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Leistungsmotivation und die Rolle des Lehrenden

Seminararbeit 2009 20 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Motivationstheorien
2.1.1 Verstärkungstheorien
2.1.2 Kognitive Theorien
2.2 Empirische Untersuchungen von Einflussfaktoren auf die Leistungsmotivation
2.2.1 extrinsische Einflussfaktoren
2.2.1.1 Ursachenzuschreibung der Lehrenden
2.2.1.2 Erwartungen der Lehrenden
2.2.1.3 Bekräftigung
2.2.1.4 Unterrichtsimpulse
2.2.1.5 Veranschaulichung und Medien
2.2.2 intrinsische Einflussfaktoren
2.2.2.1 Interesse und Selbstbestimmung

3 Abschlussteil
3.1 Fazit
3.1.1 Zusammenfassung der Ergebnisse: Der Einfluss des Lehrenden
als extrinsischer Motivator auf die Leistungsmotivation der Lernenden
3.1.2 Konsequenzen für das Verhalten des Lehrenden im Unterricht
3.1.3 Konsequenzen für den Lehrenden selbst

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Attribuierungstheorie nach Weiner

1. Einleitung

Jedes Jahr versuchen zahlreiche Bergsteiger, den Mount Everest zu besteigen. Andere Menschen führen eine Weltumseglung durch, fliegen mit künstlichen Flügeln über den Ärmelkanal und streben ständig danach, neue Rekorde zu brechen und höhere Leistungen zu erbringen. Mit der Frage, was den Menschen bewegt und motiviert, alltägliche oder extreme Leistungen zu bewältigen, beschäftigten sich viele Forscher. Dabei versuchten sie, anhand von Theorien zu erklären, warum der Mensch handelt bzw. nicht handelt. Manche begründen Handlungsweisen mit Hilfe biologisch-physiologischer Ansätze, denen zufolge Menschen von Hunger angetrieben werden, Nahrung zu suchen. Andere Ansätze begründen eine Handlungsausführung mit Instinkten oder Trieben. Neben persönlichkeitstheoretischen Ansätzen, welche die Individualität des Menschen mit seinen Eigenschaften, wie z. B. der Leistungsbereitschaft, berücksichtigen, entwickelten Forscher die kognitiv-handlungstheoretischen Ansätze. Danach ist der Mensch kein reagierendes sondern ein planendes, auf die Zukunft gerichtetes und sich entscheidendes Wesen.[1] Eine bedeutende Frage dabei ist, inwieweit sich der Mensch beeinflussen und motivieren lässt, bestimmte Handlungen auszuführen.

In der Institution Schule, die auf Grund der Schulpflicht für die Schüler mit einem gewissen Zwang verbunden ist, spielt diese Frage im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden eine besondere Rolle. So sollen die Lernenden von der Institution Schule mit ihren Lehrenden auf das Leben vorbereitet werden, müssen dazu viele neue Sachverhalte lernen und ihre Lernleistung regelmäßig überprüfen lassen. Trotz dieses Zwangsverhältnisses lernen sie zuweilen durchaus motiviert und liefern manchmal gute und manchmal weniger gute Leistungen ab. Die Motivation wird dabei als ein maßgeblicher Faktor angesehen, die Lernenden zu schulischen Leistungen zu bewegen.[2] Daraus ergibt sich die Frage, wie sie sich selbst motivieren und wie fremde Motivation ihren Leistungsprozess unterstützt. Dem Lehrenden obliegt dabei die Aufgabe, die Lern- und Leistungsbereitschaft bei den Lernenden zu fördern und zu erhöhen. Ziel dieser Hausarbeit ist es demnach, anhand von empirischen Erkenntnissen zu zeigen, welchen Einfluss der Lehrende als extrinsischer Motivator auf die Leistungsmotivation der Lernenden haben kann und welche Konsequenzen sich aus den Erkenntnissen für seinen Unterricht und für ihn selbst ergeben.

Zum Verständnis der in dieser Arbeit behandelten Thematik muss zunächst eine terminologische Klärung vorgenommen werden.

Bezüglich der Begriffe Leistungsmotivation, Motiv und Motivation existieren unterschiedliche Deutungen, da sowohl die Definitionen als auch die Erklärungsansätze und Modelle aus der Psychologie verschieden sind.[3]

Unter „Motiv“ versteht HECKHAUSEN einen Begriff, der ein bestimmtes Verhalten erklären und nicht beschreiben soll. Er teilt die Motive in verschieden Inhaltsklassen von Handlungszielen ein. Dabei geht es ihm nicht um angeborene Motive wie Hunger oder Durst, sondern um Motive wie z. B. Macht oder sozialer Anschluss . Der Begriff „Motiv“ bezeichnet also eine Handlungsursache bzw. einen gewünschten Zustand bezüglich der Person und seiner Umwelt. Bei den Motiven handelt es sich um relativ dauerhafte Werteinstellungen, die sich im Laufe des Lebens herausgebildet haben. Der Überbegriff für die Inhaltsklassen sämtlicher Handlungsziele ist für HECKHAUSEN das Leistungsmotiv.[4]

Bevor jedoch auf das Leistungsmotiv bzw. die Leistungsmotivation eingegangen wird, muss zunächst der Begriff „Motivation“ kurz erläutert werden. HECKHAUSEN versteht unter Motivation einen Prozess, der zur Bildung von Handlungszielen und zum Handeln selbst führt. Verschiedene situative Einflüsse können dabei zu Konflikten zwischen den Motiven führen. So könnte ein Lernender in einen Konflikt geraten, wenn er z. B. für eine wichtige Prüfung lernt und plötzlich Hunger bekommt. Er muss abwägen, ob es besser ist, seinen Hunger zu stillen oder weiter für die Prüfung zu lernen. Wenn ein Ziel allerdings festgelegt wird, wird die Handlung durch die Motivation initiiert.[5] Die Motivierung ist das Bemühen, ein Ziel bzw. ein Ergebnis wie die Leistungsmotivation zu erreichen, wobei die Motivierung intrinsisch oder extrinsisch sein kann. ATKINSON definiert intrinsisches motiviertes Verhalten als eine Folge des eigenen Antriebs. Der Motivierte erhofft sich Spaß an der selbstbestimmten Durchführung und Lösung des Problems und ist allein deswegen schon motiviert. Wenn eine Aufgabe für fremde Zwecke durchgeführt wird, sieht er darin ein extrinsisch motiviertes Verhalten.[6] Nach HECKHAUSEN ist jemand extrinsisch motiviert, wenn eine Handlung auf Grund eines von außen zugefügten Anreizes durchgeführt wird. Das erzielte Ergebnis wird also nicht der eigenen Anstrengung zugeschrieben, sondern fremden Einflüssen wie z.B. Belohnung und Bestrafung.[7] HECKHAUSEN definiert die Leistungsmotivation als das

„Bestreben, die eigene Tüchtigkeit in allen jenen Tätigkeiten zu steigern oder möglichst hoch zu halten, in denen man einen Gütemaßstab für verbindlich hält und deren Ausführungen deshalb gelingen oder mißlingen kann“.[8]

Ein Gütemaßstab wird hierbei als Anspruch gegenüber sich selbst verstanden und für jeden einzelnen selbst verbindlich.[9] Da das Leistungsmotiv ein wichtiger Bestandteil für die Leistung in der Schule ist, nimmt die Leistungsmotivation somit einen hohen Stellenwert für die Entwicklung des Lernenden ein.[10]

Nach Klärung der terminologischen Grundlagen wird im Folgenden die Struktur der Arbeit erläutert. Im ersten Teil dieser Arbeit werden bedeutende Motivationstheorien erläutert, um eine Grundlage für ein besseres Verständnis zu schaffen. Hierzu werden empirische Experimente beschrieben und deren Auswirkungen auf die Motivation dargestellt. Im zweiten Teil wird der Einfluss auf die Leistungsmotivation anhand empirischer Versuche erörtert. Dabei wird insbesondere die extrinsische Motivation des Lehrenden auf die Lernenden untersucht, um im dritten Teil die Einflussmöglichkeiten des Lehrenden, die Lernenden zu mehr Leistung zu motivieren, zu bewerten.

Auf Grund des begrenzten Umfangs der Arbeit können die empirischen Versuche hier nicht methodologisch kritisch hinterfragt, sowie sämtliche Motivationstheorien im Hinblick auf die Leistungsmotivation untersucht werden.

2 Hauptteil

2.1 Motivationstheorien

2.1.1 Verstärkungstheorien

Verstärkungstheorien sehen Verhalten als ungewollte Reaktion auf bestimmte Reize, wobei die Häufung und Stärke dieser Reaktion durch das Ausmaß der bisherigen Verstärkung bestimmt wird. Wenn auf eine Verhaltensweise eine befriedigende Situation folgt, tritt diese Verhaltensweise in Zukunft häufiger oder intensiver auf.[11] Verstärkungstheoretiker wie McDOUGALL und THORNDIKE versuchen, mit Hilfe dieser Theorien zu erklären, warum ein bestimmtes Verhalten auftritt oder nicht auftritt. Sie erforschen u. a., inwieweit sich schulisches Verhalten durch Verstärkung beeinflussen lässt.

McDOUGALL ist der Meinung, dass Instinkte ein angeborener Plan sind. Er prägte die Instinkttheorie, indem er u. a. den „Neugier-Instinkt“ als reizinduzierte Motivation beschrieb. Dieser „Neugier-Instinkt“ besagt, dass ungewöhnliche Objekte das Subjekt antreiben, diese Objekte näher zu betrachten und zu erforschen. Demnach müssten Lernende von sich aus motiviert sein, neuen Lernstoff zu lernen, da der Lernstoff ein neues Objekt für sie darstellt. Ebenso wie McDOUGALL erforscht auch PAWLOW die Antriebskraft des Handelns. Seine Theorie des „Orientierungsreflexes“ besagt, dass sich bei der Betrachtung unbekannter Objekte das Subjekt zum Objekt hinwendet und dieses aufmerksam erforscht.[12]

THORNDIKE beschäftigt sich ebenfalls mit dem Erforschen des Lernens und der Wirkung von Belohnung und Strafe auf die Motivation. Sein Wirkungsgesetz oder Effektgesetz verdeutlicht, dass eine Verknüpfung zwischen der Situation und der Reaktion gefestigt oder verstärkt wird, wenn in der jeweiligen Situation die Reaktion konsequent belohnt oder bestraft wird. Wenn das Subjekt erneut mit diesem oder einem ähnlichen Reiz konfrontiert wird, zeigt es bei einer Belohnung mit einer größeren Wahrscheinlichkeit als zuvor eine Reaktion, während es bei einer Bestrafung keine Reaktion zeigt. Das Subjekt wird demnach durch Reize motiviert, bestimmte Reaktionen durchzuführen.[13]

Bei den Verstärkungstheorien ist zu kritisieren, dass die Untersuchungen an Tieren vorgenommen wurden und dass somit das menschliche Denken und Wahrnehmen außer Acht gelassen wurde. Um also das menschliche Verhalten genauer zu untersuchen, bedurfte es in der Erkenntnisforschung einer Hinwendung zu den kognitiven Theorien.[14]

[...]


[1] Vgl. GABLER 2000, S. 197ff.

[2] Vgl. RHEINBERG 1993, S. 2 und SÜSSENBACHER 1979, S. 11

[3] Auf die einzelnen Modelle kann im Zuge dieser Hausarbeit nicht eingegangen werden.

[4] Vgl. HECKHAUSEN 1989, S. 9

[5] Vgl. HECKHAUSEN 1989, S. 10ff.

[6] Vgl. SÜSSENBACHER 1979, S. 40f.

[7] Vgl. HECKHAUSEN 1989, S. 458

[8] Vgl. HECKHAUSEN 1965, S. 604

[9] Vgl. GABLER 2000, S. 209

[10] Aus diesem Grund wird die Leistungsmotivation später ausführlich erläutert.

[11] Vgl. Enzyklopädie der Psychologie 1983, S. 345f.

[12] Im Unterschied zu McDOUGALL lösen bei PAWLOW auch völlig unbekannte Objekte einen Reiz aus. PAWLOW stellt fest, dass Reflexreaktionen, wie zum Beispiel Speichelfluss, nicht nur von einem natürlichen Auslöser wie Futter, sondern ebenso durch neutrale Reize wie Klingelzeichen verursacht werden. Dabei muss der neutrale Reiz an den natürlichen Reiz gekoppelt sein. (vgl. SÜSSENBACHER 1979, S.20 und Enzyklopädie der Psychologie 1983, S. 68ff.)

[13] Vgl. Neues Pädagogisches Lexikon 1971, S. 708 und SÜSSENBACHER 1979, S. 20

[14] Ein weiterer Forscher im Bereich der Verstärkungstheorien war HULL. Er beschäftigte sich weitergehend mit der Wirkung von Reizen auf ein Subjekt, indem er nicht nur den genannten Verstärker als Antrieb für ein bestimmtes Handeln sieht, sondern ebenso beeinflussende Variablen innerer Konflikte wie Angst, Frustration oder Erwartungen mit einbezog. (vgl. Neues Pädagogisches Lexikon 1971, S. 708.)

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640417131
ISBN (Buch)
9783640411948
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134258
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Pädogigik
Note
1,3
Schlagworte
Pädagogik Didktik Motivation Motiv Leistungsmotivation kognitive Theorie Verstärkungstheorie Schülermotivation Lob und Tadel Rolle des Lehrers

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Titel: Leistungsmotivation und die Rolle des Lehrenden