Lade Inhalt...

Das Internet als neue Möglichkeit der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung

Diplomarbeit 2009 79 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Behinderung und Arbeitsmarkt
2.1 Definition des Behinderungsbegriffs
2.2 Demographische Angaben
2.3 Die Bedeutung der Erwerbsarbeit für Menschen mit Behinderung
2.4 Die Arbeitsmarktlage von Menschen mit Behinderung in der BRD
2.4.1 Beschäftigungssituation
2.4.2 Qualifikationen
2.4.3 Einkommen
2.4.4 Entwicklung der Arbeitslosigkeit
2.4.5 Folgen von Erwerbslosigkeit

3. Berufliche Integration von Menschen mit Behinderung
3.1 Berufliche Integration und Rehabilitation
3.2 Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
3.3 Barrieren der beruflichen Integration
3.4 Anforderungen von Betrieben zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen
3.4.1 Beschäftigungshemmnisse
3.4.2 Beschäftigungsbedingungen
3.4.3 Reformwünsche

4. Das Internet als Möglichkeit zur beruflichen Integration
4.1 Definition Internet
4.2 Die Nutzung des Internets durch Menschen mit Behinderung
4.2.1 Allgemeine Nutzung
4.2.2 Chancen und Vorteile
4.2.3 Eingeschränkte Barrierefreiheit
4.2.4 Technische Hilfsmittel am Computerarbeitsplatz
4.3 Das Internet in der Berufswelt
4.4 Telearbeit – Arbeitsform der Zukunft?
4.4.1 Entwicklung
4.4.2 Potentiale
4.4.3 Formen
4.4.4 Voraussetzungen
4.4.5 Rechtliche Aspekte
4.5 Telearbeit als Beschäftigungsperspektive für Menschen mit Behinderung
4.5.1 Geeignete Behinderungsformen
4.5.2 Tätigkeitsbereiche
4.5.3 Chancen und Risiken
4.6 E-Learning
4.7 Berufliche Integration von Menschen mit Behinderung im Bereich der Neuen Technologien am Beispiel des Virtuellen Berufsbildungswerks

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

7. Abbildungs-, Tabellen- und Abkürzungsverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Gegenstand dieser Diplomarbeit ist die Fragestellung, inwieweit das Internet als neue Möglichkeit der beruflichen Integration von Menschen mit Behin-derung gesehen werden kann. Im Zuge der stetigen technischen Weiterent-wicklung der neuen Kommunikations- und Informationstechnologien, soll hinterfragt werden, ob diese Dynamik neue Ausbildungs- und Berufsper-spektiven eröffnen kann.

Computer und Internet spielen in allen gesellschaftlichen Bereichen eine im-mer größere Rolle. Somit können sich auch für behinderte Menschen loh-nende Partizipationsmöglichkeiten entwickeln. Aufgrund der prekären Ar-beitsmarktsituation ist es zunehmend schwieriger geworden, Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu vermitteln. Auf dieser Grundlage wird untersucht, ob neue Technologien Integrationsmöglichkeiten bieten.

Um der Fragestellung gerecht zu werden, nimmt zunächst das erste inhaltli-che Kapitel Bezug auf die allgemeine Situation von Menschen mit Behinde-rung auf dem Arbeitsmarkt. An dieser Stelle werden relevante Grundbegriffe erklärt und demographische Angaben zur Personengruppe der Behinderten dargestellt. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels wird die Bedeutung der Er-werbstätigkeit für Menschen mit Behinderung beschrieben und deren Ar-beitsmarktlage anhand von Beschäftigungssituation, Qualifikation, Einkom-men, sowie Entwicklung und Folgen von Arbeitslosigkeit analysiert. Im dritten Kapitel wird die berufliche Integration und Rehabilitation grundsätz-lich beschrieben. Maßnahmen und Leistungen zur beruflichen Förderung und zur Teilhabe am Arbeitsleben, sowie mögliche Probleme bei der berufli-chen Eingliederung werden dargestellt. Zudem werden Anforderungen be-schrieben, die für Betriebe grundsätzlich für eine Beschäftigung behinderter Menschen sind. Im darauf folgenden Kapitel geht es um das Internet als Möglichkeit zur beruflichen Integration. Auch dieses Kapitel wird vorerst von einer allgemeinen Definition und Begriffsklärung eingeleitet, um an-schließend die allgemeine Nutzung des Internets durch Menschen mit Be-hinderung zu beschreiben. Hier werden Chancen, Vorteile und Einschrän- kungen, sowie technische Hilfsmittel dargestellt. In diesem Zusammenhang wird auf das Internet in der Berufswelt und Tele- und Onlinearbeit als Be-rufsform der Zukunft eingegangen und dessen Zukunftschancen im Bereich der beruflichen Integration behinderter diskutiert. Zum Ende dieses Kapitels beschreibt das Beispiel, des virtuellen Berufsbildungswerkes, das spezielle Zukunftspotential von E-Learning. Ein Fazit diskutiert und reflektiert ab-schließend die zugrundeliegende Fragestellung.1

2. Behinderung und Arbeitsmarkt

Um auf die Hauptaspekte der zugrundeliegenden Fragestellung dieser Arbeit einzugehen, soll in diesem Kapitel ein Überblick über Behinderung im All-gemeinen und die aktuelle Situation behinderter Menschen auf dem Arbeits-markt gegeben werden.

2.1 Definition des Behinderungsbegriffs

Eine aufmerksame Betrachtung des Behinderungsbegriffs notwendig, da sich im Rahmen dieser Diplomarbeit die Frage stellt, ob es zweckmäßig ist, die Zielgruppe Menschen mit Behinderung nach einer bestimmten Definiti­on von Behinderung einzuschränken.

Untersucht man deshalb den Begriff „Behinderung“ genauer, so erkennt man schnell, dass keine einheitliche Erklärung existiert. Um dieser Komple-xität gerecht zu werden, ist es notwendig, den Begriff aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erklären. CLOERKES schlägt vor die Begriffe „Behinde-rung“ und „behinderter Mensch“ nach medizinisch-juristischer Definition, Behinderten-pädagogischer Definition, WHO-Klassifikation und Behinder-ten-soziologischer Definition zu bestimmen (vgl. CLOERKES 2001, 3-8). Nach juristischer Definition sind Menschen behindert, „wenn ihre körperli- und femininer Bezeichnungen weitgehend verzichtet. Natürlich sollen in diesen Fällen sowohl männliche, als auch weibliche Personen, eingeschlossen werden.

che Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahr-scheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typi-schen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesell-schaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beein-trächtigung zu erwarten ist“ (§ 2, Absatz 1, SGB IX). Als Schwerbehinderte gelten Personen, denen ein amtlich festgestellter Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent angerechnet wird (§ 2, Absatz 2, SGB IX).

Nach BLEIDICK gelten Personen als behindert, „die infolge einer Schädi-gung ihrer körperlichen, geistigen oder seelischen Funktion soweit beein-trächtigt sind, dass ihre unmittelbaren Lebensverrichtungen oder ihre Teilha-be am Leben der Gesellschaft erschwert werden“ (BLEIDICK 1999, 15). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet in der „Internatio­nal Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps“ (ICIDH) auf drei Ebenen zwischen Schädigung und Behinderung (vgl. WHO 1980, 27ff.):

Impairment (Schädigung): Verlust oder Dysfunktion im physiologischen, anatomischen oder psychologischen Bereich.
Disability (Beeinträchtigung): Einschränkung oder der Verlust der Fähig-keit, Aktivitäten in einer Art und Weise oder in einem Umfang auszuüben, wie es für einen Menschen als „normal“ gilt.
Handicap (Behinderung): Handicap meint die subjektiv erlebten Benach-teiligungen aufgrund der Schädigung/Beeinträchtigung, und damit die so-ziale Folge von Schädigung/Behinderung.

Seit 1997 wird an einer neuen Fassung, der ICIDH-2, gearbeitet. Im Gegen-satz zur ICIDH-1, die die individuumzentrierte und defektorientierte Sicht-weisen in den Mittelpunkt stellte, will die neue Fassung eher den gesell-schaftlichen Kontext, mit dem Ziel zu mehr positiven Möglichkeiten und selbstbestimmter Teilhabe, fokussieren (vgl. CLOERKES 2001, 5). CLOERKES formuliert eine soziologische Definition von Behinderung aus interaktionistischer Sicht: „Eine Behinderung ist eine dauerhafte und sicht-bare Abweichung im körperlichen, geistigen oder seelischen Bereich, der allgemein ein entschieden negativer Wert zugeschrieben wird. 'Dauerhaftig-keit' unterscheidet Behinderung von Krankheit. 'Sichtbarkeit' ist im weites-ten Sinne das 'Wissen' anderer Menschen um die Abweichung“ (ebd., 7). Desweiteren kann Behinderung nicht als absolut angesehen werden. Für das Individuum ist nicht die Schädigung ausschlaggebend, sondern die sich dar-aus ergebenen Folgen. Die Relativität von Behinderung wirkt sich in folgen-den Zusammenhängen aus: Zeitfaktor, subjektive Verarbeitung, Lebensbe-reiche und Lebenssituationen sowie kulturspezifischen Reaktionen. Beson-deres Gewicht kommt, in dieser Arbeit, der relativen Bedeutung von Behin-derung nach verschiedenen Lebensbereichen und -situationen zu. Insbeson-dere bei der Arbeitsfähigkeit ist der Behinderungsbegriff an Leistungsprinzi-pien geknüpft. Jedoch sind im Berufsleben oftmals die Auswirkungen einer Schädigung relativ. Beispielsweise kann eine blinde Telefonistin voll er-werbstätig sein, obwohl sie den amtlich festgestellten Grad der Behinderung von 100 Prozent hat (vgl. ebd., 8 f.).

Neben den verschiedenen Definitionen von Behinderung, bereitet die Hete-rogenität behinderter Menschen weitere Eingrenzungsschwierigkeiten (vgl. LEICHSENRING & STRÜMPEL, http://bidok.uibk.ac.at/). Die vorliegende Arbeit unterscheidet infolgedessen zwischen Personen mit geistigen, psychi-schen und körperlichen Einschränkungen. Ob es grundsätzlich sinnvoll ist, in der Untersuchung der Fragestellung, nach unterschiedlichen Behinde-rungsformen zu trennen, bleibt noch zu prüfen. Festgestellt werden kann al-lerdings, dass ein Aufeinandertreffen von Personen mit unterschiedlichen Formen und Ausprägungen von Behinderung „auch als positiver erster Schritt zur sozialen Integration angesehen werden kann“ (SEYFRIED 1990, 37).

Angesichts der beruflichen Integration gelten körperbehinderte Personen, als die am leichtesten in den Arbeitsmarkt integrierbare Gruppe. Nach tech-nischer und baulicher Anpassung des Arbeitsplatzes und/oder persönlicher Assistenz sind sie theoretisch am ehesten in der Lage Ausbildungsangebote, auch der höheren Bildung, zu nutzen. Jedoch fehlen diese Voraussetzungen in den meisten Bereichen des beruflichen Lebens. Sich verändernde Ausbil-dungs- und Arbeitsbedingungen, bei denen körperliche durch intellektuelle Anforderungen abgelöst werden, wie beispielsweise im Umgang mit Com-putertechnologie, bedeuten für körperbehinderte Menschen eine Erleichte-rung in ihrer beruflichen Integration (vgl. LEICHSENRING & STRÜM-PEL, http://bidok.uibk.ac.at/). Für Menschen mit einer geistigen Behinde-rung bringt der Umstand sich verlagernder Arbeitsbereiche, auf den ersten Blick Barrieren mit sich. Hinzu kommen oft verkannte und deshalb nicht ausreichend geförderte Entwicklungsprozesse dieser Personen. Besondere Problematik besteht auch für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Der schubhafte Charakter vieler psychischer Erkrankungen verhindert konti-nuierliche Arbeit bzw. Teilnahme an Rehabilitationsangeboten. Mit diesem Nachteil gehen oftmals weitere Probleme, wie z.B. Motivationsprobleme und die „Unsichtbarkeit“ psychischer Erkrankungen, einher (vgl. ebd.).

2.2 Demographische Angaben

Die Trennung zwischen nur leicht behinderten Personen und schwerbehin-derten Menschen, nach § 2 SGB IX, soll in dieser Arbeit keine Anwendung finden, da in der zu untersuchenden Fragestellung niemand ausgeschlossen werden soll. Jedoch bleibt in der engeren Betrachtung mancher Fakten nur die Möglichkeit sich auf schwerbehinderte Menschen zu konzentrieren, da nur diese statistisch erfasst sind.

Festgestellt werden kann, dass zum Jahresende 2007 bei den Versorgungs-ämtern 6,9 Millionen Menschen als Schwerbehinderte mit gültigem Ausweis amtlich anerkannt waren. Das entsprach einem Anteil von rund 8,4 Prozent der Bevölkerung der BRD. Über die Hälfte dieses Personenkreises (51,9 Prozent) waren Männer. Den allgemeinen Erwartungen entsprechend, ka-men Behinderungen bei Personen im fortgeschrittenen Alter häufiger als bei jüngeren Menschen vor. So war gut ein Viertel (28,4 Prozent) der Menschen 75 Jahre und älter; knapp die Hälfte (46,3 Prozent) gehörte der Altersgruppe der 55 bis unter 75-Jährigen an. Demgegenüber fiel der Anteil der unter 25-Jährigen mit 4,0 Prozent gering aus. Am häufigsten litten schwerbehinderte Menschen unter körperlichen Behinderungen (64,3 Prozent): Bei 25,3 Pro-zent der Personen waren die inneren Organe bzw. Organsysteme betroffen. Bei 13,8 Prozent waren Arme und Beine in ihrer Funktion eingeschränkt, bei weiteren 12,6 Prozent Wirbelsäule und Rumpf. In 5,0 Prozent der Fälle lag Blindheit oder Sehbehinderung vor. 3,8 Prozent litten unter Schwerhö-rigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen. Auf geistige oder seelische Behinderungen entfielen zusammen 9,9 Prozent der Fälle, auf zerebrale Stö-rungen 9,0 Prozent. Bei den übrigen Personen (16,8 Prozent) war die Art der schwersten Behinderung nicht ausgewiesen. Von den amtlich anerkannten schwerbehinderten Menschen litt rund ein Viertel unter sehr schweren Be-einträchtigungen: Bei 1,7 Millionen der Personen war vom Versorgungsamt ein Grad der Behinderung (GdB) von 100 Prozent festgestellt worden. Der geringste Grad von 50 wurde 2,1 Millionen schwerbehinderten Menschen zuerkannt (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2007, 7-19). Zusätzlich zu den schwerbehinderten Menschen kommen ca. 1,9 Millionen Menschen mit einer einfachen Behinderung (GdB unter 50 Prozent) und eine Dunkel-ziffer all derjenigen, die keinen Schwerbehindertenausweis beantragt haben und keine sozialen Leistungen beziehen (vgl. BIH 2008, 8).

2.3 Die Bedeutung der Erwerbsarbeit für Menschen mit Behinderung

„Arbeit ist bewusstes, zielgerichtetes Handeln des Menschen zum Zweck der Existenzsicherung, wie der Befriedigung von Einzelbedürfnissen; zu-gleich wesentlicher Moment der Daseinserfüllung“ (BROCKHAUS, 2007). Die Teilhabe am Arbeitsleben hat, gerade für Menschen mit Behinderung, zentralen Stellenwert. Erwerbstätigkeit ist für diese Personengruppe oftmals die Basis für eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am gesell-schaftlichen Leben (vgl. BMG 2004, 66). Arbeitslosigkeit bedeutet, neben materieller Schlechterstellung, die Gefährdung des sozialen Ansehens und damit auch der Selbstachtung, da der Sozialstatus und die persönliche Iden-tität heute oft über die berufliche Arbeit definiert werden (vgl. NIEHAUS etal. 1997, 18). Für Menschen mit Behinderung ist der Arbeitsplatz häufig der Beweis für eine „Meisterung der Behinderung und die wichtigste Anerken-nung der Leistung“ (ebd., 19).

Um sich der Bedeutung der Arbeit für den Menschen zu nähern, ist die Be-dürfnispyramide des amerikanischen Psychologen ABRAHAM MASLOW (1908 – 1970) als Erklärungsmodell hilfreich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1: Die MASLOW-Pramide der Bedürfnisse (vlwwwsdi-researchat)

Das Modell unterscheidet fünf nach Dringlichkeit geordnete Bedürfnisstu-fen, die für menschliches Handeln und Erleben motivierend sind. Der Mensch versucht zuerst, die Bedürfnisse der niedrigen Stufen zu befriedi-gen, bevor die nächsten Stufen Stellenwert bekommen. Die ersten vier Stu-fen werden als Defizitbedürfnisse bezeichnet, die sich wiederum in Exis-tenzbedürfnisse (körperliche Grundbedürfnisse und Sicherheitsbedürfnisse) und Beziehungsbedürfnisse (soziale Bedürfnisse und Ich-Bedürfnisse) glie-dern. Die fünfte Stufe zeigt die Wachstumsmotive, für die es keine Grenze in der Ausprägung gibt.

Aus den Bedürfnisstufen ergeben sich, in Bezug auf Arbeit, fünf Motivati­ons- und Sinndimensionen:

− Auf der Stufe der physiologischen Bedürfnisse erfüllt die Arbeit die Exis-tenzsicherung. Ebenso wird der Schutz der Gesundheit in der Arbeit ange-sprochen.
− Auf der Stufe der Sicherheitsbedürfnisse lassen sich ähnliche Tendenzen erkennen: Arbeit soll zur Sicherheit des Lebens beitragen, zugleich wird ein sicherer Arbeitsplatz gesucht.
− Auf der Stufe der sozialen Bedürfnisse nach Kommunikation und Koope-ration, stillt die Arbeit teilweise den Bedarf nach professionellen und in-formellen sozialen Kontakten und Begegnungen.
− In Bezug auf die Ich-Bedürfnisse nach Anerkennung und Geltung, kann Arbeit Leistungserfolge und Leistungsbestätigung darstellen. Somit leistet Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Selbstachtung eines Menschen.
− Die letzte Stufe der Bedürfnispyramide, die Selbstverwirklichung, kann in der Arbeit durch die Übernahme von Verantwortung, durch Spielräume für Kreativität und Selbstentfaltung erreicht werden.

In der Arbeit ist der Mensch somit nicht nur Schöpfer eines Produktes oder Erbringer einer Dienstleistung. Er erfährt sich gleichsam als Schaf-fender und Leistender, der bei der Arbeit auch an sich selbst arbeitet (vgl. NIEHAUS et al. 1997, 20).

Vor diesem theoretischen Hintergrund wird die Bedeutung der Erwerbsar-beit in unserer Leistungsgesellschaft, als ein zentrales Element des Lebens deutlich. Der Beruf hat ausschlaggebenden Einfluss auf Status und Rang, verleiht finanzielle Souveränität und ist ein wesentlicher Faktor bei der Aus-bildung und Bewahrung der eigenen Identität (vgl. ebd., 20 f.). Im Um-kehrschluss ist Arbeitslosigkeit für den Erwerbslosen eine „Quelle für Ge-fühle der Nutz- und Sinnlosigkeit und Langeweile“ (ebd.).

BIEKER beschreibt Potentiale der Erwerbsarbeit. Auf der Basis, der von JAHODA 1983 geprägten „latenten Konsequenzen der Erwerbsarbeit“, führt er folgende Funktionen der Erwerbsbeteiligung auf:

− Erwerbstätigkeit gibt dem Leben eine Zeitstruktur. Dieses implementiert den Wechsel zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen An- und Entspan-nung. Der feste Zeitrhythmus des Alltags vermittelt Orientierung und Si-cherheit.

− Erwerbstätigkeit schafft regelmäßige gemeinsame Erfahrungen und Kon-takte zu anderen Menschen, außerhalb der eigenen Familie. Somit ist Er-werbstätigkeit ein wichtiges Instrument zur sozialen Integration.
− Über die Erwerbsarbeit wird der Einzelne über seinen persönlichen Rah-men hinaus in kollektive Ziele und Zwecksetzungen eingebunden.
− Erwerbsarbeit vermittelt den sozialen Status und die damit zusammenhän-gende Identität einer Person. Im Vergleich mit anderen, kann sich jeder Einzelne einordnen und orientieren.
− Erwerbstätigkeit erzwingt Aktivität, indem sie Anforderungen an die Ar-beitenden stellt. Also fordert sie die Fähigkeiten des Individuums in Hin-sicht auf kognitive, soziale und eventuelle schöpferische Prozesse (vgl. BIEKER et al. 2005, 15 f.).

BIEKER ergänzt diese Konsequenzen der Erwerbsarbeit um individuelle Potentiale, die im Einzelfall von Bedeutung sein können. Zu diesen Poten-tialen zählen

− das Gefühl von Sicherheit in Bezug auf soziale Einbindung und Einkom-men,
− die einkommesbezogenene Planbarkeit der Lebensführung,
− die Möglichkeit, sich durch das Einkommen individuelle Wünsche erfül-len zu können,
− die Wertschätzung und soziale Anerkennung, die mit dem Status eines Leistungserbringers und der erfolgreichen Bewältigung von Anforderun-gen verbunden ist,
− Möglichkeiten, durch die berufliche Aufgabe Lebensfreude und Sinner-füllung zu erfahren, sich selbst zu verwirklichen und damit Selbstbe-wusstsein und -vertrauen zu schöpfen,
− die Chance als gleichberechtigtes, reifes und vollwertiges Mitglied der

Gesellschaft angesehen zu werden und

− die Option, grundlegende seelische Bedürfnisse durch Arbeit sublimieren zu können (vgl. ebd., 16).

Einige dieser Potentiale haben für Menschen mit Behinderungen besondere Bedeutung. Erwerbstätigkeit bedeutet für sie der öffentlich sichtbare Beleg für Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit, da statt „Defiziten“ indivi-duelles „Können“ sichtbar wird. Dieses hat maßgeblichen Anteil an der Prä-gung der Identität, da durch das Einnehmen einer „normalen sozialen Rolle“ ein Gegengewicht zum Status einer eingeschränkten Person erreicht wird. Außerdem wird die Abhängigkeit von öffentlicher Unterstützung durch Er-werbsarbeit verringert oder vermieden. Der erwerbstätige behinderte Mensch erfährt, dass er nicht nur Hilfen und Gelder braucht, sondern durch seine Arbeitskraft selber etwas schaffen und zurückgeben kann. Diese Er-fahrung wird nicht nur durch Lob und Anerkennung, sondern auch konkret mit Geld verstärkt, welches durch die eigene Kompetenz und nicht durch In-kompetenz bezogen wird (vgl. ebd.).

Auf der Ebene der sozialen Beziehungen reduziert Erwerbsarbeit das Risiko sozialer Isolation. Dementsprechend fördert Erwerbstätigkeit die soziale In­tegration. Die betreffende Person kann mitreden, da sie eigene Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Arbeitsleben in die Kommunikation mit ande-ren einbringen kann. Eingeschränkte Lebensbereiche, wie Wohngruppen oder Heime, werden durch die Arbeitsstelle um einen weiteren Ort der Le-bensführung, mit anderen inhaltlichen Bezügen, Anforderungen und sozia-len Kontaktchancen erweitert. Die mit Erwerbstätigkeit verbundenen Auf-forderungen und zeitlichen Strukturierungen steuern, vor allem für Men-schen mit einer psychischen Behinderung, zur Bewältigung ihrer Einschrän-kung bei (vgl. ebd., 16 f.).

Eine 1996 in Österreich durchgeführte Untersuchung macht deutlich, wel-che konkrete Bedeutsamkeit Erwerbsarbeit für Menschen mit Behinderung hat. Befragt wurden schwer Körperbehinderte, die in Werkstätten und Ta-gesförderstätten beschäftigt waren. In die Auswertung wurden 386 Fragebö-gen einbezogen. Die Befragten gaben an, dass es ihnen wichtig ist renten-und sozialversichert zu sein, etwas anderes zu sehen, als die Wände in ihren eigenen Zimmern, mit anderen Menschen zusammen zu sein, eine sinnvoll erlebte Arbeit auszuüben, die von der Gesellschaft anerkannt wird und in der sie an der Erstellung eines Produktes oder einer Dienstleistung mitarbei-ten können. Arbeit wird von den Befragten als wichtig empfunden, aller-dings verweisen sie darauf, dass es noch andere wichtige Dinge im Leben gibt. Wichtig sind ebenfalls stabile personelle Beziehungen, um Kommuni-kation und eine angemessene Versorgung in allen Bereichen zu ermögli-chen. Außerdem wird festgestellt, dass die Befragten mit ihrem verdienten Entgelt nur wenig zufrieden sind (vgl. LELGEMANN 2000, http://bido-k.uibk.ac.at). Schlussfolgernd ergibt sich für LELGEMANN aus den Dar-stellungen der Befragten, dass Arbeitslosigkeit Ausschluss von zentralen ge-sellschaftlichen und für den Einzelnen sehr bedeutsamen Erfahrungen, wie ein Produkt oder eine Dienstleistung mitzugestalten, Kollegen haben, sozial anerkannt zu sein und Geld selbst verdienen und ausgeben können, bedeutet (vgl. ebd.).

2.4 Die Arbeitsmarktlage von Menschen mit Behinderung in der BRD

Etwa jeder zehnte Bürger in Deutschland ist von einer Behinderung betrof-fen. Bedauerlicherweise korreliert Behinderung häufig mit Arbeitslosigkeit. Dementsprechend ist es in Bezug auf die vorliegende Themenstellung be-deutsam, die Arbeitsmarktlage Behinderter genauer zu betrachten. In diesem Kapitel soll diese Situation dargestellt werden, um im Nachfolgenden auf die Möglichkeiten der beruflichen Integration von Menschen mit Behinde-rung einzugehen.

2.4.1 Beschäftigungssituation

Einer Untersuchung der Beschäftigungssituation behinderter Menschen geht die Feststellung einer Problematik, in Bezug auf Behinderten-Statistiken voraus. BRACKHANE stellt fest, dass aufgrund des uneinheitlichen Behin-derungsbegriffs und der nicht vorhandenen Meldepflicht für Behinderungen in der BRD, alle Zahlenangaben nur eingeschränkt verwendet werden kön-nen. Es gibt zwar aus den Bereichen des Arbeits- und Berufslebens sowie der Sozialversicherung exakte Zahlen, jedoch liefern diese ebenfalls nur ein-geschränkte Verlässlichkeit, da hier nur diejenigen Menschen erfasst sind, die Schritte zur Anerkennung ihrer Behinderung unternommen haben (vgl. BRACKHANE 1996, 19). Demnach muss davon ausgegangen werden, dass es eine erhebliche Dunkelziffer von erwerbstätigen Menschen mit Behinde-rung in der BRD gibt. Somit können die folgenden Beschreibungen nur einen Überblick über die Größenordnung der Beschäftigungszahlen behin-derter Menschen geben.

2006 waren etwa 790.000 schwerbehinderte Menschen bei beschäftigungs-pflichtigen Arbeitgebern (Arbeitgeber mit mehr als 20 Arbeitsplätzen, vgl. § 71, Abs.1, SGB IX) beschäftigt. Insgesamt sind in der BRD, im Jahr 2006, ca. 1,13 Millionen schwerbehinderte Personen beschäftigt, damit sind 2,6 Prozent aller Erwerbstätigen Schwerbehinderte. Die Erwerbsquote lag bei 36,4 Prozent für die 15 bis unter 65-jährigen schwerbehinderte Menschen und bei 49,8 Prozent für die 15 bis unter 60-Jährigen Schwerbehinderten (vgl. BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT 2008, 93).

Der größte Teil der behinderten Arbeitnehmer war im Jahr 2005, mit 29 Pro-zent im Dienstleistungssektor beschäftigt, dort insbesondere im Erziehungs-und Gesundheitswesen. 23 Prozent waren im Bereich „Bergbau und Verar-beitendes Gewerbe“ tätig, gefolgt von „Handel und Gastgewerbe“ (13 Pro-zent), sowie der öffentlichen Verwaltung (11 Prozent). Vergleicht man die Beschäftigungsstruktur behinderter Menschen mit der von nicht behinderten Erwerbstätigen, so wird deutlich, dass Menschen mit einer Behinderung sel-tener in Handel, Gastgewerbe und Baugewerbe arbeiten. Demgegenüber sind Menschen mit Behinderung häufiger als nicht behinderte Menschen in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt.

46 Prozent aller behinderten Beschäftigten befanden sich 2005 in einem An-gestelltenverhältnis, 40 Prozent waren Arbeiter, acht Prozent waren Selbstständig und sechs Prozent hatten einen Beamtenstatus (vgl. BIH 2008, 11 f.).

2.4.2 Qualifikationen

Die schulische Qualifikation ist für die meisten Unternehmen der wichtigste Faktor, wenn es um Ausbildungsmöglichkeiten oder eine Anstellung geht. Im Bereich der schulischen Abschlüsse, ist der Hauptschulabschluss, mit ei-nem Anteil von 62 Prozent, der häufigste Schulabschluss von Menschen mit Behinderung in der BRD. Dieses ergaben Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes 2005, bei denen nur Personen ab 15 Jahren befragt wurden, die zum Zeitpunkt der Befragung keine Schule besuchten. Bei nicht behin-derten Menschen war ebenfalls der Hauptschulabschluss der häufigste Schulabschluss. Hier lag der Anteil bei 42 Prozent. Einen Realschulab-schluss konnten 42 Prozent der Befragten behinderten Personen vorweisen, demgegenüber 30 Prozent der nicht behinderten Personen. Das Abitur oder die Fachhochschulreife erreichten 12 Prozent der eingeschränkten Befrag-ten. Diese Abschlüsse erreichten nicht behinderte Personen etwa doppelt so oft (25 Prozent). Annähernd 6 Prozent der behinderten Menschen verfügten über keinen Schulabschluss, bei nicht behinderten waren es 3 Prozent (vgl. BIH 2008, 12).

Großes Ungleichgewicht besteht, nach Aussage der Bundesarbeitsgemein-schaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, zwischen Angebot und Nachfrage an betrieblichen Ausbildungsangeboten für junge Menschen mit einer Behinderung. Die Anzahl betrieblich ausgebildeter behinderter Menschen ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Wurden im Jahr 2000 noch etwa 15.000 Jugendliche betrieblich ausgebildet, so waren es 2002 noch 9.000 und 2005 lediglich noch 4.800. Demgegenüber leisteten 2005, nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke, fast 15.250 Jugendliche eine berufliche Erstausbildung in einem der 52 Berufs-bildungswerke ab (vgl. ebd.).

2.4.3 Einkommen

Menschen mit Behinderung beziehen ihre Einkünfte, zum großen Teil, aus anderen Quellen wie Nichtbehinderte. Jüngere Nichtbehinderte (25 bis 45-jährige) bestreiten (mit 75 Prozent) ihren Lebensunterhalt in stärkeren Maße durch Erwerbstätigkeit, als es gleichaltrige mit Behinderung tun (52 Pro-zent). Jeder fünfte Mensch mit Behinderung, in dieser Altersgruppe, hat Ein-künfte aus Pensionen oder Renten. Bei Nichtbehinderten ist dieses bei weni-ger als einem Prozent der Fall. In der Altersgruppe der 45 bis 65-Jährigen ist dieser Unterschied noch deutlicher ausgeprägt. Hier finanziert nur noch je-der dritte behinderte Mensch seinen Unterhalt durch Erwerbsarbeit, im Ge-gensatz zur Hälfte (56 Prozent) der Nichtbehinderten (vgl. BIEKER et al. 2005, 28).

2.4.4 Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Die Anzahl der schwerbehinderten Arbeitslosen entwickelte sich seit Mitte der 90er Jahre parallel zur allgemeinen Beschäftigungssituation in Deutsch­land (vgl. Tabelle 3: Entwicklung der Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen von 1995 - 2007). Bis zu einem Aktionsprogramm der Bundesre-gierung zur Verringerung der Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter im Jahr 2002, stieg die Zahl arbeitsloser Menschen mit Behinderung deutlich an. Das Programm konnte die Arbeitslosenzahlen allerdings nur kurzzeitig ver-ringern, bis 2006 der Höchststand erreicht wurde. In diesem Jahr waren im Durchschnitt 197.000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Seit Anfang 2007 sinkt die Arbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen erst-malig seit Jahren: In der Zeitspanne zwischen Januar und Mai 2007 sank sie um mehr als vier Prozent, während die allgemeine Arbeitslosigkeit um mehr als zehn Prozent sank (vgl. BIH 2008, 13). Eine Hochrechnung der Bundes-agentur für Arbeit, die die Struktur der 370 Kreise mit vollständigen Daten der 69 zugelassenen kommunalen Träger zugrunde gelegt wurden, ergab für 2007 einen Jahresdurchschnitt von 187.000 arbeitslosen schwerbehinderten Menschen. Damit hat sich die spezifische Arbeitslosigkeit dieser Personen-gruppe auf 16,8 Prozent verringert (vgl. Tabelle 3: Entwicklung der Arbeits-losigkeit schwerbehinderter Menschen von 1995 - 2007). Allerdings ging die Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter nur in Westdeutschland zurück. In Ostdeutschland stieg die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen hin-gegen um 1,9 Prozent, auf 53.000 Personen an (vgl. BIH 2008, 13).

46,5 Prozent aller arbeitslosen schwerbehinderten Menschen sind bereits länger als ein Jahr arbeitslos. Damit sind schwerbehinderte Menschen etwas häufiger von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, als Arbeitslose ohne Behin-derung. Die Gesamtarbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen liegt bei 16,6 Prozent. Im Osten Deutschlands ist die Quote, analog zur allgemeinen Arbeitslosenquote, mit 26,9 Prozent nahezu doppelt so hoch (vgl. BIH 2008, 11).

Vergleicht man die spezifischen Arbeitslosenzahlen schwerbehinderter Men-schen mit den allgemeinen Arbeitslosenzahlen, fallen deutliche Parallelen auf. Der Trend der Arbeitslosenzahlen schwerbehinderter Menschen entwi-ckelt sich, wenn auch leicht zeitverzögert, sehr ähnlich zu den allgemeinen Arbeitslosenzahlen. Welchen Einfluss die aktuelle Finanz- und Wirtschafts-krise auf die allgemeine Beschäftigungsentwicklung, und damit auch die Arbeitslosenzahlen behinderter Menschen nimmt, lässt sich zu diesem Zeit-punkt noch nicht genau feststellen. Eindeutig kann jedoch gesagt werden, dass die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen als Teil des allgemeinen Arbeitsmarktes von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwick-lung abhängt.

2.4.5 Folgen von Erwerbslosigkeit

Die empirischen Untersuchungen, über die Wirkung der Arbeitslosigkeit und die Formen ihrer Bewältigung, zeichnen ein relativ genaues Bild der Lebenslage von Menschen auf, die längerfristig ihren Arbeitsplatz verloren haben. Zwar richten sich diese Untersuchungen nicht im speziellen an Men-schen mit Behinderung, jedoch lassen sich die Ergebnisse zumindest auf diejenigen behinderten Menschen übertragen, die gegen ihren Willen aus dem Arbeitsprozess ausgegliedert wurden (vgl. BIEKER et al. 2005, 17). Die Studien verweisen auf typische Folgen bzw. Risiken längerfristiger Ar-beitslosigkeit (vgl. BIEKER et al. 2005, 18):

Finanzielle Folgen:

Im finanziellen Bereich liegt der stärkste negative Einfluss auf die Befind-lichkeit der Betroffenen. Hierzu gehören Einschränkungen in Konsum, Frei-zeitverhalten, die Auflösung des Ersparten und das Eintreten von Zahlungs-schwierigkeiten.

Entwicklung psychischer und somatischer Belastungssymptome: Neben der Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls sind vor allem Verunsi-cherung, Resignation, Niedergeschlagenheit, Pessimismus und Reizbarkeit/Aggression zu beobachten. Auf organischer Ebene treten vor-wiegend psychosomatisch zu interpretierende Beschwerden auf (vgl. ebd.).

Sozialer Rückzug und familiäre Belastung:

Die finanziellen Einschränkungen, das Gefühl der Ausgrenzung, in materiel-ler Hinsicht schlechter gestellt zu sein als andere, zur Gruppe der „Verlierer“ zu gehören und öffentlich diskriminiert zu werden, führen zum Rückzug aus bestehenden sozialen Beziehungen (vgl. ebd.). Auf der innerfamiliären Ebe-ne kann ein Anstieg des Konfliktniveaus beobachtet werden (vgl. MINIS-TERIUM FÜR ARBEIT NRW 1998, 55).

Dequalifizierung und Reduzierung des Aktivitätsniveaus:

Allmählich gehen Fachkompetenzen (Qualifikation, Routine, Erfahrung) verloren und Schlüsselqualifikationen (Kooperationsfähigkeit, Flexibilität, Ausdauer, Lernbereitschaft, Stresstoleranz etc.) drohen zu verkümmern (vgl. BIEKER et al. 2005, 18). Oftmals resignieren die betroffenen Personen und geben die Erwerbsposition endgültig auf (vgl. SOZIALMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN 1999, 233).

Soziale Gefährdungen:

Im besonderen bei jungen Menschen ohne berufliche Perspektive steigt das Risiko zu sozial abweichenden Verhaltensweisen, wie Gewaltbereitschaft und strafbaren Handlungen (vgl. BIEKER et al. 2005, 18).

[...]


1 Zur Vereinfachung des Leseflusses wird in dieser Arbeit auf die Benennung maskuliner

Details

Seiten
79
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640390700
ISBN (Buch)
9783640391127
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133121
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Note
1,3
Schlagworte
Behinderung Internet Neue Medien Intergration Beruf

Autor

Zurück

Titel: Das Internet als neue Möglichkeit der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung