spaltung ist aber nicht nur auf globaler Ebene - zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu beobachten, sondern außerdem auf nationaler Ebene. Auch innerhalb von Gesellschaften mit hohem Anteil an Internetnutzern, kann eine Kluft zwischen denen bestehen, die Computer und Internet nutzen – den so genannten „Onlinern“ -, und denen die es nicht tun – den „Offlinern.“[3]

In Bezug auf die Hypothese der wachsenden „Wissenskluft“ (engl. knowledge gap)[4] verdeutlicht der Begriff „digital Kluft“ bzw. „digitale Spaltung" aber auch, das im Zeitalter der Wissensgesellschaft der Zugang und Austausch zu Informationen eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Genau dieser Unterschied ist es, der die Menschheit in die zwei Lager der „Wissenden und Unwissenden“ spalten kann.

War es vor fünfzehn Jahren noch eher unwichtig, ob man einen Computer besaß oder nicht, so ist heute ein Arbeiten oder Studieren ohne Computer nur noch in seltensten Fällen möglich. Da heute mehr und mehr Kommunikation und Datenaustausch per Internet erfolgen und viele Dinge des alltäglichen Lebens - vom Bücherkauf bis zum Behördengang - auch online angeboten werden (bei manchen Fluggesellschaften oder speziellen Angeboten der Deutschen Bahn AG kann man ausschließlich nur noch online buchen), ist eine Person ohne eigenen internetfähigen Rechner oder zumindest ohne Möglichkeit des Zugangs an Arbeitsstelle, Schule oder Universität von diesen Entwicklungen und Angeboten völlig ausgeschlossen.

Die digitale Revolution, die mit ihren Auswirkungen durchaus mit der industriellen Revolution verglichen werden kann, hat das Verhältnis der Industrienationen zum Wissen massiv verändert: Wir sprechen heute vom Übergang der Dienstleistungs- hin zur Wissensgesellschaft.

So wie vor ca. 150 Jahren die Industrialisierung die Arbeitswelt umkrempelte, die materielle Produktionsarbeit dann wiederum von der Tertiärisierung, den Dienstleistungen als neuen wichtigen Arbeitssektor abgelöst wurde, so stehen wir jetzt am Beginn einer auf Wissens- und Informationsfluss basierenden Arbeitswelt.

2 Die digitale Spaltung innerhalb Deutschlands

Obwohl Deutschland als klassische Industrienation im weltweiten Vergleich eher auf der „Gewinnerseite“ der digitalen Spaltung steht, besteht auch innerhalb Deutschlands die Gefahr einer digitalen Spaltung. Laut verschiedener Studien[5] über die Internetnutzung der Deutschen im Jahr 2007 sind bereits circa 60% der Bevölkerung[6] online. Bis 2010 soll die Anzahl der Nutzer weiter bis zu 10% ansteigen. Verglichen mit dem westeuropäischen Durchschnitt von 56% und den Vorreiterländern, USA mit mindestens 70% und den skandinavischen Ländern mit mindestens 80% Onlinern in der Bevölkerung, liegt damit die Nutzerquote in Deutschland im mittleren Durchschnitt führender Industrienationen. Dennoch ist die Internetnutzung immer noch stark an soziodemographische Faktoren, wie Alter, Bildung und Geschlecht gebunden.[7]

2.1 Der Faktor Alter

Während 88,1%[8] der 14-29 Jährigen und 77,1% der 30-49 Jährigen in Deutschland das Internet nutzen, sind gerade einmal 35,4% der über 50jährigen online. Diese Werte wirken auf den ersten Blick nicht so dramatisch. Wenn man jedoch bedenkt, dass „die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung einen überdurchschnittlichen Anteil älterer Menschen aufweist, zeigt sich bei der Internetnutzung eine Schieflage.“[9] Die über 50jährigen machen mittlerweile mindestens 25% der Bevölkerung aus, dennoch sind sie in der Gemeinde der Internetnutzer noch weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Trotz des in der Studie verzeichneten Anstiegs der ab 50 Jährigen Internetnutzer kommt zu der bereits bestehenden Schieflage hinzu, dass ältere Menschen, die das Internet bis jetzt nicht nutzen, es in den allermeisten Fällen wohl auch in Zukunft nicht nutzen werden, wohingegen der Umgang und der Gebrauch dieser neuen Techniken für heute aufwachsende Kinder im späteren Berufs- und Privatleben völlig selbstverständlich sein wird.

2.2 Der Faktor Bildung

Die Rolle des Faktors Bildung ist schnell beschrieben: Je höher das formale Bildungsniveau, desto höher der Anteil der Internetnutzer.

In der Gruppe der Hauptschulabsolventen nutzen nur 42%[10] Onlineangebote, bei Abiturienten und Studenten sind es 82%. Absolventen der mittleren Reife liegen dabei mit 66,3% in der Mitte. Diese besonders starke Korrelation ist noch problematischer, wenn man bedenkt, „dass es deutlich mehr Menschen mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife in der deutschen Bevölkerung gibt, als Akademiker.“[11]

Bildung ist in Deutschland der wichtigste Faktor, wenn es um digitale Spaltung geht. Und hier wird die digitale Kluft besonders deutlich, denn Menschen, die aufgrund ihrer geringen Bildung ohnehin schon benachteiligt sind, drohen, wenn ihnen elementare Computer-Kenntnisse und der Zugang zu Informationen und Wissen fehlen, in dieser heutigen Wissensgesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes durch das Netz zu fallen.

[...]


[1] Deutscher Bundestag (Hrsg.): Schlussbericht der Enquete-Kommission: Globalisierung der Weltwirtschaft, Opladen, Leske + Budrich (2005), S. 262

[2] Jeremy Rifkin, „Access statt Eigentum“ in: Access – Das Verschwinden des Eigentums. Warum wir weniger besitzen und mehr ausgeben werden. Frankfurt am Main/New York, Campus (2000), S. 22f

[3] TNS Infratest, Initiative D21 (Hrsg.): (N)ONLINER Atlas 2007, Eine Topographie des digitalen Grabens durch Deutschland, Nutzung und Nichtnutzung des Internets, Strukturen und regionale Verteilung, Definition Onliner und Offliner S. 9

[4] Die Wissensklufthypothese wurde erstmals 1970 erwähnt von, siehe: Tichenor, P.J., Donohue, G.A. & Olien, C.N.. Mass Media Flow and Differential Growth in Knowledge. In: The Public Opinion Quarterly, 34(2), (1970) S. 159-170.

[5] Die prozentualen Angaben der aktuell verfügbaren Studien zur Internetnutzung in Deutschland weichen zum Teil stark voneinander ab. Abhängig u. a. von der jeweiligen Erhebungsmethode, variieren die Ergebnisse von 44% bis zu 69%. Einen Überblick über die aktuellen Leitstudien erhält man im Bericht des: Bundesministeriums für Wirtschaft und Technik, TNS Infratest (Hrsg.): „Monitoring Informations- und Kommunikationswirtschaft“, 10. Faktenbericht 2007, S. 194 f.

[6] Alle Daten aus: Bundesministeriums für Wirtschaft und Technik, TNS Infratest (Hrsg.): „Monitoring Informations- und Kommunikationswirtschaft“, 10. Faktenbericht 2007, S. 180

[7] Jo Groebel, Gernot Gehrke (Hrsg.): Internet 2002: Deutschland und die digitale Welt,

Internetnutzung und Medieneinschätzung in Deutschland und Nordrhein-Westfalen im internationalen Vergleich, Opladen, Leske + Budrich (2003), S. 36ff

[8] Alle Daten aus: TNS Infratest, Initiative D21 (Hrsg.): (N)ONLINER Atlas 2007, Eine Topographie des digitalen Grabens durch Deutschland, Nutzung und Nichtnutzung des Internets, Strukturen und regionale Verteilung, S. 12

[9] Jo Groebel, Gernot Gehrke (Hrsg.): Internet 2002: Deutschland und die digitale Welt, Internetnutzung und Medieneinschätzung in Deutschland und Nordrhein-Westfalen im internationalen Vergleich, Opladen, Leske + Budrich (2003), S. 36

[10] Alle Daten aus: TNS Infratest, Initiative D21 (Hrsg.): (N)ONLINER Atlas 2007, S. 14

[11] Jo Groebel, Gernot Gehrke (Hrsg.): Internet 2002: Deutschland und die digitale Welt, S. 38

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640378050
ISBN (Buch)
9783640378616
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131815
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) – Kulturwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Digital Divide Spaltung Auswirkungen

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