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Einfluss des Dionysos-Kultes auf den römischen Triumph

von Oliver Christl (Autor)

Hausarbeit 2004 12 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Ursprünge des Dionysos-Kultes in Italien und mögliche Auswirkungen auf den römischen Triumph
2.1 Der Dionysos-Kult bei den Latinern
2.2 Der Dionysos-Kult bei den Etruskern

3 Der Einfluss des Dionysos-Kult auf den römischen Triumph seit hellenistischer Zeit
3.1 Der triumphierende Dionysos in der res publica und im Kaisertum
3.2 Gegenüberstellung: Dionysos – Iuppiter

4 Fazit

5 Quellen und Literatur
5.1 Quellenverzeichnis
5.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Allgemeinen assoziiert man mit der Gottheit Dionysos und dem dazugehörigen Kult Begriffe wie Wein, Gesang oder Tanz. Man denkt an orgiastische Feste und ausladende Gelage, an ungehemmtes Wohlleben und ekstatische Sinnesfreude. Zusätzlich wurden dem Gott des Weines in der Antike und der Moderne auch noch andere Attribute zugeschrieben, die sich in Verehrung und Kult widerspiegelten. Die Thematik des Indienzuges des Dionysos und seiner Siegreichen Rückkehr, wie sie sich in der griechischen Mythenwelt entwickelte, hat auch im antiken Rom, spätestens seit den enger werdenden Kontakten zum hellenistischen Ptolemäerreich, dessen Dynastie-Kult in Verbindung zur Gottheit Dionysos stand, Einzug gehalten. Ob die Verehrung des Gottes Dionysos bzw. die Thematik des triumphierenden Dionysos auch Einfluss auf den römischen Triumph genommen hat, wie von H. S. Versnel[1] bzw. E. Künzl[2] angenommen, gilt es im Folgenden zu klären. Unter Verwendung einschlägiger Literatur, hier sind vor allem „Liber Pater“ von A. Bruhl, „The dionysac mysteries of the Hellenistic and Roman age“ von M. P. Nilsson und „The divinity of the Roman emperor“ von L. R. Taylor zu nennen, wird zunächst Entstehung und Charakter des Dionysos-Kultes im Italien des 6. und 5. Jh. v. Chr. beschrieben und auf möglichen Einfluss auf den römischen Triumph eingegangen. Der zweite Teil der Untersuchung widmet sich dann den direkten Auswirkungen der Idee des triumphierenden Dionysos auf den römischen Triumph seit dem Hellenismus. Hier kann man sich vermehrt auf antike Quellen stützen, wie etwa die auszugsweise Beschreibung der dionysischen pompa in Alexandria durch Kallixeinos von Rhodos, der sich auch E. E. Rice in „The grand procession of Ptolemaios Philadelphos“ widmet. Die verwendeten Aufsätze und Monographien, die sich mit dem Thema befassen, stellen trotz gewisser „Alterserscheinungen“ den jüngsten Stand der Forschung dar. Unter der wenigen Literatur, die bisher zum Thema Triumph erschienen ist, wurde vor allem von den beiden Monographien „Triumphus“ von H. S. Versnel und „Der römische Triumph“ von E. Künzl Gebrauch gemacht. Um den Überblick über die Beziehungen, sowohl staatsrechtlicher als auch menschlicher Art, zwischen Rom und dem ptolemäischen Ägypten zu wahren, dienten die Werke „Ägypten in hellenistischer Zeit“ von W. Huß und „Geschichte des Ptolemäerreiches“ von G. Hölbl. Mit Hilfe der neu herausgegebene „Römische Geschichte“ von A. Heuß konnten geschichtliche Zusammenhänge dargestellt werden.

2 Die Ursprünge des Dionysos-Kultes in Italien und mögliche Auswirkungen auf den römischen Triumph

Im 8. Jh. v. Chr. fand in Italien in Form der Einwanderung von Griechen und Etruskern gleich eine doppelte Invasion statt, die das ethnische und kulturelle Bild der Apenninhalbinsel nachhaltig prägte. Der zivilisatorische Einfluss, der auf die ansässigen italischen Stämme einwirkte, wurde durch rege Handelsbeziehungen aber auch durch eine rigide Expansionspolitik – vor allem Seitens der Etrusker – immer drängender, so dass die Aufnahme der neuen Kulte und Sitten in vielen Teilen Italiens unausweichlich wurde.[3]

2.1 Der Dionysos-Kult bei den Latinern

Im griechisch-etruskischen Einflussbereich stand auch der Stamm der Latiner, der in der näheren Umgebung der späteren Stadt Rom siedelte. Im Hinblick auf den griechischen Dionysos-Kult lässt sich hier eine interessante Beobachtung feststellen: so schien der latinische Gott „Liber“, der wohl als Spender sowohl der animalischen als auch der vegetativen Fruchtbarkeit verehrt wurde[4], unter griechischem Einfluss allmählich Züge des Dionysos anzunehmen.[5] Die bäuerliche Bevölkerung Latiums betrieb den Kult um die Gottheit, ähnlich den Griechen, in orgiastischen Festen und Feiern.[6] Die griechische Gottheit Dionysos wurde um die Mitte des 5. vorchristlichen Jhs. schließlich unter dem latinischen Namen „Liber“ auch in Rom eingeführt.[7]

Bedeutend für den römischen Triumph könnte einzig die Phallussymbolik sein, die man bei der Verehrung des latinischen „Liber“ annehmen darf.[8] So wäre es möglich, dass die beiden in Frage stehenden Symbole, einmal der Phallus, der am Triumphwagen angebracht war, und zum anderen das Phalluszeichen, das sich eventuell in der bulla, dem Amulett des Triumphators, befand[9] ihre Wurzeln in einem Phalluskult haben, der noch Elemente des alten Kultes um die latinische Gottheit „Liber“ trägt und mit dessen Annäherung an Dionysos zugleich auch dionysische Elemente beinhaltet. Gegen diese These spricht, dass die rituelle Phallusverehrung bei den Latinern zwar der Dionysischen gleicht, es aber unklar bleibt, ob sie sich nicht ohne griechischen Einfluss entwickelt hat.[10] Außerdem geht man im Allgemeinen davon aus, dass der römische Phalluskult seinen Ursprung nicht im latinischen „Liber“-Kult hat, sondern sich eher aus anderen Bräuchen herleitet, die wohl bis in die Anfänge Roms zurückreichen.[11] Aber auch die Übernahme des Phalluskults aus der etruskischen Kultur wird als eine Möglichkeit angesehen.[12] Nach H. S. Versnel gehen die Phallussymbole beim Triumph mit ihrem apotropäischen Charakter wohl nicht auf den Dionysos-Kult zurück.[13]

[...]


[1] Versnel, H. S.: Triumphus. An inquiry into the origin, development and meaning of the Roman triumph, Leiden 1979, S. 289-299.

[2] Künzl, E.: Der römische Triumph. Siegesfeiern im antiken Rom, München 1988, S. 104.

[3] Heuß, A. / Jochen Bleicken u.a. (Hg.): Römische Geschichte, Braunschweig 92003, S. 4-7.

[4] Schur: s.v. Liber pater, in: RE XIII 1 (1926), S. 69.

[5] Bruhl, A.: Liber Pater. Origine et expansion du culte dionysiaque à Rome et dans le monde Romain, Paris 1953, S. 24.

[6] Ebd., S. 28.

[7] Ebd., S. 30.

[8] Schur: s.v. Liber pater, S. 69. ; H. Herter : s.v. Phallos, in: RE XIX 2 (1938), S. 1722.

[9] H. Herter : s.v. Phallos, S. 1733.

[10] Bruhl: Liber Pater, S. 26.

[11] H. Herter: s.v. Phallos, S. 1719ff.

[12] Ebd., S. 1721f.

[13] Versnel: Triumphus, S. 291.

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640418558
ISBN (Buch)
9783640418831
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131988
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,3
Schlagworte
Einfluss Dionysos-Kultes Triumph

Autor

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    Oliver Christl (Autor)

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