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Text: ein Überblick - Problematik der Definition

Seminararbeit 2002 14 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Index:

I Einleitung

II Text allgemein

III Text in der Textlinguistik

IV Textualität

V Text in der sprachsystematisch ausgerichteten und in der kommunikationsorientierten Textlinguistik

VI Fazit

VII Quellen

I Einleitung

Ich hätte nicht gedacht, dass das von mir zu verarbeitende Thema bei der Textdefinition anfangen und aufhören wird. Im Alltagsverständnis ist Text etwas Schriftliches. Mehr oder weniger. Doch wenn man es wagt darüber nachzudenken, wird es einem bewusst, wie komplex und kompliziert die Geschichte ist. Die Problematik ist noch halbwegs überblickbar, wenn man „Text“ formal betrachtet. Es ist überblickbar und verständlich, wieso es ein Unterschied macht, wenn ich ein sprachloses Comic allein betrachte, diesen als keinen Text ansehe, wenn jedoch dieses in einer Comicreihe ist, es doch als Text gilt.

Es ist möglich einen Text so sehr zu zerpflücken, dass jeder Kleinigkeit viel Bedeutung gegeben wird. Deshalb gibt es auch so eine Methodikvielfalt bei der Textbetrachtung. Doch keine einheitliche Textdefinition. Wie sollte denn das auch möglich sein, wenn nach einigen Textlinguisten jeder Kommunikationsakt schon als Text gilt. Deshalb hat Saussure sicherlich Recht gehabt, als er sich ausschließlich mit der langue befasste. Doch leider genügt dieser Zugang bei einem Text nicht mehr.

Doch welcher Zugang ist richtiger bzw. deckender, umfassender? Angeblich führen alle Wege nach Rom, doch wie komme ich denn überhaupt nach Rom, wenn es nicht einmal fix ist, was Rom eigentlich ist?

Ich versuche in dieser Arbeit darzustellen, wie Text auf verschiedenste Art definiert wird.

II „Text“ allgemein - Definition von Text

Im Alltagsverständnis gehört zum Text die Schriftlichkeit Allerdings ist die alltagssprachliche Verwendung des Wortes „Text“ nicht einheitlich. In Wörterbüchern findet man verschiedene Definitionen, wie z.B. „Wortlaut“, „sprachlicher Teil eines musikalischen Werks“, usw.

In seiner Kernbedeutung ist allerdings Text als „(schriftlich) fixierte sprachliche Einheit, die in der Regel mehr als einen Satz umfaßt“ bestimmbar. Wobei diese Definition von Brinker so zu sehen ist: Er erkennt Ein- Satz- Äußerungen wie Das Betreten der Baustelle ist verboten „unter ganz bestimmten situativen Bedingungen als Texte im kommunikativen Sinne“ an, vernachlässigt sie jedoch im folgenden: Die Textlinguistik ist seiner Meinung nach „in erster Linie an Texten interessiert, die sowohl im grammatischer als auch in thematischer Hinsicht einen größeren Komplexitätsgrad aufweisen“[1].

Diese Definition hält jedoch einer genaueren wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand:

Denn es muss bedacht werden:

1) Die Begrenzung auf schriftliche Fixierung lässt sich nicht halten – die Gründe präsentiere ich später-
2) Text als „fixierte sprachliche Einheit“ bedeutet eine ziemlich einseitige Festlegung auf einen Aspekt von Texten, nämlich Text als Ergebnis einer sprachlichen Kommunikationshandlung; doch dabei wurde die Rolle des Kommunikationsvorgangs selbst, die „Textkonstruktion“, der mindestens eine genauso wichtige Rolle zusteht, vernachlässigt
3) Die Einschränkung „die in der Regel mehr als ein Satz umfaßt“ scheint auch fraglich; obwohl sie bei mehreren Textlinguisten vorkommt (Harweg, Ehlich, Brinker). Doch Sachen wie Sprichwörter, und andere Ein- Satz- Äußerungen werden eben nicht erfasst.

Der etymologische Zugang zum Begriff „Text“ gibt nicht unbedingt mehr Aufschluss:

Lat. Wort textus ist vom Verb texere abgeleitet und bedeutet Gewebe. Gewebe im Sinne von Verkettung sprachlicher Einheiten zu einem Werk.

Ehlich weist darauf hin, dass diese Text in dieser metaphorischen Verwendung, nicht Text im heutigem Sinne meint, sondern seine Webart bzw. sein Stil. Später kommt dazu, dass Text der Wortlaut des Evangeliums ist. In diesem Sinne wurde Text auch auf weltliche Literaturwerke übertragen; somit erklärt sich das Merkmal der Schriftlichkeit, das im alltäglichem Verständnis von Text eine so große Rolle spielt.

III „Text“ in der Textlinguistik

In der textwissenschaftlichen Literatur wird allgemein davon ausgegangen, dass ein Text mündlich oder schriftlich sein kann, wobei der Kommunikationsvorgang mitberücksichtigt wird. So sagt Wawrzynak:

Kommunikation erfolgt durch Texte, die zwischen den Kontaktpartnern (Sprecher und Versteher, Schreiber und Leser) ausgetauscht werden. Unter Texten verstehen wir sowohl schriftliche als auch mündliche Äußerungen, die unterschiedlicher Länge sein können: von einem Ein- Wort- Text bis zum Gesamttext eines mehrbändigen Romans[2]

[...]


[1] Vater, Heinz: „Einführung in die Textlinguistik“, 2.Auflage, Wilhelm Fink Verlag, München, 1994, Seite 15

[2] Vater, Heinz: „Einführung in die Textlinguistik“, 2.Auflage, Wilhelm Fink Verlag, München, 1994, Seite 16

Details

Seiten
14
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783640407149
ISBN (Buch)
9783640466009
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134623
Institution / Hochschule
Universität Wien – Romanistik
Note
3
Schlagworte
text textualität definition linguistik

Autor

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Titel: Text: ein Überblick - Problematik der Definition