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Die Allmende-Klemme als komplexes Problem oder 'Kann James den blauen Planeten retten?'

Hausarbeit 2003 43 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Rahmen und Definition von Allmende-Klemme
2.1 Spieltheorie und Gefangenendilemma
2.2 Allmende-Klemme

3 Die globale Trinkwasserversorgung als Beispiel für eine Allmende-Klemme

4 Komplexe Situationen
4.1 Definition
4.2 Kognitive Denkfehler
4.3 Motivationale Denkfehler

5 Die Handlungsregulations-Theorie (PSI-Theorie) von Dörner
5.1 Einordnung der Theorie
5.2 Was sind Bedürfnisse?
5.3 Erzeugung eines Motivs
5.4 Auswahl eines Motivs
5.5 Bedürfnisbefriedigung

6 Computersimulation einer komplexen Theorie am Beispiel der PSI-Theorie
6.1 Menschliche Psyche PC-Simulation – ein Widerspruch?
6.2 Das „Autonomie“-Projekt: Hintergrund zur Entstehung und Anwendungsmöglichkeit der Simulation
6.3 EmoRegul oder „Wer ist James?“
6.3.1 Umwelt und Umweltwahrnehmung
6.3.2 Modulation psychischer Prozesse im Programm EmoRegul
6.3.3 Ergebnisse
6.4 Beschreibung des „Insel“-Szenarios aus dem Autonomie-Projekt
6.4.1 Instruktion für die realen Versuchspersonen
6.4.2 „Insel“-Szenario
6.4.3 Ergebnisse
6.4.5 Ausblick (Sozionik-Projekt)

7 Diskussion der gewonnenen Ergebnisse

8 Resümee

Literaturverzeichnis, Anhang

1 Einleitung

„Die Katastrophe hat mich in meinen Grundfesten erschüttert“ titelte die Berliner Morgenpost am 7. September 2002 einen Artikel zur Elbeflut im letzten Jahr. Die persönliche Betroffenheit in der Aussage eines freiwilligen Helfers, zu den Folgen der Überflutung, ist nicht zu überhören.

Dass Naturkatastrophen ständig zunehmen ist in Versicherungskreisen längst ein Thema. Die Branche rechnet für das nächste Jahrzehnt mit einer Schadenshöhe von 25-50 Milliarden Dollar, die durch Naturkatastrophen verursacht werden soll (Linneweber, 2001). Unsere Umwelt, so scheint es, gerät allmählich aus dem Gleichgewicht.

Um die Zusammenhänge zwischen menschlichem Verhalten und den möglichen Folgen für die Umwelt aufzuzeigen, bietet sich das Modell der Allmende-Klemme an. In Kapitel 2 werden zuerst allgemeine Überlegungen zum Verständnis angestellt. Daran anschließend folgen Merkmale, die typisch für Allmende-Klemmen sind.

Am Beispiel der Trinkwasserversorgung auf unserem „blauen Planeten“ wird eine reale Allmende-Klemme näher ausgeführt. Um die später folgenden theoretischen Sachverhalte anschaulicher zu machen, wird auf dieses Beispiel im weiteren Text immer wieder zurückgegriffen.

Ökologische Systeme sind meist sehr komplex aufgebaut. Was allgemein unter Komplexität verstanden wird und welche Probleme sich beim Verständnis solcher Systeme ergeben können, ist Thema des vierten Kapitels.

Danach wird eine komplexe Theorie zur menschlichen Handlungsregulation ausführlich vorgestellt. Da die Theorie sehr umfassend ist, reichen einfache schematische Darstellungen nicht mehr aus, deshalb wurde versucht, die Vorgaben durch eine PC-Simulation umzusetzen. Welche Überlegungen hier maßgeblich waren erläutert Kapitel 6.

Es folgt die kritische Diskussion der gewonnenen Erkenntnisse. Ein kurzes persönliches Resümee schließt die Arbeit ab.

2 Theoretischer Rahmen und Definition von Allmende-Klemme

In diesem Abschnitt soll der Unterschied zwischen Null-Summen- und Nicht-Nullsummen-Spielen erläutert werden. Diese Unterscheidung ist notwendig, um die Problematik der nachfolgend erklärten Allmende-Klemme besser zu verstehen. Im Anhang 1 sind Überlegungen zur Wahrscheinlichkeitsrechnung ausgeführt, die als Grundlage für die Spieltheorie verwendet wird.

2.1 Spieltheorie und Gefangenendilemma

Die Spieltheorie beschäftigt sich mit den Wahrscheinlichkeiten vom Eintreten bestimmter Ereignisse, die sich beim Spiel gegen einen oder mehrere Gegner ergeben können. Sie sucht mit Hilfe mathematischer Algorithmen nach optimalen Strategien für die Parteien.

Ein bekanntes Beispiel für ein Zwei-Personen-Nullsummenspiel ist das Papier-Stein-Schere Spiel. Es stehen jedem Spieler gleich viele Handlungsalternativen offen. Die Entscheidung für eine Alternative wird jeweils gleichzeitig von den Spielern getroffen, d. h. ohne die Überlegungen des anderen vorher zu kennen. Der Verlust des einen Spielers ist gleichzeitig der Gewinn des anderen Spielers, deshalb nennt man diese Spielform auch Nullsummenspiel (Metzler, 2003).

Etwas anders ist die Lage im oft zitierten Gefangenendilemma, das im Anhang 2 näher beschrieben wird. Der Philosoph Rainer Hegselmann stellt fest: „Das Gefangenendilemma ist deshalb so berühmt geworden, weil es eine Situationsstruktur beschreibt, bei der, wenn jeder rational seine Interessen verfolgt, insgesamt ein Resultat herauskommt, das für alle eine Katastrophe darstellt“ (Rötzer, 1998, S. 2). Es handelt sich deshalb um ein sogenanntes Nicht-Null-Summen-spiel, weil man nicht nur gewinnen kann, indem der andere verliert.

Mit Nicht-Null-Summenspielen werden soziale Konfliktsituationen modellhaft nachgestellt. Sie sollen Erkenntnisse über das Entscheidungs- und Kooperationsverhalten des Menschen gewinnen (Spada & Opwis, 1985). Das Gefangenendilemma findet in einigen wissenschaftlichen Disziplinen Anwendung, z. B. in der Ökonomie, Politikwissenschaft oder der Psychologie (Rötzer, 1998).

Durch die Erkenntnisse des Gefangenendilemmas ist klar geworden, dass rein individualistisch rationales Verhalten keine optimale Lösung eines sozialen Dilemmas darstellen kann. Dabei wird unter rational im spieltheoretischen Sinne verstanden, dass der Spieler egoistisch, also nur auf den eigenen Vorteil bedacht, handelt. Er versucht seinen persönlichen Nutzen zu maximieren. Ändert man die Situation des Gefangenendilemmas jedoch dahingehend ab, dass sich das Spiel wiederholt, dann „kann sich auch unter rational nutzen-maximierenden Spielern ergeben, daß sie durchgängig kooperieren“ (Rötzer, 1998., S. 3). Grandner (1996) stellt fest, dass selbst die einfache Versuchsanordnung des Gefangenendilemmas bei mehreren Spielwiederholungen eine Komplexität bekommt, die konkrete Vorhersagen im Sinne der Spieltheorie außergewöhnlich schwierig machen.

Ein Testspiel zur Gefangenendilemma-Problematik der Universität München steht im Internet zur Verfügung (http://www.cip.physik.uni-muenchen.de/~milq/

spiele/10prisoner.html).

Man nennt Modelle, die von Eigeninteresse als alleinigem Motiv für menschliches Handeln ausgehen, „Rational-choice-Modelle“. „Bezogen auf Umweltschutzhandeln bedeutet dies, dass Handeln vor allem dann ausgeführt wird, wenn es dem eigenen Nutzen dient. Dem stehen jedoch die Aussagen der Allmende-Klemme, bzw. des sozio-ökologischen Dilemmas entgegen“ (Kals, 2000, S. 2). Ein solches rational orientiertes Modell aus der Umweltökonomie ist im Anhang 3 dargestellt. Was unter Allmende-Klemme zu verstehen ist, wird im nächsten Abschnitt geklärt.

2.2 Allmende-Klemme

Allmende bedeutet, dass ein bestimmtes Gut gemeinsam von mehreren Personen oder Gruppen genutzt wird. Man spricht in diesem Fall auch vom öffentlichen Gut oder Kollektivgut, im Gegensatz zum individuellen Gut, das nur von jeweils einem Konsumenten verbraucht werden kann und damit der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung steht. Es lassen sich „internationale, nationale, lokale bzw. regionale und gruppenspezifische Kollektivgüter unterscheiden“ (Arnold, 2001, S. 1). Beispiele für Kollektivgüter sind das Verkehrswegenetz, die Armee zur Landesverteidigung, genauso wie die reine Luft zum Atmen.

Merkmale, die öffentlicher Güter charakterisieren (Herstatt, 2000):

- Nichtrivalität beim Konsum, d. h. das Gut kann von einem weiteren Nutzer in Anspruch genommen werden, ohne die Nutzung der anderen Konsumenten zu beeinträchtigen.
- Nicht-Ausschließbarkeit, d. h. es ist kaum möglich, die Nutzung für bestimmte Personen oder Gruppen zu verbieten.

Exkurs: Dass der Begriff der Allmende auf die Reduzierung als freizugängliches Allgemeingut für den ökologischen Ansatz zu eng gefasst ist, zeigt die folgende Ausführung:

„Die Tragödie der Allmende“ ist der Titel eines Aufsatzes des Biologen Hardin aus dem Jahre 1968 (zitiert nach Wilhelm, 1999, S. 8). Hardin geht darin auf die Konsequenzen der Bevölkerungsexplosion ein. Unter dem Ausdruck „Tragödie“ versteht er dabei, „dass die Allmende-Klemme ohne gemeinsame Nutzungsregelung zur Beschränkung der Ressourcennutzung, unweigerlich zugrunde gehen würde“ (ebd., S. 8). Kritisch anzumerken ist, dass Hardin bei seinem klassischen Beispiel des Herdenbesitzer-Spiels davon ausgeht, dass die Weide frei zugänglich ist. Dies scheint aber für reale Allmende-Klemmen nicht immer gegeben, so ist z. B. der Zugang zu den Meerressourcen in der japanischen Küstenfischerei streng geregelt. Die neuere Theorie der Allmende kritisiert außerdem, dass sein Modell zu westlich-ethnozen-trisch sei (Wilhelm, 1999).

Soziale Dilemmasituationen entstehen, wenn durch längerfristige ständige Übernutzung des gemeinsamen Gutes der Bestand dieser Ressource gefährdet wird. Kurzfristig gesehen entstehen aktuelle Vorteile aus der intensiven Nutzung, aber langfristig überwiegen die negativen Folgen. Es kommt zum Interessenkonflikt zwischen sofortigem Gewinn und Schäden, die erst zeitlich verzögert auftreten.

Handelt es sich bei dem gemeinsam genutzten Gut um eine Umweltressource, so spricht man vom ökologisch-sozialen Dilemma oder einer Allmende-Klemme. Alternativ werden auch die Bezeichnungen Commons Dilemma oder Ressourcendilemma gebraucht (Ernst et al., 2000).

Bezogen auf das Beispiel aus der Einleitung bedeutet dies, dass z. B. der jahrzehntelange hohe CO2-Ausstoß sich langfristig in Klimaveränderungen auswirkt. Die Folgen sind u. a. schwere Unwetter und Überflutungen. Greenpeace (2003, S.1) zieht deshalb die Schlussfolgerung: „Es wird weitaus billiger, in den nächsten Jahrzehnten in Klimaschutz und erneuerbare Energien zu investieren, als im Nachhinein die Schäden von Orkanen und Sintfluten zu beseitigen.“ Diese Meinung bekommt Unterstützung von Seiten der Versicherungsgesellschaften. Um sich vor den zunehmenden Kosten durch Naturkatastrophen zu schützen, sind neben verschiedenen Strategien, z. B. Ausschluss bestimmter exponierter Gebiete vom Versicherungsschutz, auch der Einsatz für mehr Umweltschutzmaßnahmen, wie die Förderung von Klimaschutzprojekten, vorgesehen (Linneweber, 2001).

Typische Allmende-Klemmen werden durch folgende Merkmale charakterisiert (Spada & Opwis , 1985):

- Der Gemeinnutzen nimmt ab, wenn das Gemeingut zunehmender individueller Übernutzung ausgesetzt ist.
- Anfänglich wird die individuelle Übernutzung durch höhere Gewinne belohnt, egal wie sich die anderen Nutzer verhalten.
- Wenn alle Nutzer langfristig die Ressource übernutzen, kommt es zum Zusammenbruch des Systems, d. h., dass die anfänglich höheren Gewinne abnehmen und schließlich ganz ausbleiben.

Ernst et al. (2000) definieren noch zusätzliche Charakteristika:

- Jede Person kann wählen zwischen verschiedenen Handlungsalternativen.
- Die Gesetzmäßigkeiten für Wachstum und die Regenerierungsfähigkeit der Ressource sind meist unbekannt.

Spieltheoretische Überlegungen, wie das Gefangenendilemma, sind mittlerweile zunehmend in den Hintergrund getreten und werden durch einen experimentellen Zugang zum Phänomen der Allmende-Klemme ersetzt (Ernst et al., 2000). Ein typisches Beispiel für die experimentelle Simulation einer Allmende-Klemmen-Situation stellt das „Fischereikonflikt“-Spiel dar, das ausführlich bei Ernst (1997, S. 30-33) nachzulesen ist. Im Rahmen der sozialpsychologischen Forschung findet alle zwei Jahre eine International Conference on Sozial Dilemmas statt, bei der auch regelmäßig ökologisch-soziale Dilemmata erörtert und diskutiert werden (Ernst et al., 2000).

Allmende-Klemmen sind komplizierte Sachverhalte, die eigene Strategien zur Lösungsfindung erfordern. Durch die Vielschichtigkeit und Undurchsichtigkeit der Problemstruktur können sie auch als komplexe Situationen aufgefasst werden. Am Beispiel der Trinkwasserversorgung wird im nächsten Gliederungspunkt eine konkrete Allmende-Klemmen-Situation beschrieben.

3 Die globale Trinkwasserversorgung als Beispiel für eine Allmende-Klemme

In den letzten Jahrzehnten war das „schwarze Gold“, wie Erdöl auch genannt wird, ein Rohstoff, der immer wieder für Zündstoff in der Welt gesorgt hat. Eine natürliche Ressource, die in diesem Jahrhundert noch weit größere Bedeutung für die Erdbevölkerung bekommen könnte, ist das Trinkwasser.

71 % der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt, aber nur ca. 3 % davon sind Trinkwasser. Die Vorräte an Wasser sind ungleich auf der Welt verteilt. Der tägliche pro Kopf-Wasserverbrauch schwankt global zwischen 3100 Litern in Südkalifornien und 30 Litern in der Sahelzone. In Deutschland beträgt er ca. 130 Liter (Deutscher Bundestag, 2002). Das „blaue Gold“ ist in vielen Ländern der Welt knapp. Die sich daraus ergebenden Probleme sind vielfältig:

- 80 % aller Krankheiten in den Entwicklungsländern werden auf verunreinigtes Wasser zurückgeführt.
- 1,2 Milliarden Menschen haben momentan keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
- Durchschnittlich stirbt alle 12 Sekunden ein Mensch an wasserbedingten Krankheiten.

Die „Deutschen Stiftung Weltbevölkerung“ schätzt, dass im Jahr 2050 jeder vierte Erdbewohner in einem Land leben wird, in dem Wasser Mangelware ist. Konflikte bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen um die lebenswichtige Ressource sind damit vorprogrammiert (SDW, 2003).

Im Verlauf des letzten Jahrhunderts hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht. Dabei stieg der Wasserverbrauch auf das Siebenfache an und die bewässerten Anbauflächen dehnten sich auf das Sechsfache aus. Obwohl sich Wasser durch den Wasserkreislauf ständig erneuert, ist es zunehmend wertvoller geworden. Nach den Prognosen der Fachleute wird bis zum Jahre 2100 das gesamte Oberflächenwasser verbraucht sein. Im Jahr 2230 soll dann auch das zugängliche Wasser aus unterirdischen Quellen aufgebraucht sein (Bouguerra, 1997).

Umweltverschmutzung und Erderwärmung sind weitere Faktoren, die die verfügbare Trinkwassermenge zusätzlich reduzieren. Man schätzt, dass ein Liter Abwasser acht Liter Süßwasser verunreinigt. Durch den Schadstoffausstoß der Industrie wird das an sich saubere Regenwasser verunreinigt und geht als sauer Regen nieder. Welche Auswirkungen die Klimaveränderungen auf die Trinkwasservorräte haben, ist noch unklar. Neuere Schätzungen gehen aber davon aus, dass die Klimaerwärmung für eine weitere Verknappung der Süßwasservorräte in der nächsten Zeit um ca. 20 % verantwortlich gemacht werden kann. Mit anspruchsvollerem Lebensstil, den z. B. die Entwicklungs- und Schwellenländer anstreben, steigt zudem der individuelle Wasserverbrauch weiter an (Unesco, 2001).

Um eine sinnvolle Nutzung der Wasservorräte zu ermitteln, fordern die Vereinten Nationen Indikatoren für die Wassernutzung zu erheben. Diese Indikatoren könnten Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit helfen, „die komplexen Phänomene des Wassersektors“ (ebd., S. 7) besser zu verstehen. Solche Indikatoren sollen systematisch ermittelt und methodisch überprüft werden. Hierbei ergeben sich aber bereits erste Probleme, wenn es darum geht eine Empfehlung für optimale Entnahmewerte von Trinkwasser vorzugeben. Der Bericht begründet dies so: „Die große Unsicherheit bei den aktuellen Schätzwerten für die globale Wasserentnahme erschwert gute Abschätzungen der relativen Wassernutzung“ (ebd., S. 8). Neben geologischen Fragen müssen weitere Indikatoren erfasst werden, wie z. B. der Stand der Technologie in den verschiedenen Ländern oder die Unterschiede beim Umweltschutz.

Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen seit 1992 den 22. März zum „Internationalen Tag des Wassers“ erklärt. Damit sollte darauf hingewiesen werden, dass der Zugang zu sauberem, gesundem und ausreichendem Trinkwasser eine Grundvoraussetzung für das Überleben, den Wohlstand und die sozio-ökonomische Entwicklung der ganzen Menschheit ist. Um die Bedeutung der natürlichen Ressource für den Menschen noch einmal zu unterstreichen, haben die Vereinten Nationen das Jahr 2003 zum „Jahr des Süßwassers“ erklärt (ebd.).

Die Enquete-Kommision des Deutschen Bundestages „Globalisierung und Weltwirtschaft - Herausforderungen und Antworten“ schlägt vor, eine Art Weltumweltorganisation einzurichten, die international koordinierend tätig sein sollte, um die Grundversorgung mit sauberem Wasser weltweit sicherzustellen. Sie stellt in ihrem Bericht fest: „Wasser ist ein unersetzbares Lebensmittel und deshalb ein elementares öffentliches Gut. Das Recht auf Wasser ist ein individuelles Grundrecht“ (2002, S. 62).

Zusammenfassend kann man sagen, dass Trinkwasser eine natürliche Ressource ist, die das Merkmal eines Gemeingutes aufweist. Der sorglose und verschwenderische Umgang mit Trinkwasser in den Industrieländern geht auf Kosten der gesamten zukünftigen Weltbevölkerung. Der Umgang mit der Ressource Trinkwasser kann deshalb als ökologisch-soziales Dilemma oder als Allmende-Klemme aufgefasst werden. Die Industrieländer müssten ihren aktuellen Trinkwasserverbrauch senken und eine weitere Verschmutzung der Gewässer vermeiden, um langfristig eine Übernutzung der Ressource zu vermeiden. Durch die vielen Faktoren, die zusätzlich beachtet werden müssen, wie z. B. die verschiedenen Interessenslagen der Nutzer oder die Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Wasserversorgung, ergibt sich eine komplexe Problemstruktur des Dilemmas.

„Menschen müssen mit ... Eigenschaften komplexer Systeme erst vertraut gemacht werden“ (Glende, 1998, S. 16). Dies ist die Voraussetzung, um überhaupt mögliche Vernetzungen wahrnehmen zu können, deshalb sollen im folgenden Gliederungspunkt zuerst die allgemeinen Merkmale solcher vielschichtigen Problemsituationen näher aufgezeigt werden. Der Umgang mit Komplexität ist für den menschlichen Denkprozess schwer zu erfassen, Ursachen für mögliche Fehlerquellen werden ebenfalls diskutiert. Dabei wird auch versucht, die Brücke von allgemeinen Überlegungen zum komplexen Problemlösen hin zu konkreten ökologischen Beispielen zu schlagen.

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Details

Seiten
43
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638191470
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13497
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Lehrgebiet für ökologische Psychologie
Note
1,3
Schlagworte
Allmende-Klemme Problem Kann James Planeten

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