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Christliche Religion und Antike Mythologie in Friedrich Schillers 'Der Taucher'

Warum springt der Taucher?

Seminararbeit 2009 10 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung in die Gattung der Ballade

3. Antike und Christentum

4. Kontrast und Intertextualität

5. Schlussbetrachtung

6. Bibliographie

1. Einleitung

Friedrich Schillers Ballade Der Taucher erschien erstmals im Musenalmanach für das Jahr 17981. Schon von Schillers Freunden und Zeitgenossen wurde sein Werk gelobt. Goethe schreibt am 26. Juni 1799 an Schiller: „Ich habe [...] Ihren Taucher wieder gelesen, der mir wieder außerordentlich wohl und, wie mich sogar dünkt, besser als jemals gefallen hat.“2. Ähnlich auch Körner am 9. Juni 1797: „Ich habe wieder großen Genuss an Deinen Balladen gehabt. Besonders ist der Taucher köstlich.“3. Auch heute ist die Ballade Der Taucher durchaus aktuell; das Erforschen des Unbekannten ist ein wichtiges Anliegen der Wissenschaft und erfreut sich vor allem im Bereich der Naturwissenschaft an grossem Interesse eines breiten Publikums.

Zunächst verfolgt die Arbeit eine begründete Einordnung in die Gattung der Balladen. Daraufhin soll die Verwendung von antiker Mythologie und christlichen Motiven zuerst näher betrachtet werden. Schillers Ballade spielt scheinbar in der Zeit des Mittelalters, in der die Antike zwar teilweise präsent war, aber dennoch keine Hauptrolle spielte; viel eher übernahm die christliche Religion letzteres. Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Verwendung dieser verschiedenen Denk- und Glaubensweisen zu erläutern und in einen Zusammenhang zu bringen. Nach einer genauen Betrachtung dessen wird auf weitere gegensätzliche und zusammenhängende Themenbereiche eingegangen werden, bevor die Schlussbetrachtung ein Fazit zieht.

2. Einordnung in die Gattung der Ballade

Die zuvor vorausgesetzte Annahme, der vorliegende Text sei eine Ballade, soll nun im Folgenden näher erklärt und spezifiziert werden. Durch die in Klammern gesetzte Zahl wird auf den jeweiligen Vers in Schillers Werk verwiesen.

Der Text weist sowohl epische, wie auch dramatische und lyrische Elemente auf. Erstere werden vertreten durch den Erzähler und seinen deutlichen Erzählerkommentar in der zehnten Strophe, in welcher er sich klar von der Handlung des Knappen und damit auch von der des Königs distanziert.

Der Aufbau des Textes erinnert an ein klassisches Drama: Die drei aristotelischen Einheiten werden erfüllt, da es weder Zeitsprünge, Ortswechsel noch Nebenhandlungen gibt; zudem lässt sich ein Wendepunkt in Strophe 26 feststellen, die neben Strophe 13 als Höhepunkt hervortritt. Die Reden des Tauchers, des Königs und seiner Tochter bringen zusätzlich dramatische Elemente in die Ballade.

Als lyrisches Element kann man bereits die gereimten Verse und die Strophenform betrachten. Hinzu kommen viele Stilelemente wie beispielsweise Enjambements, Anaphern und Onomatopoetika, die im Weiteren noch zur Sprache kommen werden.

Bereits für Zeitgenossen wie Goethe waren diese Elemente Gattungsmerkmale der Ballade. Etwas unsicher hingegen ist die Einteilung in eine einzige Balladengattung. Durch die Omnipräsenz der Natur und ihrer Beschreibung scheint eine Einteilung in die Gattung der Naturballade nahezuliegen: Geschildert wird die Macht der Natur, die – trotz wiederholten Versuchen des Menschen – nicht zu überwinden ist. Allein schon der quantitative Anteil der Naturbeschreibungen lässt neben der „naturdämonischen Metaphorik“4 vermeintlich keinen Zweifel daran, eine Naturballade vor sich zu haben. Allerdings wäre auch die Einteilung in eine anthropologische Ballade denkbar; denn genau diese Macht der Natur sucht der König zu übertreffen. Der Taucher berichtet, wie „fürchterlich“ es unten sei und „der Mensch versuche die Götter nicht, / und begehre nimmer und nimmer zu schauen, / was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen“ (94- 96). Dies scheint den König aber eher zu ermutigen, den Becher nochmals in das Meer zu werfen (145), womit eine weitere „hybrische Herausforderung“5 auftaucht und das „Spiel des Menschen mit dem Menschen“6 nochmals hervorgehoben wird. Kaisers Ausführung zu einer sexualsymbolischen „Konnotation der Wassertiefe“7 führt allerdings etwas zu weit. Ohne Zweifel lässt sich die Liebe als ein Motiv benennen, wenn dem Taucher in der 25. Strophe auch noch die Tochter des Königs als Preis für einen zweiten geglückten Tauchgang angeboten wird. Doch ist dies nicht das einzige Motiv des Tauchers, womit nicht ausschliesslich „aus der Liebe [...] der Tod“8 folgt. Auch unter quantitativen Gesichtspunkten ist die Liebe zwischen Mann und Frau nicht zentral.

[...]


1 Hier zitiert nach: Petersen, Julius und Beißner, Friedrich (Hgg.): Bd. 1: Gedichte in der Reihenfolge ihres Erscheinens. 1776–1799. Weimar, Böhlau 1943, S. 327-376.

2 Lautenbach, Ernst (Hg.): Lexikon Schiller-Zitate. Aus Werk und Leben., München 2003, S. 222.

3 ebd.

4 Kaiser, Gerhard: Sprung ins Bewußtsein. In: Oellers, Norbert (Hg.): Interpretation, Gedichte von Friedrich Schiller. Stuttgart 1996, S 210.

5 Kaiser, Gerhard. S. 213.

6 Kaiser, Gerhard. S. 211.

7 Kaiser, Gerhard. S. 209.

8 Kaiser, Gerhard. S. 210.

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640378357
ISBN (Buch)
9783640378777
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131986
Institution / Hochschule
Universität Bern
Note
1,1
Schlagworte
Christliche Religion Antike Mythologie Friedrich Schillers Taucher Warum

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Titel: Christliche Religion und Antike Mythologie in Friedrich Schillers 'Der Taucher'