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Überblick über die Situation der Familien in Schweden aus soziologischer Sicht

Eine zusammenfassende Internetrecherche über die Situation von Familien in Schweden

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 23 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzüberblick über das Königreich Schweden
2.1. Allgemeines
2.2. Bevölkerungszusammensetzung
2.3. Politisches Spektrum
2.4. Die Demographie Schwedens

3. Die wesentlichen Teile des schwedischen Sicherungssystems
3.1. Rentenversicherung und Altersfürsorge
3.2. Elternversicherung
3.3. Arbeit und Arbeitslosigkeit
3.4. Gesundheitswesen und Krankenversicherung

4. Vereinbarkeit von Familie und Beruf
4.1. Gleichstellung der Frau
4.2. Frauen im Erwerb

5. Haushalts- und Familienformen

6. Scheidungsrate

7. Armutsgefährdung

8. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 1997 unternahm ich mit meiner frisch verheirateten Frau eine Reise nach Skandinavien, genauer nach Jakobstadt / Finnland. Unterwegs querten wir Schweden und Norwegen. Auf der Reise passierte ein Unfall. Damit habe ich dort die außerordentlich gute medizinische Versorgung kennen gelernt. Dies hinterließ einen bleibenden Eindruck und öffnete die Frage, ob denn auch andere soziale Bereiche in den skandinavischen Ländern so gut entwickelt seien. Daraufhin erfuhren wir im Gespräch mit Einwohnern und Freunden vom guten sozialen Netz und vor allem von der Kinderfreundlichkeit.

Nun eröffnete sich innerhalb des berufsbegleitenden Studiums die Möglichkeit, diesem doch mehr gefühlten Eindruck nachzugehen. Deshalb ist das Ziel der Hausarbeit, sich einen Überblick über die Situation der Familien in Schweden zu verschaffen.

Dabei möchte ich mich auf der Grundlage einer Internetrecherche nach einer kurzen Vorstellung des Landes Schweden mit folgenden Fragestellungen beschäftigen:

a) Welche sozialen Sicherungssysteme gibt es im Allgemeinen für den einzelnen Bürger und im Besonderen für Familien?
b) Wie ist in Schweden Familie und Beruf vereinbar?
c) Welche Folgen hat die schwedische Familienpolitik im Kontext des modernen Wohlfahrtsstaates?
d) Wie wird in Schweden Einkommen erzielt?
e) Wird die Frau in Schweden diskriminiert?
f) Wie betroffen sind Familien von Armut?

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich weniger mit Entwicklungen. Viel mehr möchte ich den aktuellen Stand der Herausforderungen und Möglichkeiten der Familien und Lebensgemeinschaften aufzeigen.

Die Rolle der Väter und Männer in Familien und Partnerschaften wird in der vorliegenden Arbeit eher am Rand behandelt, bzw. sie schimmert immer wieder zwischen den Zeilen durch. Zum einen, weil in der vorhanden Literatur relativ wenig berichtet wurde und zum anderen, weil es den Rahmen einer Hausarbeit in diesem Umfang sprengen würde.

2. Kurzüberblick über das Königreich Schweden

2.1. Allgemeines

Die Hauptstadt heißt Stockholm. Als Staatsform herrscht in Schweden eine parlamentarische Monarchie. Das Staatsoberhaupt ist König Carl XVI. Gustaf. Der Regierungschef heißt Fredrik Reinfeldt. Die Amtssprache ist Schwedisch.

Schweden breitet sich in Skandinavien auf einer Fläche von 450.295 km² aus. Schweden hatte am 31. Januar 2007 9.117.712 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte beträgt 20 Einwohner pro km² (vgl. Schweden 2007, S.1 ).

2.2. Bevölkerungszusammensetzung

Die Einwohner Schwedens setzen sich folgendermaßen zusammen:

90,8 Prozent sind ethnische Schweden, 2,5 Prozent so genannte einheimische Finnen. Heute leben noch etwa 20.000 Samen in Schweden. Die meisten sind assimiliert, nur noch wenige beschäftigen sich mit der Rentierzucht

6,7 Prozent der Bevölkerung sind ausländische Staatsbürger, wovon die Finnen mit 100.000 die größte Gruppe bilden. Die heute größte nichtskandinavische Bevölkerungsgruppe kam Anfang der 1990er Jahre aus dem bürgerkriegsgeplagten Jugoslawien. Zehntausende Kroaten, Serben und Bosnier leben heute zusammen mit anderen Flüchtlingen, meistens aus dem Irak, Iran, Somalia, Äthiopien und Eritrea, aber auch aus Lateinamerika vor allem in den stark segrierten Wohngebieten der größeren Städte (z. B. Stockholm-Rinkeby, Ausländeranteil 99 %, Göteborg-Bergsjö 97 %, Malmö-Rosengård 95 %). Es leben auch einige tausend Polen und Deutsche in Schweden.

Die Geburtenrate von 1,85 Kindern pro Frau (2006) ist einerseits unter der Reproduktions- schwelle von 2,10, aber weit über dem EU-Durchschnitt (1,52 im Jahr 2005). In Deutschland lag die Geburtenrate 2006 bei 1,4 Kindern (vgl. Schweden 2007, S.1 ).

2.3. Politisches Spektrum

Schweden ist eine parlamentarisch-demokratische Monarchie. Das Einkammer-Parlament, der Reichstag, hat 349 Abgeordnete und wird alle vier Jahre neu gewählt. Die sieben im Reichstag vertretenen Parteien sind die konservative Moderate Sammlungspartei, die Liberale Partei, die Zentrumspartei, die Christdemokraten, die Grünen, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens und die Linkspartei. Familienpolitik hat, quer durch alle Parteien, in Schweden eine gute Tradition. Besonders seit den 70-er Jahren werden berufstätige Eltern und da insbesondere die Frauen, durch die jeweilige Regierung unterstützt (vgl. Schweden 2007, S.1).

2.4. Die Demographie Schwedens

Hier möchte ich darstellen, wie das Land Schweden demographisch aufgestellt ist. Die Quellen beziehen sich auf das Jahr 2006. Anhand der vorhandenen Daten lässt sich erkennen, dass die Bevölkerungszahl Schwedens um ca. 0,16% wächst. Im Jahre 2003 betrug sie noch 8.976.000 Einwohner, im Jahre 2006 waren es: 9.016.596 und am 31.01.2007: 9.117.712 Einwohner.

Die Geburtenrate lag 2003 bei ca. 1,6 Kindern. Das ist zwar noch weit hinter der Rate von 2,1 aber doch deutlich über dem Europäischen Durchschnitt (vgl. Zukunftsiniative Rheinland-Pfalz, 2007, S. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Dörfler, 2006)

Die Einwohnerzahl Schwedens setzt sich folgendermaßen zusammen:

0 bis 14-jährige: 16.%; 15 bis 64-jährige: 65,7% und über 65 jährige: 17,6%. Das durchschnittliche Alter der Einwohner beträgt 40,9 Jahre.

Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 2,76 Totgeburten auf 1000 Einwohner, wobei mehr Jungen (2,92) als Mädchen (2,59) sterben.

Frauen werden im Durchschnitt älter (82,87) als Männer (78,29) (vgl. Demographie Schwedens 2007, S. 1).

3. Die wesentlichen Teile des schwedischen Sicherungssystems

Der schwedische Wohlfahrtsstaat, dessen Fundament am Ende des 19.Jahrhunderts gelegt wurde, hat seit den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Sozialsystem auf hohem Niveau aufgebaut, dass inzwischen alle Bevölkerungsgruppen, vom Kleinkind bis zum Rentner erfasst und den Bürgern verschiedene Sicherungssysteme anbietet.

Ganz aktuell werden, aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland, die Augen auf Schwedens Familienpolitik gerichtet. Interessant ist der Zusammenhang von Möglichkeiten zur Vereinbarung von Beruf und Familie und hohe Geburtenraten.

3.1. Rentenversicherung und Altersfürsorge

Das Rentensystem besteht aus einem alten und einem neuen Rentensystem. Das alte System basiert auf einer Grundrente und einer Zusatzrente die aus dem Einkommen aus der Erwerbstätigkeit errechnet wird. Dieses System gilt für Menschen die vor 1938 geboren wurden. Für Menschen, die zwischen 1938 und 1953 geboren wurden, gilt ein gleitender Übergang ins neue Rentensystem, das dann für alle ab 1954 Geborenen gilt. Dieses besteht aus drei Teilen: einem Anteil Garantierente, einem Anteil der sich aus dem Lebenseinkommen errechnet und einem Anteil aus privater Vorsorge, zum Beispiel aus Prämiensparen auf individuellen Konten (vgl. Schwedisches Institut (Hg.) 2001, S. 2).

3.2. Elternversicherung und Kinderversorgung

Im Jahre 1974 trat die Elternversicherung per Beschluss der schwedischen Regierung in Kraft. Elternteile können Sie in Anspruch nehmen wenn sie während der Pflege ihrer Kleinkinder, bzw. Neugeborenen Verdienstausfall haben.

Es werden für jedes Kind 480 Tage lang Leistungen bezahlt. Davon sind 60 Tage an die Mutter und 60 Tage an den Vater gebunden. Die verbleibenden 360 Tage sind frei verhandelbar. Für 390 dieser 480 Tage wird bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres Elterngeld in Höhe von 80 Prozent des Einkommens gezahlt. Wer keine Einkommen besaß, erhält einen Festbetrag von 60 Schwedischen Kronen pro Tag 480 Tage lang.

Bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres erhalten die Eltern ein allgemeines Kindergeld in Höhe von 950 Kronen pro Monat. Familien mit mehr als drei Kindern erhalten zusätzliche Unterstützung.

Ein weiterer Teil, um Familien zu unterstützen, ist die gut ausgebaute Kinderbetreuung. Alle Kinder von 1-6 Jahren haben einen Anspruch auf ganztägige Betreuung in einer öffentlichen Tagesstätte. Dabei werden die Kinder von pädagogisch geschultem Personal begleitet. Dafür ist eine Gebühr zu entrichten, die sich nach dem Einkommen richtet.

Die Erziehungszeiten werden in der Rentenversicherung angerechnet (vgl. Fix 2006, S. 4).

3.3. Arbeit und Arbeitslosigkeit

In Schweden gibt es seit 1934 eine Arbeitslosenversicherung. Sie wird von zwei Pfeilern getragen: Freiwilligkeit und staatliche Unterstützung. Dabei werden 80% des Gehaltes bis zu einer Höchstgrenze gezahlt. Diese liegt bei 680 Kronen pro Tag für 300 zusammenhängende Tage der Arbeitslosigkeit. Für ältere Arbeitnehmer zwischen dem 57. – und 64. Lebensjahr beträgt der Zeitraum 450 Tage.

Wer seine Arbeit verloren hat, dem werden seitens der Behörden nach der Analyse der schon vorhandenen Qualifikationen passende Weiterbildungen angeboten. Dabei werden die Weiterbildungen so ausgewählt, dass sie dem Angebot potentieller Arbeitgeber entsprechen.

Dem Arbeitssuchendem stehen in der Zeit der Weiterbildung staatliche Ausgleichszahlungen bis zur Höhe seines früheren Gehaltes zu. Selbst wenn der Betroffene im neuen Job weniger verdient als im alten Beruf, zahlt der Staat für eine bestimmte Zeit die Differenz (vgl. Matthey 2004, S. 1 f.).

3.4. Gesundheitswesen und Krankenversicherung

Den Zugang zum qualitativ hochwertigen Gesundheitssystem haben grundsätzlich alle Einwohner Schwedens. Erwerbstätige mit einem Jahreseinkommen von 6000 SK haben einen Anspruch auf Verdienstausfall bei Krankheit. Die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt ab dem 15. Krankheitstag. Das Krankengeld darf die Höhe von 606 Kronen pro Tag nicht überschreiten. Leistungen der Krankenpflege können grundsätzlich alle Einwohner Schwedens in Anspruch nehmen. Zahnärztliche Leistungen sind für alle Einwohner unter 18 Jahren kostenlos. Für Patientengebühren gibt der schwedische Staatsbürger nicht mehr als 900 Kronen aus.

Bei dem Bezug von Medikamenten beteiligen sich die Schweden mit maximal 900 Kronen pro Jahr selbst.

Die oben beschriebenen Sicherungssysteme sichern den Einwohner Schwedens das Einkommen, auch wenn durch die schwere Wirtschaftskrise in den 1990-ger Jahren die Sozialleistungen mit einschneidenden Reformen gekürzt wurden. Durch die demographische Entwicklung wurde, z.B. das Rentensystem umgebaut und nun an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt (vgl. Schwedisches Institut 2001, S. 3).

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Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640397471
ISBN (Buch)
9783640397914
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132987
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH) – Fachberich Soziale Arbeit
Note
1,0
Schlagworte
Situation Familien Schweden Sicht Eine Internetrecherche Situation Familien Schweden

Autor

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Titel: Überblick über die Situation der Familien in Schweden aus soziologischer Sicht