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Jesus Christus und Dionysos im Spiegel von Höldelins 'Andenken' und 'Brod und Wein'

Hausarbeit 2008 17 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Hölderlins Auffassung der griechischen Antike
2.1 Dionysos
2.2 Das Ende der Antike

3. Die Nacht der Götterferne

4. Jesus Christus und Dionysos

5. Brot und Wein – Eucharistie und dionysische Feier

6. Schlussfolgerung

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Friedrich Hölderlins Poesie gilt heute unbestritten als ein Höhepunkt der deutschen und abendländischen Literatur. Hölderlin wurde von biblischen Stoffen, besonders von dem Neuen Testament, zur Dichtung angeregt. Doch er nahm ebenfalls Stoffe aus der griechischen Mythologie auf, um sie in seinen Werken zu verwenden. Somit wurde Hölderlin von zwei sich einander eher ausschließenden Religionen beeinflusst. Wie können wir uns aber nun seine Intention hinsichtlich seiner Werke vorstellen? Wollte Hölderlin die griechische Mythologie, die er vom Weingott Dionysos stark geprägt sah, fördern und somit ein Leben in Ausschweifung, Freude und Tanz, oder wollte der studierte Theologe doch eher die christliche Religion, die vom Heiland Jesus Christus geprägt ist, fördern und damit ein Leben in Demut und blindem Gottvertrauen? Ist es vielleicht sogar Hölderlins Wunsch gewesen, diese beiden Glaubensgemeinschaften miteinander zu verbinden? Aber wie sähe dann eine solche Verknüpfung aus bzw. wie sollte diese möglich sein? Mit Hilfe der Elegie ‚Brod und Wein‘ und der Hymne ‚Andenken‘ sollen hier diese Fragen beantwortet werden. Da es sich hier nur um zwei der Werke Hölderlins handelt, versteht sich diese Arbeit daher nicht als eine völlig Klärung der oben genannten Probleme, sondern soll lediglich Lösungsansätze und Lösungsvorschläge dafür liefern.

2. Hölderlins Auffassung der griechischen Antike

Friedrich Hölderlin, der in seinem Leben selbst nie in Griechenland gewesen war, hatte eine ausgeprägte Vorliebe für das Griechenland der Antike; besonders für deren Religion. Mit dieser Begeisterung stand er zu seiner Zeit nicht allein da, denn die Vertreter der deutschen Klassik wünschten sich ebenfalls ein Aufleben der alten griechischen Werte. In dieser Literaturepoche nutzte man die griechischen Götter als Metaphern bzw. Verkörperungen von Werten. Man ehrte die alten Götter soweit sie geeignet erschienen, in ihnen die eigenen Ideale zu ehren. Ehrfurcht und Andacht dagegen schienen nicht das zu sein, was man ihnen gegenüber an den Tag zu legen hatte.[1] Hölderlin ging es also von früh an nicht darum, antikisierend griechische Mythologie wiederzubeleben oder eine neue Mythologie zu stiften. „Seine Sorge ist vielmehr, die Götter Griechenlands verwandelt in die Feier des ‚vaterländisch‘ Göttlichen aufzunehmen.“[2] Bei Hölderlin waren die griechischen Götter weder höchste Ideen noch absolute Wesen, weder übernatürliche Wesen noch Ausgeburten der Phantasie. Sie waren Götter im ursprünglichen und heidnischen Sinn des Wortes, d. h. sie waren die ewig wirksamen und gültigen Mächte des Lebens in Kosmos, Natur und Menschen. „Damit vollzieht Hölderlin weder eine Materialisierung Gottes noch eine Idealisierung der Materie.“[3]

Nun stellt sich die Frage, warum Hölderlin gerade die griechischen Götter in seinen Werken verwendete? Für ihn waren sie die hohen Repräsentanten und Garanten der Freiheit und gewährten und verwalteten den ganzen Reichtum der Wirklichkeit. Ebenfalls machten sie sichtbar, was Wirklichkeit und Leben in ihrem Gesamtzusammenhang bedeuten und in dem was sie waren, und in dem, was sie taten ermöglichten sie göttliche Realpräsenz in menschlicher Zeit und Geschichte.[4] Die fünfte Strophe der Elegie ‚Brod und Wein‘ zeigt uns außerdem noch, dass sich die Götter des antiken Griechenlands in allen Orten des Lebens offenbarten; sie waren Wirkungsmächte der Welt und überall zu finden.[5] In dieser Strophe, angesichts der Gegenwart der Himmlischen, kommt eine wahrhaft menschliche Welt zur Blüte. Das gehäufte Zeitwort „nun“ drückt diese günstige Gelegenheit aus. Die griechische Religion bedeutete für Hölderlin eine harmonische Einheit von Menschen und Göttern. Diese „seinsoffenbarende Religion der Freiheit“[6] schaffte ebenfalls eine Versöhnung von Natur und Geist, die durch die Nutzung der naturnahen griechischen Götterwelt entstand.

Vorrangig hat der Monotheismus die griechische Weltheiterkeit verändert. Der Protestantismus führte, im Gegensatz zur griechischen Religion, eher zu einer Entgöttlichung der Natur, dies wurde im Pietismus dann noch weiter ausgebaut.[7] Die Hinwendung zur antiken Götterwelt der Griechen war auch immer eine immanente Kritik Hölderlins „an der Christentumsgeschichte, an ihrer Einseitigkeit, an ihren Verwerfungen.“[8]

[...]


[1] Vgl. Strunk, Reiner: Echo des Himmels. Hölderlins Weg zur poetischen Religion. Stuttgart: Calwer 2007. S.153.

[2] Janke, Wolfgang: Archaischer Gesang. Pindar – Hölderlin – Rilke. Werke und Wahrheit. Würzburg: Königshausen & Neumann 2005. S.87.

[3] Ibel, Rudolf: Weltschau der Dichter. Goethe, Schiller, Hölderlin, Kleist. Jena: Diederichs 1943. S.291.

[4] Vgl. Strunk: Echo des Himmels. S.160.

[5] Vgl. Hölderlin, Friedrich: Brod und Wein. Hrsg. Friedrich Beißner. In: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Werke. Bd. 2. Stuttgart: W. Kohlhammer Verlag 1951. S.92f.

[6] Strunk: Echo des Himmels. S.160.

[7] Vom Katholizismus ganz zu schweigen.

[8] Strunk: Echo des Himmels. S.158.

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640397419
ISBN (Buch)
9783640397853
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132979
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Germanistische Literaturwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Jesus Christus Dionysos Friedrich Hölderlin Andenken Brot und Wein Brot Wein

Autor

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