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Die Pressekonzentration in den neuen Bundesländern nach der Wende 1989 - Welche Veränderungen des Tageszeitungsmarktes ergaben sich und wodurch entstanden sie?

Hausarbeit 2007 12 Seiten

Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Tageszeitungsmarkt in der ehemaligen DDR vor der Wende

3. Die Veränderung des Tageszeitungsmarktes wenige Monate nach der Wende

4. Welche Gründe trugen zu einer Pressekonzentration bei? Eine Untersuchung verschiedener Gruppierungen
4.1 Die Leserschaft
4.2 Die Treuhandanstalt
4.3 Die großen westdeutschen Presseunternehmen

5. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit soll das Thema der Pressekonzentration in den neuen Bun-desländern nach der Wende 1989 unter der Fragestellung, welche Veränderungen im Tageszeitungsmarkt eingetreten sind und wodurch sie entstanden sind, beleuchtet werden. Dabei werden nur die Veränderungen in den ersten Jahren nach der Wende berücksichtigt, da diese maßgeblich für die Weichenstellung für die darauf folgende Zeit gewesen sind. Auch wenn in Kapitel zwei alle damals bestehenden Zeitungen genannt werden, wird im danach folgenden nur auf die großen Zeitungen der SED eingegangen, da der vorgegebene Umfang dieser Arbeit andernfalls überschritten würde. Der Begriff Pressekonzentration ist zu definieren als:„ [...] eine Zusammen-ballung ökonomischer und publizistischer Faktoren, die bei der Herstellung, Verbrei-tung und Wirkung der Zeitungen eine gewisse Bedeutung erlangen.“ (Definition aus Claus Diekel: Pressesubventionen und Pressekonzentration. Bis, Bibliotheks- und In-formationssystem der Universität Oldenburg 1999, S. 35). Der Begriff liegt zwischen der Wirtschaftswissenschaft und der Publizistikwissenschaft. Beide Bereiche werden in den folgenden Abschnitten eine Rolle spielen. Gesetze und Regelungen, die kurz nach der Wende getroffen wurden und die Umsetzung durch die Presseunternehmen und die für sie verantwortlichen Organe, wie z. B. die Treuhandanstalt, sollen aufge-zeigt und untersucht werden. Zunächst wird die Pressesituation in der ehemaligen DDR vor der Wende beschrieben. Dies ist notwendig, um Veränderungen, die nach der Wende eintraten, erkennbar zu machen. Als zweiten Punkt wird ohne Untersu-chung und Hintergründe ein kurzer Einblick gegeben, welche wichtigen Verände-rungen nach der Wende eintraten. Der dritte und bedeutsamste Punkt mit drei Unter-kapiteln wird anschließend drei Gruppierungen untersuchen, die womöglich ent-scheidend zur Konzentration der Presse beigetragen haben, die Leserschaft, die Treuhandanstalt und die großen westdeutschen Presseunternehmen. Zahlen und Da-ten über eine belegbare Pressekonzentration lagen in dem Zeitraum 1989 und den folgenden Jahren noch nicht vor, so dass nur in Umrissen bewiesen werden kann, wie die Konzentration begünstigt wurde:„Verlässliche Angaben über Auflagenzahlen, Verlage und sogar über die Zahl der Zeitungen fehlen.“ (Horst Röper: Die Entwick-lung des Tageszeitungsmarktes in Deutschland nach der Wende in der ehemaligen DDR. In: Media Perspektiven 7/1991, S.424).

2. Der Tageszeitungsmarkt in der ehemaligen DDR vor der Wende

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in ganz Deutschland die Lizenzpresse einge-führt, im Westen zum einen durch die Alliierten, in Ostdeutschland zum anderen von der UdSSR. Bereits 1949 wurde diese in Westdeutschland wieder aufgehoben, doch in Ostdeutschland bis zum Mauerfall im Herbst 1989 beibehalten. Durch die damali-ge Verfassung und Gesetzgebung durch die SED wurde ein einheitliches Pressesys-tem geschaffen. Im vierzigjährigen Bestehen der DDR sind in der Pressesituation keine großen Veränderungen zu verzeichnen. Es gab 39 Tageszeitungen, die in der Regel fünfmal wöchentlich erschienen. Diese ergaben eine Gesamtauflage von 9,7 Millionen Exemplaren. Die 39 Tageszeitungen wurden von 38 Verlagen herausgeb-racht, die ausnahmslos im Besitz von Parteien und Massenorganisationen waren. 17 dieser Zeitungen gehörten allein der SED, davon zählten 15 als Bezirkszeitungen, ei-ne als zentrale Zeitung und eine als Straßenverkaufszeitung. Von der Gesamtauflage machten die Zeitungen der SED bereits sieben Millionen Exemplare aus. Des Weite-ren gab es sechs Zeitungen der CDU, fünf von der LPDP, sechs von der NDPD und eine zentrale Zeitung der DBP. Im Vergleich zu der hohen Auflagenzahl der SED hatten diese Parteizeitungen mit insgesamt 873.000 Exemplaren nur einen sehr ge-ringen Anteil am Zeitungsmarkt. Zusätzlich brachten drei Massenorganisationen, nämlich die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) und der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) jeweils eine Zeitung heraus. Die äußert hohe Auflagenzahl von 9,7 Millionen Exemplaren diente nicht nur zur Versorgung der Zeitungsleser, sondern war auch:„[...] Instrument des politischen Systems.“ (Jörg Röver: Strukturen des Pressemarktes in den neuen Bundesländern. In: Kopetz, Dieter (Hrsg.): Aspekte der deutschen und europäischen Medienneuord-nung. Bochum 1992, S. 41). Durch, im Vergleich mit Westdeutschland, niedrige Verkaufs- und Abonnementspreise sowie auch durch hohe staatliche Subventionen war jeder Bürger in der ehemaligen DDR in der Lage, sich mindestens eine Tages-zeitung zu abonnieren. Die Nutzung der zur Verfügung gestellten Printmedien war demnach hoch. Zudem wurden auch 30 allgemeine Wochenzeitschriften und illust-rierte Zeitungen, 80 Zeitschriften und 34 Wochenzeitungen und Zeitschriften der Kirchen und religiösen Gemeinschaften angeboten. In Westdeutschland war es von jeher üblich pressestatistische Kategorien in Zeitungen zu gebrauchen, welches in der ehemaligen DDR nicht so gehalten wurde, doch es gab zumindest thematische Schwerpunkte (vgl. Kapitel zwei mit Röver: Strukturen des Pressemarktes in den neuen Bundesländern. S. 41-43).

3. Die Veränderung des Tageszeitungsmarktes wenige Monate nach der Wende

Nach dem Umbruch der Gesamtsituation in Ostdeutschland im Herbst 1989 stand zunächst nun auch die Presselandschaft in unsicheren Bahnen. So mussten rasch Be-schlüsse gefasst werden, nach denen gehandelt werden konnte. Am 5. Februar 1990 gab es den „Beschluss über die Gewährleistung der Meinungs-, Informations- und Medienfreiheit“ von der DDR-Volkskammer (vgl. Beate Schneider/Dieter Stürzebe-cher: Wenn das Blatt sich wendet. Die Tagespresse in den neuen Bundesländern. Ba­den-Baden 1998, S. 32). Mit diesem „Freibrief“ wurde erstmals ein Bekenntnis zur Pressefreiheit abgegeben. Die vorherige Gesetzgebung, die Zensur und Kontrolle sollten nun abgeschafft werden, das alte System der DDR musste durch neue Rege-lungen und Vereinbarungen ersetzt werden. Dies geschah unter anderem mit der Verordnung des Ministerrats über die Registrierung von Presseerzeugnissen am 15. Februar 1990. Der Lizenzzwang sollte in diese neue Verordnung übergehen (vgl. Schneider/Stürzenbecher: Wenn das Blatt sich wendet, S. 34). Weiterhin wurde eine Vereinbarung über den Vertrieb westdeutscher Presseerzeugnisse in der DDR am 23. Januar 1990 getroffen. In dieser Vereinbarung fand sogleich zwischen den westdeut-schen Großverlagen Springer, Bauer, Burda und Gruner + Jahr mit dem Ministerium für Post und Kultur eine Vereinbarung statt, bei der sich die genannten westdeut-schen Verlage den ostdeutschen Markt faktisch unter sich aufteilten (vgl. Schnei-der/Stürzenbecher: Wenn das Blatt sich wendet, S. 35). Trotz diesen getroffenen Re-gelungen kurz nach der Wende konnte grundsätzlich nicht von einer geklärten Situa­tion der Presselandschaft gesprochen werden. Fast alle SED-Zeitungen erklärten sich schon am Anfang des Jahres 1990 für unabhängig und wurden auch von der SED-PDS in Volkseigentum überführt. Im gleichen Zeitraum wurde der Existenzkampf der anderen DDR-Zeitungen sichtbar. Durch die Streichung von allen bisher geleiste-ten Subventionen von SED-PDS zum 1. April 1990 ergab sich eine völlig neue Situa­tion. Durch den großen Verlust mussten plötzlich die Verkaufspreise erhöht werden, was natürlicherweise bei den Lesern keinen Anklang fand. Die SED-Zeitungen hat-ten nun durch ihre Unabhängigkeit einen großen Vorteil gegenüber den anderen Zei- tungen. Schnell fanden sie Interessenten, nämlich große Presseunternehmen aus Westdeutschland, die ihnen Kooperationen und Kaufangebote unterbreiteten. Mitte Mai des Jahres 1990 waren 26 DDR-Zeitungen mit westdeutschen Presseunterneh-men eine Kooperation eingegangen. Mehrere eigene Zeitungsunternehmen nahmen an, dass die Zeitungsleser in Ostdeutschland neue Titel begrüßen würden, nachdem sie 40 Jahre keine besonders große Pressevielfalt vorfanden. Daher begannen einige Zeitungsunternehmen aus dem Bundesgebiet kurz nach der Wende in den neuen Bundesländern neue Zeitungen und Verlage zu gründen. Zudem brachten west-deutsche Verlage, die ihrem Sitz nahe der DDR hatten, zusätzliche Lokalausgaben für Städte und Kreise in der DDR heraus (vgl. Kapitel drei mit Schnei-der/Stürzenbecher: Wenn das Blatt sich wendet, S. 36-39).

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640378197
ISBN (Buch)
9783640378647
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131925
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,3
Schlagworte
Pressekonzentration Bundesländern Wende Welche Veränderungen Tageszeitungsmarktes

Autor

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