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Die Nouvelle Vague

Darstellung einer Kinoepoche unter Einbeziehung des Films 'La Nuit Américaine' von François Truffaut

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 16 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Ziele der Arbeit

2) Die Nouvelle Vague- eine Definition

3) Die Entstehung der Nouvelle Vague
3.1) Die „Politique des Auteurs“

4) Die Methode des François Truffaut
4.1) Der Film „La Nuit Américaine“ von François Truffaut
4.2) Bezüge des Films zur Nouvelle Vague

5) Fazit

Literaturverzeichnis

1) Ziele der Arbeit

Über einen großen Zeitraum hinweg wurden Theater und Film vorrangig als Konkurrenten betrachtet. Doch als Frankreich Ende der fünfziger Jahre vor der Ablösung des IV Reichs stand, sollte neben den Veränderungen in der Politik, auch ein Wandel auf kultureller Basis vollzogen werden. So wurde 1959 der Film „Les Quatre Cents Coups“ von François Truffaut auf dem « Festival de Cannes » vorgestellt und löste den Beginn einer neuen Epoche des Kinos aus[1], die als Nouvelle Vague bezeichnet wird. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist dies einer der faszinierendsten Epochalstile des modernen Kinos.

In der vorliegenden Arbeit soll die filmgeschichtliche Epoche der Nouvelle Vague genauer beleuchtet werden, da es sich hier um eine fundamentale Bewegung im Bereich des Filmemachens handelt, die noch Jahre später Einfluss auf das Geschäft hatte.

Zunächst soll der neu entstandene Stil, der das Filmen von einer vollkommen anderen Seite zeigt, als es vorher der Fall war, definiert werden. Hier ist es wichtig herauszuarbeiten, welche Elemente entscheidend für die Bewegung der Vertreter der Nouvelle Vague waren. Ferner soll die Entstehung der Nouvelle Vague geschildert werden. An dieser Stelle soll auf die Gründer, die für das Aufkommen verantwortlich waren, eingegangen werden.

Anschließend wird die „Politique des Auteurs“ beschrieben, die als Philosophie des neuen Filmemachens bezeichnet werden kann.

Da François Truffaut einer der einflussreichsten Autoren dieser Generation war, wird im darauf folgenden Abschnitt seine persönliche Art des Filmens beschrieben, die sich zu der Zeit sehr von anderen unterschied. Es soll ferner dargestellt werden, inwieweit seine Filme die Grundgedanken der Nouvelle Vague vertreten. Deshalb soll anschließend ein Beispiel für einen seiner zahlreichen Filme angeführt werden. Hier handelt es sich um eine genauere Betrachtung des Films „La Nuit Américaine“. An dieser Stelle soll kurz auf den Inhalt eingegangen werden, sowie auf verschiedene Aspekte, die in dem Film auf die Bewegung der Nouvelle Vague hindeuten.

2) Die Nouvelle Vague- eine Definition

Die Bewegung der Nouvelle Vague zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Produktionsbedingungen der Filme veränderte. Diese wurden von nun an, anders als zuvor, auch mit kleinen Budgets produziert. Teilweise fanden die Produktionen ohne Studios und Stars statt. Man verfügte nur über kleine Teams und sparte so jede Menge Kosten ein[2].

Die Bewegung proklamierte eine Befreiung von der gewohnten Tradition des Films als Produkt der Industrie. Der neue französische Film sollte einen sozialen Charakter bekommen. „Le cinéma ne reflète pas la société en pleine évolution, il en fait partie[3]

Es kann behauptet werden, dass diese neue Art des Filmens ebenfalls Einfluss auf die französische Politik hatte; so zeigte der Staat selbst, dass Kino ein Bestandteil der Kultur ist, indem er das Centre national de la cinématographie (C.N.C.) dem ministère de l'industrie entzog und dem neu geschaffenen ministère des affaires zufügte[4]. Es handelte sich hier nicht nur um eine neue Generation, einen neuen Stil oder eine neue Art Filme zu machen. Es war vor allem eine ganz andere Idee mit einer neuen Kinoideologie, die sich Anfang der sechziger Jahre in Frankreich durchsetzte. Diese neue Bewegung und dieser radikale Schnitt des bisherigen französischen Kinos, werden als Nouvelle Vague bezeichnet.

Was die Nouvelle Vague ausmachte, war die Ansicht, dass jeder, der etwas mitzuteilen hatte, Regisseur werden konnte. Ein Film schien ihrer Ansicht nach, wie alle anderen Kunstwerke auch, jedoch nur dann wirklich gut und erfolgreich zu werden, wenn er von nur einer Person gestaltet wurde. Diese Forderung nach sogenannten Autorenfilmen, fasste Truffaut in der "Politique des Auteurs" zusammen. Der Filmkritiker James Monaco schreibt über die Nouvelle Vague Folgendes:

Nachdem es einmal klar war, dass ein Film das Produkt eines Autors war, dass die 'Stimme' des Autors bekannt war, konnten sich die Zuschauer dem Film anders als bisher nähern, nicht so, als ob er Realität wäre oder der Traum von Realität, sondern als einer Darstellung, die von einem anderen Individuum gemacht wurde.[5]

Die Leidenschaft für das Kino beinhaltete für die Vertreter der Nouvelle Vague zwei Seiten. Zum einen war das Filmesehen in der „Cinémathèque française“, die von Henri Langlois geleitet wurde, und nach dem Prinzip gestaltet war, dass alle Filme gesehen werden müssen, unabhängig von ihrem nationalen und ästhetischen Zusammenhang, von großer Bedeutung. Diese Einstellung diente der ungeheuren Filmbildung, die die Autoren erreichen sollten. Auf der anderen Seite war es wichtig über das Gesehene zu schreiben.

Für die Regisseure war diese enorme Kinobildung Vorraussetzung dafür, dass es ihnen möglich wurde, Filme aus einem anderen Bewusstsein und einer neuen, klaren Sicht drehen können. Truffaut versuchte beispielsweise in seinen Filmen von Anfang an, die frühen Erzähltechniken, die längst vergessen waren, neu zu entdecken. Wichtig war das Verhältnis der erzählten Geschichten zur Realität, der bewusste Einsatz von Mitteln und Techniken, sowie die Aktivität der Zuschauer, die aufgefordert sind, die Filme wieder und wieder anzuschauen. Kinobildung war ebenfalls für den Zuschauer nötig, da dieser ansonsten nicht in der Lage sei, die Filme zu entziffern. Es sollten informierte Zuschauer gefordert werden, die nicht einfach den Bildern vertrauten, sondern visuelle Kompositionen erkennen. Sie sollen fähig sein, mit den Bildern zu denken, was der Grund dafür ist, dass sie genau hinsehen müssen, damit sie Details wahrnehmen, die Abseits dessen liegen, was man schon weiß. Hiermit versuchten die Nouvellisten eine ästhetische Sensibilität für das Wahrnehmen ihrer Filme hervorzubringen, wie sie im Umgang mit der Literatur oder der Malerei Mitte des 20. Jahrhunderts längst üblich war[6].

3) Die Entstehung der Nouvelle Vague

Die Entstehung der Nouvelle Vague lässt sich auf die filmkritischen Texte in „Arts und Cahiers du cinéma“ zurückführen, die seitens Truffauts vor allem provokante Vorwürfe und Klagen gegen das Konventionelle darstellten. Ziel war es zunächst, schon im Schreiben über das Kino, die Leidenschaft durchringen zu lassen. Heute wirken die Texte eher kämpferisch und verdeutlichen, wie enorm die Motivation der jungen Autoren war, denn

als sie loszogen, Truffaut und Godard, […] gegen die Viererbande Autant-Lara, Clouzot, Clément und Delannoy, verband sie jungenhafte Unverschämtheit und eine unbändige Liebe zum Film. Sie wollten nicht die Welt verbessern, sie engagierten sich fürs Kino. […] Sie wollten im französischen Kinomilieu eine andere Vorstellung von Film durchsetzen. Und dachten nicht im Traum daran, dass sie weltweit das Denken übers Kino veränderten.[7]

Als die bekanntesten Regisseure, zu denen unter anderem François Truffaut, Claude Chabrol und Jacques Rivette zählten, anfingen, das Kino zu erneuern, galt ihr Interesse zunächst einmal ausschließlich der Auflehnung gegen die französische „tradition de qualité“ in den 50er Jahren. Dies bedeutete, dass das oberste Ziel sein sollte, Filme voller Talent und Geschmack, die allerdings formlos erschienen, zu produzieren. Die Autoren wandten sich gegen das übliche und herkömmliche Kino, wo es ihrer Meinung nach nur darum ginge, Menschen in eine abgeschlossene Welt einzusperren[8].

Ein wesentlicher Gründer des neuen Bewusstseins war ebenfalls Alexandre Astruc, der 1948 den Text „Naissance d’une nouvelle anvant- garde: la Caméra stylo“ in L’Écran français veröffentlichte. Der Begriff der Nouvelle Vague wurde hier noch nicht verwendet. Er wollte den Film als ein freies und spontanes Medium verstanden wissen, das Bilder nicht um ihrer selbst Willen produzierte und sich von den konkreten Forderungen der Erzählung befreite. Den Film sah er als Mittel an, mit dem der Regisseur seine Gedanken genauso flexibel und subtil wie in der geschriebenen Sprache ausdrücken konnte. Die Aufgabe der Regie sei nicht mehr eine Szene zu illustrieren oder darzubieten. Der Autor solle mit seiner Kamera so schreiben, wie es ein Schriftsteller mit seinem Federhalte tue[9].

[...]


[1] Frodron, Jean- Michel. L'age moderne du cinéma français. De la Nouvelle Vague à nos jours.

Flammarion 1995, S. 13.

[2] Grafe, Frieda. Nur das Kino. 40 Jahre mit der Nouvelle Vague. Berlin: Brinkmann & Bose 2003, S.

109.

[3] Frodron 1995, S. 123.

[4] Frodron 1995, S. 13.

[5] Monaco, J. Film verstehen. Hamburg : Rowohlt 2004, S. 439.

[6] Grob, Norbert. Nouvelle Vague. Fulda: Bender 2006, S. 13ff.

[7] Grob 2006, S. 10.

[8] Grob 2006, S. 11.

[9] Grob 2006, S. 12.

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640420889
ISBN (Buch)
9783640420827
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134146
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Fakultät für Kulturwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Nouvelle Vague Darstellung Kinoepoche Einbeziehung Films Nuit Américaine François Truffaut

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Titel: Die Nouvelle Vague