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Wie entsteht das menschliche Moralbewusstsein?

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Zentrale Forschungsergebnisse aus der Erforschung von Moral in der Vergangenheit

3.0 Piagets Annahmen und Untersuchungen zur kognitiven Moralentwicklung
3.1 Die drei Stufen der moralischen Entwicklung laut Piaget
3.2 Kritik an Piagets Stufenmodell

4.0 Kohlbergs Forschungsergebnisse
4.1 Kohlbergs Forschungsgrundlage
4.2 Das Sechs Stufen Modell

5.0 Fazit

6.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

In dieser Hausarbeit, möchte ich der Entstehung des menschlichen Moralbewusstseins auf den Grund gehen. Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich mich selbst des Öfteren gefragt habe, woher die Moral der Menschen eigentlich kommt. Wird sie uns unterbewusst gelehrt, wenn ja, wie funktioniert das? Ist sie vielleicht eine Art angeborener Instinkt? Wie kommt es aber dann, dass einige Menschen offensichtlich moralischer sind, als andere? Um diese Fragen, vor allem aber meine Hauptfrage nach der allgemeinen Entstehung des menschlichen Moralbewusstseins zu klären, beziehe ich mich auf verschiedene Psychologen. Als erstes sei der bekannte Entwicklungspsychologe Jean Piaget genannt, der mit seinen Forschungen einen wichtigen Grundstein legte und eine Stufenentwicklung des Moralbewusstseins entwickelte. Der zweite zentrale Psychologe, der mir bei der Beantwortung helfen wird, ist Lawrence Kohlberg, der das Modell von Piaget überarbeitet hat und heute mit als der wichtigste Moralforscher gilt.

Ich gebe zunächst einen groben Überblick über alte Studien und Methoden der Moralforschung und werde mich dann genauer mit den beiden oben genannten Psychologen beschäftigen.

2.0 Zentrale Forschungsergebnisse aus der Erforschung von Moral in der Vergangenheit

Der Umfang der empirisch belegbaren Forschungsinhalte zu dem Thema moralische Entwicklung ist trotz steigendem Interesses relativ gering, was in den Nachkriegsjahren die Gefahr barg, dass nicht neue Inhalte erforscht wurden, sondern nur diese bereits bekannten erneut durchleuchtet und überarbeitet wurden. Doch man kann gewisse Standardwerke herausfiltern, welche ich nun jeweils kurz anreiße, um einen Überblick über bereits durchgeführte Studien zu schaffen.

Die beiden englischen Forscher Macaulay und Watkins haben 1925 über 3000 Schulkinder jeder Altersgruppe erforscht. Die Kinder hatten die Aufgabe, Listen zu erstellen, mit „den allerböstesten Dingen, die man tun kann“[1] und sollten anschließend begründet sagen, welche Person für sie eine Vorbildfunktion hat. Macaulay und Watkins konnten anhand dieser Daten allgemeine Ergebnisse über Moralität gewinnen. Zentral waren die folgenden Erkenntnisse, dass Kinder ein Wertesystem aufbauen, indem sie nicht formal festgeschriebene soziale Regeln aufbauen und dass in ihrem Wachstum ein bestimmtes Muster in der Entwicklung auftritt.

Eine gegensätzliche Theorie entwarfen Hartshorne, May und Maller. Sie führten 1928 ein Projekt mit Kindern im Alter zwischen 10 und 13 Jahren durch. Sie schlossen, dass es nicht möglich ist, allgemeine Aussagen über moralisches Verhalten zu machen, da es zu komplexe Faktoren gibt, die die moralischen Handlungen beeinflussen. Diese Erkenntnis macht die Studie der drei Amerikaner zu einer sehr bedeutenden, obwohl damals noch stark über den wirklich untersuchten Begriff diskutiert wurde. Kritiker sahen in der Studie nicht die Erforschung von der Moralität als solches, sondern lediglich der moralischen Charaktereigenschaften. Die beiden Erkenntnisse der o.g. Studien sind zwar differenziert, aber dennoch ist eine Verknüpfung möglich.

Es lässt sich nämlich erkennen, dass im Wachstum des Einzelnen ein Entwurfsmuster bezüglich der moralischen Entwicklung entsteht, allerdings werden die einzelnen Handlungen, die zu der moralischen Entwicklung führen, vom Individuum durch situationsspezifische Faktoren beeinflusst. Jeder Mensch reagiert dementsprechend anders und nicht vorhersehbar auf vorgegebene Situationen.[2] Es besteht also keine Form von lehrbarer Moral, vielmehr steuert jeder Mensch selbstständig den Weg, den er einschlägt.

Wenn man moralisches Verhalten untersuchen will, kommt man zu Ergebnissen von moralischen Einstellungen, welche unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Handlung motiviert werden. Mit der Entstehung dieser Einstellungen und der damit verbundenen Entstehung von moralischem Bewusstsein beschäftigte sich der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget in seinen Studien, woraufhin er ein Stufenmodell der moralischen Bewusstseinsentwicklung entwarf. Dieses Stufenmodell wird im folgenden Kapitel erläutert.

3.0 Piagets Annahmen und Untersuchungen zur kognitiven Moralentwicklung

Piaget geht davon aus, dass das Kind eine gewisse Lernfähigkeit, also kognitive Struktur, besitzen muss, um moralisches Verhalten beurteilen zu können. Nur in zweiter Linie sind bei ihm die von außen auf das Kind einwirkenden sozialen Zusammenhänge für das Kind prägend. In seiner Forschung steht die Frage im Mittelpunkt, nach welchen Gesetzmäßigkeiten und in welcher Abfolge das Erlernen moralischer Vorstellungen beim Kind erfolgt. Die Verinnerlichung gesellschaftlich gesetzter moralischer Standards leugnet Piaget nicht, sieht sich aber durch seine Forschungen darin bestätigt, dass dieser Prozess im Einklang mit der kognitiven Entwicklung des Kindes erst in einem späteren, forgeschrittenerem Stadium geschieht. Erkennbar ist hier, dass die Wurzeln zum moralischen Denken in den Kindern bereits verankert sind, durch die gesellschaftlichen Einflüsse und die kognitive Entwicklung dieses Denkens aber sozusagen reifen müssen.
Zunächst seien aber die Untersuchungen kurz erläutert, die Piaget nutzte, um anschließend seine Forschungsergebnisse in einem 3 Stufenmodell zusammenzustellen.[3]

Zu Beginn untersuchte er das Verhalten und die Einstellungen zu Regeln beim Murmelspielen von Kindern, im Bezug auf deren Ursprung, Änderbarkeit und Anerkennung. Das Murmelspiel war deshalb von Interesse für ihn, da dessen Regeln seines Erachtens von Kindern entwickelt und von den Kindern an andere Kinder weitergegeben werden.[4]

Als zweites wertete er die moralischen Urteile von Kindern aus, denen Geschichten erzählt wurden in denen jemand objektiv gegen moralische Standards verstoßen hatte.[5] In diesen Geschichten waren allerdings die Gründe für die Verstöße verschieden. Durch die Auswertung gelang es Piaget, die Verhaltensmuster der Kinder in drei altersabhängige Stufen zu gliedern.

3.1 Die drei Stufen der moralischen Entwicklung laut Piaget

In Piagets Augen setzt die Entwicklung des moralischen Bewusstseins eines Kindes erst mit Entstehung der Sprache ein, da er moralisches Bewusstsein als Einheit von Denken und Handeln sieht. Piaget ist der Ansicht, dass die von ihm entwickelten Stufen der Entwicklung des moralischen Bewusstseins eines Kindes zwingend aufeinander aufbauen. Er schließt somit aus, dass ein Aspekt der moralischen Entwicklung aus der dritten Stufe beispielsweise in der ersten oder zweiten Stufe auftaucht. Diese Annahme nennt er „Invarianz“.[6] Repräsentativ für sein Modell ist zudem die Universalität, damit ist gemeint, dass es in jeder Kultur der Welt gilt. Die Stufen sind vor allem durch qualitative Unterschiede voneinander abzugrenzen. In den Stufen wird eine bessere Anpassung der Person an die von der Umwelt vorgegebenen Gegebenheiten angestrebt. Das passiert durch die zwei Prozesse nach Piagets kognitiver Anpassung, der Assimilation und Akkommodation. Assimilation bezeichnet das Zuordnen einer Wahrnehmung zu einem vorhandenen Wahrnehmungsschema, das bereits für andere ähnliche Wahrnehmungen gilt. Die Wahrnehmung wird somit verallgemeinert und kann als bekannt eingestuft werden.[7] Akkommodation bezeichnet die Anpassung der Verhaltens- und Denkschemata eines Subjektes an äußere Wahrnehmungsinhalte.[8] Diese zwei Prozesse werden durch die persönliche Reifung, Sammeln von Erfahrungen und die Erziehung der Kinder angeregt und führen somit zwangsweise zum Erreichen der nächsten kognitiven Stufen in Piagets Modell. Hier ist also sichtbar, dass das Kind nicht alleine für die Entwicklung des moralischen Bewusstseins verantwortlich ist. Die Erziehung ist mitunter ein Faktor, der das Erreichen der nächsten Stufe beeinflusst.

Die drei Stufen werden im Folgenden gegliedert und typisiert.

[...]


[1] Kay, 1975 Seite 28

[2] vgl. Kay, 1975, Seite 29 ff

[3] vgl. Kay, 1975, Seite 34 ff

[4] vgl. Piaget, 1983, Seite 7ff

[5] vgl. Kay, 1975, Seite 133 ff

[6] vgl. Kay, 1975, Seite 37

[7] vgl. Lexikographisches Institut München, 1991 Seite 343

[8] vgl. Lexikographisches Institut München, 1991 Seite 118

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640416011
ISBN (Buch)
9783640412174
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133892
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Schlagworte
Moralbewusstsein

Autor

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