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Aggression und Gewalt in der Schule

Verursachungsmöglichkeiten (Theorien, Modelle, Erklärungsansätze)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 27 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Aggression und Gewalt – eine Begriffsklärung

3. Verursachungsmöglichkeiten (Theorien, Modelle, Erklärungsansätze)

4. Die Frage nach dem Ausmaß von Gewalt unter Jugendlichen? Eine Betrachtung zur statistischen Erhebung in Berlin

5. Fazit – Mögliche Folgen für die Praxis in der Schule?

Literaturverzeichnis

HORROR SCHULE: "Wir haben den Streber an einen Stuhl gefesselt."

Sie müssen Kreide essen, aus der Kloschüssel trinken, fiese Sprüche ertragen -

Mobbing-Opfern bleibt wenig erspart. Erlebnisse aus deutschen Klassenzimmern zeigen, wie erbarmungslos Jugendliche beleidigt und gedemütigt werden. Und manchmal mobben Lehrer mit.[1]

1. Einleitung

Gewalt ist ein Thema, das alle Menschen bewegt, egal welchem Milieu sie angehören, welches Geschlecht sie haben oder welchem kulturellen und ethnischen Hintergrund sie entstammen. Jeder reagiert individuell auf Gewalt, entsprechend der Situation, in welcher er sie erfährt: schockiert, ängstlich, betroffen, selbst aggressiv oder sogar amüsiert. Oft betrachtet die okzidentale Gesellschaft Gewalt als ein Phänomen der Anderen, als Ausdruck eines „vormodernen Zivilisationsstandes“. Speziell in Europa,[2] schreibt man sich zivilisatorische Errungenschaften wie staatliche Gewaltenteilung, Demokratie, Gesetze und concordia[3] auf die Fahnen: Der einzelne Bürger ist von direkter personaler Gewalt in seinem Alltag befreit. Jedoch scheinen Gewalt, Brutalität und Aggression nichtsdestotrotz ein Faszinosum mit starker Anziehungskraft zu sein. Einen beträchtlichen Anteil unserer medialen Unterhaltung stellen Filme mit Gewaltinhalten, Game-Shows mit kämpfenden Kontrahenten oder Reality-Shows über Unfälle oder andere Vorfälle, die den Zuschauer schaudern lassen. Aber auch in den Nachrichten konzentrieren sich die Journalisten oft darauf, die Schrecken unserer Welt möglichst explizit in die Wohnzimmer zu bringen. Der Mensch scheint seit jeher am Leid der Anderen sein perfides Vergnügen gehabt zu haben.[4]

Besonders weil in Deutschland Gewalt als ein Merkmal der zweiten und dritten Welt gesehen wird, ist die Bestürzung groß, wenn sie in der eigenen Gesellschaft scheinbar zur Normalität wird. Seit ca. zwei Jahrzehnten „bombardieren“ die Medien den Bürger förmlich mit den neusten, erschreckendsten Gewalttaten der Jugend. Vor allen Dinge ist es die Schule als Schauplatz der Gewalt schockierend, da Schulen Symbole für eine viel versprechende Zukunft sein sollen.

Ich will mich mit dieser Arbeit Aggression und Gewalt an Schulen zuwenden. Im Kapitel zwei werde ich die Begriffe „Gewalt“ und „Aggression“ betrachten, um die Bedeutung dieser Worte in der Alltagssprache und im wissenschaftlichen Diskurs zu klären. Hier ist eine multiperspektivische Herangehensweise interessant, da das Phänomen von Aggression und Gewalt nicht nur von der Psychologie, sondern auch von Soziologie, Anthropologie, Geschichtswissenschaft, Biologie, Medizin, Verhaltensforschung, etc. untersucht wird.

Im dritten Kapitel werde ich einen Ausblick auf unterschiedliche Ansätze, wie z.B. der Lerntheorie oder ethologischen Modellen, geben. Das spezielle Augenmerk wird auf die Untersuchung von Kindern und Jugendlichen im besonderen Umfeld der Schule gerichtet sein. Zwei Leitfragen stelle ich in diesem Zusammenhang: Was kann Aggressivität als Störung des Sozialverhaltens bei Schülern hervorbringen und warum ist Schule oft ein prädestinierter Ort für Gewalt? Da in den Medien allein die Schüler als Träger der Gewalt im Zentrum des Interesses stehen, werde ich auch die Struktur der Schule und die Lehrer als Faktoren für Gewalt in die Analyse mit einbeziehen. Im vierten Kapitel werde ich am Beispiel der aktuellen Berliner „Realität“ die bislang theoretischen Überlegungen konkretisieren, indem ich statistische Daten des Berliner Senates betrachte. Speziell die Hypothese, dass Gewalt unter Jugendlichen zunimmt, wie es von den Medien immer wieder behauptet wird, soll kritisch untersucht werden. Bei der Analyse dieser statistischen Werte ist aber zu beachten, dass die Langzeitstudien des Berliner Senates noch nicht abgeschlossen sind, so dass die gegenwärtigen Ergebnisse keine validen Schlüsse, sondern nur Hypothesen zulassen.

Im fünften Kapitel und Fazit will ich meine Ergebnisse zusammenführen und dabei auf Intervention und Prävention eingehen, wobei ich nicht die existierenden aktuellen Maßnahmen untersuchen will, sondern vielmehr meine eigenen Erkenntnisse für die zukünftige Praxis präsentieren möchte.

2. Aggression und Gewalt – eine Begriffsklärung

Bei der eingehenden Betrachtung der Worte Aggression und Gewalt wird ein Problem sehr deutlich. Die Begriffe werden sowohl in der Alltagssprache als auch im wissenschaftlichen Diskurs zum Einen synonym verwendet und zum Anderen streng unterschieden, was leicht zur Verwirrung führen kann. Ich werde hier erst das Alltagsverständnis unter zu Hilfenahme von Standardlexika wie Duden und Brockhaus klären, dann wissenschaftliche Definitionen hinzuziehen und abschließend auch die klinische Beschreibung von Aggression und Gewalt evaluieren. Ziel ist es zu unterscheiden, dass Gewalt eine Beschreibung von Ereignissen und Handlungen ist, die negativ konnotiert sind, und Aggression zwar auch die direkte Handlung impliziert, aber besonders in der Wortvarianz mit Aggressivität für die emotionale Haltung einer Person steht, die je nach Beurteilung der Situation als psychische Reaktion ihre Berechtigung hat.

Nimmt man Standardwerke wie den Duden oder Brockhaus zur Hand, um sich über eine vorläufige Wortdefinition klar zu werden, so erhält man den folgenden ersten Eindruck:

Aggression, die; -en < aus lat. Aggressio „Angriff“ zu aggredi „herangehen, angreifen>: 1. rechtswidriger Angriff auf ein fremdes Staatsgebiet, Angriffskrieg. 2. a) [affektbedingtes] Angriffsverhalten, feindselige Haltung eines Menschen oder eines Tieres als Reaktion auf eine wirkliche od. vermeintliche Minderung der Macht mit dem Ziel, die eigene Macht zu steigern od. die Macht des Gegners zu mindern (Psychol.); b) feindselig-aggressive Äußerung, Handlung.[5]

Für diese Arbeit sind die Punkte 2 a) und b) interessanter: b) gibt einfach nur eine kurze Beschreibung des Phänomens, mit anderen Worten: eine externalisierte Handlung in einer interpersonalen Beziehung. Beim Punkt 2 a) werden verschiedene Erklärungsansätze einbezogen: Der Aktionsraum ist auf Lebewesen (Mensch und Tier) beschränkt und es wird von einer Reaktion ausgegangen, die zuvor durch Emotion ausgelöst wurde. Weitergehend wird mit „Macht“ ein zentraler Begriff genannt, um dessen Erhalt, Steigerung und Minderung sich das aggressive Verhalten dreht. Den Begriff der Macht halte ich für schwierig, da Macht als Konstrukt selbst ganze Forschungsdiskussionen beherrscht. Ich werde Macht für diese Arbeit als interpersonales Gefüge definieren, in dem Menschen versuchen, Einfluss auf andere auszuüben. Die Aggression ist hier eine Handlung im sozialen Gefüge oder lediglich eine psychische Reaktion auf Reize. Als erster Schritt soll durch die zentralen Begriffe der allgemeine Verständnishorizont deutlich werden. Zu zeigen ist, wie die Begriffe von Aggression und Gewalt in der Allgemeinheit oder in speziellen wissenschaftlichen Richtungen verstanden wird. Hilfreich ist hier zusätzlich die Definition James T. Tedeschi, der Aggression einfach als schädigendes Verhalten versteht. [6] Denn Aggression als auffälliges Verhalten ist hier zu untersuchen und nicht die natürliche Fähigkeit sich in Konflikten zu behaupten. Wo die Grenze zwischen gesunder Aggression und schädigendem Verhalten gezogen werden kann, wird eine Frage dieser Arbeit sein. Die Problematik des synonymen Verständnisse der zwei Begriffe löst sich, da ich den zentralen Unterschied dahingehend festlege, dass „Aggression“ sowohl Handlung als auch psychische Reaktion sein kann, während sich „Gewalt“ in erster Linie in einer Handlung und strukturellen Zwangskonstellation entäußert. Also beide Begriffe Handlungen implizieren, Gewalt aber in diesem Rahmen bleibt und Aggression auch die personale Ebene der Emotion und Reaktion beschreibt.

Unter dem Schlagwort Gewalt findet man in der Brockhaus Enzyklopädie Folgendes:

Gewalt [ahd. (gi)walt, zu waltan >stark sein< >herrschen<] die Anwendung von phys. und psych. Zwang gegenüber Menschen. Gewalt umfasst 1) die rohe, gegen die Sitte und Recht verstoßende Einwirkung auf Personen (lat. violentia) 2) das Durchsetzungsvermögen in Macht- und Herrschaftsbeziehungen (lat. potestas).[7]

Bei dieser Definition wird auf verschiedene Ebenen hingewiesen: Es gibt den physischen und psychischen Zwang, der von Menschen oder Institutionen ausgeführt werden kann. Es deuten sich mehrere Dimensionen an, die man untersuchen muss, um das ganze Phänomen zu verstehen. Entscheidend ist der Fokus, mit dem man Gewalt als „Untersuchungsobjekt“ betrachtet. Peter Imbusch beschreibt Gewalt im Internationalen Handbuch der Gewaltforschung (2002) zum Einen als Ordnungszerstörung und zum Anderen als Ordnungsschaffung und spricht von einer Kulturkreis unspezifischen Ubiquität der Gewalt.[8] Ferner geht er auf oben erwähnte Ambiguität des Gewaltbegriffes (vgl. Latein violentia und potestas) ein, die sich gut durch den Zwang zeigen lässt. Dieser symbolisiert zum Einen eine Machtkonstellation, in der jemand oder etwas ein Individuum zu z.B. Handlungen zwingen kann, zum Anderen aber die direkte Opfer-Täter-Beziehung mit dem Faktum der Schädigung. Es zeigt sich, dass Aggression und Gewalt diverse Bedeutungskonnotationen haben, deren man sich bei der Untersuchung von Gewalt an Schulen bewusst sein muss. Aggression beschreibt die Haltung eines Menschen innerhalb von Konflikten und kann gerechtfertig sein oder nicht. Gewalt sind die Handlungen, die Menschen gegeneinander ausüben. Gewalt kann aber auch der strukturelle Zwang sein, der uns an der Ausübung unseres Willens hindert.

Von diesen ersten Überlegungen, welche Gemeinsamkeiten Aggression und Gewalt haben, gilt es in die gewärtige Forschung zu schauen, um sich den Phänomenen weiter zu nähern. In der Forschung sind mehrere Dichotomien aufgestellt worden, um sich Gewalt zu nähern. Sie dienen dazu, ein Ereignis besser bestimmen zu können:[9]

- Retardierende Gewalt (Ordnung) vs. Progressive Gewalt (Änderung) [soziopolit. Begriffe]

Diese Begriffe, die Franz Petermann verwendet, verdeutlichen eine strukturelle Ebene. Der Agitator - Mensch, Gruppe oder Institution verwendet seine Handlung, um eine Änderung zu erwirken oder im Gegenteil die Ordnung aufrecht zu erhalten. Gewalt bezeichnet daher zwei gegeneinander wirkende Kräfte. Auf diese Art ist die Wirkungsrichtung der zu untersuchenden Handlung bestimmt.

- Strukturelle Gewalt (indirekt) vs. personaler Gewalt (direkt) [Konfliktforschung] Dieses Begriffspaar, das unter Anderen Galtung in der Konfliktforschung verwendet, beschreibt die Quelle der Gewalt. Gibt es einen Agitator, eine Person, oder sind es indirekte Einflüsse wie z. B. Schulpflicht oder Umweltverschmutzung. Zur strukturellen Gewalt hat Galtung Folgendes formuliert:

Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potenzielle Verwirklichung.[10]

Das nächste Wortpaar wurde von Franz Petermann aufgestellt, der sich hier nun der personalen Gewalt zuwendet.

- offene (trotzig, unkontrolliert, impulsiv etc.) vs. verdeckte (kontrolliert, heimlich etc.) Formen der Gewalt

Die Worte an sich erklären den direkten Unterschied: Entweder tritt die Gewalt klar erkennbar zu Tage und ist damit als eine direkte Reaktion zu sehen oder es handelt sich um versteckte Handlungen, um gezielt ein Opfer zu schädigen. Der Unterschied zwischen bewusster und unbewusster Handlung weist auch auf die nächsten Dichotomien hin.

- reaktiv (Reaktion auf Reiz oder Provokation) vs. proaktiv (zielgerichtes Handeln)

Merkle, Angela; Schröder, Achim, Leitfaden Konfliktbewältigung und Gewaltprävention, Pädagogische Konzepte für Schule und Jugendhilfe, Schwalbach/Ts. 2007, S. 20f..

- affektiv (unkontrolliert, ungeplant, impulsiv) vs. „räuberisch“ (kontrolliert, zielorientiert, geplant verdeckt etc.)

Die Frage ist, ob der Aggressor aus der Situation heraus handelt oder mit einer bestimmten Intention seine Aktionen geplant hatte. Im Bezug auf die Motivation muss man aber Bedeutungsnuancen unterscheiden. Reaktiv ist eine neutrale Bezeichnung für eine Reaktion auf einen Reiz, affektiv hingegen beschreibt eine emotionale Betroffenheit und eventuell daraus resultierende Unkontrolliertheit.

- feindselig (Der Wille, der Zielperson Schaden zu zufügen.) vs. instrumental (Das Vorhaben, etwas Bestimmtes zu erreichen.)

Das letzte Begriffspaar ist eine Unterkategorie zur den vorherigen Achsen. Es ist eine proaktive und „räuberische“ Handlung, nur das Ziel wird unterschieden. Gewalt wird als nötiges Mittel angenommen, um Schaden zuzufügen oder für den Aggressor einen Vorteil zu erlangen.

All diese Dichotomien kann man sich als die Dimensionen eines Graphen vorstellen[11], so dass man die Handlungsweise eines Täters an Hand der Achsen verorten kann. Ziel dieser Analyse ist das präzise Verständnis einer Tat. Peter Imbusch hat als weiteres Instrumentarium sieben Fragen formuliert: Wer(?) Was(?) Wie(?) Wann(?) Warum(?) Wozu(?) und Weshalb(?).[12] Der Tatbestand einer Gewalthandlung beantwortet die ersten vier Fragen: Irgendwer oder was hat zu einem Zeitpunkt einen Zwang auf eine bestimmte Art und Weise ausgeübt. Durch die oben genannten Achsen lässt sich klären, wie die situationsbedingten Gründe für die Handlung aussahen: Warum und wozu ist die Handlung vollzogen worden? Die abschließende Frage Weshalb? soll die Hintergründe im Bezug auf längere Zeiträume klären und greift dem dritten Kapitel voraus, da ich dort die theoretische Ansätze betrachten will, aus welchen Faktoren heraus ein junger Mensch Gewalt als eine Handlungsoption in seinem eigenen Verhaltensschema sieht. Angela Merkle und Achim Schröder unterscheiden dabei zwei Gruppen: Individuell-biographische und gesellschaftlich-strukturelle Erklärungsansätze.[13] Wiederum ist dabei die Perspektive entscheidend, wie der Hintergrund für eine Handlung und eine Handlungsmotivation erklärt wird. Hier ist auch ein entscheidender Unterschied zwischen Gewalt und Aggression zu sehen, da ersteres stets negativ belegt ist und ein gestörtes Handlungskonzept des Täters zu Grunde legt, Aggressivität jedoch sowohl als destruktiver, sozial schädlicher Impuls als auch als konstruktiv-schöpferische Energie gedeutet werden kann.[14]

Ein Konflikt ist das Aufeinandertreffen unvereinbarer Wünsche und Verhaltenstendenzen.[15]

Objektiv betrachtet sind Konflikte und Aggressivität nichts Schlechtes, sondern eine Form sich in der Gesellschaft zu behaupten. Jedoch ist die Ausprägung entscheidend, und sowohl oppositionelles Verhalten als auch Trotzverhalten als Formen der Aggression können Teil von dissozialem Verhalten sein, das gesellschaftliche und soziale Regeln verletzt. Tillmann formuliert hier passend das „abweichende Verhalten“:

Ein Verhalten, das nicht mit den Normen übereinstimmt, die ein soziales System seinen Mitgliedern auferlegt, wird als „abweichend“ bezeichnet. Und Gewalt ist subsumiert unter die Kategorie „abweichendes Verhalten“, als Verstoß gegen die soziale Norm.[16]

Wichtig ist der soziale Konsens über „normal“ und „abnormal“, den die Mitglieder einer Gesellschaft in Normen festgelegt haben. Der Störung des Sozialverhaltens liegt die gesellschaftliche Problematik der Kommunikation zu Grunde: beständig zu vermitteln, was ihre Normen sind. Das ist in einer komplexen Welt wie der unseren eine schwierige Aufgabe. Identifikation ist ein Paradoxon geworden: Die heutige marktwirtschaftlich orientierte Gesellschaft stellt das Individuum ins Zentrum. „Der Einzelne soll sich beweisen und gegen die Konkurrenz durchsetzten!“ Aus diesem Grund gerät die existenzielle Suche nach Identität, dem Wissen um das eigene „Sein“ und der Zugehörigkeit zu Gruppen und Familie, zur Aufgabe, an der viele scheitern. Besonders in Europa bzw. Deutschland als Migrationsgesellschaften und dem Verschwinden von tradierten Grenzen wissen viele Menschen nicht, wohin sie gehören: Europa, Deutschland, Preußen, Bayern oder das Heimatland der Familie? Laut James T. Tedeschi sind Wir-Ihr-Gruppen-Vorurteile sprich Stereotypen eine wichtige soziologische Grundlage für das Entstehen von Aggression und Gewalt.[17] Eine neue Kategorie - oder ein neues Label für ein altes Phänomen - ist das Mobbing oder Bullying, welches nach Dan Olweus folgendermaßen definiert ist:

[...]


[1] Vgl. Artikel auf Spiegelonline vom 27.07.07: http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,495702,00.html (30.07.07)

[2] Speziell in der Diskussion um den Irakkrieg schrieben sich viele Länder Europas die kulturellen Werte der Zivilisation zu, um sich von der Barbarei des Krieges abzuwenden.

[3] lat. Eintracht: Damit ist der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Übereinstimmung in Werten und Normen gemeint.

[4] Aber auch in anderen Zeiten war das Schreckliche, Brutale, Extreme faszinierend für den Menschen, vgl. zum Beispiel: Richard van Dülmen, Theater des Schreckens. Gerichtspraxis und Strafrituale in der Frühen Neuzeit, München 1995.

[5] Aggression, in: Wissenschaftlicher Rat der Dudenreaktion (Hrsg.), Duden, Das Große Fremdwörterbuch, Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1994, S. 115.

[6] Tedeschi, James T., Die Sozialpsychologie von Aggression und Gewalt, in: Wilhelm Heitmeyer, Johan Hagan (Hrsg.), Internationales Handbuch der Gewaltforschung, Wiesbaden 2002, S. 573.

[7] „Gewalt“ in: Brockhaus Enzyklopädie, 8. Bd., FRU-GOS, Mannheim 198919.

[8] Vgl. Imbusch, Peter, Der Gewaltbegriff, in: Wilhelm Heitmeyer, John Hagan (Hrsg.), Internationales Handbuch der Gewaltforschung, Wiesbaden 2002, S. 27.

[9] Vgl.: Petermann, Franz; Scheithauer, Herbert, Kapitel 13 Aggressives Verhalten im Kindes- und Jugendalter, in: Michael Kusch, Kay Niebank, Franz Petermann (Hrsg.), Entwicklungspsychologie, Ein Lehrbuch, Weinheim 1998, S. 243-295.

[10] Galtung zitiert nach Kaneaki Sakurai, Erscheinungsformen und Wahrnehmung von Gewalt und Schulverweigerung in japanischen Schulen, Osnabrück 2004, S.23.

[11] Vgl. Petermann, Franz, Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie, Göttingen, Toronto, Bern, Seattle 1998.

[12] Vgl. Imbusch, Peter, Der Gewaltbegriff, in: Wilhelm Heitmeyer, John Hagan (Hrsg.), Internationales Handbuch der Gewaltforschung, Wiesbaden 2002, S. 37.

[13] Vgl. Merkle, Angela; Schröder, Achim, Leitfaden Konfliktbewältigung und Gewaltprävention, Pädagogische Konzepte für Schule und Jugendhilfe, Schwalbach/Ts. 2007.

[14] Vgl. Brockhaus Enzyklopädie, 1. Bd., A-APT, Mannheim 198619.

[15] Nolting, Hans-Peter, Störungen in der Schulklasse, Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung, Weinheim und Basel 2002, S.15.

[16] Vgl. Kaneaki Sakurai, Erscheinungsformen und Wahrnehmung von Gewalt und Schulverweigerung in japanischen Schulen, Dissertation zur Erlangung des Grades Doktor der Philosophie am Fachbereich der Erziehungs- und Kulturwissenschaften der Universität Osnabrück, Osnabrück 2004, S. 14.

[17] Tedeschi, James T., Die Sozialpsychologie von Aggression und Gewalt, in: Wilhelm Heitmeyer, John Hagan (Hrsg.), Internationales Handbuch der Gewaltforschung, S. 574.

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640392933
ISBN (Buch)
9783640393237
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133002
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Erziehungswissenschaften
Note
2.0
Schlagworte
Aggression Gewalt Schule Verursachungsmöglichkeiten Modelle Erklärungsansätze)

Autor

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