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Die Instruktion Friedrich Wilhelms I. für seinen Nachfolger

Hausarbeit 2008 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das politische Testament

2. Die Instruktion Friedrich Wilhelms I. für seinen Nachfolger
2.1. Die Religiosität Friedrich Wilhelms I. und die Aufgaben, Warnungen und Anfangsinstruktionen für den Sukzessor
2.2. Die Armee
2.3. Finanzpolitik, Domänen und Manufakturen
2.4. Der Adel
2.5. Die Justiz
2.6. Die Juden
2.7. Die Außenpolitik

3. Schlussbemerkung

4. Literatur
4.1. Primärliteratur
4.2. Sekundärliteratur
4.3. Online-Recherche

1. Das politische Testament

Das politische Testament ist ein seit dem 16. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert reichendes, übliches Vermächtnis eines Fürsten oder Staatsmanns an seinen Nachfolger. Weiterhin heißt es in der Brockhaus Enzyklopädie, dass die politischen Testamente die geheimen politischen Richtlinien sind, die ein Fürst oder Staatsmann seinem Nachfolger gibt.[1] Eines der ersten Testamente ist das des Kursachsen Dr. Melchior von Osse. In den privaten Testamenten deutscher Territorialfürsten findet man jedoch schon im 15. Jahrhundert Anordnungen beispielsweise über Erbfolge, Ratschläge in politischen Angelegenheiten und Beamtencharakteristiken. Verwendet wurde der Begriff „politisches Testament“ erstmals 1752 von Friedrich dem Großen, dem Sohn Friedrich Wilhelms I., welcher sich an Richelieu ein Beispiel nahm.

Durch die Testamente erhält man einen Einblick in vergangene Zeiten und in die Persönlichkeit des jeweiligen Verfassers, da die geheimen Testamente nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern für den nachfolgenden Regenten waren. Somit lässt sich daraus schließen, dass die Regenten ihre aufrichtigen Gedanken niederschrieben, damit der Staat, ihren Interessen entsprechend, weiter regiert wurde.

Am 22. Januar 1722 hat Friedrich Wilhelm I. sein politisches Testament in Potsdam aufgesetzt[2], in dem Glauben nicht mehr lange zu leben, da seine „gesundtheit von zeit zu zeit schlegter wierdt“[3]. Doch unterzeichnet hat er das Testament am 17. Februar 1722[4], daraus ergibt sich, dass er bis dato daran gearbeitet hat.

Bei Friedrich Wilhelm I. kommen die Beweggründe seines Handelns, seine politischen Zielsetzungen, seine innersten Überzeugungen, Vorstellungen und Handlungsmotive wohl am eindrucksvollsten und aufrichtigsten zum Ausdruck.[5] Im Verlauf meiner Arbeit möchte ich die Prioritäten und Ansichten Friedrich Wilhelms I. anhand seines Testaments aufzeigen.

2. Die Instruktion Friedrich Wilhelms I. für seinen Nachfolger

2.1. Die Religiosität Friedrich Wilhelms I.

„Insonderheit muß der Kurprinz von der Majestät und Allmacht Gottes wohl und dergestalt informiert werden, daß ihm allezeit vor Gott und dessen Geboten eine heilige Furcht innewohnt.

Dies ist das einzige Mittel, die von menschlichen Strafen und Gesetzen nicht betroffenen Herren in den Schranken der Gebühr zu erhalten.

Denn obgleich sie über alle Menschen stehen, sind sie doch vor Gottes Majestät nichts als Staub und Asche.“[6]

So beginnt die am 1. Februar 1695 verfasste Instruktion des leitenden Ministers Eberhard Freiherr von Dackelmann an den Generalleutnant und Geheimen Rat Alexander Graf Dohna, den Oberhofmeister des Prinzen.

Betrachtet man die Instruktion Dackelmanns genau, so erkennt man, dass diese Einstellung sich auch in der Instruktion Friedrich Wilhelms I. an seinen Nachfolger wiederspiegelt. Ein weiterer Beleg dafür ist dieser Auszug: „ ..., so müßet Ihr vor Gott aufrichtig wandellen.“.

Friedrich Wilhelm I. beginnt mit der Erwähnung Gottes und immer wieder findet Gott im Verlauf seiner Ausführungen Berücksichtigung. Schnell wird klar, dass dieser Regent ein sehr religiöser, dem christlichen Glauben zugewandter Mann ist. Die Anrufungen Gottes wirken stets gebetsartig[7]. Dieser Feststellung pflichte ich voll und ganz bei, da sie auch durch die andauernd mit „Amen“ endenden Absätze bestätigt wird.

Früh begegnete dem im kalvinistischen Sinne erzogenen Friedrich Wilhelm I. der lutherische Pietismus, welcher die Grundlage seiner Wertvorstellungen bildete. Der Pietismus forderte eine sittliche Erneuerung des Einzelnen und des Gemeinwesens und das war genau das, was Friedrich Wilhelm I. in seiner Regierungszeit in Preußen durchführte[8]. Dies äußert sich beispielsweise schon 1709, als Friedrich Wilhelm I. seinen Soldaten das Würfel- und Kartenspiel untersagte.[9] Der König ist nur aus dem Handlungsimpuls persönlicher Frömmigkeit zu verstehen, die er ins Staatliche übertrug. Neugebauer schreibt, dass aus alledem ein Reformprogramm der preußischen Praxis, ein Programm innenpolitischer Askese erwuchs, welches die Konzentration auf den Ausbau der Staatskräfte unter der Reduktion des Hofes, jedoch nicht dessen Abschaffung, beinhaltete.[10]

Im weiteren Verlauf heißt es, dass er die Sünden, die er begangen hat, bedauert und er Gott bittet ihm seine Sünden zu vergeben. Wenn er Gott um Jesu Christi Willen um Vergebung bittet und ihm immer wieder für seine Wohltaten und seinen Segen dankt, dann ist es nicht der gnädige Gott des Neuen Testaments, an den er glaubt, sondern der zornige und rächende Gott des Alten Testaments.[11]

Er ermahnt seinen Nachfolger ebenfalls ein gottesfürchtiges Leben zu führen und „keine Metressen, es beßer zu Nennen Huhren“ zu haben und „seinen Lande und Armeé mit guhten excempell“[12] voranzugehen. Auch gottloses Teufelszeug, wie „Komedien, Operas, Ballettes, Masckerahden, Redutten“[13] sind nicht zu dulden und zu unterdrücken, denn solches wurde im Hause Brandenburg ebenfalls nie geduldet und genau aus diesem Grund hat Gott die Brandenburger fortdauernd gesegnet[14]. Denn weiterhin ist Friedrich Wilhelm I. der Meinung, dass der Mensch nicht Gut oder Böse geboren wird, sondern das Praktizieren des christlichen Glaubens zur Seligkeit führe.[15]

Zu einem späteren Zeitpunkt im Testament kommt er nochmals auf die Religion zu sprechen. Friedrich Wilhelm I. beweist in diesem Abschnitt, dass er, trotz des Bekenntnisses zur reformierten Konfession, den Konfessionalismus des 17. Jahrhunderts überwindet.[16] Dies wird deutlich durch die Äußerungen über die Lutheraner und Reformierten, denn der König ist überzeugt, dass ein Lutheraner, wenn er gottselig wandelt, genauso gut ist und selig wird, wie ein Reformierter, da der Unterschied zwischen beiden nur von den Debatten der Prediger herrühre. So soll auch der künftige Regent keinen Unterschied zwischen den beiden Glaubensanhängern machen, beiden Kirchen und Schulen bauen und die Armut im Land bekämpfen.[17] Das erklärt sich dadurch, dass die Hohenzollernfürsten zwar selbst Calvinisten, aber die Mehrheit ihrer Untertanen Lutheraner waren. Die Prediger sollen weiterhin keine theologischen Meinungsverschiedenheiten diskutieren, vor allem nicht über das Dogma der Gnadenwahl, sondern das reine Wort Gottes predigen. Ebenfalls dürfen sie sich nicht in weltliche Angelegenheiten mischen oder sich den Anordnungen des Landesherren widersetzen. Auch die Katholiken sollen toleriert werden, wie es die Bestimmungen des Westfälischen Friedens und die zugesicherte Religionsfreiheit des Vertrages von Wehlau fordern. Ebenso soll dies im Militär durchgeführt werden, das heißt, dass den zahlreichen katholischen Soldaten auch ein regelmäßiger katholischer Gottesdienst zu gewährleisten ist. Denn auch in Berlin hat der König den Katholiken den Gottesdienst in einem von seinen Häusern gestattet. Jedoch die Jesuiten dürfen nicht in Preußen geduldet werden.

Außerdem warnt er den zukünftigen Regenten vor den „flatteurs oder schmeichelers“[18], denn sie sind die größten Feinde eines jeden Regenten.

Die Anfangsinstruktionen, das heißt die ersten Schritte, die der Thronfolger nach dem Tode Friedrich Wilhelms I. zu tun hat, erinnern sehr stark an seinen eigenen Amtsantritt[19]. Dies wird auch durch folgende Textpassage belegt: „ ..., mein Successor mus aber inwehrende erstehre 6 wochen sein gantzen Ettat und Neue verfaßung folgender gestaldt Reguhlieren, den ich es nach meines vatters tohde alles in 6 wochen zeit fertig geworden bin.“[20]. Sofort nach seinem Tode soll er „alles versigellen und alle meine schlüssellen zu sich nehmen“[21], danach an „die Kollegia ordre gehben“, dass sie sich nicht zu versammeln haben bis sie dem Amtsnachfolger gehuldigt haben. Alle Zahlungen, außer die der Regimenter und der Armee, hat er auszusetzen bis er die Etats durchgesehen hat und die Sitzungen der Kollegien sind so lange zu vertagen bis er vereidigt wurde. Nach einem Jahr soll der neue Etat aufgestellt sein. Weiterhin empfiehlt der König fleißige und pflichtbewusste Minister mit einer Erhöhung ihres Gehaltes zu belohnen.

Es ist die Aufgaben des Regenten das Land mit Ehre zu führen, die anstehenden Angelegenheiten selbst zu erledigen und geschäftig zu sein: „ ...; der liebe Gott hat euch auf den trohn gesetzet nicht zu faullentzen, sondern zu arbeitten und seine Lender wohll zu Regiren, ...“.[22] Weiterhin beweist dieser Auszug, das Friedrich Wilhelm I. der Ansicht ist, dass der Herrscher durch Gottes Gnaden auf dem Thron sitzt.

[...]


[1] Dietrich, Richard Hrsg.: Die politischen Testamente der Hohenzollern. Köln, München: Böhlau 1981. (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz; Band 20). S.7.

[2] Dietrich, Richard Hrsg.: Die politischen Testamente der Hohenzollern. Köln, Wien: Böhlau 1986. (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz; Band 20). S.221.

[3] Ebd. S.221.

[4] Ebd. S.243.

[5] Dietrich, Richard Hrsg.: Die politischen Testamente der Hohenzollern. Köln, München: Böhlau 1981. (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz; Band 20). S.8.

[6] Venohr, Wolfgang: Der Soldatenkönig. Revolutionär auf dem Thron. Frankfurt am Main: Ullstein 1988. S.44.

[7] Schmoller, Gustav: Das politische Testament Friedrich Wilhelms I. von 1722. Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 1. 1896/1897. S.51.

[8] Hillerbrand, Hans J.: Religion und Politik in Preußen: Friedrich Wilhelm I. und der Pietismus. In: Friedrich Beck / Julius H. Schoeps (Hg.): Der Soldatenkönig. Friedrich Wilhelm I. in seiner Zeit. Unter Mitarbeit von Thomas Gerber und Marco Zabel. Berlin: Verlag für Berlin-Brandenburg 2003. S.53-54.

[9] Ebd.

[10] Neugebauer, Wolfgang: Geschichte Preußens. Hildesheim, Zürich, New York: Olms 2004. S.58.

[11] Dietrich, Richard Hrsg.: Die politischen Testamente der Hohenzollern. Köln, Wien: Böhlau 1986. (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz; Band 20). S.75.

[12] Ebd. S. 222.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd. S.75.

[16] Ebd. S.72.

[17] Ebd. S.234.

[18] Ebd. S.223.

[19] Venohr, Wolfgang: Der Soldatenkönig. Revolutionär auf dem Thron. Frankfurt am Main: Ullstein 1988. S. 103-104.

[20] Dietrich, Richard Hrsg.: Die politischen Testamente der Hohenzollern. Köln, Wien: Böhlau 1986. (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz; Band 20). S.223.

[21] Ebd.

[22] Ebd. S.224.

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640415113
ISBN (Buch)
9783640410767
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132368
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,0
Schlagworte
Instruktion Friedrich Wilhelms Nachfolger

Autor

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