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Die Reduplikation im Italienischen

Seminararbeit 2003 14 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Definition und Einführung

2 Reduplikation in verschiedenen Sprachen

3 Formale und pragmatische Abgrenzung der Reduplikation von “emphatischer” Wiederholung

4 Reduplikation als emotionales Stilmittel

5 Reduplikation in der insistierenden Nachfrage

6 Reduplikation zur Intensivierung

7 Reduplikation zur qualitativen Präzisierung (Typ caffè caffè)

8 Lexikalisierte Formen der Reduplikation

Quellen

Die Reduplikation im Italienischen

1 Definition und Einführung

Die Fachliteratur spricht von Reduplikation (bzw. von Iteration, Repetition oder raddoppiamento), wenn eine Basis, die aus einem Wort besteht, ein oder mehrere Male wiederholt wird, ohne dass weitere Elemente dazukommen. Mehrfachwiederholungen wie mare mare mare (Gossen) treten sehr viel seltener auf, meist wird nur einmal gedoppelt (piano piano). Die Doppelung kann verschiedenen Funktionen erfüllen, unter anderem die der Intensivierung.

Die Reduplikation ist in der gesprochenen Umgangssprache ein sehr verbreitetes Stilmttel, aber auch in der Literatur gibt es viele Beispiele. Beispiele aus Pirandello findet man etwa bei van Nuffels oder bei Rainer in der Auswertung eines Korpus von 43 Büchern (490 Belege).[1]

Die Reduplikation kann intensivierend wirken, so wie es auch Elative (pianissimo) tun, allerdings erreichen Elative nach Dressler einen höheren Grad an Intensität als die Reduplikation.[2] Diese kann aber neben der Intensivierung noch andere Funktionen erfüllen (s.u.). Eine der wichtigsten ist meiner Meinung nach die „insistierende Nachfrage“ in der gesprochenen Sprache (Rainer, siehe unten).[3]

Fast alle Wortklassen können - vor allem in der insistierenden Nachfrage - redupliziert werden, Artikel, (* la la casa, * ho comprato una una rivista), Präpositionen (* a a scuola), Zahlwörter (* ho comprato due due riviste)[4] und Konjunktionen (* perchè perchè) allerdings nicht. Doch sogar Pronomen lassen sich auf diese Weise intensivieren bzw. präzisieren: lui luissimo (bei Migliorini) – er höchstselbst. Auch in lateinischen Schriften findet sich schon meme – ich selbst (Rohlfs). Ein weitere Möglichkeit ist die der Verdoppelung des Possessivpronomens: Questa macchina è mia mia (das eigene Auto im Gegensatz zum Firmenwagen). Es gibt auch sonst zahlreiche Möglichkeiten für die Anwendung der Reduplikation, vor allem wie schon gesagt in der insistierenden Nachfrage (s. Punkt 5), die generell bei allen Wortarten möglich scheint.

Wo die Reduplikation nicht angewendet werden kann, hat das z.B. phonetische Gründe: * interessante interessante, Sul mercato c’era uno spingi spingi. – Ma intendi uno * spingi spingi spingi spingi, o quanta gente c’era davvero?

Im Allgemeinen liegt die Entscheidung, ob die Reduplikation angewendet werden kann oder nicht, wohl beim (muttersprachlichen) Sprecher und kann demnach variieren. Bei Befragungen von Muttersprachlern fand ich heraus, dass es keine Regel gibt. Entscheidend ist das Sprachgefühl. Es wird einfach danach entschieden, ob etwas „komisch klingt“ oder eben nicht. Die Reduplikation von Fremd- oder Lehnwörtern scheint durchgehend wenig akzeptabel. Rainer nennt einige Wörter, die seiner Meinung nach nicht redupliziert werden können (chic, fruttifero, adatto) und gibt als Erklärung neben der schwierigen Aussprache auch an, dass sie nicht volkstümlich, d.h. affektivisch genug seien[5].

Zur verwendeten Literatur ist zu sagen, dass ich mich von dem relativ aktuellen Dressler von 1996 aus im Schneeballsystem nach hinten gearbeitet und die relevante Literatur vor 1996 größtenteils berücksichtigt habe. Da die insistierende Nachfrage, die im heutigen gesprochenen Italienisch enorm wichtig ist, unter all den Autoren nur einer, nämlich Rainer, nennt (wobei er anmerkt, dass er dafür nur Belege mit negativen Ausdrücken – nulla nulla, nessuno nessuno – kennt) lässt den Schluss zu, dass sich die Reduplikation erst in den letzten Jahren auf die insistierende Nachfrage ausgedehnt hat. Auch sonst scheint mir die Behandlung dieses Themas noch reichlich lückenhaft, vor allem bezüglich der Verwendung.

2 Reduplikation in verschiedenen Sprachen

Die Reduplikation ist bei jüngeren lateinischen Autoren und in Urkunden zu finden und sogar im Sanskrit (Sorrento). Sie wird auch in indischen Sprachen verwendet, in Afrikaans (Botha), im Hebräischen und in Kreolsprachen (Poggi Salani), im Sardischen, im Provenzalischen und Rumänischen (Sorrento) und wahrscheinlich auch in anderen Sprachen. Aber zumindest zur Intensivierung wird sie wohl nirgends so häufig angewendet wie im Italienischen (Rohlfs), und die Reduplikation von Substantiven zur qualitativen Präzisierung scheint ausschließlich im Italienischen möglich[6].

In anderen Sprachen wird die Reduplikation oft in Toponymen und zur Pluralbildung verwendet, manchmal auch zur Intensivierung. Im Türkischen z. B. wird yavash (slow) durch Verdoppelung zu yavash yavas ) zu (oh so slow).[7] Im modernen Griechisch scheint die Reduplikation zur Intensivierung bei Adjektiven und Adverbien recht verbreitet zu sein.[8] Sorrento wirft die Frage auf, ob die intensivierende Reduplikation im Italienischen vielleicht aus dem Griechischen übernommen worden sei. In Französisch können anscheinend auch Adverbien usw. redupliziert werden.[9] Im Deutschen findet sich nur die die emphatische Wiederholung vom Typ Lauf, lauf! und einige Wortbildungsprodukte mit Ablaut, wie Tingeltangel, Wirrwarr[10].

Nach Sorrento ist die Reduplikation vor allem in Dialekten und in der populären Literatur zu finden. Der Aspekt des Volkstümlichen wird auch bei Meyer-Lübke und Rainer betont.

Laut Dressler (Jaberg) gibt es ein Nord-Südgefälle innerhalb Italiens: Im Süden sei die Verwendung der Reduplikation weit häufiger als im Norden. Rainer behauptet allerdings, dass die Reduplikation in ganz Italien gleichermaßen üblich ist.

3 Formale und pragmatische Abgrenzung der Reduplikation von “emphatischer” Wiederholung

Im Gegensatz zur Reduplikation kommt die „emphatische“ Wiederholung wie bei dt. Lauf, lauf! wahrscheinlich in fast allen Sprachen vor. Der formale Unterschied zwischen den beiden Arten der Wiederholung ist, dass die „emphatische“ Wiederholung zwei einzelne Einheiten aufweist, die beiden Elemente bei der syntaktischen Reduplikation wie in piano piano oder adagio adagio lautlich und grafisch hingegen weniger getrennt sind. Beim Sprechen wird im ersten Fall eine deutliche Pause zwischen den beiden Elementen zu finden sein, hingegen im zweiten Fall nicht. Außerdem ist die Intonation bei der Reduplikation neutraler als bei der „emphatischen“ Wiederholung. Sornicola sieht die reduplizierten Ausdrücke wegen ihrer lautlichen Einheit sogar als Wortbildungsprodukte.[11] Geschrieben ist der Unterschied am Komma zu erkennen.

Dafür, die reduplizierten Ausdrücke als zwei unabhängige Teile zu sehen, spräche hingegen der Vergleich mit der Form Substantiv + Adjektiv (un uomo forte), oder von Substantiv + Substantiv (una macchina sport), wo beim Sprechen der Akzent auf dem zweitem Glied liegt. Mit letzterer hat die Reduplikation des Substantivs (im Sinne der qualitativen Präzisierung wie bei caffé caffè) auch eine weitere Gemeinsamkeit: das zweite Glied definiert gewissermaßen das erste. So ist macchina sport ein Auto, das außerdem die Bedeutungseinheit „sport(lich)“ erfüllt, und caffé caffé ein Kaffee, der außerdem die Bedeutungseinheit „kaffeeartig“ erfüllt, wobei im letzteren Fall wird die Bedeutungseinheit der Basis verdoppelt und dadurch deren Wahrheitsgehalt betont bzw. verstärkt.

[...]


[1] www.wordtheque.com ist eine Suchmaschine, mit der man gezielt reduplizierte Formen aus einem Literaturkorpus heraussuchen kann

[2] S. 525

[3] Außerdem hat die Reduplikation „a connotation whose exact specification we cannot vouch for, due to lack of evidence“. (Dressler, S. 525)

[4] Das reduplizierte Zahlwort uno/a kann nur mit der Bedeutung: almeno uno (auch: uno qualsiasi) auftreten, z. B. uno uno dei miei amici verrà alla festa, wobei uno/una am Satzanfang steht.. Beim unbestimmten Artikel wäre höchstens die Doppelung der gesamten Nominalphrase möglich: ma un caffè un caffè dobbiamo prendere !

[5] zum emotionalen Aspekt der Reduplikation siehe Punkt 4

[6] Sornicola, S. 151

[7] Professor Joseph F. Foster, Ph D, University of Cincinnati per Email

[8] s. Rohlfs: Griechischer Sprachgeist in Süditalien, München, 1947, S. 42

[9] mignon mignon, Gossen 1951

[10] Fleischer-Barz: Wortbildung

[11] dazu auch Poggi Salani, S. 67

Details

Seiten
14
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638190534
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13380
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Romanistisches Institut
Note
noch keine
Schlagworte
Reduplikation Italienischen Wortbildung Sprache

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