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Die Bedeutung vom Dummsein

Welche Bedeutung findet man bei Valerie Sinason bei der Beschreibung des Phänomens „Dummsein“ mit Bezug zu einem Fallbeispiel aus dem Alltag einer geistig behinderten Frau?

Hausarbeit 2000 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1 Über die Bedeutung des Dummseins
1.1 Die andere Bedeutung des Dummseins
1.2 Abweichungen von der Norm

2 Ausprägungsgrade von Behinderung
2.1 Primäre und sekundäre Behinderung
2.2 Drei Hauptbereiche sekundärer Behinderung

3 Bezugnahme zur Praxis
3.1 Interpretation der 1. Sequenz
3.2 Interpretation der 2. Sequenz
3.3 Interpretation der 3. Sequenz

Conclusio

Bibliographie

Vorwort

Ich habe mich dem Phänomen „Dummsein“ näher zugewendet, da Dummsein und das Gefühl des Dummseins ein fast alltäglicher Begleiter ist.

Meine Aufgabe im Seminar war es, eine Institution zu suchen und dort zu fragen, ob ich eine geistig behinderte Frau beobachten darf. Dieses Hineinkommen in eine fremde Institution war schwieriger als ich mir gedacht habe. Das Warten auf Rückmeldung in der Hoffnung, dass ich eine Zusage bekomme ist für mich auch eine Form des Dummseins. Damit meine ich, dass ich als Lernende „dumm“ bin und mich auch so preisgebe, wenn ich sage, dass ich etwas lernen will. Weiters werde ich nächstes Semester ein Auslandssemester antreten und bin dann gefordert, mich in einer fremden Sprache zu verständigen und denke mir, dass ich in viele Situationen kommen werde, in denen ich mich sprachlich dumm fühlen werde.

Besonders unangenehme Situationen bringen das Dummsein auch mit sich. „Was, das weist du nicht?“ ist so eine Frage, die den anderen indirekt als dumm bezeichnet. Leider ist das unsere Alltagssprache und löst wirklich keine angenehmen Gefühle aus. Im Dummsein steckt auch „nicht wissen“ drinnen und in meiner folgenden Arbeit möchte ich versuchen, dieses vielseitige Phänomen ein Stück näher zu betrachten und die Bedeutung genauer zu hinterfragen.

Einleitung

In der vorliegenden Seminararbeit wird dem Phänomen Dumm- Sein bei geistiger Behinderung anhand der Theorie von Valerie Sinason und eines Fallbeispiels „Anna“ nachgegangen und aufgezeigt, dass sich in dem Phänomen „Dummsein“ viel mehr verbirgt, als alltäglich geglaubt wird. Diesen alltäglichen Bedeutungen des Dummseins wird im ersten Kapitel nachgegangen, worin Sammlungen der alltäglichen Wortbedeutungen von Wortverwendungen und Inhalte aus dem Text „Vom Sinn des „Dummseins“ von Valerie Sinason enthalten sind. Das Hauptaugenmerk des anschließenden Kapitels liegt auf der Klärung, was primäre und sekundäre Behinderung ist, inwiefern Dummsein hier eine Rolle spielt und damit zusammenhängt. Das letzte Kapitel des Hauptteils wird aus Beispielen aus der Praxis bestehen, die in Form von Beobachtungsprotokollen aufgezeichnet wurden. Anhand dieser Beobachtungen werden Vermutungen angeführt, wie sich die Beteiligten gefühlt haben.

1 Über die Bedeutung des Dummseins

In unserer Alltagssprache sind sehr viele Wörter zu finden, die in Verbindung mit Dummsein stehen, wie zum Beispiel: „Dummkopf“, „einen Klopfer haben“, „Was, du weißt das nicht?“ usw.. Diese Wörter sind meist negativ behaftet und lösen unangenehme Gefühle aus, die abwertend und beleidigend sind, jedoch häufig im Alltagssprachgebrauch vorkommen. Beim Dummsein geht es auch um die Frage des Selbstwertes. Solche Bewertungen in Form dieser alltäglichen Bezeichnungen wirken sich negativ auf den Selbstwert eines Menschen aus. Es kann auch dazu kommen, dass zum Beispiel der, der dumm ist, sich so fühlt, oder für dumm gehalten wird, verstummt, da er sich selbst nicht mehr zutraut, etwas zu sagen. Die Umwelt spiegelt ihm sein Nicht- Können und er nimmt das für sich als wahr.

Dummsein hat, wie erwähnt, vielerlei Alltagsbedeutungen und –anwendungen. Eine weitere wäre, jemanden als mangelnd intelligent zu bezeichnen, wobei es gleichzeitig eine Aussage ist, die den anderen als den Schwächeren benennt. Somit heißt Dummsein nichts wissen- auf Wissensfragen keine Antwort sagen können. Jedoch ist das eine Form der Erklärung für das Dummsein, die viele Ursachen haben kann. Eine weitere Art, das Phänomen Dummsein zu erläutern folgt im nächsten Kapitel.

1.1 Die andere Bedeutung des Dummseins

In einer anderen Bedeutung ist Dummsein oder dumm werden, etwas nicht sehen zu müssen oder zu wollen, nicht hinzuschauen, etwas zu verleugnen. Wenn man jemandem gegenübersteht, wie zum Beispiel ein Kind einem Erwachsenen, der einem nie etwas sagen will oder sagen kann, was man wissen muss, dann kann es einfacher und leichter sein, dumm zu bleiben und das Lernen aufzugeben. Ein Beispiel dafür ist der achtjährige Tom, der nie erfahren hat, warum sein Vater von zu Hause weggegangen ist, als er noch ein Baby war. Tom hat die Zeichen seiner Mutter sehr sensibel aufgefangen. Sie konnte es nicht ertragen, an diese Frage auch nur zu denken, und hatte sie in seinem eigenen Inneren erstickt. Jene Frage zu ersticken heißt aber auch, dass viele andere Fragen auch erstickt werden, die seine Mutter beantworten konnte. Letztendlich führte das dazu, dass Tom nicht lesen oder schreiben konnte, wobei es eindeutig seine Gefühle waren, die seine Lernfähigkeit beeinträchtigten. Das Trauma hatte hier bei beiden, Mutter und Sohn, zur Behinderung geführt. Das verletzte Selbst sagt: „Untersteh dich, irgendetwas auch nur zu erwähnen, von dem ich nicht will, dass du darüber nachdenkst!“ Bei Tom und seiner Mutter hat sich herausgestellt, dass sie einen inneren Tröster hatten, der ihnen anfänglich über den Verlust von Ehemann und Vater hinweggeholfen hatte, doch die tröstende Stimme wurde bald zu einer missbräuchlichen, die nur dann Hilfe bot, wenn ihr stillschweigend gehorcht wurde.

Dieses Dummsein als Folge von nichts sagen können findet sich ebenso bei Menschen mit einer organischen Behinderung wie bei gewöhnlichen Leuten, die durch bestimmte Probleme behindert sind. (vgl. Sinason, 2000, S 26.)

Das Wort „dumm“ bedeutet nach Valerie Sinason vor Kummer benommen sein. Der Redewendung „vor den Kopf geschlagen sein“ sind wir bewusst, aber es ist in unserer Auffassung von „Dummsein“ verloren gegangen. Valerie Sinason führt in ihrem Text das Zitat an, wie folgt: „Dummsein heißt vor Kummer benommen sein, und diejenigen, die die Bürde einer geistigen Behinderung schleppen, tragen einen enormen Kummer.“ (Sinason, 2000, S 36.) Sie meint damit, dass bei geistig behinderten Menschen Dummsein als Abwehrprozess fungiert, der sie davor bewahrt, das Ausmaß an dem Leid, an Kummer zu sehen, der auf ihnen lastet.

Nun folgt im nächsten Kapitel eine weitere Bedeutung des Phänomens „Dummsein“, das sich mit dem Thema Normabweichungen in der Gesellschaft befasst.

1.2 Abweichungen von der Norm

Größere Abweichungen von der Norm, selbst wenn sie Vorteile zu bringen scheinen, können ihre eigenen Schwierigkeiten mit sich bringen. Jemand, der in einer beliebigen Gesellschaft als schön gilt, muss damit zurechtkommen, dass er oder sie bewundert oder beneidet angeblickt wird. Eine schöne Stimme, ein schönes Gesicht oder ein schöner Körper, die als positive Eigenschaften betrachtet werden, können einen vor Probleme stellen. Paul Newman, ein Filmstar, ging dazu über, eine Sonnenbrille zu tragen, da die Leute ständig in seine blauen Augen starrten, die als berühmt galten und er das als grobe Zudringlichkeit erlebte.

Reichtum und Titel können sich zu einem ähnlichen Problem auswachsen. In Märchen tummeln sich die schönen Prinzessinnen und die hübschen Prinzen, die vorgeben, arm zu sein, um sicherzugehen, dass sie um ihrer selbst willen geliebt werden und nicht wegen ihrem gesellschaftlichen Status. Es ist schwer, Insignien[1] des Reichtums, der Berühmtheit oder der Schönheit erfolgreich zu integrieren und anzunehmen.

[...]


[1] Zeichen, Symbole

Details

Seiten
15
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640535804
ISBN (Buch)
9783640536122
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132975
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
Schlagworte
Bedeutung Dummsein Welche Valerie Sinason Beschreibung Phänomens Bezug Fallbeispiel Alltag Frau

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