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BUCH vs. INTERNET

Hausarbeit (Hauptseminar) 1999 32 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsangabe

1 Vorwort

2 Internet – Buch – Internet
2. 1. Geschichte des Buches
2. 2. Geschichte des Internet
2. 2. 1. Wer sind die Nutzer dieses Mediums?
2. 2. 2. Wird dieses Medium unverzichtbar?
2. 3. Buch verus oder und Internet

3 Vom Buch zum Netz/CD-ROM
3.1. Der Schritt ins neue Jahrtausend

4 Das digitale „Buch“ kommt
4. 1. Probleme des herkömmlichen Buches
4. 1. 1. Beispiel: Bibliotheken – Praxisnahe Auseinandersetzung
4. 2. Probleme des „Bildschirmbuches“

5 Urheberrecht - Eine Säule der Kultur Von Umberto Eco

6 Buchpräsentation im Internet

7 Eigene Meinung über all das

1.Vorwort

„Die Massenmedien sind aus dem Alltag der heutigen Menschen nicht mehr wegzudenken. Praktisch alle sozialen Einrichtungen sind direkt oder indirekt von ihren Informationsleistungen abhängig, alle Bereiche des sozialen Lebens sind ihren Einflüssen ausgesetzt. Aber auch als Wirtschaftsfaktor und politische Macht sind sie nicht zu unterschätzen. (...) „Wohin führen uns die Innovationen der Medientechnik und der Medienindustrie, und welche sozialen und kulturellen Folgen sind zu erwarten?“

„In der grundlegenden Analyse <Die nachindustrielle Gesellschaft> von D. Bell[1] erscheinen Wissen und Informationen als die zentralen gesellschaftlichen Produktivkräfte, welche die herkömmlichen ökonomischen Grundressourcen Arbeit und Kapital an Bedeutung weit übertroffen haben. Die Medienwirtschaft, einschließlich der Elektronik-Industrie, ist heute – nach der chemischen Industrie – der zweitgrößte Wirtschaftsbereich Deutschlands. Ein wachsender Anteil der Erwerbstätigen ist direkt oder indirekt mit der Produktion, Umsetzung und Verbreitung von Informationen beschäftigt. Alle Teile der Gesellschaft – wirtschaftliche und staatliche Organisationen, kulturelle Einrichtungen, arbeitende und konsumierende Menschen – sind von den Leistungen und Produkten des Mediensystems abhängig.

Zwei Bereiche der Elektrotechnik haben zur Herausbildung der „Informationsgesellschaft“ besonders nachhaltig beigetragen: die Datenverarbeitung (Computer) und die Datenübertragung (Kabelnetze, Satelliten).

Durch die sich rasant entwickelnde Computer-Technologie sind die Möglichkeiten der Produktion, Weiterverarbeitung und Speicherung von Informationen aller Art nahezu ins Grenzenlose gestiegen. Die Miniaturisierung der Geräte, verbunden mit einer enormen Steigerung ihrer Leistungspotentiale, hat zu einem praktisch universellen Einsatz dieser Technologie geführt. Zu den professionellen Anwendungen im Militärwesen, im Produktions- und Dienstleistungssektor, in Verwaltungen, Universitäten und Schulen kommt in zunehmendem Maße die – primär „spielerische“ – Nutzung im Freizeitbereich. Die umfassende geselllschaftliche Bedeutung des Computers ist in ihren Umrissen seit einigen Jahren erkennbar[2]: Er führt zu neuen Formen des technokratischen Denkens und Handelns; er ermöglicht neue Formen der Kontrolle und Verwaltung von Menschen sowie neue Arbeitsweisen, die möglicherweise die Kommunikations-, Beziehungs- und Denkformen nachhaltig verändern.

Im Medienbereich hat die Computer-Technologie einerseits die Produktionsverfahren sowohl im Pressebereich als auch bei Radio und Fernsehen umgestaltet[3], andrerseits erschließt sie den Rezipienten immer neue Nutzungsformen.

Parallel dazu hat sich die Technologie der Datenübertragung entwickelt. Im Aufbau leistungsfähige Breitband-Kabelnetze, deren Übertragungskapazität durch das Verfahren der Daten-Kompression praktisch unbegrenzt scheinen. Ergänzt durch Fernmelde-Satelliten entsteht ein weltumspannendes technisches Kommunikations-Netz, über das große Mengen komplexer Daten zwischen einer Vielzahl von Nutzern ausgetauscht werden können. Das größte öffentliche Interesse findet zur Zeit das Projekt „INTERNET“, zu dem grundsätzlich jeder Telefon-Abonnent Zugang hat[4]. Mit der wachsenden Bedeutung des Informations- und Kommunikationssektors hat in den Industriegesellschaften die Privatisierung dieses profitträchtigen Wirtschaftszweigs zugenommen.“[5]

Hier, in dieser Arbeit, versuche ich einen kurzen Ein- und Überblick darüber zu geben, wie sich das Internet und das Buch als „Printkonkurrenz“ entwickeln wird. Jedoch ist es mir dabei unmöglich, einen Gesamtüberblick zu geben, sowie es mir unmöglich ist, nichts zu vergessen. Die entsprechenden Informationen habe ich teils aus Büchern, aus Zeitschriften, aber auch aus dem Internet selbst herausgenommen.

2. Internet – Buch – Internet

2.1. Geschichte des Buches und Buchdruckes in Beziehung zum Internet

>>Gutenberg<<

„Über 550 Jahre sind vergangen seit der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg. (...) In den fünfeinhalb Jahrhunderten war das >Büchermachen< die Grundlage der Verlagstätigkeit. Das Aufkommen der digitalen Informationsverarbeitung und Kommunikationsdienste hat neue verlegerische Herausforderungen eröffnet.

Eine gewaltige Druckmaschine

(...) Das Internet ist eine gewaltige Druckmaschine. Es ist die Druckmaschine der vielzitierten Informationsgesellschaft. Wir sind umgeben von Schlagworten wie „technologische Revolution“, „Strukturwandel der Gesellschaft“ und „Veränderung der geistigen Geographie“. „Revolution“, „Wandel“, „Veränderung“: Das sind die Leitworte, die fallen, wenn man sich dem Begriff „Informationsgesellschaft“ zu nähern versucht. Es scheint, als sei der Übergang in etwas Neues, noch nicht ganz Definiertes das Wesen dieser neuen Gesellschaft. „Wir stehen an einer Schwelle“ sagt man; was aber sein wird, wenn wir diese Schwelle überschritten haben, können wir uns heute noch nicht vorstellen.

Informationen sammeln, aufbereiten und verteilen

„Es ist von Information die Rede. Informationen sammeln, sie aufbereiten und verteilen war schon seit je das klassische Gebiet der Verlage und Druckereien. Vor der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg hieß „verteilen“ in erster Linie „behüten“ und „verwahren“. Für die Herstellung eines Buches wurde ein enormer Aufwand getrieben. Abschriften von Hand mit zum Teil wertvollem künstlerischem Schmuck wurden in klösterlichen Schreibstuben geschaffen. Dieses Wissen war nur ausgewählten Kreisen zugänglich. (...) Und nun werden Stimmen laut, die den Untergang des Buches voraussagen. Auch wenn wir diesen Stimmen nur ungern Glauben schenken, zeigt uns die Realität doch, daß das Medium Buch – bisher unangefochten der weitverbreitetste Träger von Wissen und Unterhaltung – bereits Teile seines Status an andere Informationsträger abgegeben hat.

Möglicherweise wird das Buch auch noch das nächste Jahrtausend überleben. Schon diese Formulierung zeigt aber, daß eben auch die andere Möglichkeit eintreffen könnte: das Ende des Buches und somit das Ende der Buchdruckerkunst. Was bleiben wird, sind die Inhalte. Diese werden weiterhin gesammel, aufbereitet und verteilt. Die Instrumente dazu werden sich ändern.

Die Schwelle der Neuzeit

An einer Schwelle standen auch die Menschen des 15. Jahrhunderts. Die Veränderung war für sie ebenso spürbar, wie sie heute zu spüren ist, die Schwelle zur Neuzeit. Das Mittelalter war noch nicht überwunden; Inquisation und Hexenwahn würden noch Tausende von Opfern fordern; aber die Sehnsucht nach Wissen war groß und allgegenwärtig.

Die Erde war noch zu entdecken; allen voran fanden Portugiesen und Spanier den Weg über die unbekannten Meere. Madeira wurde besiedelt, die Azoren entdeckt, Expeditionen nach Afrika unternommen. 1492 schuf Martin Behaim den Erdglobus, und im gleichen Jahr entdeckte Kolumbus das heutige El Salvador. Neue Universitäten entstanden in Leipzig, Rostock, Greifswald, Freiburg, Basel, Ingolstadtd, Trier, Mainz und Tübingen. Neben den Klosterschulen wurden nun auch weltliche Schulen gegründet, in denen Lesen, Schreiben und Latein gelehrt wurde. (...) Die Grenzen der Welt wurden neu gezogen, neue Kontinente und Menschen wurden entdeckt; man entdeckt; man spürte; daß das bisherige Wissen nicht ausreichen konnte, um die neuen Erkenntnisse einzuordnen. Es war geradezu notwendig, die vielfältigen Erfahrungen schriftlich zu verbreiten, um damit das enorm anwachsende Wissen über diese neue Welt einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und verständlich zu machen. Die Erfindung einer effizienten Vervielfältigungstechnik lag gar ni der Luft. Hätte nicht Gutenberg um ca. 1440 in Straßburg den Durchbruch geschafft, dann wäre dies wohl einem andern gelungend, etwa Peter Schöffer, Gutenbergs „rechter Hand“, der, wie seine Zeitgenossen bezeugen, ein hervorragender Künstler gewesen sein muß und die Buchdruckerkunst erst brauchbar gemacht haben soll, indem er den Typenguß wesentlich verfeinerte. Trotz dieses neuen Strebens nach umfassenden Wissen über die erfahrbare Natur standen Wahrsagerei und Zauberei weiterhin hoch im Kurs; der Glaube an den Einfluß der Gestirne auf das weltliche Geschehen war in der Bevölkerung fest verankert; die Angst vor dem Bösen und Unbekannten führte – unter nicht geringem Mitwirken der Kirchen – zum Hexenwahn. Aberglaube führte dazu, daß „die Schwarze Kunst“, wie der Buchdruck auch genannt wird, mit Scharzer Kunst, also Magie, verwechselt wurde. Es war für die einfachen Leute nicht leicht erklärbar, wie aus Gutenbergs Werkstatt vollkommen identische Bücher hervorgehen konnte.

Gutenbergs Technik

Worin bestand aber nun, technisch gesehen, diese wegweisende Erfindung. Für den Druck von Büchern, wie sie Gutenberg vorschwebten, wurden die einzelnen Buchstaben des Alphabets in großen Mengen benötigt. Diese Mengen konnten nur durch Guß der einzelnen Typen gefertigt werden. Dabei muß beachtet werden, daß die richtige Metallregierung für einen sauberen Abdruck sorgte. Obwohl Gutenberg schon bald keine klare Idee dessen, was er erreichen wollte, entwickelt hatte, dauerte es bis zur Reife der Erfindung noch etwa zehn Jahre. Erst ca. 1452 war das Verfahren soweit gereift, daß er mit dem Druck der berühmten 42zeiligen Bibel beginnen konnte. Die eigentliche Pionierleistung bestand nicht im Drucken selbst. Die technisch schwierigsten Probleme stellen die präzise Herstellung der einzelnen Buchstaben und Zeichen, der sogenannten beweglichen Lettern, und die Konstruktion eines genau arbeitenden Hanggießinstrument dar. Die Druckerpresse – sie gleicht nicht zufällig den bekannten Weinpressen – mußte so gebaut werden, daß ein gleichmäßiger Druck auf die Unterlage erfolgen konnte. Für jene Zeit eine Pionierarbeit. Handwerkliches Geschick und künstlerisches Flair gingen Hand in Hand. Treibende Kraft war eine große Vision, die Vision von der Verbreitung der Bücher und Schriften und des darin versammelten Wissens in alle Welt.

Was hat sich seit Gutenberg verändert?

Der Versuch, einen Bogen von der Zeit Gutenbergs bis in unser hochtechnisiertes Jahrhundert zu schlagen, mag auf den ersten Blick gewagt erscheinen. Über 500 Jahre sind vergangen, 500 Jahre, in denen sich das Gesicht der Menschheit wesentlich verändert hat. Bahnbrechende und manchmal wahnwitzige Entdeckungen wurden gemacht. Um so erstaunlicher ist es – diese Behauptung mag mancher als frevelhaft empfinden -, daß sich seit Gutenberg im Bereich Druck kaum etwas verändert hat. Es ist durchaus auf wichtige Errungenschaften der letzten 500 Jahre hinzuweisen, von Gutenbergs beweglichen Lettern (ca. 1440-1450), über die Haas’sche handpresse (1772), das ersten Patent auf eine Setzmaschine (1822), Ottmar Mergenthalers Zeilensatz- und Gießmaschine (Linotype, 1884), über den Offsetdruck, der 1907 zu uns dringt, und das Siebdruckverfahren (ab 1940), die erste Lichtsetzmaschine für die Praxis (1945) bis hin zum ersten Einsatz von elektronischen Datenverarbeitungsanlagen für die Satzerstellung (1962).

Es ist die heutige Druck- und Satztechnik hervorzuheben; der Filmsatz hat dem Schriftgestalter ungeahnte Möglichkeiten erschlossen; von fertig ausgeschossenen Druckformen wird geredet, vom digitalen Workflow2 und der digitalen Druckmaschine. Diese Errungenschaften sind technisch gesehen sicher bemerkenswert. Auch ist nicht von der Hand zu weisen, daß eine Drucksache heute wesentlich anders aussieht als zu Beginn dieses Jahrhunderts. Nur kann es sich heute keine Druckerei mehr erlauben, für weniger als zweihundert Exemplare eines Werks mehr als sechs Jahre Arbeit zu investieren, wie diese Gutenberg (auch für ihn mit ruinösen Folgen) für seine Bibel getan hat.

[...]


[1] Bell, D.: Die nachindustrielle Gesellschaft, Frankfurt a. M.. 1975. Bes. S. 171-268

[2] Weizenbaum, J.: Die Macht des Computers und die Ohnmacht der Vernunft. Frankfurt a. M.. 1982. Roszak, T.: Der Verlust des Denkens: Über die Mythen des Computerzeitalters. München. 1986.

[3] Weischenberg, S. und Hienzsch, U.: Die Entwicklung der Medientechnik. in: Merten, K. u.a. (Hrsg). Die Wirklichkeit der Medien. Opladen. 1994. S. 455-480

[4] Wetzstein, Th. A. u. a.: Datenreisende. Die Kultur der Computernetzte. Opladen. 1995.

[5] Hunziker, Peter: Medien, Kommunikation und Gesellschaft: Einführung in die Soziologie der Massenkommunikation. 2., überarb. Aufl. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1996.

Details

Seiten
32
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638189842
ISBN (Buch)
9783638698665
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13293
Institution / Hochschule
Universität Wien – Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Wien
Note
sehr gut
Schlagworte
Buch Entwicklungstrends Literatur Internet Neue Medien Nutzer Geschichte Urheberrecht Digital

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Titel: BUCH vs. INTERNET