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Fragen an den 'Römischen Imperialismus'

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Begriff ‚Imperialismus‘ und sein ökonomisches Motiv

3. Der ‚römische Imperialismus‘ und die Theorie des ‚defensiven Imperialismus‘

4. Pompeius und der ‚Individualimperialismus‘

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das römische Reich brachte viele Entwicklungen hervor, die für uns auch heute noch von Bedeutung sind. So gab es bereits zu dieser Zeit ausgeklügelte Abwasserkanäle, Aquädukte, Bäder, Saunen und sogar Fußbodenheizungen und die Römer verbreiteten die lateinische Sprache in nahezu ganz Europa. Im Mittelalter übernahm man auch die römische Staatsform der Kaiserherrschaft[1] und später wurde die römische Republik sogar Vorbild für die Verfassung der USA. Doch wofür Rom wohl am bekanntesten ist, ist die schier unglaubliche Größe seines Reiches, das auf dem Höhepunkt seiner Macht von Britannien bis zum nahen Osten reichte. Durch Roms schlagkräftiges Heer und modernste Kriegstechnik unterwarf es nahezu die gesamte (damals) bekannte Welt. Doch war eine konsequente Eroberungspolitik das Ziel der römischen Republik? Lag ein ununterbrochen geführter ‚römischer Imperialismus‘ vor, um Herrscher über die Welt zu werden? Gab es nie einen Bruch mit dieser Politik – so sie denn existierte – und ist der Begriff ‚Imperialismus‘ überhaupt gerechtfertigt? Diese Arbeit widmet sich der Klärung dieser Fragen. Für die Untersuchungen beschränkt sich die Arbeit auf die Zeit vom Beginn des ersten punischen Krieges (264 v. u. Z.) bis zur Umwandlung Ägyptens in eine römische Provinz (30 v. u. Z.). Diese Arbeit versteht sich daher nicht als eine völlige Klärung der oben genannten Probleme, sondern soll lediglich Lösungsansätze und Lösungsvorschläge dafür liefern.

2. Der Begriff ‚Imperialismus‘ und sein ökonomisches Motiv

Zu Beginn ist es nötig sich zu vergegenwärtigen, was der Begriff ‚Imperialismus‘ eigentlich beschreibt. Der Begriff ist abgeleitet vom lateinischen ‚imperare‘ (dt. herrschen, befehlen) bzw. ‚imperium‘ (dt. Herrschaft(sbereich), Befehl(sgewalt), Reich) und wurde erstmals zur Beschreibung der Kaiserherrschaft Napoleons verwendet. ‚Imperialismus‘ wurde dann im Zeitraum von 1880 bis 1914 ein geläufiger Begriff und beschrieb die kolonialistische Expansionswelle der europäischen Staaten, der USA und Japans (‚klassischer Imperialismus‘). Diese Expansion war vorerst nur wirtschaftlicher und strategischer Natur, doch wies auch bald eine nationalpsychologische Komponente auf. Bezeichnend war auch das Konkurrenzempfinden zwischen den imperialistischen Staaten, welches u. a. für den Ausbruch des ersten Weltkrieges verantwortlich war. Nach dem Weltkrieg wurde ‚Imperialismus‘ vorwiegend negativ bewertet und als Bestrebung zur Weltherrschaft verstanden; dies mit direktem Bezug zum Rassismus. ‚Imperialismus‘ erhielt nach dem zweiten Weltkrieg eine noch stärkere negative Bedeutung, da der Bezug nun zusätzlich zum Nationalsozialismus und der Massenvernichtung anderer Völker gezogen wurde. Der Begriff war nun nicht mehr von analytisch-politischer Natur, sondern von ideologisch-emotionaler.

Es gibt viele verschiedene Begriffserklärungen und Imperialismustheorien, so sagte der englische Historiker Sir John Robert Seeley Imperialismus sei „neither more nor less than the form a state assumes when it postpones every other object to military efficiency.“[2] Wiederum ist für den norwegischen Politologen Johan Galtung jede Beziehung und jede Einflussnahme zwischen ungleich entwickelten Staaten Imperialismus.[3] Während es für den Historiker Horst Braunert die faktische Annexion fremder Staaten ist.[4]

Robert Werner beschreibt den Imperialismus als eine ökonomische Notwendigkeit der Staaten; er gibt ihm also eine wirtschaftliche Prämisse.[5] Das ökologische Motiv des Imperialismus greift auch der Ökonom Joseph Schumpeter auf, doch er sieht ihn nicht - wie zum Beispiel Lenin - als das letzte und höchste Stadium des Kapitalismus an bzw. als notwendiges Ergebnis der Konkurrenz in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, sondern eher als einen irrationalen Chauvinismus der Oberschicht eines Staates zur Festigung ihrer Macht. Somit kann der Imperialismus – nach Schumpeter – in allen Stadien der Geschichte und in allen politischen Systemen vorkommen - was nach der marxistischen Wirtschaftstheorie nicht möglich wär.[6]

Für Ernst Badian stand der Imperialismus der römischen Republik nicht in Verbindung mit der Gier nach wirtschaftlichen Profiten, da von eroberten Gebieten lediglich der Tribut des vorhergehenden Herrschers verlangt worden sei (manchmal sogar weniger). Durch Kriegsbeute kam großer Reichtum nach Rom, was vom Senat natürlich begrüßt wurde, aber kein Motiv für politische oder militärische Aktionen gewesen sein sollte.[7] Trotzdessen, dass Karthago und Korinth hervorragende Handelsplätze waren, zerstörten die Römer diese Städte, anstatt sie wirtschaftlich zu nutzen.[8] Als weiteres Beispiel für Roms Verzicht auf wirtschaftlich einträgliche Gebiete nennt Badian die Kyrenaika, welche Rom durch Ptolemaios Apion, nach dessen Tod 96 v. u. Z., vererbt wurde. Diese reiche, ergiebige und gut organisierte Region wurde von Rom nicht annektiert bzw. man nahm das Testament nicht an, sondern gab die Region der Anarchie preis.[9] Auch bei Wolfgang Schuller heißt es für die Gründe zum Einzug Roms in den ersten punischen Krieg: „War die Räumung Siziliens etwa das Kriegsziel? […] Wollten sie etwa Sizilien in Besitz nehmen, womöglich aus Gründen des Handels? Letzteres schon deshalb nicht, weil Rom kein Handelsstaat war und die sich allmählich herausbildende Schicht von Großkaufleuten ohne jeden Einfluss auf die staatlichen Entscheidungen war.“[10]

Doch man sollte nicht soweit gehen wie Badian und einen Imperialismus der römischen Republik auf der Basis von ökonomischen Motiven gänzlich ausschließen. So kommen ab dem ersten Jahrhundert v. u. Z. wirtschaftliche Gründe für den Imperialismus auf, als Plebs, Ritter und Mitglieder der Nobilität (wie Pompeius oder Caesar) zusammenwirkten und die Provinzen plünderten.[11]

[...]


[1] Hier ist besonders das ‚Heilige Römische Reich Deutscher Nation‘ zu nennen, da ihr Oberhaupt ebenfalls den Titel ‚Kaiser‘ annahm und natürlich auch allein durch die Namensgebung.

[2] D. Flach, HZ 222, 1976, S. 10.

[3] Vgl. E. Erdmann, GWU 28, 1977, S. 466.

[4] Vgl. E. Erdmann, GWU 28, 1977, S. 470.

[5] Vgl. R. Werner, in: ANRW, hg. v. H. Temporini u. W. Haase, S. 505.

[6] Vgl. J. A. Schumpeter, Imperialism.

[7] Vgl. E. Badian, Der Römische Imperialismus, S. 37-38.

[8] Vgl. ebd. S. 40.

[9] Vgl. ebd. S. 52.

[10] W. Schuller, Das römische Weltreich, S. 27.

[11] Vgl. E. Erdmann, GWU 28, 1977, S. 463 und S. 471.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640397402
ISBN (Buch)
9783640397846
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132978
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Altertumswissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Römisches Reich Imperialismus Kaiserreich Gnaeus Magnus Pompeius

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Titel: Fragen an den 'Römischen Imperialismus'