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Die Verschriftung französischer Kreolsprachen zwischen Nähe und Distanz zum Französischen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 26 Seiten

Romanistik - Weitere Sprachen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bedeutung der Verschriftung für die französischen Kreolsprachen vor ihrem soziolinguistischen Hintergrund
2.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit
2.2 Besonderheiten der französischen Kreolsprachen für die Standardisierung

3 Standardisierung und Normierung der kreolischen Schriftsprache im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz zum Französischen
3.1 Historischer Überblick zur Schriftlichkeit des Kreolischen
3.2 Orthographiesysteme
3.2.1 Die etymologische Schreibung
3.2.2 Die phonologische Schreibung
3.2.3 Die modifizierte phonologische Schreibung
3.3 Wortschatz: Neologismenbildung

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die französischen Kreolsprachen sind in Gebieten entstanden, in denen die Sprache der herrschenden Klasse das Französisch war. Sie ist dort bis heute die dominierende Sprache. Trotz erster Verschriftungen des Kreolischen im 17. Jahrhundert, fehlt den Kreolsprachen bislang die Standardisierung. Sie haben den Status einer mündlichen Sprache und inwieweit sie so überleben werden, ist ungewiss. Spätestens seit den 80er Jahren dieses Jahrhunderts ist das Kreolische nicht mehr Muttersprache und meistens auch nicht die einzige in der Kindheit erlernte Sprache (Prudent 1993: 630). Aufgrund politischer und soziokultureller Faktoren besteht jedoch zunehmend der Bedarf nach einer Aufwertung und damit verbunden einer Standardisierung der Kreolsprachen. Einer „natürlichen“ Sprachentwicklung wird hierbei vorweggegriffen und die Verschriftung wird gezielt geplant. Kreolisch ist durch ihre Entstehungsgeschichte der französischen Sprache sehr nahe. Viele Kreolsprecher wünschen sich jedoch aufgrund ihres kulturellen und politischen Autonomiebestrebens eine Loslösung von dieser sprachlichen Vorlage. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den französischen Kreolsprachen der Antillen, die seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts auch zunehmend das Interesse der Sprachwissenschaft wecken. Es soll untersucht werden, wie sich die Problematik der Verschriftung in dem Spannungsfeld zwischen beabsichtigter sprachlicher Nähe zum Französischen und der Abgrenzung zum Französischen darstellt. Hierbei wird der Schwerpunkt auf das für die Standardisierung benötigte Orthographiesystem und die Wortbildung gelegt. Nach einer Einordnung der schriftsprachlichen Situation, unter Berücksichtigung des soziokulturellen Hintergrunds, werden die Möglichkeiten der Verschriftung zwischen Nähe und Distanz des Kreolischen zum Französischen im Hinblick auf ihren Nutzen für die Kreolsprecher kritisch untersucht. Hierfür werden insbesondere die Vorschläge zur Verschriftung von Jean Bernabé und M.-C. Hazaël-Massieux diskutiert. Notwendige Hintergrundinformationen und weiterführende Erläuterungen sowie Sprachbeispiele stammen hauptsächlich aus den Arbeiten von Peter Stein und Michaela Strobel-Köhl.

2 Die Bedeutung der Verschriftung für die französischen Kreolsprachen vor ihrem soziolinguistischen Hintergrund

2.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Jede Sprache wird zunächst mündlich realisiert und nur wenige schaffen es bis zur Verschriftung. Der Weg zur Verschriftung durchläuft verschiedene Phasen, wobei die erste Phase die spontane mündliche Realisierung von Sprache ist. M.-C. Hazaël-Massieux (1993: 15ff.) bezeichnet sie als langue orale parlée. Sender und Empfänger sind in der Sprechsituation räumlich und zeitlich nicht voneinander getrennt und setzen Mimik, Gestik und Intonation in der Kommunikation ein. Dann folgt die graphische Wiedergabe des code parlé. Sie ist die Vorstufe der Schriftsprache und M.-C. Hazaël-Massieux (1993) bezeichnet sie als langue orale transcrite. In dieser Phase gibt es noch keine graphischen Entsprechungen für die Ausdrucksmöglichkeiten der gesprochenen Sprache, wie z. B. die Intonation oder Gestik. Die reine Textfixierung ist aufgrund der Schwierigkeit des Textverständnisses noch keine Schriftsprache, die nach M.-C. Hazaël-Massieux die letzte Etappe der Verschriftung einer Sprache darstellt und als langue écrite bezeichnet wird. Die Kommunikationspartner sind räumlich voneinander getrennt und viele sprachliche Informationen, die in der gesprochenen Sprache nicht vorkommen, werden für ein besseres Textverständnis hinzugefügt. Die Schriftsprache besitzt eine grössere Redundanz und eignet sich für die Wiedergabe inhaltlich und sprachlich komplexer Themen. Die letzte Phase ist die langue écrite parlée, schriftlich konzipierte und mündlich realisierte Texte. Die Kreolsprachen sind nach diesem Schema noch lange keine Schriftsprachen, sondern befinden sich zwischen der langue orale transcrite und der langue écrite (M.-C. Hazaël-Massieux 1993: 46). Nun existiert Kreolisch mit der Standardsprache Französisch in einem Verhältnis der Abhängigkeit, aus dem das Kreolische bestrebt ist, sich durch die Verschriftung zu lösen. Als eine sehr junge Sprache hat es die einzelnen Etappen nicht in einem „natürlichen“ Prozess durchlaufen können wie das Französisch, das Jahrhunderte benötigte, um sich vom Latein zu lösen und zu einer normierten Schriftsprache zu werden (vgl. M.-C. Hazaël-Massieux 1993: 11). Der Übergang der Kreolsprachen von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit vollzieht sich bei den Kreolsprachen durch ein bewusstes Eingreifen seitens der Sprecher oder der hierfür Beauftragten in die für diesen Eingriff möglichen Bereiche, der Orthographie und des Wortschatzes.

2.2 Besonderheiten der Kreolsprachen für die Standardisierung

Die Koexistenz der Kreolsprachen mit den europäischen Standardsprachen erlaubt die Frage nach der Rolle, die dem Kreolischen als Schriftsprache in der von Diglossie geprägten Gesellschaft zuerkannt wird. Hierzu einige Fakten, die die Problematik der Verschriftung französischer Kreolsprachen der Antillen erläutern.

In keinem der ehemaligen Kolonialgebiete ist das Kreolische die einzig gebräuchliche Landessprache. Es befindet sich entsprechend seiner kolonialen Vergangenheit in einer permanenten Kontaktsituation entweder mit dem Französischen oder dem Englischen. Das Kreolische hat den offiziellen Status einer mündlichen Sprache. Es fehlen die Standardisierung und ein festgelegtes Orthographiesystem.[1] Die Lexik der französischen Kreolsprachen ist zu ca. 90% auf der Basis des Französischen entstanden (vgl. Stein 1999). Dabei muss hervorgehoben werden, dass es sich hierbei um die damaligen französischen Dialekte, sprich der langue d`oil handelt.[2] Heute wird das Kreolische allerdings als eigenständige Sprache angesehen. Die sprachliche Situation der französischen Kreolgesellschaften kann vereinfacht dargestellt als ein Verhältnis der Diglossie bezeichnet werden, wobei das Französisch den Status der high variety besitzt und hauptsächlich der formellen, schriftlichen Kommunikation dient. Das Kreolische stellt die low variety dar und ist somit auf die informelle und mündliche Gesprächssituation beschränkt. Ein weiteres Merkmal ist das Kontinuum. Der Akrolekt ist die europäische Standardsprache beziehungsweise stellt die größte Nähe zum Französischen dar und der Basilekt ist das vom Französischen weitgehend unbeeinflusste Kreolisch, das man häufig noch auf dem Land und unter der älteren Bevölkerung findet. Die Varietäten in der Mitte des Kontinuums sind die Mesolekte.

Seit der kulturellen und politischen Emanzipation des Kreolischen Ende der 60er Jahre, durch die das Kreolische Einzug in Bereiche hält, die der high variety vorbehalten waren, kommt es zu einer Aufwertung des Kreolischen (vgl. Stein 1999: S.113). Um jedoch im internationalen kulturellen Wettbewerb bestehen zu können, ist es notwendig, das Kreolische zu standardisieren, zu instrumentalisieren und zu literalisieren (vgl. Stein 1984: 116). Den Grund hierfür beschreibt der martinikanische Dichter Aimé Césaire folgendermaßen:

„ (...). Précisément, un aspect de ce retard culturel, c`est le niveau de la langue, de la créolité si vous voulez, qui est extrêmement bas, qui est resté...au stade de l`immédiateté, incapable de s`élever, d`exprimer des idées abstraites.“ (Aimé Césaire, 1978)[3]

Das Kreolische sollte insoweit ausgebaut werden, dass es für alle gesellschaftlichen Bereiche verwendbar ist. Erforderlich sind hierfür die Erweiterung des Wortschatzes mit Neologismen oder Entlehnungen aus dem Französischen sowie eine offizielle Orthographie. Weiterhin müssen Wörterbücher, Grammatiken für Kreolsprecher sowie Texte für den Schulunterricht herausgegeben werden (vgl. Stein 1997: 113). Die Mehrzahl der bisher erschienenen Werke sind für Frankophone bestimmt, die Kreolisch sprechen lernen wollen und für Kreolisten als Hilfsmittel für linguistische Untersuchungen (vgl. Stein 2002: 213). Ebenso ist die Präsenz des Kreolischen in den Massenmedien in der heutigen Zeit wichtig für die Verbreitung von Texten und damit für die internationale Anerkennung. Wie soll Kreolisch für diese Zwecke nun verschriftet werden?

Folgendes Problem ergibt sich bei der Frage nach einer möglichst „optimalen“ Verschriftung. Die notwendige Standardisierung von solchem Ausmaß erfordert einen gezielten Eingriff in die Sprache. Dieser Eingriff wird vorwiegend von Sprachwissenschaftlern vollzogen, die meist aus den europäischen Gebieten stammen und Systeme für ein ihnen fernes Gebiet mit fremder Kultur entwickeln. Hierfür qualifiziert sie in unserem Fall ihr französischer Sprach- und Bildungshintergrund. Auch die einheimischen Experten sind durch das französische Bildungssystem gegangen und haben damit eine Herangehensweise an die Problematik der Standardisierung, die stark vom Französischen geprägt ist. Selbst bei Entwürfen, die eine Autonomie des Kreolischen zum Französischen betonen soll, bleibt die französische Prägung erhalten, wie an späterer Stelle noch näher erläutert wird. Die Vorschläge zur Standardisierung des Kreolischen bewegen sich nun in dem Spannungsfeld zwischen der bewussten Anlehnung an das Französische, die Orthographie und den Wortschatz betreffend, und der bewussten Distanzierung, die als Zeichen der Eigenständigkeit der Kreolsprachen dem Französischen gegenüber zu sehen ist.

Berücksichtigt werden sollte an dieser Stelle auch die wichtige symbolische Funktion einer Sprache. Eine Sprache ist immer ein Identitätsmerkmal einer Kultur (vgl. M.-C. Hazaël-Massieux 1991: 48). Weiterhin ist die geschriebene Sprache eine notwendige Voraussetzung, sich gegenüber anderen Nationen die wirtschaftliche Macht zu sichern. Den Sprechern ist bewusst, dass solange ihre Sprache ohne vollständige Autonomie ist, sie immer von der Wirtschaft und der Politik anderer Völker abhängig bleiben wird, da sie die Standardsprache für Kontakte, Bildung und Ähnliches benötigen (vgl. M.-C. Hazaël-Massieux 1991: 49). Daraus folgt, dass neben den linguistischen Problemen, die sich häufig bei diesem brisanten Thema auf die Diskussion zur graphischen Darstellung der Sprache reduzieren, auch anthropologische, wirtschaftliche und politische Probleme untersucht und in die Überlegungen zur Verschriftung mit einbezogen werden müssen, wobei hier die Frage nach der Nähe oder Distanz zum Französischen einen zentralen und entscheidenden Aspekt für die Zukunft des Kreolischen und dessen Kultur darstellt.

Der mögliche Vorschlag sich z. B. der phonetischen Transkription als Schriftsystem zu bedienen, veranschaulicht die Notwendigkeit, die oben genannten Faktoren in der Konzeption zu berücksichtigen. Linguisten von außerhalb propagieren z. B. die Vorzüge einer solchen einfachen Schreibung und vernachlässigen hierbei, dass dieses Schriftsystem das Kreolische möglicherweise auf einem „niedrigen“ Status hält (vgl. M.-C. Hazaël-Massieux 1991: 49). Der politische Aspekt findet hierbei keine Beachtung. Es gibt im europäischen Raum jedenfalls keine Kultursprache mit der phonetischen Transkription als Orthographiesystem. Ebenso sollte bedacht werden, wie sich die Leser des verschrifteten Kreolisch definieren. Aktuell lesen und schreiben die Kreolen in der Sprache, in der sie es gelernt haben auf Französisch oder gar nicht. Die Mehrzahl der Sprecher, sofern sie nicht aus einem akademischen Milieu stammen, sind Analphabeten. Gerade in dem Bereich der Literatur wären die einsprachigen Leser jedoch ein gewünschtes Publikum. So bleiben bisher als Leser kreolischer Texte nur Kreolisten und andere Wissenschaftler sowie Interessierte. Folglich besteht der Bedarf an Alphabetisierungsmaßnahmen. Weiterhin muss in diesem Zusammenhang die Schul- und Kulturpolitik geändert und das Interesse an kreolischen Texten geweckt werden (vgl. Stein 2002: 213f.).

Die Frage, wie eine Schreibung des Kreolischen Idealerweise aussehen könnte, ist somit schwer zu beantworten und es ist offensichtlich, dass es sich hierbei nicht um eine einzige und allgemeingültige Lösung handeln kann. Die Bedeutung der Verschriftung, die in der schnellen Alphabetisierung Einsprachiger liegt, würde zu einer anderen Verschriftung führen, als eine für den mit der französischen Orthographie Vertrauten. Der umfassende schriftsprachliche Gebrauch des Kreolischen erfordert wiederum eine andere Graphie. Hier liegt die Gewichtung in der Nähe-Distanz-Diskussion. Aufgrund des Unterschiedes zwischen der Schrift und der gesprochenen Sprache ist es möglich, Entscheidungen für eine Orthographie zu treffen, die den Sprachabstand verstärkt oder verringert, die an das Französische annähert oder sich distanziert. Hier liegt die Entscheidung, wie das Kreolische repräsentiert werden soll: Ob als eine dialektale Form des Französischen oder als eigenständige Sprache.

Nach einem historischen Überblick über die bisherige kreolische Schriftlichkeit, werden die einzelnen Orthographiesysteme und die Vorschläge im Bereich des Wortschatzes vorgestellt. Anhand einzelner Beispiele wird die zentrale Frage diskutiert, welchen Stellenwert die Nähe oder die Distanz des Kreolischen zum Französischen für die Verschriftung hat.

3 Standardisierung und Normierung der kreolischen Schriftsprache im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz zum Französischen

3.1 Historischer Überblick zur Schriftlichkeit des Kreolischen

Häufig wird bei der Frage nach Verschriftung nicht berücksichtigt, dass bereits zahlreiche auf kreolisch geschriebene Texte existieren. Die ersten Texte wurden von Verfassern geschrieben, die von außerhalb kamen und im französischen Schulsystem alphabetisiert wurden. Sie schrieben zum Teil aus Amusement auf Kreolisch, einer Sprache, die nicht ernst genommen wurde. Die Leser sowie Schreiber waren frankophon und von der sprachlichen Überlegenheit des Französischen überzeugt. Das Kreolische wurde hierbei französiert und ohne linguistische Reflexion geschrieben (vgl. Stein 1997: 116).

Relativ schnell, kurz nach seiner Entstehung im 18. Jahrhundert, wurde das Kreolische von Reisenden entdeckt und in Reiseberichten schriftlich fixiert. Die Autoren wollten die sprachlichen Besonderheiten den Lesern in ihrer europäischen Heimat vorstellen. 1802 entstand ein erster Reiseführer über Haiti mit typischen kreolischen Redewendungen. Aber auch die Missionare erkannten schnell die Wichtigkeit des Kreolischen zur Verständigung mit den Sklaven und hielten schriftlich Übersetzungen religiöser Texte sowie Ausschnitte aus der Bibel fest. Erlasse während der französischen Revolution wurden zweisprachig erstellt. S.J. Ducoeurjoly veröffentlichte in der Zeit ein „Premier vocabulaire francais-créole“ für die Neuankommenden auf Haiti. Um 1820 gab es erste unabhängige Veröffentlichungen von Büchern beziehungsweise literarischen Texten. Es waren humoristische Gedichte, Übersetzungen von La Fontaines Fabeln, Erzählungen, Sprichwörtern und Lieder, um nur einige zu nennen. 1885 erschien dann der erste eigenständige Roman „Atipa“ von Parépou in créole guyanais (Stein 2002: 212).

Die seriöse Literatur war rar und hauptsächlich für die frankophone städtische Bevölkerung und die der Kolonien gedacht. Für den einsprachigen Kreolsprecher waren die Werke unbrauchbar.

Fast alle waren Analphabeten. Die Abschaffung der Sklaverei 1848 führte zu einer „Glorifizierung“ des Französischen, das ein Symbol für absolute Gleichberechtigung wurde.[4] Die Kreolen

die Lesen und Schreiben auf französisch gelernt haben, besaßen aufgrund dieser Tatsache die damals übliche überhebliche Einstellung dem Kreolischen gegenüber. Die eigene Hautfarbe und Vergangenheit wurde gering geschätzt und verleugnet.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zu einem Wendepunkt. Es war die Zeit einer kulturellen Emanzipation. Die jungen Kreolen sahen im Kreolischen ihr kulturelles Erbe, dessen Wert sie erkannten und schützen wollten. Sie wollten eine von der französischen unabhängige kreolische Kultur schaffen (vgl. Stein 1999: 276). Sie erkannten die Notwendigkeit, die Kultur schriftlich zu verbreiten und schufen eine kreolische Literatur. Seit 1976 wird durch die Loi Haby die Kreolophonie als regionales Kulturgut gefördert (vgl. Stein 1997: 117). Einige bekannte Autoren sind Ina Césaire, Patrick Chamoiseau, Raphael Confiant und Edouard Glissant. Seit 1984 erscheint die Zeitschrift Antilla-Kréyòl. Das Kreolische wurde aufgewertet und sein mündlicher Gebrauch in verschiedenen Gebieten, wie beispielsweise im Rundfunk oder auf Versammlungen, ausgeweitet. In Haiti findet das Kreolische sogar Verwendung in Gerichten und Parlamentsdebatten. Begleitet wurde der Wunsch nach einer Verbreitung im großen Rahmen von zahlreichen Bemühungen der Standardisierungen.

[...]


[1] Haiti bildet eine Ausnahme und wird hier auch nur am Rande der Diskussion erwähnt.

[2] Die Kreolistik hat häufig in ihren Diskussionen das Kreolische in Beziehung zu den aktuellen europäischen Standardsprachen gesetzt, ohne die dialektale sowie soziale Herkunft der Einwanderer zu berücksichtigen. Die Konsequenzen dieses Versäumnisses sollen hier nicht diskutiert werden.

[3] Diese Äusserung betrifft Martnique, kann aber auf die Situation anderer Antilleninseln übertragen werden. Es stammt aus einem Interview von Jacqueline Leiner mit Aimé Césaire bezüglich der Wiederauflage der Zeitschrift Tropiques. Passagen aus diesem Interview finden sich bei Lambert, Félix Prudent (1989): „Ecrire le créole à la Martinique: norme et conflit sociolinguistique.» In: Ludwig, Ralph: Les créoles francais entre l`oral et l`écrit. Tübingen: Gunter Narr

[4] Jerger, Christian (1996): Die Literarisierung von Subnorm: Kreolisch und Antillenfranzösisch im Werk von Patrick Chamoiseau, Raphael Confiant und Edouard Glissant. Edition Wissenschaft: Reihe Romanistik;9. Marburg: Tectum-Verlag. Für die vorliegende Arbeit stand nur das Manuskript zur Verfügung aus dem auch im Folgenden zitiert wird, hier S. 34.

Details

Seiten
26
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638191197
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13457
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Romanistik
Note
2
Schlagworte
Verschriftung Kreolsprachen Nähe Distanz Französischen Kreolistik

Autor

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Titel: Die Verschriftung französischer Kreolsprachen zwischen Nähe und Distanz zum Französischen